Die Dynasty-Warriors-Seuche geht um! Nicht, dass es der Reihe bislang an mehr oder weniger deckungsgleichen Ablegern und Klonen gemangelt hätte - selbst vormals eher unbefleckte Reihen wie Kessen entwickelten sich irgendwann in Richtung der launigen Hirn-aus-Klopperei, bei der der Killcount pro Mission leicht vierstellige Höhen erreicht. Dann kamen Gundam, Fist of the North Star, One Piece. Mit Hyrule Warriors erreichte die Adaptionswut in Bezug auf die Formel einen vorläufigen Höhepunkt. Und jetzt das.

Dragon Quest Heroes: Der Weltenbaum und der Tyrann aus der Tiefe - König Doriks königliche ÜbersichtEin weiteres Video

Dragon Quest hat es hierzulande nicht unbedingt leicht. Die vor allem durch den Akira-Toriyama-Look sofort erkennbare und altehrwürdige JRPG-Reihe erhält und verdient einiges an Achtung, hat hierzulande (und im Rest der westlichen Welt) aber immer noch Nischenstatus. Redet man selbst mit Freunden des Genres, fällt oft eine Erwähnung des kultigen Schleim-Gegners und das wars dann auch schon. Gerecht ist das nicht.

Dragon Quest Heroes: Der Weltenbaum und der Tyrann aus der Tiefe - Mehr als nur ein schleimiges Gewand

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Erst zwei, später bis zu 12 wackere Recken wollen die Welt retten.
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Nun aber eine solche Reihe mit der kommerziell supererfolgreichen aber qualitativ doch etwas belächelten Reihe Dynasty Warriors zu kreuzen ist, nun, interessant. Und bevor ihr euch ärgert, dass ich dauernd diese Vergleiche ziehe: Dragon Quest Heroes stammt von Omega Force, die dafür bekannt sind, Dynasty Warriors und ansonsten absolut gar nichts zu machen. Ist deswegen alles wie bei der großen Bruderreihe? Nicht völlig, nein.

Die Story von Dragon Quest Heroes: Der Weltenbaum und der Tyrann aus der Tiefe (einer der ungriffigsten Titel, die wir je vor der Nase hatten) ist bislang... schlicht. Menschen und Monster leben friedlich zusammen, dann entfesselt eine mysteriöse und dunkle Gestalt eine Energie, die die Monster dazu bringt, die Menschen anzugreifen, und zwei junge Helden treten die Reise an, um die Welt zu retten. Zwischendurch treffen sie auf weitere Wegbegleiter, insgesamt etwa ein Dutzend. Mit jeweils vier dieser Recken kloppt man sich nun durch die Missionen.

Hierin liegt dann auch schon ein gewisser Unterschied: Nicht nur folgt Dragon Quest Heroes (wir schreiben den Titel jetzt nicht nochmal aus – der zweite Teil ist in Japan allerdings schon angekündigt, also müssen wir uns wohl damit anfreunden...) einer richtigen Story, sie wird auch mit coolen Zwischensequenzen und derlei mehr richtig episch erzählt. Das ist bei dem großen Bruder im Zeitalter der drei Königreiche nicht immer selbstverständlich.

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Bildschirmfüllende Angriffe gehören zum guten Ton.
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Und auch die Struktur mit den vier Charakteren, der richtigen Party und dergleichen erinnert mehr an ein wirkliches RPG. Hinzukommt, dass mit erlernbaren Skills, neuer Ausrüstung, einem zwar einfachen, dadurch aber sehr verständlichen Crafting-System für Items, der Ausbau und Fortschritt der Charaktere mehr in den Fokus rückt. Außerdem, auch das ist wichtig: Es gibt nach dem anfänglichen Tutorial-Kram eine Weltkarte mit Nebenmissionen und zahlreichen Inhalten, die schon alleine durch ihr bloßes Dasein mehr Abwechslung liefern dürften, als man es von Omega Forces sonstigen Schnetzelfesten gewohnt ist.

Mehr als nur ein neuer Look - Heroes verspricht, die bekannte Formel deutlich aufzulockern.Ausblick lesen

All das verspricht viel, und es ist keine Boshaftigkeit, wenn man vielleicht etwas skeptisch ist. Die sonstigen Spiele von Omega Force fallen bei vielen Leuten eher in die Kategorie "guilty pleasure" – irgendwie nicht so prall, aber man genießt sie trotzdem. Die Aufgabe, die Dragon Quest Heroes hat, ist nicht klein: Sich von dieser Struktur eine Spur zu entfernen, um die Qualität zu steigern, aber eben doch den an sich guten Kern behalten.

Die Neuerungen sehen gut aus, aber wie ist es denn nun mit der Kernformel? Also: Ja, hunderte von niedlichen Monstern strömen über den Bildschirm, und wenn man mit einer durchschnittlichen Attacke weniger als 12 von ihnen trifft, dann ist schon irgendwie was schiefgelaufen. Auch Musou-Angriffe und die guten alten Viereck-dann-Dreieck-Kombos sind komplett intakt. Ergänzt wird das ganze durch ein Magiesystem, was es den Charakteren noch besser erlaubt, die Hölle zu entfesseln.

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Die alte Formel ist intakt, aber angereichert durch viele reizvolle Elemente.
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Allerdings verspricht die Missionsstruktur, dann doch ein bisschen anders zu werden. So hatten wir neben normalen Prügelrunden auch Gelegenheit, Missionen mit deutlicher Anlehnung an Tower Defense zu zocken. Man beschützt auf mehreren Lanes Generatoren vor anrückenden Monstern und kann mithilfe von Items, die man während des Auftrags findet, selbst Monster als Wächter abstellen. Süße Idee. Bislang abwesend waren Karten, auf denen in klassischer Manier Tore geschlossen und Offiziere verhauen werden, aber das kann ja noch werden.

Insgesamt sieht es spielerisch bislang also vielversprechend aus. Es lohnt sich aber noch zu erwähnen, dass es auch ästhetisch bislang eine Freude war, einen Blick auf "Dragon Quest Heroes: Ich schreib den Titeln immer noch nicht aus" zu werfen. Der stilisierte Anime-Look in Celshading-Optik hilft dabei, das Spiel zum vielleicht hübschesten zu machen, was man bislang von Omega Force gesehen hat, und die englische Sprachausgabe passt gerade wegen ihrer Übertriebenheit gut zum Geschehen. In der Vollversion wird es für Animefreunde auch optionale die japanische Sprachausgabe geben.