Für viele Spieler ist Dragon Age eines der besten Rollenspiele aller Zeiten. Böse Zungen behaupten, das sei nur so, weil sie zu jung sind, um die ganzen alten, komplexen RPG-Schinken zu kennen. Egal, zu welchem dieser Lager ihr zählt - eines dürfte euch trotzdem interessieren: Wie wird der zweite Teil? Electronic Arts und BioWare haben die Fortsetzung des Megahits kürzlich in London in einer spielbaren Version vorgestellt.

In unserem Interview mit den BioWare-Granden Muzyka und Zeschuk motzten wir bereits, dass nur die Xbox-360-Ausgabe und nicht auch die PC-Fassung zum Probespielen zur Verfügung stand. Doch alles Zetern half nichts, wir mussten zum Controller greifen, um wieder in die sagenhafte Welt von Ferelden einzutauchen - wenn auch nur für kurze Zeit.

Dragon Age 2 - Quo vadis, Dragon Age: Rollenspielmonster oder Massenmarktwurst?

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In dunkler Nacht, am hellen Tag, entgeht ihm keine schlechte Tat... Wer Unrechtes tut, der fürchte sich, vor Hawkes Licht.
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Gerade einmal etwa zehn Minuten dauerte die kompakte Episode, in der wir uns mit den neuen Protagonisten anfreunden konnten. „Wir haben uns besonders viel Mühe gegeben, die Konsolenversionen aufzupolieren und zugänglicher zu machen“, betonte Robyn Théberge, Produzentin von Dragon Age 2. Und tatsächlich, das Handling der Heldengruppe geht wirklich sehr eingängig von der Hand.

Im Vergleich zu Dragon Age wirkt das Interface aufgeräumter, alle Funktionen, Sprüche und Fertigkeiten sind etwa einen Klick schneller erreicht. Doch wer bisher (wie ich) fast ausschließlich die PC-Version von Dragon Age gespielt hat, vermisst natürlich den Komfort dieser Plattform. Selbst das entschlackte Controller-Handling mutet vergleichsweise überladen an.

Dragon Age 2 - Quo vadis, Dragon Age: Rollenspielmonster oder Massenmarktwurst?

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Sexy, aber auch absolut tödlich: Isabella mag es von hinten.
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BioWare hat aber - sofern sich das anhand dieser kurzen Spielsession ablesen lässt - sichtlich Zugeständnisse im Bereich Spielmechanik gemacht. Dragon Age 2 ist nicht nur deutlich blutiger als das Original, zumindest in der Konsolenform und auf den ersten schnellen Blick gleichen die Gefechte eher einem actionorientiertem Abenteuer als einem ausgewachsenen Rollenspiel.

„Wir wollen beide Seiten bedienen: taktische Kämpfe anbieten, aber auch welche mit dem Fokus auf Action“, sagt Théberge, als wir die Buttonmashing-lastigen Auseinandersetzungen hinterfragen. BioWare will so einen flüssigeren, schnelleren Spielverlauf erreichen. Und so fühlt sich das Ganze auch an: Mit wenigen Tasten bezwingen wir ein Dutzend Feinde problemlos, ohne auch nur einmal einen der anderen Menübereiche verwendet oder Gruppenmitglieder verwaltet bzw. gesteuert zu haben.

Sexy Isabella mag’s von hinten

Möglicherweise wurde die Demo auch für lahme Pressevertreter angepasst oder wir befinden uns in einem sehr frühen Abschnitt von Dragon Age 2. Für meinen Geschmack ging das aber viel zu leicht, irgendwie anspruchslos. Kommt vielleicht auch davon, wenn man ein Spiel produziert, das nach dem Prinzip „Immer wenn man einen Knopf drückt, passiert etwas Fantastisches“ (Dr. Ray Muzyka) funktioniert.

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Die Qunari greifen an - wenn Sten davon wüsste...
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Dafür will das kanadische Entwicklerstudio in Sachen Art-Design definitiv mächtig aufrüsten: Die gezeigte Location erinnert an die Schauplätze der Herr-der-Ringe-Filme, alle Grafiken enthalten viel mehr 3-D-Anteile, die Bilder erzeugen eine schöne Tiefenwirkung, alles wirkt noch dreckiger, benutzter, die detailliert modellierten Figuren strahlen dagegen noch mehr Sex-Appeal aus. So beispielsweise der neue Charakter Isabella: Die Piratenlady kommt mit sehr ausladenden „Argumenten“ daher und sorgt für einen netten Blickfang. Sehr sexy, ausgesprochen tödlich!

„Wir wollen die Landschaft abwechslungsreicher gestalten“, beschreibt Robyn Théberge das Ansinnen, „aber auch näher an der Realität dran sein und alles glaubhafter in Szene setzen.“ Optisch hinterlässt Dragon Age 2 in der Konsolenform also tatsächlich einen sehr guten Eindruck, in der gezeigten Fassung traten jedoch auch sehr häufige Framerate-Einbrüche auf, die hoffentlich noch verschwinden.

Ein bisschen zu viel actionreiche Pad-Klimperei für meinen Geschmack.Ausblick lesen

Insbesondere interessierte uns zudem die aktuelle Spielweise der Schurkenklasse. Im Hauptspiel doch etwas stiefmütterlich behandelt, gelobt Bioware für den zweiten Teil in diesem Punkt Besserung und Isabella ist zufälligerweise einer dieser heimtückischen Schattenschleicher. Auch wenn wir wissen, dass es Schurken besonders gerne „von hinten tun“, hat das sicher nichts mit den amourösen Anbandelungen zu tun, die uns für Isabella versprochen werden.

Dragon Age 2 - Unglaublich: Drachiales Cinematic12 weitere Videos

Vielmehr liegt es in der Natur dieser Charakterklasse, ihre Fertigkeiten schleichend zur Geltung zu bringen - und hinten sind wir eben alle, ähm, am verletzlichsten. War es im ersten Teil noch oft eine ziemliche Pein, die Schurken genau auszurichten, erhaltet ihr nun eine ganze Reihe cooler Bewegungen, mit denen ihr eure huschenden Killer in Stellung bringt, anstatt sie als doppelklingige Metzelmeister an der Front zu verheizen/missbrauchen. Rein in den Zweikampf, blitzschnell raus aus der Gefahrenzone. Das fühlt sich bisher ganz gut an.