Donkey Konga (GameCube-Test)
(von Jörg Pitschmann)

Mein Nachbar hasst mich. Als ich den Mann kürzlich im Treppenhaus traf, stieß er heftige Verwünschungen aus und erwähnte meinen Namen. Dabei haben wir uns bis vor kurzem noch gut verstanden. Doch seit einigen Tagen ist alles anders.

Der Grund seiner schlechten Laune: »Donkey Konga«, die kleinen, lauten Spaßtrommeln für Nintendos Spielwürfel, die kürzlich bei mir eintrafen. Und da ich ein neugieriger Mensch bin, habe ich die Dinger natürlich gleich ausprobiert. Ob es sich gelohnt hat, deswegen mein gutes Verhältnis zum kräftigen Nachbarn aufs Spiel zu setzen? Lest einfach weiter...

Lärmziel erreicht
Interaktion ist in. Der Trend geht weg vom faulen Sofalümmler mit flinken Fingern, der sich auf das rhythmische Drücken diverser Buttons seines Controllers beschränkt. Stattdessen ist körperlicher Einsatz immer mehr gefragt. Durchtrainiert und rhythmisch sollten also künftig nicht mehr nur die Fingerchen sein, sondern der ganze Körper. Diesem Trend hat sich auch Nintendo angeschlossen und seinem kleinen Spaßkasten ein Spielgerät der lauten Art spendiert: ein paar handliche Kunststoff-Kongas, die anstelle eines Controllers angeschlossen werden und für jede Menge gute Laune und Unterhaltung sorgen.

Und leider auch für genervte Nachbarn, siehe oben. Das Spielprinzip ist denkbar einfach und erinnert an die Tanzgymnastik der Bemani-Matten. Der Unterschied: Hier kommen nicht die Beine zum Einsatz, sondern die Hände. Zu lustigen kleinen Animationen auf dem Bildschirm ertönen mehr oder weniger bekannte Musikstücke ab. Gleichzeitig laufen auf einem

waagerechten Streifen Symbole durch das Bild und passieren eine vorgegebene Linie. Je nachdem, welches Symbol die Linie berührt, muß entweder die rechte oder die linke Trommel geklopft werden, oder man klatscht in die Hände. Macht man dies richtig, ergibt das ganze einen sinnvollen Takt, selbstverständlich passend zur Musik. Außerdem steigt die Punktzahl durch besonders gelungenes Trommeln in rasante Höhen.

Das ist insofern wichtig, als dass man für erfolgreich absolvierte Taktfolgen Geldmünzen verdient, die man allerdings nur auf seinem Konto gutgeschrieben bekommt, wenn man zusätzlich eine vorgegebene Mindestpunktzahl erreicht. Bleibt man unterhalb des Limits, verfallen die erspielten Münzen, und man darf nochmal von vorne beginnen. Die sauer verdiente Kohle investiert man übrigens entweder in neue Musikstücke und Trommelsounds, oder man kauft sich eines der drei integrierten Minispielchen. Langzeitmotivation ist also Ehrensache.

Donkey Konga - Trommelwirbel für den Spaßwürfel

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So simpel die Sache auch klingt, »Donkey Konga« macht verdammt viel Spaß. Je nachdem, welchen Schwierigkeitsgrad man wählt, artet die Trommelei nämlich in eine mehr oder weniger schweißtreibende Angelegenheit aus, die volle Konzentration erfordert, damit man nicht permanent zu spät oder außerhalb des Taktes auf die Kongas haut. Und wer eine zeitlang intensiv gespielt hat, braucht sich über geschwollene Handflächen vom hektischen Klatschen nicht zu wundern.

Das unangenehme Taubheitsgefühl resultiert übrigens auch aus dem hammerharten Schwierigkeitsgrad. Denn sogar im Primaten-Level, dem leichtesten Modus, gerät man leicht aus dem Takt und verhaut die Sequenzen gnadenlos. Trommel-Profis werden mit den Abfolgen wohl noch halbwegs zurecht kommen, für Rhythmus-Phlegmatiker sind sie dagegen in hohem Maße frustfördernd.

Packshot zu Donkey KongaDonkey KongaErschienen für GameCube kaufen: Jetzt kaufen:

Trommelwirbel
Wie alle interaktiven Spiele lebt »Donkey Konga« von seinem gelungenen Multiplayer-Part, denn als Solist wird die Trommelei schon nach relativ kurzer Zeit langweilig. Schließlich hat man den meisten Spaß bei der Sache, wenn man sich über seine ehrenwerten Mitspieler lustig machen kann. Oder die sich ausschütten vor Lachen, wenn mansich durch sein autistisches Rhythmusgefühl selbst zum Trottel macht. Der größte Anreiz, allein zu spielen, besteht eigentlich nur darin, möglichst alle Musikstücke durchzuhecheln, um dann aus dem Füllhorn der zusätzlichen Musiken und weiterer Kongasounds reichhaltig belohnt zu werden - immerhin, auch das ist ein probates Mittel, um die Motivationskurve oben zu halten.

A propos Musik: Die Auswahl der Titel reicht von Nintendo-eigenen Dudelsounds - Zelda-Fans mögen mir verzeihen - über Rockklassiker von Carlos Santana und Queen sowie modernen Titeln bis hin zu Klassikstücken wie dem Türkischen Marsch. Damit dürfte so ziemlich für jede Alters- und Geschmacksklasse etwas dabei sein. Und das Beste: die meisten Musikstücke sind im Original enthalten. Das ist sehr lobenswert und steigert den Spielspaß ungemein, da man musikalisch nicht von Werken fragwürdiger Qualität, interpretiert von Laienmusikern eines Dorf-Gesangvereins, malträtiert wird.

Schade nur, daß man sich meistens nicht wirklich auf den Musikgenuß konzentrieren kann, weil man alle Hände voll zu tun hat, den schnellen Trommelanweisungen zu folgen. Aber gut, man kann eben nicht alles haben.

Die volle Klatsche
Ein besonderes Lob verdient auch die Vielzahl der unterschiedlichen Spielmodi, die für langanhaltenden Spielspaß sorgen. Im »Straßenkonzert« etwa spielt man allein gegen die Musik. Der Modus dient idealerweise dazu, den eigenen Kontostand möglichst zu verbessern, um mit der ertrommelten Kohle weitere Musik oder Goodies zu kaufen. Wer es ein wenig hektischer mag, entscheidet sich für den »Marathon«-Modus. Dabei durchklopft und -klatscht man einen Song nach dem anderen, solange man durchhält. Kohle gibt's allerdings nicht zu gewinnen, dafür locken attraktive Statistiken und hohe Punktzahlen. Außerdem kann man sich hier auch zu zweit an den Songs versuchen. Dann addieren sich die gemeinsamen Erfolge zu einem

Donkey Konga - Trommelwirbel für den Spaßwürfel

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einzigen Punktestand, und alle sind zufrieden. Natürlich kann man auch gegeneinander antreten, wofür sich der »Duell«-Modus eignet. Dabei laufen die Symbole auf zwei getrennten Bändern ab, und jeder Teilnehmer trommelt munter drauf los. Die Besonderheit des Duellierens besteht darin, daß es hier zusätzlich zu den Klatsch- und Trommelanweisungen einige Symbole gibt, mit denen man seinem verehrten Gegner einen Streich spielen kann. Trifft man zum Beispiel den sogenannten »Pow«-Block, reduziert sich der Score des Mitspielers. Und das kann - je nachdem, wie hoch der verursachte Schaden ist - zu unschönen Szenen führen. Absoluter Höhepunkt jeder »Donkey Konga«-Party ist allerdings die Jam Session. Hierbei donnern bis zu vier Leute gleichzeitig auf ihren Congas herum. Punkte oder Geld sind nicht zu verdienen, was zählt, ist der pure Spaß. Und natürlich der Lärm. Aber das erwähnte ich ja schon. Dann gibt es da noch die »Affige Arcade-Action«, drei Minispielchen, die man mit seiner gewonnenen Conga-Kohle freischalten kann.

Dabei kann man entweder mit Bananen jonglieren, Unsympathen per Trommelschlag ein Fass über die Rübe hauen oder Ranken erklimmen und Obst einsammeln. Doch diese kleinen Arcade-Schmankerl dienen bestenfalls als Pausenfüller zwischen zwei ausgedehnten Trommelsessions mit guten Freunden. Denn »Donkey Konga« lebt von der originellen Spielidee und der gelungenen Umsetzung. Und dafür mache ich mich gerne zum Affen...Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:

+ Innovative Spielidee + Hoher Fun-Faktor + Coole Musikstücke

Cons:

- Nur im Multiplayer-Modus ein echter Bringer - Hammerharter SchwierigkeitsgradPro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:

+ Innovative Spielidee + Hoher Fun-Faktor + Coole Musikstücke

Cons:

- Nur im Multiplayer-Modus ein echter Bringer - Hammerharter Schwierigkeitsgrad