Es war einmal eine Zeit, in der trug man Hosen, unter deren Schlag sich mühelos eine ganze Kleinfamilie hätte verstecken können. Im Fernsehen lief »Starsky & Hutch«, und die Klamotten sahen genauso Scheiße aus wie die Frisur von David Soul. Einzig die Autos jener Zeit waren die reinsten Augenweiden.

Richtig geraten, wir sind in den Siebzigern gelandet. Und genau dahin entführt uns Ubisoft mit »Driver 76«, dem offiziellen Nachfolger zu »Driver Parallel Lines«. Das Spiel ist für Sonys PSP erhältlich und erzählt die Vorgeschichte des Vorgängers und seiner beiden Protagonisten Ray und Slink. Doch lohnt sich der Trip in die wilden Siebziger? Wir haben den Dodge aus der Garage geholt und uns ins kriminelle Leben gestürzt.

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Autogenes Training
GTA goes Seventies: »Driver 76« erinnert sowohl in punkto Gameplay, als auch in der Steuerung frappierend an das große Vorbild - ohne dabei allerdings die Qualität von Rockstars Straßenrambo-Spielen zu erreichen. Die Hintergrundgeschichte ist schnell erzählt. Held Ray hat es vor einigen Monaten nach New York verschlagen und lebt dort von Autoreparaturen. Dummerweise verliebt er sich in die süße Tochter von Mr. Zhou, dem größten Triadenboss der Stadt. Um an sie heranzukommen, muss er unbedingt ihren Vater beeindrucken. Also übernimmt unser Romeo Fahrerjobs für Mr. Zhou, die ihm sein Kumpel Slink vermittelt. Klar, dass es sich dabei nicht gerade um Samaritertätigkeiten handelt, sondern eher um klassische Gangsterjobs, so dass die Aufgaben meist in wilder Raserei und oftmals auch Ballerei enden.

Driver 76 - Coole Typen, lässige Musik und flotte Schlitten - ist Driver das bessere GTA?

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"Ey, Mann, wo ist mein Auto?"
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Und so findet man sich als Spieler nach einer kurzen Einleitung am Steuer einer typischen 70er-Jahre-Karre wieder und muss als erstes die örtlichen Freunde und Helfer abschütteln, um sich mit Slink zu treffen. Hat man dies erfolgreich geschafft, beginnt das eigentliche Leben als Verbrecher mit Autoleidenschaft. Dazu wählt man aus mehreren zur Verfügung stehenden Aufgaben eine aus. Nach deren erfolgreichem Abschluss werden weitere Jobs freigeschaltet. Auf diese Weise verdient man sich nach und nach ein hübsches Sümmchen zusammen, das man postwendend in der Werkstatt für zusätzliches Equipment wieder ausgibt.

Zur Auswahl stehen dabei diverse Tuningteile für die Karren, aber auch neue Waffen und natürlich Munition hält der Dealer des Vertrauens für den guten Ray bereit. Außerdem gibt's für erfolgreich absolvierte Missionen Autos abzustauben, so dass sich der eigene Fuhrpark auf mehr als 50 Wagen ausdehnen lässt.

Packshot zu Driver 76Driver 76Erschienen für PSP kaufen: Jetzt kaufen:

Die Qualität der zur Verfügung stehenden Jobs entspricht den üblichen Konventionen. Von Personentransporten und illegalen Straßenrennen über das Abliefern heißer Ware und natürlich das Klauen von Edelschlitten reicht das Repertoire der gesetzeswidrigen Handlungen. Viele Jobs müssen unter Zeitdruck erledigt werden, andere unter massivem Schusswaffeneinsatz während des Fahrens. Bei allen Missionen läuft man natürlich Gefahr, dass sich die Ordnungshüter für einen interessieren. Insofern sollte man stets ein gesundes Mittelmaß zwischen der typischen Berliner Fahrweise und einem adretten Auftreten wahren, ansonsten enden die Jobs schnell in der nächsten Zelle.

Auto Destructión
Kenner der GTA-Reihe werden angesichts der oben genannten Aufzählung wissend nicken, denn all dies hat man so oder ähnlich schon in einem der Rockstar-Rasertitel gesehen. Leider spielt sich »Driver 76« entsprechend uninspiriert, denn Neues gibt es kaum zu entdecken, es sei denn, man kennt die GTA-Reihe noch nicht. Immerhin bietet das Programm zahlreiche Minispielchen, in denen man zum Beispiel gegen andere Fahrer um die Wette rast und die bei erfolgreichem Abschluss tüchtig Geld in die Kriegskasse spülen.

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Eines kann man den 70ern nicht vorwerfen: Die Schlitten waren ziemlich heiß.
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Einige Designfehler lassen aus der Seventies-Gangstershow schnell ein Ärgernis werden. So sucht man eine ausgeklügelte KI vergeblich. Weder die Polizei noch rivalisierende Gangster verhalten sich taktisch, sondern liefern sich nur wilde Verfolgungsjagden mit Ray. Je nachdem, mit was für einer Kiste man unterwegs ist, kann man entweder ohne Probleme entkommen, oder die anderen haben die schnelleren Karren, und man versagt unweigerlich. Spannender wäre es zweifellos gewesen, wenn sich die wilden Rasereien nicht nur auf blinden Geschwindigkeitsrausch verlassen würden, sondern man auch durch geschickte Fahrweise den Grad der Aufmerksamkeit stufenweise wieder senken könnte.

Immerhin werden einem Unholde und Polizeifahrzeuge sowie deren Suchradius in einer Minimap rechts unten eingeblendet, so dass man bei seiner Routenfindung entsprechend reagieren kann - wenn man denn Zeit für derartigen Luxus hat. Empfehlenswert ist es auch, den - englischen - Polizeifunk zu verfolgen, da dieser Auskunft über weiter entfernte Einheiten gibt. Außerdem erfährt man dann sehr schnell, wann einen die Bullen aus den Augen verloren haben.

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Driver 76 produziert jede Menge Blechschäden.
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Ärgerlich ist der Umstand, dass des Öfteren Gegner aus heiterem Himmel wieder vor oder hinter einem auftauchen, obwohl man sie bereits erfolgreich abgehängt hatte. Das lässt Missionen, in denen man nicht den offenen Kampf suchen, sondern nur möglichst ohne allzu großen Fahrzeugschaden entkommen muss, zur reinen Glückssache verkommen.

Ähnlich verhält es sich auch mit den Schießeinlagen. Ein Druck auf die rechte Schultertaste lässt Ray aus dem Fenster lehnen, mit dem linken Trigger fixiert man ein Ziel. Die X-Taste ist fürs Ballern zuständig. Das ist gewöhnungsbedürftig, wäre aber an sich kein Problem. Doch angesichts der unsauberen Lenkung loggt man sich oft nicht auf das richtige Ziel ein und verliert so wichtige Sekunden oder ballert Unschuldige über den Haufen.

Ladenschluss
Technisch weist »Driver 76« leider ebenfalls einige empfindliche Mängel auf. Besonders störend sind die langen Ladezeiten zwischen den einzelnen Aufträgen. Das an sich ist schon ärgerlich genug. Doch leider lädt das Programm auch immer wieder während eines Jobs nach. Und das pestet ohne Ende. Wenn mitten in einer wilden Verfolgungsjagd plötzlich der Bildschirm einfriert und mehrere Sekunden nichts mehr geht, gerät man unweigerlich ins Trudeln, sobald das Spiel fortgesetzt wird.

Die Steuerung ist leider schwammiger als ein typischer Altbau in Berlins Osten. Sie reagiert zum Teil derart empfindlich, dass bereits ein leichtes Zucken auf dem Analogstick das eigene Fahrzeug ins Schlingern bringt. Dann hilft nur noch eine Vollbremsung, um den Wagen vor der Inanspruchnahme einer virtuellen Vollkaskoversicherung zu retten. Aufgrund der überempfindlichen, unpräzisen Lenkung fährt man überdies selten in einer geraden Linie. Da es im digitalen New York allerdings von Magistralen nur so wimmelt, ist man meist damit beschäftigt, keine allzu heftigen Schlangenlinien zu fahren, anstatt einfach nur fett zu beschleunigen. Fährt man bei derlei Manövern Unschuldige über den Haufen oder schrottet unbeteiligte Karren, passiert in aller Regel… nichts. Denn die Bullen reagieren offenbar nur in bestimmten Missionen auf Ray, während man in anderen getrost die halbe Stadt dezimieren kann.

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Die Polizei unterliegt mal wieder - im wahrsten Sinne.
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Die Lenkung kann leider auch nicht den eigenen Bedürfnissen angepasst werden, so dass man ein ums andere Mal gewillt ist, die sündteure PSP an den Köpfen der Programmierer zu zerdeppern. Und das wäre schade um die Konsole. Immerhin erweist sich die Minimap als recht informativ und nützlich, um wenigstens annährend auf dem rechten Weg zu bleiben. Wer sich während der Fahrt einen Gesamtüberblick verschaffen will, der schaltet mit der »Select«-Taste jederzeit in den Kartenmodus um. In dieser Zeit stoppt das Geschehen, so dass man sich in aller Ruhe die beste Fahrtroute heraussuchen kann.

Eine andere Möglichkeit der Routenplanung bietet der Cruising-Modus, in dem man frei von Aufträgen oder Zeitbegrenzungen einfach durch die Stadt streift und sich die Örtlichkeiten ganz ohne Stress einprägen kann. Wer sich viel Frust und Ärger ersparen will, sollte von dieser Möglichkeit unbedingt Gebrauch machen. Damit kann man zwar nicht die aufgezählten Fehler relativieren, aber es erleichtert das virtuelle Gangsterleben wenigstens ein wenig.

Hier spielt die Musik
Immerhin wartet »Driver 76« mit einem coolen Soundtrack auf. Bei der musikalischen Untermalung haben die Entwickler eine illustre Kollektion von Originalsongs der 70er Jahre zusammengestellt, die zudem in akzeptabler technischer Qualität vorliegen. Die Idee, die Geschichte in den Zwischensequenzen als Marvel-ähnlichen Comicstrip zu erzählen, ist nett - wenn auch nicht neu - und sorgt für amüsiertes Schmunzeln.

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Wenigstens die Musik ist cool.
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Dafür wurde in der deutschen Lokalisation gründlich gepatzt. Die auf lässig getrimmte Stimme von Slink, die im eingedeutschten Jargon der Afro-Amerikaner spricht, ist unfreiwillig komisch und die Ausdrucksweise fast schon peinlich in ihrer gewollten Überzeichnung. Außerdem wurden die Sprachfiles der Protagonisten scheinbar über das Telefon eingesprochen, denn im Gegensatz zur Musik ist deren Qualität nur als unterirdisch zu bezeichnen. Grafisch ist das Spiel unspektakulär und erinnert sehr an das betagte GTA III, ist allerdings nicht wirklich schlecht.