Dreamfall - The Longest Journey (PC Review)
von Nedzad Hurabasic

Sechs Jahre nach der Veröffentlichung von The Longest Journey (TLJ), einem der meistbeachteten Adventures des letzten Jahrzehnts, wird nun vom norwegischen Entwickler Funcom mit

Dreamfall - The Longest Journey der langerwartete Nachfolger präsentiert. Dieser lädt Abenteuer-Fans ein die mysteriösen Vorgänge zu erforschen, die sich zehn Jahre später in dem futuristischen Szenario ereignen. Ob der Nachfolger ein ähnliches hohes Niveau erreichen kann, könnt ihr weiter unten lesen.

Dreamfall - The Longest Journey - Trailer

Im Mittelpunkt der Ereignisse steht diesmal Zoe Castillo, die mit ihrem Vater Gabriel im Casablanca der Zukunft lebt und die Hauptfigur des Spiels darstellt. Aber auch die Protagonistin des Vorgängers, April Ryan, darf in einigen Abschnitten gesteuert werden. Zudem steht mit Kian ein Assassine bereit, seine Aufgaben zu erfüllen.

Ohne zu viel von der filmreifen und vielseitigen Geschichte vorwegzunehmen, müssen doch einige Eckpunkte erklärt werden: Wie auch bei TLJ ist die Welt von Dreamfall zweigeteilt. Auf der einen Seite, die scheinbare Realität, in der wir leben: Stark. Andererseits gibt es die Welt von Arcadia, ein Ort, in dem Magie die beherrschende Kraft ist, aber trotzdem nur ein Spiegelbild der "normalen" Gesellschaft ist. Außerdem soll es noch einen weiteren, andersartigen und geheimen, Ort geben, der Winter genannt wird und ein Geheimnis enthält, an dem die Zwillingswelten zerbrechen könnten.

Dreamfall - The Longest Journey - Ohne Zweifel eines der besten Adventures der letzten Jahre! Wir sagen euch warum!

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Nur zufällig gerät auch die arbeitslose Heldin Zoe in den Sog einer mysteriösen Verschwörung, die sich über mehrere Welten und über Hunderte von Jahren entwickelt hat. Eigentlich will sie ihrem Ex-Freund nur einen kleinen Gefallen tun, doch als dieser plötzlich verschwindet, kann Zoe nicht tatenlos bleiben. Schnell zeigt sich, dass die ersten Merkwürdigkeiten nur der Beginn einer Reise durch Raum und Zeit sind, bei der auch April Ryan wieder eine wichtige Rolle spielt. Übrigens muss TLJ nicht unbedingt zuvor gespielt worden sein, die Story von Dreamfall ist eigenständig genug, um auch so ohne Mühe verstanden zu werden.

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Schon zu Beginn des Spiels, in den ein kleines Tutorial integriert ist, fällt auf, wie flüssig das Spielgeschehen abläuft, wie toll die Gesamtpräsentation gelungen ist, die eine Komposition aus teilweise wundervollen visuellen Einblicken und einem hervorragendem, vielfältigen Soundtrack ist. Das Gameplay an sich ist so simpel wir durchdacht: Die Spielfigur wird aus der Beobachter-Position durch die 3D-Umgebung gesteuert und dabei fallen dem Spieler verschiedene Objekte auf, die mit einem Auge markiert sind, sobald sie ins Sichtfeld geraten. Sollte sich der Spieler etwas weiter von solchen Objekten positioniert haben, um beispielsweise Wachhunde ohneGefahr untersuchen zu können, setzt er das Fokus-Feld ein. Dieses erlaubt, die Gegenstände oder Lebewesen aus der Distanz zu untersuchen und möglicherweise auch Aktionen zu initiieren. In der Regel muss man dafür aber näher herantreten, z.B. um eine Tür öffnen zu können oder ein Gespräch zu führen.

Stichwort Dialoge: Sie sind der zentrale Bestandteil des Spielgeschehens und als solcher erfüllen sie den Zweck, die mysteriöse Geschichte voranzutreiben. Gespräche zwischen den Charakteren gibt es in Hülle und Fülle, da sie erstklassig vertont worden sind lassen sie sicher das Herz eines jeden Adventure-Fans höher schlagen.

Die lippensynchronen Texte wurden von Profis in Szene gesetzt, sodass jeder Charakter eine eigene Personalität entwickelt und unverwechselbar ist. Zoe wurde beispielsweise von der deutschen Stimme von Angelina Jolie gesprochen.Viele wichtige Gespräche bieten Multiple-Choice-Antworten an, allerdings scheint es bis auf sehr wenige Ausnahmen keinen Unterschied zu machen, für welche Alternative sich der Spieler entscheidet. "Falsche" Antworten sind somit kaum möglich, der lineare Fortgang der Story steht im Vordergrund.

Das tut der spannenden und komplexen Geschichte aber keinen Abbruch: Während Zoe versucht das Verschwinden ihre Freundes aufzuklären, geschehen fortwährend unvorhergesehene Dinge, die den Spieler auf Trab halten und für viele, oft auch doppelt- und dreifache, Laufwege sorgen.

Gelegentlich taucht zwischendurch auf Bildschirmen ein kleines Mädchen vor einem einsamen Haus in einer einsamen Eislandschaft auf, das sich mit Botschaften an Zoe richtet. Was hat es damit auf sich? Dabei ist es nicht aber immer einfach, alle Handlungsstränge im Auge zu behalten.

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Um das wirklich Wichtige nicht zu vergessen, hat man Zugriff auf ein Journal, in dem die essenziellen Informationen jederzeit nachgeschlagen werden können. Zwischen den Dialogen warten immer wieder kleine und große Aufgaben auf die Helden, die entweder durch das Erscheinen an bestimmten Orten oder durch Handlungen ausgelöst werden.

Diese Aufgaben bestehen beispielsweise aus der Suche nach Gegenständen, die Türen oder Schlösser öffnen können oder auch das Lösen von Rätseln und Mini-Spielen, die jedoch in der Regel keine großen Herausforderungen darstellen und wohl vor allem eine breite Zielgruppe ansprechen sollen.

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Die Gefahr, dass Neulinge frustriert das Handtuch werfen könnten, besteht zu keiner Zeit. Eine Map, die bei der Orientierung in den Städten helfen könnte, gibt es nicht. Da die Orte aber nicht übermäßig groß oder unübersichtlich sind, ergibt sich jedoch meist von selbst, wo es weitergeht.

Oft genug ist man aber auch geneigt einfach an gewissen Orten zu verweilen und beispielsweise die Aussicht auf eine Wolkenkratzer-Skyline zu genießen und sich den stimmungsvollen Aussichten und dem atmosphärischen Soundtrack hinzugeben.Die solide Grafik bietet viel fürs Auge, auch wenn sie im Detail Schwächen verrät: Charaktere verfügen über zu wenig Polygone und wirken dadurch vor allem im Gesicht kantig, Texturen wirken aus der Nähe bisweilen matschig und die Animationen der Figuren sind etwas hölzern. Dafür ist ihr Verhalten aber glaubhaft der Realität nachempfunden, was die grafischen Mankos mehr als wettmacht.

Auf der Suche nach Lösungen kommt es gelegentlich auch zu handgreiflichen Auseinandersetzungen, bei dem das beschränkte Kampfsystem des Spiels zum Einsatz kommt und damit der einzig wirkliche Kritikpunkt zur Sprache kommen muss. Zoe kämpft vorzugsweise waffenlos und lässt dabei ihre Martial-Arts-Kenntnisse aufblitzen. Allerdings hätte sie sich einem längerem Training unterwerfen sollen, die ungenaue und hakelige Steuerung erlaubt nur wenige Schläge und Tritte, die sich mit den beiden Maustasten auslösen lassen.Da auch die mit Ausnahme einiger Wachen die meisten Kontrahenten nicht übermäßig viel auf den Kasten haben, gestalten sich die Kämpfe eher einseitig und dienen somit höchstens als kleine Action-Abwechslung zu den Adventure-lastigen Dialog- und Rätselpassagen.

Auch wenn die Geschichte sehr flüssig und gekonnt vorgetragen wird und man bisweilen das erhebende Gefühl hat, einem interaktiven Computerfilm beizuwohnen, stellt sich doch vereinzelt das Gefühl ein, dass einzelne Erzählstränge einfach links liegen gelassen werden.

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Oder nicht zu Ende geführt werden, was ein unbefriedigendes Gefühl hinterlässt. Wenn es Kritik an der unglaublich dichten Spielatmosphäre geben kann, dann an diesem Punkt, der zum Ende des Spiels einen etwas bitteren Beigeschmack hinterlässt.