Ich mag Spiele, die mehr sind als Spiele. Ich mag Spiele, die elaboriert Geschichten erzählen, sich sozialkritischen Themen widmen und optisch einem Gemälde gleichen. Manchmal braucht es das alles aber auch nicht. Manchmal darf es auch einfach eine strunzdumme Action-Sause sein, die sich einen Dreck um Kunstfertigkeit schert. Manchmal darf es auch einfach ein bisschen Doom sein.

DOOM - Launch-Trailer9 weitere Videos

Vom neuen Doom habe ich mir ursprünglich nicht viel erwartet. Ja, die ersten Trailer sahen nett aus, aber mit seiner holprigen Entwicklungsgeschichte und dem verantwortlichen Studio id Software, das nach der Bauchlandung mit Rage mehr um Relevanz denn um gute Spiele kämpfte, zeichneten sich dunkle Wolken in der Release-Vorhölle ab. Doch schon in den ersten Runden verfliegen alle Befürchtungen … beziehungsweise: Doom weidet sie aus, pflanzt eine Granate in ihren Hals und lässt sie mit einem Raketenwerfer wie einen wunderschönen Feuerwerkskörper zerschellen.

Hallo, Hölle!

Wie Doom das geschafft hat? Ganz einfach: Es lässt keinen Platz dafür, über irgendwelche Zweifel zu sinnieren. Ihr erwacht im Körper des Doomguys, haltet genau drei Sekunden nach Spielstart schon die erste Waffe in der Hand und tretet von da an nahezu durchgängig Dämonenhintern. Die Art und Weise, wie id Software die Action zelebriert, ist nahezu konkurrenzlos. Unter hämmernden, grollenden Metal-Riffs füttert ihr altbekannte Beelzebub-Buddys wie Cacodemons und Revenants mit Blei, Schrot, Plasma, Raketen und Kettensägeblättern.

Doom - High five für den Höllenbaron

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 75/791/79
Doom versucht zwar seine Geschichte mit auffindbaren Dokumenten aufzuplustern, doch eigentlich gibt’s da nicht viel zu erzählen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Action ist dabei unheimlich schnell und ruhelos. Nicht der Schutz hinter hüfthohen Mauern ist der Weg zum Sieg, sondern die konstante Bewegung und das geschickte Umlaufen der Angriffe von Gegnern. Weiteres Kernelement sind die maßlos übertriebenen Glory Kills: Beharkt ihr Gegner lange genug, könnt ihr ihnen beim Straucheln einen finalen K.O.-Schlag verpassen. Dabei werden so viele Knochen gebrochen, Gliedmaßen ausgerissen und Schädel eingeschlagen, dass sogar der Mortal-Kombat-Riege angst und bange werden könnte. Das groteske Gore-Fest ist sicherlich nicht jedermanns Sache und ganz bestimmt nicht für Minderjährige bestimmt, doch auf der anderen Seite fühlen sich die Kämpfe dadurch auch unheimlich satt und belohnend an.

Auch meine Befürchtung, mich irgendwann an den Glory Kills sattgesehen oder sie gar als störend zu empfinden, hat sich nicht bewahrheitet. Sie sind flott abgespult und dank kurzzeitiger Unverwundbarkeit ein kurzer Hort der Ruhe, nach dem ich mich im Tumult aus Höllenbestien um mich herum regelrecht sehne.

Packshot zu DOOMDOOMErschienen für PC, PS4 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Mehr als eine Dampfwalze?

Aber, und das hat mich fast noch mehr überrascht als die großartige Action: Doom kann noch mehr! Ich brauchte selbst ein, zwei Level, ehe ich schnallte, dass id Software sehr viel Mühe und Zeit in das Leveldesign investiert hat. Während ich zu Beginn noch wie ein wutschnaubender Berserker von einem Kampf in den nächsten stürmte, entdeckte ich bald, dass jedes Gebiet seine kleinen, gut versteckten Geheimnisse besitzt. Das akribische Durchstöbern der Areale kommt nach den bestialischen Schlachten einem Kurzurlaub gleich und motiviert abseits der stumpfen Action unheimlich. Nur das ausgelutschte „Tür ist versperrt, suche die Schlüsselkarte in der Farbe Purpur“-Spiel hätten sich die Entwickler gern sparen können.

Doom - High five für den Höllenbaron

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden4 Bilder
Viele der Kulissen könnten direkt einem Death-Metal-Albumcover entsprungen sein.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Auch wenn sich Doom zu einem Großteil der alten Shooter-Schule verschrieben hat – uns deshalb beispielsweise nicht autoregenerative Kräfte schenkt, sondern stattdessen Healthpacks und Rüstungsteile verschreibt – besitzt das Ganze auch deutliche, neumodischere Einflüsse. So könnt ihr Waffen-Perks freischalten, euren Schutzpanzer aufstufen und Runen mit Spezialeffekten ausrüsten. Toll ist auch, dass sich Doom eine kleine Scheibe vom großartigen Wolfenstein: The New Order abgeschnitten hat: Einige Upgrade schaltet ihr nur durch eure eigenen Fähigkeiten und nicht mit schnöden Punkten frei. Wenn ihr beispielsweise das Doppelschuss-Upgrade der Super-Shotgun aktivieren wollt, müsst ihr vorher 30 Mal mehrere Gegner mit einem Schuss erlegen.

Ein Problem der atemlosen, gut und gern mehr als zwölf Stunden verschlingenden Kampagne: Das Geschehen ist so reißerisch, dass ich nach ein, zwei Stunden auch schon erst mal wieder eine Pause vertragen könnte. Ich habe mich keinesfalls sattgesehen, doch die treibende Action ringt irgendwann einfach meine Aufmerksamkeitsgabe nieder. Ein weiteres Problem sind die Ladezeiten. Ich bin noch recht cool damit, wenn das Spiel vor einem großen Level 20 bis 30 Sekunden braucht, um meine nächste Spielwiese zusammenzusetzen. Nach einem Bildschirmtod erst einmal 20 Sekunden warten zu müssen, ehe ich wieder einsteigen kann? Nicht so cool! Vor allem dann nicht, wenn einige der Rücksetzpunkte ungeschickt platziert sind und ich beispielsweise noch einmal bereits eingesackte Boni auflesen darf.

Doom - High five für den Höllenbaron

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 75/791/79
Bei der flotten Action kommt unsere Capture-Karte kaum mit: Live und in Farbe ist’s aber ein Fest!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Crossover misslungen

Während die Einzelspielerkampagne mit der Mixtur aus neuen und alten Elementen ein (ziemlich) voller Erfolg ist, gilt das Gleiche leider nicht für den Multiplayer-Modus. Der kann richtig Laune machen, hat aber seine Probleme mit dem Balancing und spielerischen Längen. Zum einen unterscheidet sich die Effektivität der Waffen drastisch von der Einzelspielerkampagne. Das wäre an sich nur eine Sache der Gewöhnung, doch irgendwie zeigen sich die meisten Schießprügel erstaunlich ineffektiv: Ich würde einen Gegner wahrscheinlich schneller zu Tode umarmen, als ihn mit dem Sturmgewehr auf die Bretter zu schicken. Das Ende vom Lied ist, dass nur zwei bis drei der Waffen wirklich Sinn machen und nicht viel Platz für Experimente bleibt.

Reißerisch inszenierte Reanimation eines Klassikers, bei der nur der Multiplayer-Modus enttäuscht.Fazit lesen

Auf den Maps selbst sind vor allem Boosts wie vierfacher Schaden und die Dämonenrunen umkämpft. Letztere verwandeln euch bei Erhalt in eine Höllenbestie, die andere Mitspieler nur schräg anschauen muss, um sie aus den Space-Marine-Stiefeln kippen zu lassen. Da die Rune zufällig auf der Karte auftaucht und ziemlich stark ist, kann sie ein unfairer Gamechanger sein, der auch ein deutlich stärkeres Team plötzlich ins Aus katapultiert. Außerdem stört es, dass nach jedem Spawn erst einmal Rüstungsteile zusammengeklaubt werden müssen, um im Kampf Mano-a-Mano überhaupt eine Chance zu haben. Diese Sammeleien zerfasern den ansonsten recht flotten Spielablauf unnötig. Schade, denn unter diesen Mängeln steckt eigentlich ein sehr unterhaltsamer Arena-Shooter, der sich abgesehen von den genannten Stolpersteinen schön dynamisch spielt.

Doom - High five für den Höllenbaron

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden4 Bilder
Hier deutet sich einer der Glory Kills an – was danach passiert, überlassen wir allerdings eurer Fantasie.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Schnipp Snap

Mit dem Snap-Map-Editor könnt ihr eigene Einzelspieler- und Koop-Level sowie Multiplayer-Maps bauen. Trotz anfänglicher Scheu stellt sich das Tool als ziemlich übersichtlich und recht schnell verständlich heraus. Die umfangreichen Tutorials leisten einen guten Job dabei, euch die Grundlagen nahezubringen. Schon nach einigen Minuten schaffe ich es, ein erstes kleines Level zusammenzustückeln. Die Zugänglichkeit kommt allerdings zu einem Preis: Ganz so ausgeklügelte und detailverliebte Konstrukte, wie aus der Kampagne gewohnt, werdet ihr mit Snap Map nicht zustandebringen.

Doch schon kurz nach Erscheinen können sich die ersten Kreationen der Spieler wirklich sehen lassen – wenn ihr keine Lust auf Basteln habt, könnt ihr euch schließlich auch einfach durch diese Bibliothek spielen. In den Folgewochen nach Erscheinen dürfte sich unter den Snap-Map-Bauten noch der eine oder andere Juwel finden lassen.