Wer in diesen Tagen versucht, mit einem neuen MOBA-Game auf dem umkämpften Markt aufzuschlagen, muss schon echt mutig sein oder unglaublich überzeugt von seinem Konzept. Bei den Machern von Dropzone scheint beides der Fall zu sein. Sie haben ihr langjähriges Projekt nun beinahe vollendet und mit Gameforge auch schon einen Publisher gefunden, der sich auf das Wagnis einlässt. Zeit für uns, einen ersten Blick darauf zu werfen.

Wie kommt eigentlich ein Team von Entwicklern darauf, heute noch Zeit und Budget in ein Spiel der Gattung Multiplayer Online Battle Arena zu investieren? Klar, zwei Titel generieren schwindelerregend hohe Gewinne, eine halbes Dutzend weitere locken immerhin genügend Spieler an, um die Teams dahinter halbwegs über Wasser zu halten. Aber der Rest...

Zum Scheitern verurteilt

Der Rest ist zum Teil mit Pauken und Trompeten untergegangen. Da spielte es auch keine Rolle, ob nun ein großer Publisher dahinter steckte wie bei EAs Dawngate oder eine gewinnträchtige DC-Lizenz aufgefahren wurde wie bei Turbines Infinite Crisis. Ein MOBA-Game, das hatten wir schon an anderer Stelle mehrfach ausgeführt, entwickelt man nicht mal eben so – zumindest nicht auf dem qualitativen Level, auf dem Valve und Riot mit ihrer Dekade an Erfahrung da spielen.

Doch genau diese Erfahrung ist es, die viele Teams antreibt, es eben doch mit einem MOBA-Game zu versuchen. So wie bei den Leuten von Sparkypants, die zum Großteil auf eine gemeinsame Vergangenheit im Hause Big Huge Games zurückblicken, wo sie unter anderem an dem ziemlich netten Echtzeitstrategietitel Rise of Nations gearbeitet hatten.

Nächstes MOBA oder nächste Generation?

Und rein theoretisch ist der Gedankengang sicherlich nicht ganz falsch. Wer ein Echtzeitstrategiespiel stemmen kann, wird zumindest technisch kaum Probleme haben, eine kleine Arena aufzusetzen, in der ein paar Spieler gegeneinander anrennen – zudem das alles ohne Basisaufbau, großes Truppen- und NPC-Aufgebot auskommt. Modder haben das dereinst hinbekommen und dieses Genre damit überhaupt erst erschaffen.

Dropzone - Aller guten Dinge sind drei

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 1/31/3
Warcraft 3 trifft Heroes of the Storm. Ob die Mischung auch langfristig funktioniert, wird sich noch ausweisen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Und so hat man bei Sparkypants in Baltimore im Laufe der letzten Jahre seine ganze Energie in ein solches Spiel gesteckt. Dropzone heißt es und ist ein MOBA-Game durch und durch. Auch wenn es auf der offiziellen Seite als ein Echtzeitstrategie der nächsten Generation bezeichnet wird, ist der strategische Anteil auch nicht höher als bei den bekannten Titeln. Im Gegenteil.

Zwei Mann geh’n rein, ein Mann geht raus.

Paradedisziplin von Dropzone ist das Duell zwischen zwei Spielern. Zwar gibt es auch einen Modus für vier Spieler, jedoch ist der aktuell noch nicht ausbalanciert. Das liegt in erster Linie daran, dass ein Spieler in Dropzone nicht nur einen Helden zu kontrollieren hat, sondern derer drei, die auch entwicklerseitig ideal aufeinander abgestimmt sein wollen.

Ein wenig erinnert Dropzone also an Warcraft 3, nur ohne den für Echtzeitstrategiespiele typischen Basis- und Einheitenbau. Was es hingegen gibt, sind neutrale Camps mit Kreaturen, die Objekte fallen lassen, die es an anderer Stelle abzuliefern gilt – ganz ähnlich, wie man das in Blizzards Heroes of the Storm findet, wobei in Dropzone jeder Held nur ein Objekt tragen kann, das er auch wieder verliert, wenn er stirbt.

Mutiger E-Sport-Anwärter für Fingerakrobaten.Ausblick lesen

Schere, Stein, Papier

Entsprechend wichtig ist die richtige Taktik beim Sammeln und Abtransportieren der Objekte, zudem der Gegner nichts unversucht lassen wird, die eigenen Helden mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln an ihrem Tun zu hindern. Dass er sich dafür eine besonders gewitzte Kombination aus Helden ersonnen hat, versteht sich wohl von selbst.

Diese werden aktuell nach drei groben Klassen sortiert: Während der Mechaniker als Supporter Reparaturen ausführt und sein Team bufft, teilt der Jäger ordentlich Schaden aus und kann angesichts seiner erhöhten Laufgeschwindigkeit zu den langsameren Helden des Gegners aufschließen. Dazu gehört zum Beispiel der Tank als dritte Klasse im Spiel, die zwar über ordentlich Rüstung verfügt und Flächenschaden austeilt, jedoch wenig ausrichten kann, wenn sie einen Jäger am Hintern hat.

Und täglich grüßen die Gladiatoren

Weitere Klassen sind in Planung, ebenso neue Piloten. So nennen sich die Helden in Dropzone, die als ebensolche Piloten die Steuerung von Mechs übernehmen und ganz individuelle Skills mitbringen. Kombinieren kann man sie im Spiel nach Belieben. Theoretisch ist es also auch möglich, drei Jäger auf den Gegner zu hetzen. Ob es sinnvoll wäre, ist dann wieder eine andere Sache und wird sich wohl erst nach ausgiebigen Tests sagen lassen.

Dropzone - Aller guten Dinge sind drei

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 1/31/3
Drei Piloten, kurze Wege, schnelle Action. Auch die Dauer eines Matches ist in Dropzone festgelegt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Tests, die bei Sparkypants seit einer ganzen Weile schon jeden Tag um 11 Uhr morgens im Büro laufen und die ordentlich für Stimmung sorgen sollen. Dafür werden zwei Mitarbeiter des Studios bestimmt, die in der Arena gegeneinander antreten müssen, während ein dritter die Auseinandersetzung castet. Das Casten von Matches soll durch zahlreiche Kommentatorenfunktionen von Anfang an ein wesentlicher Bestandteil des Spiels sein.

Streamer als Turnierveranstalter

Wohin die Reise dabei geht, ist klar: Dropzone soll im E-Sport ankommen. Dafür setzt man einerseits auf die Electronic Sports League (ESL) als professionellen Partner, gleichermaßen jedoch auch auf unzählige kleinere Turniere, die jeder, der sich berufen fühlt, selbst veranstalten kann. Die nötigen technischen Voraussetzungen will Sparkypants gleich mit dem Spiel mitliefern.

Das soll kostenlos verfügbar sein, wie es im Genre längst üblich ist. Finanzieren soll sich die Entwicklung über den Verkauf von neuen Piloten und Equipment, bestehend aus Hardware-Upgrades für aktive Fähigkeiten und Software-Upgrades für passive. All das soll sich aber auch komplett erspielen lassen – geplant ist dafür ein eigenes Crafting-System. Kosmetisches, da orientiert sich der Publisher lieber an Riot als an Valve, soll ausschließlich gegen Echtgeld zu erwerben sein.