Der erste Eindruck war ein guter – wie ist der finale? Nach unserem positiven Resümee in der Vorschau muss sich jetzt zeigen, dass Entwickler Dimps an den entscheidenden Punkten die Zeit genutzt hat, um die Stellschrauben nachzujustieren. Und da ich es leider versäumt hatte, im vorangegangenen Artikel zu erwähnen: Ja, Dragon Ball Xenoverse erscheint auch endlich für den PC.

Tokitoki-Stadt – Nabel der (Online-)Welt

Wie schon in der Vorschau ausführlich beschrieben, tretet ihr Future Trunks und seiner Zeitpatrouille bei, um das Chaos der Vergangenheit zu bereinigen, das die beiden Dämonen Mira und Towa angerichtet haben. Ihr springt mit einem selbst erstellten Charakter in bedeutende Kämpfe der Z- und GT-Saga und wendet den Ausgang und somit das Blatt zugunsten der Guten. Manche werden den Aspekt der freien Charaktererstellung mögen – andere hätten sich wohl lieber in der Haut ihres Lieblingskämpfers wiedergefunden.

Doch will man zukünftig immer wieder aufs Neue die (den Fans sowieso) schon hinreichend bekannten Kämpfer herunterreißen? Das Ganze dann mit etwas verändertem technischen Grundgerüst Jahr für Jahr neu – und es würde sich ein kleiner Shitstorm über die Macher ergießen. Von daher ist der Denkansatz ein interessanter, zumal man vor jedem Kampf den veränderten Ausgang mitansehen muss, was eine schöne Visualisierung des Kopfkinos ist, das so mancher Fan bestimmt schon einmal hatte.

Dragon Ball Xenoverse - Lass mal Vegeta looten!

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Die alte Garde gibt sich auch in Xenoverse wieder die Ehre, doch als Spieler schlüpft ihr in die Haut eines bislang noch unbeschriebenen Blatts.
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Der Fantasie hinsichtlich der Erstellung des eigenen Charakters sind zwar Grenzen gesetzt, aber vor allem im späteren Spielverlauf lassen sich mit zahllosen Outfits und Farbspielen doch genug Möglichkeiten finden, den Charakter aus der Masse hervorstechen zu lassen. So entscheidet ihr euch zu Beginn zwischen einer von fünf Rassen: den Majin, Saiyajin, Erdling, den Namekianern und dem Freezer-Clan. Während die Erdlinge in ihren Attributen relativ ausgeglichen sind, besitzt der Freezer-Clan ein hohes Tempo, dafür allerdings weniger Durchschlagskraft. Sogar das Geschlecht spielt bei den Rassen eine Rolle, was die Grundattribute betrifft.

Dreh- und Angelpunkt ist Tokitoki-Stadt, das aus drei Bezirken besteht. Während das Industriegebiet hier die Shoppingmeile repräsentiert, in dem ihr munter Kapseln zusammenmischen, Outfits, Fähigkeiten und Specialmoves kaufen könnt, kümmert ihr euch im Zeitnest um die Hauptmissionen oder nehmt im dritten Bezirk an Nebenmission und Spieler-gegen-Spieler-Turnieren teil.

Packshot zu Dragon Ball XenoverseDragon Ball XenoverseErschienen für PC, PS3, PS4, Xbox 360 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Die Nebenmissionen (hier Parallelquests genannt) lassen sich offline oder online absolvieren. Sinn dieser Missionen ist es, weitere veränderte Zeitfragmente wieder zu korrigieren. Eigentlich dienen diese Missionen aber hauptsächlich dem Leveln eures Charakters und dem Erspielen von Kapseln, Outfits und Kampffertigkeiten. Mit jedem neuen Level lassen sich Punkte auf eure Attribute erteilen, was Dragon Ball Xenoverse schon RPG-Züge verleiht. Vielleicht ertappt ihr euch wie ich mich dabei, die PQs immer und immer zu spielen, um die begehrte Z-Bewertung zu erhalten, die neben mehr Zeni (der Währung in Tokitoki-Stadt) auch dem Maximum an freischaltbaren Objekten entspricht.

Dragon Ball Xenoverse - Full Power TrailerEin weiteres Video

In der Stadt begegnet man auch den bekannten Charakteren, die sich als Mentor anbieten und eurem Kämpfer stufenweise alle Attacken und Specialmoves beibringen, die sie selbst auf dem Kasten haben. Wo wir wieder beim Thema des eigenen Charakters sind, denn motivierend und befriedigend ist es allemal, zu wissen, dass man ihn mit den individuellen Attacken der Lieblingscharaktere der Serie völlig individuell zusammenschustern kann – was die Motivation vor allem zu Beginn der Nebenmissionen hoch hält.

Schade nur, dass der Ablauf der Nebenmissionen ein relativ repetitiver ist und im Endeffekt daraus besteht, über Teleport-Tore zwischen drei Gegenden hin und her zu reisen, Materialsplitter zu suchen und einzusammeln, die dort anwesende Rasselbande von Pflanzenmännern in allen Formen und Farben aufzuklatschen und zu guter Letzt einem Kämpfer der bösen Seite in Form des Endbosses zu begegnen. Auch das besagte Einsammeln der Materialsplitter beißt sich mit dem Zeitlimit der Parallel-Quests, da Erkundung und Zeitlimit noch nie die besten Freunde waren. Zum Glück ist das Einsammeln nur optional.

Tokitoki-Stadt selbst besteht nicht nur aus den bekannten Kämpfern – auch einfache Bewohner und die Charaktere anderer Spieler trifft man hier an. Diese stehen als „Repräsentant“ des Spielers an verschiedenen Punkten herum und lassen sich für Nebenmissionen gegen Zeni rekrutieren. Hat sich das Teammitglied gut geschlagen, kann man diesen auch als Favoriten speichern, um ihn bei zukünftigen Missionen an seiner Seite zu wissen. Die Bewohner sind allerdings nichts weiter als nutzloses Beiwerk. Manche von ihnen haben Sprüche drauf, die so absurd sind, dass man sich fragt, ob sie so komisch wirken, weil sie nicht richtig übersetzt wurden, oder weil sie richtig übersetzt wurden. So zum Beispiel ein gewisser Harry: „Trunks sieht so gut aus. Er ist der Präsident der Firma in meiner Welt.“ Was soll ich damit anfangen?!

Die Reihe besinnt sich Schritt für Schritt immer mehr auf vergessene Stärken – und denkt nun auch an PC-Spieler.Fazit lesen

Kämpferisch einen Schritt weiter – aber immer noch im Rückstand

Wer Dragon Ball Z: Battle of Z gespielt hat, wird sich spielerisch wieder sehr schnell heimisch fühlen. Doch auch wer den letztjährigen Ableger nicht im Regal hat, wird keine große Eingewöhnungszeit benötigen, denn das Kampfsystem ist denkbar einfach. Zwei Schlagtasten, eine Blocktaste und über die Schultertasten umschaltbare Super- und ultimative Angriffe. Gespielt wird wieder aus der Third-Person-Ansicht und die Gegner per Anvisierung aufgeschaltet.

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Rarität: Ein Bild, auf dem Krillin nicht die Kauleiste poliert wird.
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Die Aktionen und Verfolgungen – sowohl auf dem Boden als auch in der Luft – spielen sich flüssig und schon nach kurzer Zeit zaubert der Charakter sehenswerte Kombinationen aus dem Hut und weicht Angriffen mit einem gut abgepassten Block oder Ausfallschritt aus, um darauf mit einem vernichtenden Specialmove zu kontern. Das macht vor allem zu Beginn wirklich Laune und spielt sich auch ohne grobe Aussetzer der Kamera, die nur sehr selten mal orientierungslos-epileptisch vor sich hin rotiert.

Leider offenbart sich der immer noch flachbrüstige Tiefgang der Kampfmechaniken relativ schnell, denn die Kämpfe gegen KI und menschliche Gegenspieler enden mit fortschreitender Erfahrung in immer gleichen Abläufen. Wildes Knöpfchendrücken auf beide Schlagtasten, zwischendurch mal kurz blocken oder teleportieren und dann die Superangriffe abfeuern. Anschließend wieder mit den Kombos die Specialleiste aufladen, Superangriff... Nun ja. Natürlich kein Vergleich zum 2011 erschienenen Ultimate Tenkaichi, dass den kämpferischen Anspruch eines Sechsjährigen hatte. Aber wenn man die Budokai-Kiste wieder hervorholt, ist eben jene Reihe auch diesmal wieder ein spielerischer Maßstab, der leider nicht erreicht wird, aber schon einmal erreicht wurde – und an dem sich auch die zukünftigen Ableger messen lassen müssen.

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Und jetzt alle zusammen: Kame-hame...
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Immerhin sind Fortschritte zu sehen und wenn sich zwei Spieler begegnen, die das Blocken und Kontern perfektioniert haben, können sauch mit den spielerisch begrenzten Mitteln spannende Kämpfe entstehen. Aber die Kampfmechanik selbst ist in ihrem Gesamtkonzept einfach zu berechnend – egal, gegen wen man spielt.

Grafisch wurde jetzt noch ein bisschen an Kantenglättung und der Tiefenschärfe gearbeitet, im Endeffekt werden hier aber vor allem auf den neueren Konsolen keine Bäume ausgerissen. Der Grad an Details ist bei einem Spiel, das auf einem Comic basiert, ein schmaler. Schließlich würden bei dem gewohnten Cel-Shading-Look wuchernde Büsche und hochtexturierte Blümchen nicht in das comichafte Gesamtbild passen, aber es wäre schon, wenn die Ebenen, in denen gekämpft wird, auch optisch von den Kamehamehas und Genkidamas in Mitleidenschaft gezogen werden würden. Die Attacken selbst sind optisch gut eingefangen – auch wenn man sich bei den ultimativen Angriffen noch ein bisschen mehr „Effektverliebtheit“ erhofft hätte.