Manchmal öffnet man längst vergessene Garagentore und zum Vorschein kommen alte, verstaubte Boliden, die noch einmal auf eine Generalüberholung mit viel Politur warten. Liebevoll aufgemotzt sind sie dann der Star einer jeden Oldtimer-Show.

So ähnlich verhält es sich auch mit der Driver-Lizenz. Eigentlich wähnten die Spielekenner sie bereits nach dem unglücklichen Driver 3 auf dem Schrottplatz, aber Verwerter und Studio-Neueigner Ubisoft wagt noch in diesem Jahr einen Versuch, aus dem alten Vehikel ein kleines Glanzstück zu basteln.

Schließlich begann die Serie einst als kleine Sensation: Erstmalig konnten Städte frei befahren werden, Routen wurden vom Spieler selbst ausgewählt – und stilvoll waren die Seventies-Karren mit ihren coolen Fahrern sowieso. Nach dem dritten Teil war die Euphorie jedoch ziemlich verhalten. Zu viel wurde in Driv3r falsch gemacht, um es selbst von Hardcore-Fans schönreden zu lassen. Der Versuch, aus Driver einen GTA-Klon zu machen, war gescheitert. Es folgten zwar noch ein paar Spin-offs, aber die Hauptlinie der Handlung lag bis dahin zunächst einmal brach. Eine Wiederbelebung der Lizenz war auch kein Garant mehr für den Erfolg, den die ersten drei Teile einfahren konnten.

Driver: San Francisco - In der Karre meines Feindes

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Das nächste Driver verspricht wieder packende Verfolgungsjagden. Ohne Aussteigen, ohne Ballereien und so.
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Zurück ans Lenkrad

Nun besinnt sich das Studio Reflections auf die ersten drei Teile, in denen sich der knallharte Undercover-Cop Tanner mit dem Schwerverbrecher Charles Jericho anlegt. Den Handlungsfaden bis dahin weiterzustricken wäre auch ein etwas heikles Unterfangen gewesen. Am Ende von Teil 3 ballert Jericho Tanner über den Haufen. Alles sah danach aus, als wollten die Entwickler das Spiel als Trilogie beenden, bis mit den Namenszusätzen „Vegas“ und „Parallel Lines“ weitere Ableger zur Serie hinzukamen. Tanner und Jericho wurden jedoch nicht wieder aus ihrem Koma geholt - bis zum heutigen Tag zumindest nicht.

In London konnte ich schon mal ein paar Testrunden drehen, mich in die Handlung einführen lassen und gewann dabei einen Überblick, was sich Neues für die Gemeinde auftun wird, wenn Ubisoft der Titel im September veröffentlicht. Sechs Monate nach Driv3r kann Tanner aus dem Krankenhaus entlassen werden, während Jericho im Knast seine Verurteilung abbrummen soll. Scheinbar hat der Cop-Killer aber jede Menge guter Freunde, denn im Introfilm steckt ihm ein Bulle eine Säurekapsel für den Handschellen-Aufbruch zu, eine Auftragsmörderin bringt einen Hubschrauber in ihre Gewalt und schon ist der Gefängnistransporter geknackt, der Jericho in den Hochsicherheitstrakt des Knasts von San Francisco bringen soll.

Packshot zu Driver: San FranciscoDriver: San FranciscoErschienen für PC, PS3, Wii und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Geist und Bleifuß

Tanner bezieht bis dahin wieder mit seinem alten Partner Jones Stellung als Polizist. Die Nachricht von Jerichos Flucht lässt aber seinen Fuß sofort bis zum Anschlag auf das Gaspedal stapfen. Nach einer wilden Verfolgungsjagd durch die kalifornische Metropole muss er aber einsehen, dass ein gepanzerter Gefangenentransporter mächtiger ist als ein Dodge Musclecar – erst recht, wenn er einem mit Schmackes in die Seite brettert. Nach einer kleinen Ohnmacht stellen Tanner und Anhang fest, dass Jericho verschwunden ist – und unser Undercover-Held benimmt sich zu allem Überfluss auch noch merkwürdig. Sollte es auf übernatürliche Phänomene hindeuten, dass er plötzlich Stimmen hört und mit Gedankenkraft das Lenkrad anderer Fahrzeuge übernehmen kann?

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Die Zwischensequenzen können sich auf jeden Fall sehen lassen.
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Des Rätsels Lösung liegt in der Realität. Dort ist Tanner nämlich keinesfalls genesen, sondern fristet seit einem halben Jahr sein Dasein als Komapatient. Impulse von außen dringen in Form der TV-Berichterstattung über Jerichos Flucht in sein Bewusstsein. Dennoch scheint sein Geist immer noch rege genug zu sein, um Gas, Kupplung und Bremse bedienen zu können – und das sogar in fremder Leute Köpfen.

Das grundlegende neue Element in der Serie ist nämlich das sogenannte „Shifting“: Tanners Geist verlässt seinen Körper und schwebt in Vogelperspektive über den Straßen San Franciscos. Gefällt ihm ein Vehikel, nimmt er mit einem Knopfdruck auf dem Fahrersitz Platz und übernimmt den Körper des Fahrers.

Trotz leicht angerosteten Grafikmotors ist wieder ein echtes Driver auf dem Weg. Willkommen zurück im Rennstall.Ausblick lesen

Missionen im eigenen Mix

Bei besonders gekennzeichneten Boliden winken auch Extramissionen. Als Krankenwagenfahrer muss er Patienten ins Spital bringen, bevor ihr Zustand allzu kritisch wird, als potenzieller Käufer eines Sportwagens testet er dessen Action-Eigenschaften durch eine rasante Fahrweise, als Taxifahrer kutschiert er seine Gäste innerhalb eines knapp bemessenen Zeitlimits durch die Gegend oder er vollführt waghalsige Stunts vor laufender Kamera. Still herumliegen ist selbst im bewusstlosen Zustand nichts für unseren Helden. Für jede erfolgreich absolvierte Mission gibt es Willenskraftpunkte, von denen neue Fahrzeuge, Extras oder Garagen gekauft werden können.

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Jede Menge verbeultes Blech ist obendrein garantiert.
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Neu sind auch die fahrbaren Untersätze, derer sich Tanner immer wieder bemächtigt: 140 verschiedene Lizenzwagen fahren durch San Francisco. Sie haben eine kleine Fahrphysik und ein detailliertes Schadensmodell. Natürlich ist auch der Dodge Challenger mit dabei, den Tanner im Trailer unterm Hintern hat. In mehreren Perspektiven können die Spieler die Verfolgung auf böse Straßenjungs aufnehmen oder Verfolgern die Autoabgase inhalieren lassen. An der Steuerradansicht könnten sogar Simulationsfreaks Gefallen finden, wenn sie sich nicht an der arcade-lastigen Spielmechanik stören.

Vintage ist in – leider nicht bei der Technik

Das Entwicklerteam betonte auf der Präsentation die konstante Bildwiederholrate von 60 fps sowie den Wegfall von Ladezeiten. Dafür wurde anscheinend bei der Grafik der eine oder andere Kompromiss nötig: Heutzutage hat man schon hübschere Spiele gesehen. Die Hetzjagd durch San Francisco sah noch etwas altbacken aus – über im Boden versinkende Autoreifen und ein paar flackernde Objekte könnte man jetzt einmal hinwegsehen und hoffen, dass sie zum Veröffentlichungsdatum der Vergangenheit angehören.

Trotzdem hätten ein paar Details mehr sicherlich nicht geschadet. Die Cut-Scenes dagegen zeigen, wozu Xbox 360 und PS3 fähig sein können. Klasse Animationen und realistische Charaktere unterstreichen die Coolness der Figuren und machen auf diese Weise den Gegensatz von Ingame-Grafik und Filmeinspielungen noch einmal deutlich.

Driver: San Francisco - Trailer veräppelt ultraschweres Tutorial des ersten Teils10 weitere Videos

Mehr Details soll der Mehrspielerbereich bieten. Eine Kofferraumladung voller Modi lädt zu heißen Kopf-an-Kopf-Rennen. Unter anderem werden kooperative Wettrennen und Versus-Rasereien dabei sein und eine interessante Capture-the-Flag-Variante mitgeliefert. Gerade die Shifting-Funktion könnte für Taktiker interessant werden.

Wenn ein Teammitglied mit einem Lkw eine Straße blockiert, nachdem seine Mannschaft durchs Nadelöhr gebraust ist, müssen die Verfolger erst einmal reagieren, was wertvolle Zeit kostet. Wenn das Prinzip aufgeht, wird Autorennen auch endlich einmal mit dem Köpfchen gespielt – und nicht nur mit dem Fuß. Zu sehen gab es vom Multiplayer-Part allerdings noch nichts.