Donkey Kong Jungle Beat (GameCube-Test)
(von Jörg Pitschmann)

Der Bongo-Spaß geht in die zweite Runde. Mit »Donkey Kong Jungle Beat« läutet Nintendo den nächsten Streich für die kleinen Plastik-Lärmbüchsen ein. Doch diesmal geht es nicht um Trommeln nach Noten,

sondern Nintendos Vorzeigeaffe Donkey Kong muß mit Hilfe der Bongos unversehrt durch die Spielwelt gebracht werden und dabei diverse Königreiche von ihren unhöflichen Herrschern befreien. Das klingt militant, ist es aber nicht. Denn natürlich ist die Spielhandlung rein fiktiv und nintendotypisch

quietschbunt und zuckersüß. Außerdem gibt es in der Realität ja gar keine Affen, die in die Weltgeschichte hinausziehen und sich auf die Befreiung unterdrückter Völker - oder solcher, die noch gar nicht wußten, daß sie unterdrückt werden - spezialisiert haben. Daß im Spiel derlei Unterfangen natürlich nicht gerade in aller Stille über die Bühne geht, dürfte niemanden überraschen. Denn schließlich sorgte schon das Erstlingswerk von Nintendos niedlichen Buschtrommeln für handfeste Auseinandersetzungen mit erbosten Nachbarn. Grund genug für gamona, der Frage nachzugehen, ob auch der neue Titel zu Kleinkriegen unter ehemals befreundeten Mietparteien führen wird...

Urwaldtrommeln
Das Wichtigste gleich zu Beginn: »Donkey Kong Jungle Beat« ist ein lupenreines, klassisches 2D-Jump-and-Run. Die Handlung ist dabei absolute Nebensache, das einzige, was zählt, ist eine schnelle Reaktion. Wer mag, kann das ganze übrigens

auch mit dem normalen Gamecube-Controller durchspielen. Nur - wer will das schon, wenn man den Spaß auch mit weitaus mehr krachiger Action erleben kann?

Die Steuerung ist zwar einfach und eingängig, allerdings auch gewöhnungsbedürftig. Denn der gute Donkey Kong wird, sofern man auf normale Controller verzichtet, ausschließlich über die Plastiktrommeln gesteuert. Die Bewegungsmöglichkeiten sind dabei naturgemäß recht eingeschränkt: Je schneller man nach rechts laufen möchte, desto heftiger muß auf das rechte Trommelfell eingeprügelt werden. Soll Nintendos Superäffchen nach links entschwinden, klopft man auf die linke Bongo. Zieht man die gemächliche Gangart vor, um sich beispielsweise an einen Absprungspunkt heranzutasten, reicht auch ein simpler Klatscher pro Schritt aus. Soll der Affe springen, müssen beide Plastetrommeln geschlagen werden. In die Hände Klatschen führt

Donkey Kong: Jungle Beat - Im Urwald ist der Teufel los – Trommeln bis der Arzt kommt

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dazu, daß sich der gute Donkey Kong mächtig auf die Brust haut, Gegenstände abgreift oder Sonderaktionen durchführt. Das war's dann auch schon mit den Interaktionsmöglichkeiten. Daß dennoch so schnell keine Langeweile aufkommt, ist Nintendos großer Verdienst. Die Levels sind nämlich recht kurz und knackig gehalten, und die Steuerung geht praktisch von Beginn an in Fleisch und Blut über. Okay, zumeist endet die ganze Sache sowieso in einer wilden, unkontrollierten Trommelei, die aber trotzdem fast immer zum Erfolg führt. Das liegt zum einen an der sauberen technischen Umsetzung der Bewegungsimpulse, zum anderen an dem sehr moderaten Schwierigkeitsgrad. Der ermöglicht auch älteren Semestern schnelle Anfangserfolge.

Bananenshake
Wie schon angedeutet, ist die Handlung des Spiels eher im nichtexistenten Bereich angesiedelt. Zu Beginn stehen lediglich der Einführungsabschnitt und ein erster Dschungellevel zur Verfügung, an deren Ende bereits der erste Bossgegner lauert. Jeweils zwei Levels bilden ein Reich, das von einem König beherrscht wird. Zu diesem muß der aufgeweckte Kampfaffe vordringen und ihm dann

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gehörig die Leviten lesen. Die Stärke der Endgegner steigt dabei kontinuierlich, aber moderat an. Für jeden geplätteten König gibt es Wappen als Trophäen abzustauben. Je nachdem, wie gut man sich durch die Levels getrommelt und den Boss besiegt hat, gibt es entweder ein goldenes, ein silbernes oder ein bronzenes Wappen. Gleichzeitig werden die nächsten Königreiche - sprich: Level - freigeschaltet. Das Ziel bleibt dabei stets das gleiche: die Level mit möglichst hohen Punktzahlen zügig zu durchhüpfen und den jeweiligen König von der Last seiner Macht zu befreien.

Punkte kann man übrigens auf verschiedene Weise sammeln. Zum einen gilt es, die in jedem Level zuhauf vorhandenen Bananen einzusammeln, zum anderen gibt es Punkte für besonders gelungene Hüpfcombos. Und dann sind da noch die mehr oder weniger aufdringlichen Monster und Hüpflinge, die sich dem guten Donkey auf dem Weg zu ihrem Herrscher entgegenstellen.

Die besiegt man durch möglichst heftiges und schnelles Klatschen oder indem das Äffchen auf sie drauf springt und kräftig auf ihnen herumtrampelt. Erledigte Gegner und Hindernisse verwandeln sich auch in Bananen, die man tunlichst einsammeln sollte, denn je höher der Bananenertrag am Ende ausfällt, desto besser die Gesamtwertung. Höhergelegene Ebenen erreicht man übrigens durch schnelles und heftiges Klatschen und Trommeln. Hierbei gilt es, auf genaues Timing zu achten, denn man muß den eifrigen Bananenfresser natürlich aus dem Lauf heraus springen lassen. Schlägt man dann zu früh auf beide Bongos ein, springt der Affe nicht hoch genug. Je weiter man im Spiel kommt, desto schwieriger werden die Sprungeinlagen und desto heftiger werden auch die Schmerzen in den malträtierten Handflächen des Spielers.
Und wem dann noch nicht die Puste ausgegangen ist, der darf wiederum durch gelungene Sprungcombos Zusatzpunkte in Form von eingesammelten Bananen einkassieren. Angesichts der Hektik, die im Spiel schnell aufkommt, fällt es zum Glück nicht allzu sehr auf, daß die Levels eigentlich auf Dauer recht langweilig sind, weil sie sich im Aufbau sehr stark ähneln. Dieser Umstand ist jedoch zu verschmerzen, denn genreüblich zählen die Action und das Reaktionsvermögen des Spielers. Wer auf der Suche nach einem abwechslungsreichen Grafikknaller ist, wird bei »Donkey Kong JungleBeat« sowieso nicht fündig. Das sollte Fans des Genres aber nicht weiter stören.

Dudelsack
Die technische Umsetzung des neuesten Donkey Kong Ablegers ist einwandfrei. Wohl kein anderes Peripherie-Eingabegerät für Konsolen funktioniert derzeit so perfekt wie Nintendos Bongospaß. Selbst kleine Berührungen der Trommelfelle werden sauber registriert, und die Abstufungen, mit denen man auf die Bongos einhaut, wirken sich korrekt im Spiel aus. Besonderes Lob geht an den Klatschsensor, der sehr gut das Spektrum zwischen einem nahezu unhörbaren Händereiben und dem frenetischen Gröhlklatschen begeisterter Hertha-Fans unterscheidet. Zwar werden derartige Abstufungen im vorliegenden Titel nur sehr selten zum Einsatz kommen, aber vielleicht wird ja eines Tages ein Stealth-Shooter für die Bongos entwickelt. Das technische Rüstzeug dazu hätten die kleinen Kracher allemal.

Einzig der Sound ist, wie bei Nintendo-Fungames üblich, stark gewöhnungsbedürftig. Die gewohnten hektischen Dudeleinlagen, verbunden mit diversen Urgh- und Ächzgeräuschen verursachen sicherlich bei dem einen oder anderen Spieler massive Innenohrkräuselungen, denn sie sind auch durch heftigstes Geklatsche und Getrommele nicht zu übertönen. Andererseits wäre eine andere als die vertraute Soundkulisse wohl auch eher unpassend für die Donkey-Kong-Reihe. Also heißt es Zähne zusammenbeißen und durch. Denn schließlich spielt man »Jungle Beat« ja nicht des Sounds wegen. Außerdem gibt es bestimmt den einen oder anderen siebenjährigen, der die Geräuschkulisse niedlich findet...

Spiel mit dir!
Anders als das erste Bongo-Spiel »Donkey Konga« ist »Jungle Beat« ausschließlich für einen Spieler ausgelegt. Das ist umso weniger verständlich, als daß gerade der Multiplayer-Modus beim Wetttrommeln äußerst witzig ist.

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Denn spätestens, wenn vier Leute gleichzeitig auf ihren Bongos herumdreschen, kommt richtig Stimmung auf. Das hat vor wenigen Monaten der erste Musik-Trommel-Krach-Titel anschaulich bewiesen. Warum Nintendo diesen Weg nicht konsequent weitergeht, ist nicht nachzuvollziehen. Denn auch »Jungle Beat« wäre problemlos mit mehreren Zockern spielbar. So hätte beispielsweise der gute Donkey Kong mit anderen Figuren des Nintendo-Universums in einen edlen Wettstreit um die Königreiche treten können. Möglich wäre auch ein spaßiges Sich-gegenseitig-Bananen-um-die-Ohren-Klatschen gewesen. Doch leider bleiben derlei Ideen graue Theorie, denn der Spieler bleibt allein. Und da sich viele Elemente im Spiel häufig wiederholen, nutzt sich das Prinzip recht schnell ab. Was bleibt, ist der Spielspaß - und zwar auf der Strecke. Interessierte Freunde haben somit nur die Möglichkeit, dem Zocker über die Schulter zu schauen und sich mit mehr oder weniger launigen Kommentaren beliebt zu machen. Manch einem wird das vielleicht genügen, wer jedoch »Donkey Konga« gespielt hat, vermisst die Mehrspieleraction schmerzhaft. Denn gerade der Gamecube ist mit seinen vielen familienkompatiblen Spielen - mehr noch als die anderen Konsolen - auf Mehrspielertitel ausgelegt. Bleibt zu hoffen, daß sich die Jungs von Nintendo eines Besseren besinnen und künftige Bongospiele wieder mit dem heißgeliebten Mehrspielermodus versehen.

Ansonsten droht auch denen das Schicksal von »Jungle Beat« - das knappe Vorbeirauschen an einem der begehrten gamona-Awards. Und das sollte ja wohl Ansporn genug sein.Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ Innovative Spielidee + Hoher Fun-Faktor + Originelle Steuerung

Contra:
- Kein Multiplayermodus - DudelsouPro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ Innovative Spielidee + Hoher Fun-Faktor + Originelle Steuerung

Contra:
- Kein Multiplayermodus - Dudelsou