Eine verblasste Erinnerung an ein Spielerlebnis, das man längst vergessen zu haben schien, nimmt plötzlich wieder klare Konturen an. Die Geschichte des Dragon-Quest-VII-Remakes erzählt von einer Reise in die Vergangenheit und könnte passender nicht sein. Doch kein Rückblick ohne ein Spur Wehmut – vor allem, wenn einem die Rückschau bewusst macht, dass selbst die schönsten Dinge ihre besten Jahre irgendwann hinter sich haben.

Immer wieder interessant, wie sich das Gedächtnis auch nach mehr als einer Dekade noch an verblüffend viele Details erinnern kann. In meinem Fall an die Eigenheiten der ursprünglichen PlayStation-Version dieser Reise, an die ich während eines Familienbesuchs in den Vereinigten Staaten mit Begeisterung Hand anlegen durfte. Das Remake fühlt sich tatsächlich wie ein Trip in die Vergangenheit an und wirkt mit seiner polygonreicheren Spielwelt inzwischen doch anders, frischer. Optisch hat sich viel getan, erzählerisch und spieltechnisch nur bedingt. Doch eine Kleinigkeit, die mir seit dem originalen Dragon Quest VII in Erinnerung geblieben ist, hat die Zeitreise unbeschadet überstanden: der sehr bedächtig erzählte Prolog auf der idyllischen Insel und dem kleinen Königreich Estard. Hier verbringt ihr eure ersten Spielstunden überwiegend damit, durch die wenigen Wohnorte zu schlendern und mit den Dorfbewohnern zu plauschen.

Dragon Quest VII: Fragmente der Vergangenheit - Zeitreise mit Hindernissen

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Im Gegensatz zu anderen Dragon-Quest-Teilen beginnt dieser ganz beschaulich. Bis sich die eigentliche Geschichte entwickelt, seid ihr stundenlang an denselben Schauplätzen unterwegs.
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Vom Segeln in die Flaute

So beschaulich der Inselalltag, so gemütlich gestaltet sich auch der Großteil eures Abenteuers, das später auf den altbekannten Kampf gegen eine dunkle, geheimnisvolle Macht hinausläuft. Wirklich bemerkbar macht sich die anbahnende Bedrohung allerdings erst ab dem zweiten Drittel der Handlung, denn bevor die Welt überhaupt gerettet werden kann, gilt es zunächst, sie nach und nach aufzubauen. Zu Beginn besteht sie lediglich aus der eigenen Heimatinsel und dem Meer. Unlängst haben sich die Bewohner des kleinen Inselreichs mit ihrer einsamen Existenz abgefunden. Einzig eure kleine Heldentruppe ist dem unspektakulären Inselleben überdrüssig geworden und will diesem jahrelangen Zustand ein Ende bereiten. Durch diverse Nachforschungen kommen die von Neugier getriebenen Protagonisten in den Besitz mysteriöser Steinfragmente, mit deren Hilfe sie die einst im Nichts verschwundenen Landmassen wieder erscheinen lassen können.

Packshot zu Dragon Quest VII: Fragmente der VergangenheitDragon Quest VII: Fragmente der VergangenheitErschienen für 3DS kaufen: Jetzt kaufen:

Jedes Mal, nachdem eine bestimmte Anzahl dieser Fragmente zusammengefügt wurde, landet ihr per Zeitsprung auf einer fremden Insel, die vor Äonen einmal auf der Welt existierte. Vor Ort macht ihr dann Bekanntschaft mit den Einheimischen und bringt etwas über die vorherrschenden Konflikte in Erfahrung. Habt ihr den Inselbewohnern aus ihrer Misere geholfen, verschlägt es euch wieder zurück in die Gegenwart. Dank eurer Heldentat ist der Ort, den ihr kürzlich in der Vergangenheit besucht habt, in der jetzigen Welt erhalten geblieben und lädt euch zur erneuten Erkundigung ein. Über die Jahre oder gar Jahrtausende hat sich natürlich so einiges auf den Inseln geändert und so ergeben sich im Zuge eurer Schiffsreisen zu den entsprechenden „neuen“ Gebieten immer mal wieder einige Überraschungen.

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Durch der Hilfe dieses Kerlchens bringt ihr mehr und mehr über die rätselhaften Farbfragmente in Erfahrung, mit denen ihr die Inseln aus der Vergangenheit wiederherstellen könnt.
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Trotz des an sich recht unverbrauchten Konzepts macht es Dragon Quest VII: Fragmente der Vergangenheit dem Spieler nicht gerade einfach, sich als Teil dieser Welt zu begreifen. Geschuldet ist das vor allem dem extrem gemächlichen Einstieg, der sich über mehrere Stunden hinzieht. Innerhalb dieser Zeit seid ihr beinahe ausschließlich damit beschäftigt, zwischen zwei Ortschaften zu pendeln, um mehr oder weniger triviale Informationen zu sammeln oder Botengänge zu erledigen. Weder trefft ihr dabei auf einen Gegner, noch dürft ihr anderweitig interessanten Aufgaben nachgehen. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit kommt die Geschichte ein wenig in die Gänge. Bis dahin dürftet ihr dann auch jeden Winkel in- und auswendig kennen.

Für jemanden wie mich, dem die ursprüngliche PlayStation-Fassung noch relativ gut in Erinnerung geblieben ist, wirkt es bisweilen kurios, dass diese frühen Stunden im Remake zäher vergehen als im Original. Das liegt ironischerweise ausgerechnet an den Änderungen der überarbeiteten 3DS-Version, die etwa auf einige Dungeonabschnitte verzichtet – vermutlich, um einen zugänglicheren Einstieg zu ermöglichen. Tatsächlich ist eher das Gegenteil der Fall. Die minimalen Rätseleinlagen der damaligen Version waren zwar auch nicht sonderlich anspruchsvoll, schafften es aber zumindest, das Gefühl der Monotonie zu umschiffen – und gerade die verspürt man hier immer wieder.

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Natürlich dürfen auch Dinos und Drachen in einem Dragon Quest nicht fehlen.
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Nicht ganz so erfrischender Neuanstrich

Ein grundlegendes Problem dieses Remakes ist die nicht immer durchdachte Zweckdienlichkeit der Änderungen gegenüber der Originalversion. Denen stehen tradierte Gameplay-Elemente gegenüber, die nicht ohne Grund aus zeitgemäßer Sicht kaum noch in ähnlichen Genrevertretern vorzufinden sind und dennoch beibehalten wurden. Wann musstet ihr beispielsweise zuletzt sämtliche Gegenstände der gleichen Sorte einzeln – und damit wortwörtlich Stück für Stück – ins Gepäck eures Charakters legen? Genauso langwierig fühlt sich selbst das Abspeichern an, da ihr jedes Mal zu einer Kirche laufen müsst, um den Spielfortschritt im virtuellen Tagebuch festzuhalten. Vorher vergewissert sich der ansässige Priester nochmals doppelt und dreifach, ob ihr wirklich euren bereits vorhandenen Eintrag überschreiben und eure Reise fortsetzen oder vorzeitig beenden wollt.

Eine Schnellspeicheroption gibt es nun auch, aber die erfüllt lediglich eine Standby-Funktion, ohne euren aktuellen Abenteuerstand abzusichern. Beißt euer Team während der tückischen Reise ins Gras, steigt ihr zwangsläufig wieder im Heiligtum ein, was folglich den Verlust eurer Erfahrungspunkte und investierten Zeit bedeutet.

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Im Laufe des Spiel peppen die individuell bestimmbaren Klassen und die Rekrutierung neuer Dorfbewohner das Abenteuer gehörig auf.
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Nicht, dass wir uns hier falsch verstehen. Die sporadischen Speicherpunkte oder das betagte Management der Ausrüstungsgegenstände muten anachronistisch an, lassen sich aber mit etwas Wohlwollen in der Nostalgie-Schublade ablegen und einigermaßen verkraften. Der eigentliche Knackpunkt liegt in den eher geringen Bemühungen um einen flüssigen Spiel- und Erzählfluss. Dragon Quest VII ist einer der umfangreicheren Vertreter seiner Reihe, dessen Spielzeit schon mal einen dreistelligen Wert erreichen kann. Da ihr während eurer Zeit- und Schiffreisen aber immer wieder dazu gezwungen seid, zwischen den bereits besuchten Orten hin- und herzuwuseln – etwa, weil sich euer stark begrenzter Heilvorrat schneller als gedacht dem Ende zuneigt und ihr nachrüsten müsst – kommen bereits die ersten Abschnitte mühseliger daher, als sie eigentlich sein müssen.

Ein etwas anachronistisches und dennoch charmantes Remake, dessen Reize sich erst im späteren Spielverlauf entfaltet.Fazit lesen

Noch während eurer ersten Inselerkundungen besitzt ihr zudem nur eine Handvoll Ausrüstungsgegenstände und habt in den Kämpfen bis auf einen grundlegenden Angriff und eine Verteidigungsposition wenig Auswahlmöglichkeiten. Weitaus mehr Pepp gewinnen diese erst mit der Einführung des mittlerweile überarbeiteten Klassenwahlsystems, das auf jeden Charakter unterschiedliche Statusauswirkungen hat. Jede Klasse hat einen einzigartigen Magie- und Skillpool, der sich mit stetig gesammelten Fertigkeitspunkten ums Vielfache erweitern lässt. Es macht Spaß, die einzelnen Stärken der Klassen herauszufinden und mit eurer persönlichen Klassengruppierung zu experimentieren. Dementsprechend schwer kann aber dann auch eure Wahl fallen. Als Sahnehäubchen halten einige Nebenquests nach ihrer Absolvierung zusätzliche Skills bereit.

Das Taktieren mit klassen- und charakterspezifischen Fähigkeiten im Kampf gehört wie schon bei der Ursprungsversion zu den stimmigsten Spielinhalten, die euch auf Trab halten. Ab einem gewissen Zeitpunkt bestimmt schließlich ihr das Pacing und könnt selbst entscheiden, ob ihr bestimmte Orte mehrfach aufsucht. Mit jeder weiteren Insel, die auf der Karte hinzu kommt, ergeben sich auch immer mehr Möglichkeiten potenzielle Bewohner eures eigenen Einwanderdorfes zu rekrutieren, die durch ihre Sesshaftigkeit später persönlich zum Aufbau beitragen. Schon allein mit diesem Dorf werdet ihr also allerhand zu tun bekommen. Durch den Insel- und Dorfzuwachs erweitert ihr nach und nach eure Welt und ehe ihr es realisiert, hat euch das Spiel bereits in den Bann gezogen. Seid ihr dann auch über die ersten Dämpfer hinweggekommen, wartet eine lohnenswerte Geschichte auf euch, die trotz ihrer anfänglichen Unscheinbarkeit und Beschaulichkeit mit einigen traurigen und überraschenden Momenten aufwartet.