Hypnotisierende Voodoo-Fieslinge berauschen das gesamte Tierreich eines friedlichen Eilands. Und wofür? Um Pixelaffe Donkey Kong den Bananenvorrat zu mopsen. Hä? Ja, genau! Macht nix, macht trotzdem Spaß.

Zwei Fasskanonen, eine Liane, schnell über die drei Plattformen rennen und... aargh! Also von vorne. Zwei Fasskanonen, eine Liane, schnell über die drei Plattformen rennen und vom Trampolin abhüpfen, Jetpack zünden... NEIN! Und noch einmal. Zwei Fasskanonen, eine Liane, schnell über die drei Plattformen rennen und vom Trampolin abhüpfen, Jetpack zünden, am Gestrüpp die Wand hochklettern, den Bodenschalter auslösen über die Brücke rennen... Verdammte Wichskackschleimbeutelrotzkanone, das kann doch nicht wahr sein!

Donkey Kong Country Returns - Genial: Jade Raymonds Lieblingsspiel ist zurück

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Haaaach, dieser Sonnenuntergang...
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Feinste Weihnachts-Gamerlyrik, inspiriert vom zweifellos himmlischsten Jump-and-Run-Exzess der Saison. Nicht so Nikolausruten-hart wie Mega Man und dennoch schweißtreibend wie Gedichtaufsagen an Heilig Abend. Nicht vom Render-Wahnsinn befallen, wie die Namensherkunft vermuten lassen könnte, und doch so lebendig und farbenfroh wie Vaddern nach sechs Glühwein - das ist „Donkey Kong Country Returns“ für Nintendo Wii.

Packshot zu Donkey Kong Country ReturnsDonkey Kong Country ReturnsErschienen für Wii kaufen: ab 29,20€

Wii bitte? Nach fünfzehn Jahren Kultbeweihräucherung in der Nintendo-Gruft gefeierter 16-Bit-Verweser packt’s das Esel-Affen-Land erneut beim Gebein? Und der Totengräber, der den Geist der vergangenen Weihnacht beschwört, heißt nicht Rare? Sakrileg! Da muss das Jesuskind bestimmt weinen.

Nein, muss es nicht. Ist doch klar, Myrrhe macht madige Messiasse munter, und bis die heiligen drei Könige Capcom, Midway und Bethesda eintreffen, lässt das springfreudige Affenpaar trotz fremder Babysitter Äuglein leuchten und Fingerchen glühen. Niemand Geringeres als die Hirten der Retro Studios wachen über Nintendos Heiligenschein, in dem sich das digitale Familienglück spiegelt. Ihr wisst schon: „Verdammte Wichskackschleimbeutelrotzkanone, das kann doch nicht wahr sein!“

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Natürlich wieder dabei: die altbekannten Fasskanonen.
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Und jetzt bitte im Chor, denn im besinnlichen Kerzenschein können sich gleich zwei Wiimote-Wichtel über grandiose Hüpfherausforderungen freuen. Donkey Kong und sein haariger Begleiter Diddy lassen sich nämlich getrennt über Dschungel, Strand und Höhlenszenarios jagen, obwohl sie normalerweise als geschlossenes Team agieren - bestehend aus Muskeln und einem Jetpack. In Huckepackformation erreichen beide entlegene Plattformen und gehen tiefen Abgründen aus dem Weg, auch wenn die kurze Brenndauer der Düsen kaum weiter als einen Christbaumkugelwurf trägt.

Lustig, lustig, trallalalala

Klingt nicht nach dem altbekannten „Donkey Kong Country“? Stimmt, ist sogar besser, weil spritziger und ausgeklügelter. So mag die Idee mit begehbaren Hintergrundebenen und dynamisch veränderbarer Umwelt nicht mehr neu klingen, das steife Umfallen vermeintlicher Kulissen sogar an längst vergessene Tage mit Yoshi's Island erinnern, aber der Zweieinhalb-Dimensionen-Mix wurde nie festlicher in den Programmcode gezaubert. Den Elfen der Retro Studios sei Dank, auch wenn deren Präsenz in der Metroid-Neuauflage schwer vermisst wurde - ihr Talent scheint wahrlich nicht verschwendet.

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Großartig: Überall passiert was, überall ist was los.
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Abgesehen davon, dass die beiden Primaten Genre-üblich von links nach rechts spurten und selten mal ein Nashorn zum berittenen Walzenfest einlädt, erinnert sogar recht wenig an die alten Zeiten auf dem Super Nintendo. Die Landkarte, der Autopilot für Anfänger, zuschaltbare Power-ups... Das hat doch eher schnauzbärtigen Latzhosencharme, stört aber konzeptionell nicht im Geringsten. Trotz der Beschränkung auf zwei Teilnehmer rieselt der Spielspaß sogar heftiger als noch bei New Super Mario Bros. Wii, weil man sich nicht permanent im Weg steht. Donkey und Diddy laufen aneinander vorbei. Ein wahrer Segen.

„Donkey Kong Country Returns“ gehört alleine schon seiner Flexibilität wegen auf jeden Wii-Wunschzettel. Für eine Handvoll Genreprofis mag ein Jump-and-Run nur dann gut sein, wenn man das auch am laufenden Band tun kann, was der Name verspricht: Rennen und springen, am besten an einem Stück in unmenschlicher Speedrun-Präzision. Kein Problem, klappt wunderbar, denn sinnlos aufhaltende Hindernisse entdeckt man nirgends.

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Die Loren wurden zwar etwas entschärft, knifflig sind die Stellen aber immer noch.
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Andere wiederum schnüffeln gerne nach Geheimnissen, suchen versteckte Gänge und wollen Collectibles sammeln. Ebenfalls gebongt, davon sind mehr als genug vorhanden. Buchstaben, die das Wort „Retro“ formen, Puzzelteile, geheime Münzen, Bonusräume, alternative Abschnitte auf der Weltkarte und so weiter.

Ich bin mir sicher, das Christkind wird dieses Jahr verdammt oft "Donkey Kong Country Returns" unter den Baum legen.Fazit lesen

Tatsächlich kann es sogar sehr frustrierend sein, als Sammelezer Scrooge an manchen Stellen lutschen zu müssen wie an einem steinharten Lebkuchenherz. Wahrscheinlich wie der Grinch hämisch ins Fäustchen lachend, platzierten die Scherzbolde der Retro Studios einige Collectibles sogar so fies, dass manchmal nur wenige Millisekunden über gelungenes Sprungtiming oder den Tod im Abgrund entscheiden.

Das Beste zum Fest

Ganz zu schweigen vom guten Auge, das immer wieder benötigt wird. Es ist ein Ros' entsprungen? Nix da, fuzzeligem Löwenzahn entspringt hier so mancher wertvolle Gegenstand, sofern man ihm mit einem Wiimote-Schütteler das Krönchen wegpustet. An anderen Stellen müsst ihr wörtlich jeden Stein umdrehen.

Donkey Kong Country Returns - Affiges Spektakel Reloaded

Reaktionstests erster Güteklasse, die sogar ganz ohne zufällig platzierte Gegner auskommen. Von denen sind sowieso nur sehr wenige vorhanden, und wenn, dann schleichen sie meist umher. In „Donkey Kong Country Returns“ bleibt somit sehr wenig dem Zufall oder Fortuna überlassen, schließlich dienen Widersacher hauptsächlich als Sprunggelegenheiten. Unachtsamkeit wird trotzdem mit der Rute bestraft: Zweimal erträgt Diddy den Schmerz, dann steht Donkey alleine da und kann plötzlich nur noch halb so weit hüpfen.

Das ist nicht nur ärgerlich, wenn man alle Geheimnisse vom Gabentisch abräumen will, sondern erschwert das Überleben erheblich. Bis zur Mitte des aktuellen Levels, wo meist ein Diddy-Fass wartet, muss jeder noch so schwere Absprung sitzen. Speziell wenn es den Pixelkong mit einem Schuss aus der Fasskanone in die hintere Bildschirmebene schleudert, kann man wahrlich von lupenreiner Fuzzelarbeit sprechen.

Doch nicht überall packen die Retro Studios den Dampfhammer aus. Die berüchtigten Lorenfahrten sind zum Beispiel wieder dabei, wurden aber im Vergleich mit dem Original von 1993 stark entschärft. Im Gegenzug dafür darf man auch schon vor Silvester Raketen steigen lassen – ja, sogar wie Baron Münchhausen auf einer reiten.

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Da hüpfen und rennen sie wieder. Mögen sie nie wieder getrennt werden.
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Und selbst Stunden nach dem letzten Level, alle K-O-N-G-Buchstaben gesammelt und Puzzleteile gefunden und Geheimwege gelüftet, wird dieses Abenteuer nicht fad wie alte Plätzchen, strahlt es so hell und freundlich wie ein Weihnachtsstern. Diese Farben, all diese liebevollen kleinen Winzdetails, die sich aufdrängen, selbst wenn gerade der gesamte Hintergrund in einem brüllenden Grollen in sich zusammenfällt wie der Tannenbaum nach Sohnemanns Wutanfall.

Mist, wieder nur Socken unter dem Geschenkpapier. Hätte er von diesem Sonnenuntergang gewusst, von diesem stimmungsvollen Schattenspiel, das selbst die aufwändigste HD-Grafik nicht schöner zeichnen könnte, dann hätte „Donkey Kong Country Returns“ sicher den Weg auf seinen Wunschzettel gefunden.

In diesem Sinne, frohe Weihnachten.