Das Phänomen "Dragon Ball" ist einfach nicht totzukriegen - selbst Jahre nach dem Ende der letzten Anime-Folge lebt die Saga um die legendären Drachenkugeln als Videospielreihe weiter. Halt! Nicht gleich wegklicken, denn zur Abwechslung handelt es sich bei Dragon Ball: Revenge of King Piccolo weder um die Z-Lizenz, noch um ein klassisches Prügelspiel. Stattdessen hüpft ihr mit dem kleinen Son Goku durch 2.5D Level â la Klonoa und erlebt die Abenteuer der ersten Staffel.

Die erste Anime-Adaption der beliebten Mangaserie des Zeichners Akira Toriyama nahm sich selbst noch nicht sonderlich ernst, wie es Dragon Ball Z später getan hatte. Statt ausschließlich auf den Kampf gegen immer mächtigere Gegner lag der Fokus auf der abenteuerlichen Reise Son Gokus und dem harmlosen Humor. Einen Teil dieser Tugenden können wir auch im Spiel beobachten, allerdings blieb bei der Serien-Versoftung einiges auf der Strecke.

Nostalgie für Fans, Verwirrung für andere

Der Kampf gegen die Red-Ribbon Armee, Piccolos Plan, die Welt zu erobern, Son Gokus erstes großes Turnier – hach, da werden Erinnerungen wach. Mit zahlreichen bekannten Charakteren und schönen Zwischensequenzen liefert das Spiel dem geneigten Dragon Ball-Fan allen Grund, sich den Sidescroller zumindest näher anzusehen.

Dragonball: Revenge of King Piccolo - Auf den Spuren von Mario: Son Goku im Dragonball-Jump'n'Run

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Die Suche nach den Dragonballs steht im Mittelpunkt des Spiels.
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Wer wiederum nach einem geeigneten Einstiegspunkt in die Martial-Arts-Geschichte sucht, der sollte einen großen Bogen um das Spiel machen, denn genau wie die meisten anderen Umsetzungen der Erfolgsserie, liefert auch Dragon Ball: The Revenge of King Piccolo keine Hintergrundinformationen und lässt zu viele Abschnitte der Serie aus, so dass man dem Geschehen nicht so recht folgen kann - falls man das denn überhaupt will, denn der Großteil der Dialoge spielt sich in simplen Textboxen mit unanimierten Charakter-Portraits ab. Die sind zwar englisch bzw. japanisch vertont, aber grausig ins Deutsche übersetzt und nicht einmal konform mit der Serie. Etwa wird der Cyborg "Achtie" von Son Goku im Spiel als "Achter" bezeichnet.

Auf den Spuren von Mario

Beim Gameplay erinnert "Revenge of Piccolo" an eine Mischung aus Mario, Klonoa und Final Fight: Ihr rennt mit Son Goku nur nach links oder rechts, könnt euch aber bis zu einem bestimmten Grad auch in die Tiefe bewegen, was die simplen Kämpfe etwas dynamischer macht, aber auch neue Probleme mit sich bringt.

Packshot zu Dragonball: Revenge of King PiccoloDragonball: Revenge of King PiccoloErschienen für Wii kaufen: Jetzt kaufen:

Unser Held besitzt nur eine Handvoll Manöver: Mit der A-Taste wird geschlagen, in Kombination mit dem Analogstick werden Spezialmanöver ausgeführt, etwa Gegner paralysiert oder in die Luft geworfen. Geschicktes Blocken mit der C-Taste ist vor allem während Bosskämpfen Pflicht, mit normalen Schlägen lädt sich außerdem eine kleine Leiste am oberen linken Bildschirmrand auf, mit der Son Goku ein verheerendes Kamehameha auf seine Feinde loslässt.

Abgedroschen, aber wahr: Nur für Fans!Fazit lesen

Genau dort erweist sich die freie Ebenensteuerung als hinderlich, denn der Energiestrahl feuert stets in die Richtung, in die Son Goku gerade schaut, somit geht das ein oder andere Kamehameha schon mal komplett daneben. Schade ist auch, dass es neben dieser klassischen Attacke keine weiteren, genauso spektakulären Angriffe gibt. Immerhin hält sich der Wackeleinsatz der Wiimote in Grenzen, nur bei bestimmten Zwischensequenzen und wenn Son Goku feststeckt, etwa eingefroreren wird oder einen Stromschlag erhält, muss der Controller geschüttelt werden.

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Die Standardgegner sind für Son Goku gar kein Problem.
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Die Level sind mit einer Vielzahl an Fallen und Sprungpassagen gespickt, die im Verlauf des Spiels immer schwerer werden. Anfangs muss der spitzhaarige Affenjunge nur über simple Abgründe hüpfen, später machen ihm Stachelwände, Elektro-Zäune und riesige Felsbrocken das Leben schwer. Sonderlich viele Manöver stehen Son Goku bei der Reise aber nicht zur Verfügung, er kann lediglich springen und sich mit einem Druck auf die "Z"-Taste an bestimmte Objekte hangeln. Dieses simple System macht die anfänglichen Gebiete zwar ermüdend, ab dem zweiten Drittel, also nachdem die Red Ribbon-Armee besiegt wurde, wird es aber richtig anspruchsvoll. Frust kommt dabei nur selten auf, denn Son Goku wird nach dem vorzeitigen Ableben an der letzten sicheren Stelle wiederbelebt.

Bossgegner en masse

Generell dauert ein Level selten länger als 15 Minuten und gerade wenn einem das aktuelle Gebiet anfängt langweilig zu erscheinen, ist das Kapitel auch schon vorbei und das Abenteuer wird fortgesetzt. Umfangreich ist "Revenge of King Piccolo" trotzdem, denn der Sidescroller versucht jedes wichtige Ereignis der Serie wiederzugeben, sogar gegen Prinz Pilaf und seine Schergen mussten wir im Verlauf unseres Abenteuers antreten.

Je nach Gebiet wechseln auch die Fallen, in einer finsteren Höhle muss Son Goku etwa Lava-Fontänen ausweichen, in der Festung der Red-Ribbon-Armee warten Stromzäune. Trotzdem spielt sich das neue Werk des Entwicklers Media Vision sehr zäh, sowohl den Kampf- als auch Jump'n'Run-Einlagen mangelt es an Geschwindigkeit. Warum müssen wir warten, bis ein Gegner vom Boden aufsteht, um ihn wieder anzugreifen, und warum dauert das immer so lang? Warum gibt es keinen Doppelsprung?

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Einige der Bosskämpfe sind durchaus unterhaltsam.
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Die zahlreichen Bossgegner stellen die Höhepunkte des Spiels dar, allerdings muss man hier in zwei unterschiedliche Arten von Obermotzen unterscheiden. Die gelungenen Bossgegner bekämpfen wir auf der normalen 2.5D-Ebene. Wir müssen Muster erkennen und darauf reagieren, jeder Fiesling hat zudem andere Tricks auf Lager – das weckt Erinnerungen an NES-Klassiker wie Megaman. Die weniger gelungenen Bossbegegnungen finden in einer 3D-Arena statt, ähnlich dem offenen Spielfeld der Budokai-Titel. Auch hier müssen wir die richtige Vorgehensweise erkennen. Problem: Diese ist nahezu bei jedem Gegner gleich: Blocken, Angreifen, Wegrennen, Blocken, Angreifen etc.. Vor allem die Mitte des Spiels wird dadurch außerordentlich dröge, denn vor, während und nach dem ersten großen Turnier, an dem Son Goku mit seinen Freunden teilnimmt, finden eben diese wenig inspirierten Bosskämpfe statt.

Der umfangreiche Abenteuermodus, der euch schließlich gegen Piccolo selbst antreten lässt, sollte euch über zehn Stunden beschäftigen. Länger, wenn ihr euch auf die Suche nach den versteckten Gegenständen macht. In jedem Level gibt es geheime und teilweise sehr geschickt platzierte Schätze, die ihr sammeln könnt. Außerdem lassen erledigte Gegner wertvolle Objekte fallen, die sich in Punkte umwandeln. Auch am Ende eines Levels wird abgerechnet, je besser man sich geschlagen hat, desto mehr Punkte gibt es. Mit diesen Punkten kauft ihr euch im Shop außerhalb eines Levels Charakter-Portraits und Musikstücke für die Galerie oder Lebens-Upgrades für Son Goku.

Rudimentärer Multiplayer

Im Weltkampf-Modus bestreitet ihr mit den Dragon Ball-Origins Charakteren Zweikämpfe gegen den Computer oder einen echten Spieler. Die Duelle laufen nach dem gleichen Muster wie die Turnierkämpfe im Abenteuer-Modus ab und können für kurze Zeit unterhalten, sind aber auf Dauer ob des simplen Kampfsystems öde. Trotzdem ist es witzig mit Chao-Zu gegen Muten Roshi als Jackie Chun anzutreten – das hat es so in noch keinem anderen Dragonball-Prügler gegeben.

Optisch hinterlässt "Revenge of King Piccolo" einen gemischten Eindruck. In seinen guten Momenten sieht es der Serie zum Verwechseln ähnlich, oft genug wirkt es aber schlicht wie ein durchschnittlicher Wii-Titel. Das liegt vor allem an den meist unanimierten Hintergründen, die viele Gebiete sehr leblos erscheinen lassen. Beim Turnier gibt es etwa kein jubelndes Publikum, im Dschungel sind die Bäume starr, Wettereffekte fehlen. Vielfältig sind die Gegenden trotzdem, das Abenteuer führt uns in die Quartiere der Red-Ribbon-Armee, durch Eislandschaften, Lavahöhlen, Wälder und Hügelländer.

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Revenge of King Piccolo fängt den Dragon-Ball-Stil gut ein.
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Im Gegensatz zum Rest der Grafik sind Son Goku und seine Gegner mit Cel-Shading animiert worden, der Stil der Serie wird in dem Bereich perfekt eingefangen. Auch die Spezialattacken – allen voran das Kamehameha – wirken eindrucksvoll und mächtig. Auf musikalischer Ebene bietet die Suche nach den Dragonballs Qualität auf Fahrstuhl-Niveau, die Musik der Serie wurde unverständlicherweise nicht verwendet. Das schadet nicht nur der Atmosphäre, es verleitet in Kombination mit den teils nervigen Gegnerkommentaren auch zum Stummschalten des Fernsehers.