Der Klassiker unter den 3D-Shootern geht in die nächste Runde. Nachdem uns die Entwickler von id Software im letzten Sommer mit dem dritten Teil der legendären Doom-Reihe die lauen Sommerabende versüßt haben, legen die Amerikaner jetzt nach mit einer Umsetzung des genialen Alptraumschockers für Microsofts Xbox nach. Damit betritt ein Shootingstar die Bühne der Konsolen, der bislang ausschließlich als hardwarehungriger Edeltitel für PC-Jünger bekannt war.

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Die Story der vor einem knappen Jahr erschienenen PC-Version wurde dabei unverändert übernommen. PC-Ballermännchen und -weibchen, die sich nunmehr auch an der Konsole gegen die höllischen Heerscharen stellen wollen, betreten somit bekanntes Terrain.

Wir wollten natürlich umgehend wissen, ob die Machenschaften des Weltkonzerns UAC im Jahre 2145 und die Mordgelüste der Alptraum-Aliens auf dem heimischen Fernseher ähnliche Begeisterungsstürme und erhabenen Schrecken auslösen können wie das PC-Vorbild seinerzeit am Rechner.

Unser Autor ölte deshalb die virtuellen Ausknipser, um die unhöflichen Eindringlinge unmissverständlich wissen zu lassen, dass sie auch auf der Xbox keine Chance haben, ihre finsteren Pläne in die Realität umzusetzen. Seinen Erfahrungsbericht über unheimliche Begegnungen der fiesen Art wollen wir Euch natürlich nicht vorenthalten.

Ob der Titel das hohe Spannungs- und Actionniveau seines PC-Bruders halten oder gar noch steigern kann, verriet er uns in einer kurzen Kampfpause.

Das Grauen hat einen Namen
Konsoleros freuen sich, denn mit »Doom III« ist einer der erfolgreichsten Action-Titel des vergangenen Jahres endlich auch für die Xbox umgesetzt worden. Damit dürften konsolenorientierte Actionfreunde im siebten Ballerhimmel schweben, denn die konnten bislang nur neidvoll in Richtung PC schielen, wenn es um den legendären Gruseltitel ging. Auch auf der schwarzen Edelbox aus Redmond glänzt das Spiel mit phantastischer Grafik, gruseligen Sounds und einer genialen Spielatmosphäre.

Wer sich seinerzeit durch »Doom III« am PC gekämpft hat, weiß um das Gefühl, sich am Ende einer durchzockten Nacht nur noch schleichend und mit einer Taschenlampe im Anschlag durch die stockdunkle Wohnung zu bewegen. Und wer dies durchgemacht hat, wird sich sicherlich auch noch an das Glücksgefühl erinnern, wenn sich langsam die Erkenntnis durchsetzte, dass es die brüllenden Biester aus dem Spiel in der Realität gar nicht gab. Es sei denn, die Eltern minderjähriger Zocker entdeckten, was ihr Spross da die halbe Nacht gespielt hatte. Denn natürlich war und ist »Doom III« kein Titel, der sich mit einer Jugendfreigabe unter 18 Jahren schmücken könnte.

Deshalb bleibt auch die Konsolenumsetzung des genialen Shooters volljährigen Zockern vorbehalten. Die bekommen für ihr Geld bekannte und beliebte Kost. Denn die unverdünnte Hölle erlebt der ambitionierte Actionfan auch auf der Xbox. Die Handlung ist dabei, wie schon beim PC-Bruder, absolute Nebensache. Der Spieler ist ein namenloser Marine, der sich zum Sicherheitsdienst auf dem Mars gemeldet hat. Schon kurz nach seiner Ankunft bricht die Hölle in Form von zahlreichen Dämonen und Kreaturen fragwürdiger Herkunft über die Station herein. Als einer der wenigen Überlebenden ist es die Aufgabe des Helden, herauszufinden, was schief gelaufen ist und woher die Eindringlinge kommen. Nach und nach kommt der Spieler dabei den dunklen Machenschaften der Drahtzieher auf die Schliche.

Das war's dann auch schon mit der gesamten Handlung. Zu Beginn steht die Erkundung der noch friedlichen Station auf dem Plan, wobei sich ein Blick in alle Winkel der Einrichtung lohnt. Schließlich muss man sich im ersten Teil später unter weniger freundlichen Bedingungen zum Ausgangspunkt zurückkämpfen. Man schleicht, gruselt und schießt sich also durch die Levels, wobei pure Action und das blanke Überleben des virtuellen Alter Egos im Vordergrund stehen.

Doom 3 - Mars macht Mobil – die Monsterjagd hat die Xbox erreicht!

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Einziger Unterschied zur PC-Version: krallten sich schreckhafte Naturen im letzten Jahr an ihren Tastaturen fest, während sie gebannt auf den Monitor starrten, so werden sich furchtsame Zocker jetzt in die bequeme Sofagarnitur des heimischen Wohnzimmers wühlen und vor Angst in den Controller beissen. Insofern steht dem Equipment der Xbox mit dem Erscheinen von »Doom III« womöglich ein neuer Belastungstest ins Haus. Denn dank id Software sind nunmehr auch bissfeste Joypads gefragt.

Packshot zu Doom 3Doom 3Erschienen für PC und XBox kaufen: Jetzt kaufen:

Tödlicher Cocktailgenuss
Das Rezept, mit dem id Software die Fangemeinde verwöhnt, ist hinlänglich bekannt und sorgt seit langem für erfolgreiche Actionkost. Die Ingredienzien sind dabei stets die gleichen, allerdings sorgen die Entwickler durch stetiges Verfeinern der Komponenten dafür, dass das entstandene Produkt auch nach Jahren noch goutiert.

Im Falle von »Doom III« heisst das, dass der Mars als Handlungsort immer noch genauso tödlich, gruselig und dunkel ist wie seinerzeit auf dem PC. Die Unholde sind immer noch vielzählig, schlechtgelaunt und meist sehr kräftig. Und das Waffenarsenal des Helden setzt sich ebenfalls immer noch aus einer bunten Konfektion der unterschiedlichsten Gerätschaften zusammen und sorgt für die notwendigen Überraschungseffekte bei den Gegnern. Die Art jedoch, in der die id-Jungs diesen Cocktail zusammengemixt haben, überzeugt auch auf der Konsole. Doom- Veteranen werden zwar kaum neues entdecken, dafür wird altbekanntes in Dolby-Surround und mit endgeiler Xbox-Grafik serviert. Außerdem kamen bislang nur Zocker mit Edeltechnik in den Genuss der vollen Dröhnung, denn »Doom III« ist ein Hardwarefresser, der auch heute noch einen schnellen Rechner mit Hochleistungsgrafikkarte erfordert.

Xbox-Besitzer können solche technischen Bedingungen getrost außer Acht lassen, denn natürlich läuft das Spiel auf ihrem Liebling ohne Probleme. Und wer seinen Brüllwürfel womöglich sogar an einen Beamer und eine Dolby-Digital-Anlage angeschlossen hat, kann sich über den derzeit bestmöglichen Konsolengrusel im Actiongenre freuen.

Steuererklärung
Bemerkenswert ist die gut gelungene Steuerung des ursprünglich für PCs konzipierten Spiels. Zwar stechen Action-Shooter in aller Regel nicht mit einer Vielzahl von Tastaturbefehlen hervor, doch wie bei vergleichbaren Titeln auch, kommt es bei »Doom III« in erster Linie auf Schnelligkeit und Präzision beim Zielen an, denn die Munition ist arg begrenzt und sollte nicht durch minutenlange sinnlose Ballerorgien verschwendet werden. Außerdem herrschen auf dem Mars schlechte Lichtverhältnisse. Das Eindringen der dämonischen Horden hatte nämlich neben anderenunangenehmen Effekten auch die Folge, dass diverse Sicherungen ausgefallen sind und der Spieler sich daher oft in halbdunklen Gängen und Räumen aufhält. Das wichtigste Utensil neben einer guten Kanone ist daher die Taschenlampe, die auch die finsterste Ecke ausleuchtet und so manch üblen Überraschung vorbeugt. Der Haken: wer mit der Funzel hantiert, kann keine Ausknipser benutzen. Ein fliegender Wechsel zwischen Erleuchtung und Erwehrung ist deshalb unumgänglich.

In der Standard-Buttonbelegung liegt der Lichtschalter auf dem weissen Controller-Knöpfchen. Wer jedoch die wichtigsten Funktionen lieber eng beieinander haben möchte, sollte in den Optionen die Alternativbelegung wählen, dann sitzt der Funzelschalter auf dem B-Button, was einen zügigeren Wechsel zwischen Wumme und Licht ermöglicht. Ansonsten gibt es aber bei der Anordnung der Pad-Knöpfchen nix zu meckern. Mit X lädt man nach, Y wechselt zur vorhergehenden Waffe oder ruft den PDA auf (je nachdem, welche Voreinstellung man in den Optionen eingestellt hat), und A lässt den Marine springen. Praktisch: Über das Steuerkreuz lassen sich die wichtigsten Kanonen direkt anwählen. Das hat sich besonders in hektischen Situationen bewährt und beugt verbissenem Zähneknirschen vor.

Das Bildschirm-Interface wurde ebenfalls unverändert gegenüber der PC-Version übernommen und bietet eine schnellen Blick auf den Munitionsvorrat, die eingesetzte Knarre und die eigene Haltbarkeit - angesichts des zum Teil knappen Nachschubs unverzichtbare Informationen.

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Übrigens: Das Zeitalter der nur begrenzt verfügbaren Speicherpunkte in Konsolenspielen hat mit »Doom III« zumindest auf der festplattenbewehrten Xbox ein Ende, denn hier darf man zu jedem Zeitpunkt sichern. Das ist schön und entspannt vor dem Betreten des letzten Level-Abschnitts mit geringer Gesundheit sichtlich die Lage. Hoffentlich übernehmen Entwickler anderer Firmen dieses Prinzip, das für PC-Zocker seit Urzeiten eine Selbstverständlichkeit ist.

Maßnahmenkatalog
Wer »Doom III« am PC gezockt hat, wird sich des umfangreichen Waffenarsenals erinnern, das dem gestressten Kämpfer gegen das Böse zur Verfügung stand. Der gleiche Maßnahmenkatalog findet sich auch auf der Xbox wieder. Von der harmlosen Pistole über das Marine-Maschinengewehr bis hin zur Minigun und dem schicken Raketenwerfer spannt sich das Spektrum der Argumente gegen die Dämonen. Auch die beliebte Kettensäge und der rätselhafte Soul-Cube haben ihren Auftritt auf der Wohnzimmerkonsole.

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Mit effektvollen Ablebesequenzen der verehrten Gegnerschar wird natürlich ebenso wenig gespart, wie mit phantasievollen Todesarten. Viele Dämonen beenden ihre Tätigkeit nämlich erst, wenn ihnen die Rübe weggeblasen wurde - sicherlich einer der wichtigsten Gründe, warum das Spiel keinesfalls in Kinderhände gehört.

Dennoch halten sich die Splattereffekte in einem vertretbaren Rahmen. Zwar fließt der rote Lebenssaft auch hier, doch im Gegensatz zu einigen anderen berüchtigten Metzelorgien übt sich »Doom III« in relativer Zurückhaltung.Ebenfalls vom PC-Bruder bekannt ist das fleißige Einsammeln von PDAs während des Spielens, die ehemalige Mitarbeiter der Firma infolge ihrer einstweiligen Unpässlichkeit verloren haben. Sobald man über ein solches elektronisches Notizbüchlein läuft, wird dessen Inhalt automatisch in das Interface des Spielers übertragen. Auf diese Weise gelangen bruchstückhafte Informationen über die Vorgänge auf der Station sowie wichtige Sicherheitscodes in dessen Besitz. Einige Türen und Versorgungsschränke lassen sich nämlich nur nach Eingabe eines korrekten Zahlencodes öffnen. Wer allerdings glaubt, in »Doom III« auch erstmalig Rätsel- oder Adventure-Elemente vor sich zu haben, sieht sich getäuscht. Das Einsammeln der verschiedenen Informationen und deren Auswertung bleiben die einzigen Aufgaben, die der Spieler neben dem eigenen Überleben zu lösen hat.

Während man auf dem PDA nach Informationen stöbert, wird der Spielbildschirm übrigens komplettüberdeckt. Da aber wohl niemand auf die Idee kommen wird, während einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit Dämonen dringend seinen Terminkalender zu durchforsten, stört diese Tatsache den Spielfluss nicht.

Tonangebend
Als rundweg gelungen ist die technische Umsetzung des ursprünglichen PC-Hits anzusehen. Zwar wurden im Vergleich zum Rechner die Details heruntergefahren, doch diese Anpassung war konsolenspezifisch notwendig, zumal keine Glotze mit der grafischen Darstellungsmöglichkeit von modernen Monitoren mithalten kann. Wer jedoch das Original nicht als Maßstab anlegt, sondern den Titel mit anderen Xbox-Krachern vergleicht, wird zu dem Schluss gelangen, dass »Doom III« auch hier in Führung geht. Die düstere Atmosphäre und das unheimliche Zusammenspiel von Licht und Schatten sowie das Design der fiesen Dämonen sorgen für mehr oder weniger wohliges Grausen, das am heimischen Fernseher derzeit wohl nur noch durch einen Auftritt von Angela Merkel überboten werden kann. Nur - die wird wohl noch länger auf eine Spielumsetzung mit ihrer Person für die Xbox warten müssen...

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Soundtechnisch zieht das Spiel in Zusammenarbeit mit der Redmonder Riesenbox alle Register. Wer seine Konsole über eine Heimkino-Anlage laufen lässt, kommt in den Genuss diverser Geräusche und Schreie, die aus allen Ecken zu kommen scheinen. Geradewegs so, als sei er in unseren Redaktionsräumen zu Besuch. Doch anders als im realen Leben, wo einem die Monster in Gestalt des Chefredakteurs das Leben schwer machen, kann der Surroundsound-Grusel im Spiel erfreuen. Auch die musikalische Untermalung unterstreicht durch düstere Klänge und leise-bedrohliche Akkorde die dichte Atmosphäre, was zu der fast schon filmreifen Umsetzung des Spiels beiträgt.

Multiplayer
Ein Actiontitel, der was auf sich hält, wartet natürlich auch mit einem Multiplayer-Teil auf. Auch »Doom III« glänzt mit umfangreichen Mehrspieleroptionen - leider nur über Xbox-Life oder System Link. Das ist mehr als schade, denn wer nicht gerade Microsofts teures Onlineportal nutzen will oder sich mit Kumpels trifft, die alle eine Xbox und eine Glotze im Gepäck haben, bleibt hier außen vor.Warum die Entwickler nicht den bei Konsolen beliebten Splitscreen-Modus spendiert haben, ist unverständlich. Natürlich ist die Möglichkeit verlockend, sich gegenseitig über mehrere vernetzte Xboxen das Leben schwer zu machen.

Ob jedoch außerhalb von Turnieren hiervon übermäßig Gebrauch gemacht wird, ist zu bezweifeln. Der Aufwand, neben der Konsole noch einen betriebsbereiten Fernseher mit sich herumzuschleppen, steht dem gemütlichen Treffen von Zockern im heimischen Wohnzimmer entgegen.

Dass sich gute Actiontitel sowohl im Koop-Modus (den ja »Doom III« ebenfalls anbietet), als auch im Deathmatch über Splitscreen hervorragend spielen lassen, haben nicht zuletzt die beiden Halo-Teile anschaulich unter Beweis gestellt. Besonders ein Deathmatch-Modus, bei dem die Suche nach menschlichen Gegnern in halbdunklen Räumen unter Zuhilfenahme der Taschenlampe im Vordergrund steht, wäre eine witzige Option, die sich an der Xbox sicherlich leicht hätte realisieren lassen.

Doch diesen Überlegungen steht das Spielkonzept von »Doom III« entgegen, das seine wahre Stärke ja eigentlich im Singleplayer-Part ausspielt. Schließlich gruselt es sich am intensivsten allein vor dem Fernseher. Zücken hingegen mehrere Spieler ihre Kanonen und schleichen gemeinsam durch die finstere Mars-Station, bleibt fraglos ein Teil der Spannung auf der Strecke.

Und das wäre natürlich schade. Schließlich geht nichts über den Anblick eines übernächtigten und schweißgebadeten Power-Zockers, der zusammenzuckt und in die nächste Ecke flüchtet, wenn man ihm an einem sonnigen Vormittag beim Bäcker einen guten Morgen wünscht.Pro & Contra