Dracula muss einmal mehr vernichtet werden. Pflöcke, Silber, Weihwasser, all das sind bekannte Zutaten, um Vampire um ihr Unleben zu bringen. Unzählige Bücher, Filme und einige Adventurespiele sind zu der Buchvorlage Bram Stokers schon erschienen. Große Darsteller wie Christopher Lee, Bela Lugosi und Gary Oldman durften schon in die Rolle des transsylvanischen Fürsten schlüpfen, um der Geschichte mit frischem Blut zu neuem Ruhm zu verhelfen.

Aber auch die dickste Ader ist irgendwann leer gezapft. Bringt euch das Adventure Dracula: Origin neue Erkenntnisse aus der Vampirmythologie oder verlässt es sich gar zu sehr auf den Werbeeffekt durch das bekannte Thema?

Ihr beißt euch die Vampirzähne an Dracula: Origin aus? Unsere Komplettlösung weiß Rat!

Kaum verwunderlich beginnt das Spiel in London. Dracula hat bereits zugebissen und wir begeben uns direkt auf die Jagd nach dem Fürsten der Finsternis. Spielcharakter ist Dr. Van Helsing, welcher rätselnd und knobelnd nach einem Weg sucht, das Ungeheuer zu vernichten und die holde Minna vor dem Vampirdasein zu bewahren.

Dracula: Origin - Die Vampire bitten zum Tanz - und zum Zahlencode, Farbrätsel, Steinchen schieben, Buchstabensalat...

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Draculas Schlafgemach: Die Story lehnt sich lose an die Romanvorlage an.
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Im Laufe seiner Nachforschungen kommt er jedoch einem Geheimkult um die Herrschaft des Bösen auf die Spur und muss zudem einen teuflischen Plan des Erzvampirs verhindern. Leider kommt durch den unvermittelten Einstieg ins Spiel kein persönlicher Bezug zu den Charakteren auf, und auch im späteren Spiel tut sich der Spieler schwer, Sympathie zu den handelnden Figuren aufzubauen.

Steif, steril und “zwecklos“

Schuld daran ist unter anderem das recht eingeschränkte Vokabular des Protagonisten. Viele seiner Sprachsamples wiederholen sich ständig, „Zwecklos“ ist eine der häufigsten Äußerungen, die er während des Testspiels hervorbrachte. Zwar ist diese wie auch die meisten anderen Synchronstimmen von gehobener Qualität, aber die Dialoge können nicht recht mitreißen und vermitteln oft nur das Nötigste. Gegen den aktuellen Genrevertreter „Edna bricht aus“, in dem beinahe jede einzelne Aktion eine individuelle Reaktion hervorruft, wirkt Dracula: Origin sehr steif und steril.

Rettend kann hier die Musik einspringen, die sich dezent im Hintergrund hält, aber mit gekonntem Einsatz für eine dynamische Atmosphäre sorgt. Besonders ein Musikstück auf dem Marktplatz in Kairo gibt der Atmosphäre in diesem Spielabschnitt einen schwungvollen Touch.

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Viele der Schauplätze wirken etwas steril.
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Selbst Namenspate Dracula kann nicht recht überzeugen. Seine Auftritte im Spiel sind kurz und lassen ihm keinen Raum, sein Handeln aus seiner Perspektive zu erläutern. Einzig in den, zugegebenermaßen gut geschriebenen, Briefen und Dokumenten, die sich im Laufe des Spiels ansammeln, sind weitere Einblicke in die Beweggründe des Blutsaugers gegeben. Überhaupt bezieht das Spiel einen gewissen Reiz daraus, die verschiedenen Informationsschnipsel zu entdecken und sich ein Bild von den Ereignissen zu machen, bei welchen Van Helsing nicht zugegen war.

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Darf in keiner Vampir-Story fehlen: ein Friedhof.
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Gleichzeitig dienen die Dokumente oft als Rästelhinweise. Dialogaufzeichnungen und automatische Notizen Van Helsings tun ein Übriges, damit der Spieler keinen wichtigen Hinweis verpasst. Wenn es um Rätsel mit Objekteinsatz geht, sind die Hinweise aber ohnehin selten vonnöten, da diese fast alle recht nahe liegend und einfach sind. Wirkliche Denkarbeit wird hier kaum vom Spieler gefordert.

Die Rätsel: ein Buch mit sieben Siegeln

Deutlich schwieriger und auch nervtötender sind da die unzähligen Knobelrätsel, mit denen sich der passionierte Vampirjäger herumschlagen muss. Seien es Türschlösser, der Eingang zu einer Gruft oder sogar ein simpler Buchdeckel, fast alles muss mit einem speziellen Mechanismus, Code oder einer Kombination aus beidem geöffnet werden. Der Bezug zur Spielwelt bleibt bei einigen dieser Knobeleien weitgehend im Dunkeln. Warum Dracula den Zugang zu seiner Gruft durch ein Coderätsel mit Symbolen und verschiedenen Farben verschließt, ist zumindest merkwürdig.

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Immer wieder gilt es, Codes zu knacken, Zahlen zu entschlüsseln, Farben zu kombinieren...
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Einige der Rätsel werden zusätzlich erschwert durch zu dunkle Hintergründe, in denen benutzbare Gegenstände kaum erkennbar sind. Überhaupt bewegt sich das Spiel grafisch zwischen ordentlichen Hintergründen und langweiligen Umgebungen, die steril und uninteressant wirken. Oft scheinen auch die Figuren und einige Objekte fremd in den Lokalitäten.

Im Spiel und in den Zwischensequenzen ist zwar ein Mienenspiel in den Gesichtern erkennbar, dieses ist jedoch wenig ausdrucksstark - ein Eindruck, der durch zu glatte Haut der Modelle noch verstärkt wird. Grafisch befindet sich das Spiel auf Mittelmaß, zwar technisch recht modern, aber ohne echten Charme. Innovative Ideen wie im zuletzt erschienenen Goin Downtown oder pfiffige Rätseleien sucht man leider vergeblich.

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Nein, das ist kein Screenshot aus Age of Conan...
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In der Bedienung bleibt Dracula: Origin meist einfach, die Leertaste offenbart alle benutzbaren Objekte, mit der rechten Maustaste öffnet sich das Inventar. Leider führt der Spielcharakter nur Aktionen aus, wenn das richtige Objekt im Inventar angewählt wurde, und er gibt keinerlei Hinweise, was der Spieler vergessen hat anzuklicken. So öffnen sich Türen erst nachdem ein Schlüssel im Inventar angewählt wurde.

Das seltsamste Beispiel der Bedienung bot uns ein Rätsel gegen Ende des Spiels, in dem Zahlen und Namen kombiniert werden mussten. Hier mussten die schon mit bloßem Auge erkennbaren Zahlen und Namen erst einzeln angeklickt werden, damit Van Helsing nicht vor einem Zahlenschloss mit der Bemerkung „Mir fehlen Informationen“ den Dienst verweigert. Der benötigte Zahlencode war wohlgemerkt schon von uns geknackt.