




Als ich nach dem Durchspielen von „Dragon Age 2“ noch mal „Origins“ rauskramte, spürte ich die Liebe in den Texten, die weitreichenden Beziehungen zwischen den Figuren und den markanten Geruch Fereldens. Von der ersten Minute an. Wer sich nun in der Rolle von Hawke zum Champion Kirkwalls aufschwingen will und die große Sightseeing-Tour in den Freien Marschen ersehnt, wird lediglich mit ein wenig Querfeldeinromantik abgespeist.
Abseits der Stadt, der „Verwundeten Küste“ und einiger zufällig begehbarer Lager, die immer gleich aussehen, kann Bioware kein Bild einer zusammenhängenden Welt vermitteln. Ober-, Unter-, Dunkelstadt und der Marktplatz sind edel gestaltet, ich mag die verwitterten Mauern unter dem hohen Himmel und die Architektur. Aber mehr ist da draußen nicht.
Und ich vermisse auch Reaktionen in der Spielwelt, jemanden zum Plaudern. Eine Seele ohne Belang, die einfach nur in ihrer Umwelt glücklich ist und die kleine, unwichtige Geschichte ihres Lebens erzählt. Hier verschenken die Entwickler viel Potenzial mit ihrer Stadt, die ja angeblich aus allen Nähten platzen soll – wo denn? Teilweise fühlte ich mich wie ein Laufbursche, der sich an einer Kette nicht enden wollender Nebenmissionen zum großen Finale hangelt, das man zehn Meilen gegen den Wind riecht. Einer Reihe aus guten Neben- und Kurzgeschichten, denen ich gern zugehört habe. Obwohl Bioware diesmal routinierter zu Werke geht.
Ich fühle mich immer noch wohl beim Lesen, da Bruder Genitivi einen Großteil zur Kodex-Zettelwirtschaft beiträgt. Ich mag die zickigen Seitenhiebe zwischen Isabela und Aveline, oder Varric, als er der nervös plappernden Merill über den Mund fährt. Und ich hab das Gefühl, dass ich trotz eingeschränkter Dialogmöglichkeiten meine Gefährten kennenlerne. Bioware beweist das übliche Geschick für Charakterbiografien, für spleenige Querköpfe, denen man gern zuhört, wenn sie reden, und denen man hilft, wenn sie bitten. Obwohl es unheimlich schade ist, dass sie meist nur mit mir schwatzen, solange es das Spiel möchte.
Und die Kanadier beweisen auch, dass stimmungslose Höhlen und die drölfte unmotivierte Riesenspinne stark auf die Atmosphäre drücken können. Es fühlt sich weniger geheimnisvoll und spannend an, Kisten bei Händlern lieblos durchzuklicken, statt mit den Trödlern zu reden, und Quests per Brief vom Schreibtisch zu fischen. Die umfangreiche Charakterentwicklung mitsamt des modernisierten, aber immer noch wunderbar taktischen Kampfsystems retten „Dragon Age 2“ trotz Dungeon-Recyclings den Hals. Ich hab die Geschichte gern durchgespielt und hatte Spaß, sie zu hören. Die brennende Begeisterung von damals allerdings, die ist verschwunden.
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Review-Screenshots die Zweite



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Im Detail wurde kaum etwas verändert. Ja, die Kampfeffekte sind dicker, die Gesichter ein Tick detaillierter, und die Animationen im Kampf können sich sehen lassen. Aber in Sachen Kulisse wirkt alles sehr steril, die Städte bleiben recht leblos, Schauplätze außerhalb Kirkwalls, etwa die Verwundete Küste, sehen immer gleich und spröde aus.
Tolle deutsche sowie englische Sprecher, ein wunderbarer Soundtrack, der alte und neue Stücke vermengt, und donnernde Soundeffekte sorgen für das akustische Drumherum. Mal fröhlich, mal bedrohlich, mal düster, mal heiter. Sehr stimmungsvoll.
Vieles wurde gegenüber Origins vereinfacht. Keine Rüstungen für Begleiter, weniger Dialoge, vereinfachtes Dialogsystem und so weiter. Unterm Strich immer noch gut, zumal es viel zum Lesen gibt - Kodex sei Dank -, auch das Kampfsystem ist auf dem „schweren“ Schwierigkeitsgrad eine Herausforderung. Doch im Vergleich mit dem Vorgänger wurde einfach zu vieles vereinfacht.
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