“Fuck you!“ und dumme Sprüche nur noch in den kurzen Verschnaufpausen zwischendurch, zum Wegdrücken für die ganz Eiligen und nicht mehr als Marschrichtung eines aufgebrachten Internet-Mobs, der am Ende selbst nicht mehr genau wusste, gegen wen oder was er eigentlich skandierte. Alles gut geworden, richtig klasse sogar, wenn wir von der Frisur mal absehen, und in dieser Form endlich auch so, wie es immer hätte sein sollen (und auf dem PC längst ist).

„1080p-Auflösung“, „60 FPS“, „alle DLCs auf einer Disc“ und ähnliche technische Schlagworte an Stellen, an denen man uns vor zwei Jahren noch davon überzeugen wollte, Dante überhaupt wieder eine Chance zu geben. Nun eben mit schwarzer Kurzhaarfrisur statt Platinzotteln und ein paar Lenzen weniger auf dem Tacho, das schon, trotzdem längst nicht mehr grün hinter den Ohren. Ein ungeschliffener Diamant vielleicht, weniger stilsicher als sein späteres Ich, dafür frecher, lauter, ungehemmter – und damit gemeinhin das, was für ein Reboot nötig war. Fans may cry, sei's drum.

Statt unsäglicher Todesdrohungen einiger Versprengter fischen Ninja Theory inzwischen vor allem Danksagungen und Respektbekundungen von wirklichen Fans aus ihrem Briefkasten. Zeilen der Anerkennung für ein großartiges Spiel und das Nervenbehalten während einer Zeit, in der es alle besser wussten, scheiß Reboot und überhaupt geht die Frise ja mal gar nicht, fuck you, #DanteIsDead.

DmC - Devil May Cry: Definitive Edition - Definitiv keine Gefahr für PC-Spieler

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Auch mit über zwei Jahren auf dem Buckel ist DmC nach wie vor ein großartiger Slasher und auf den aktuellen Konsolen sogar völlig konkurrenzlos.
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Vergeben und vergessen, die Tränen sind getrocknet und Gold-Awards verteilt, bei uns damals genauso wie andernorts. Zungenschnalzen für cool choreographierte Action mit Anspruch und Spielwitz, gezogene Hüte für grandiosen Soundtrack und präzise Steuerung, hat seitdem nur Bayonetta 2 getoppt.

Wer unbedingt will, kann sich auch heute noch streiten: weniger über die Qualitäten von DmC als die Notwendigkeit einer Neuveröffentlichung. Eine leidige Debatte und längst überholt obendrein, spätestens seit HD-Collection/Remastered-/Ultimate-/Definitve-Edition #63. Es wurde alles gesagt und trotzdem: Wer alte Kamellen aufkochen will, hat sich hier mit dem Falschen angelegt.

DmC - Devil May Cry: Definitive Edition - Screenshots zur Neuauflage

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Tränen der Freude

Nicht erst seit der Veröffentlichung der PS4- und Xbox-One-Frischzellenkur, die unter dem Synonym „PC-Version“ genau genommen schon seit über zwei Jahren in den Läden steht und ihre Spitzenposition selbst neben der aktuellen Definitive Edition nicht einbüßt. Capcom schließt hiermit lediglich die klaffende Lücke zwischen alter Konsolen- sowie jeder halbwegs aktuellen PC-Generation, lässt euch den 1080p- und 60-FPS-Luxus auch bequem von der Couch aus genießen, was selbst nach zwei Jahren noch eine kleine Offenbarung für PC-Legastheniker wie mich darstellt.

Hättet ihr mich vor einer Woche nach der PS3-/360-Grafik von Devil May Cry gefragt, mein Urteil wäre ein überaus wohlwollendes gewesen – ein paar New-Gen-Stunden und Direktvergleiche später sieht die Sache schon anders aus. Auch auf den alten Kisten ist Dante kein hässliches Entlein, aber zumindest etwas hüftsteif, beinahe schon unbeholfen, wenn das technische Fundament unter Volllast mal wieder gefährlich ins Wanken gerät.

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Eine Generation später sind die Farben knackiger, die Klingen schärfer, die Bewegungen flüssiger. Wer für gewöhnlich meint, keinen Unterschied zwischen 30 und 60 Bildern pro Sekunde zu erkennen, wird seine Meinung spätestens mit dem PS4-Controller in den Pranken revidieren müssen. Neben vollmundigen Marketingfloskeln sind die 60 FPS hier vor allem eins: ein enormer Vorteil für präziseres Spielen – weniger hingegen ein ausreichender Grund, schon wieder 40 Tacken auf den Tisch zu knallen, wenn ihr das alles schon einmal gesehen habt.

Capcom kommt euch schon noch ein paar weitere Schritte entgegen, will euch die Kaufentscheidung nicht nur mit dem etwas günstigeren Preis leichter, sondern die Definitive Edition auch mit einem dicken DLC-Paket, alternativen Skins und dem neuen „Vergils Blutiger Palast“-Modus schmackhafter machen, bei dem ihr als Dantes Bruder eine Gegnerwelle nach der anderen wegschnetzelt. Nette Dreingaben, keine Frage, und in der Gesamtheit die vollständigste Version, die ihr bekommen könnt. Ob ihr sie unbedingt neben eine ältere Stellen müsst, liegt allerdings bei euch.