Nicht hängen bleiben. Oder sitzen. Dante. Sitzen ist Stillstand. Fans hassen Stillstand. Aber sie wollen ihn trotzdem. Guck nicht so verdattert. Steht deinem jugendlichen Antlitz nicht gut. Lass es raus. Lass uns rein. Hör auf zu weinen. Devil may Cry. Muss doch nicht sein.

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Was so alles hätte sein können, weiß Capcom – und hat sich wohl aus gutem Grund gegen sich und für die Geschichtenerzähler von Ninja Theory entschieden. Die Briten wurden zuletzt mit „Heavenly Sword“ und „Enslaved: Odyssey to the West“ um die Erfahrung reicher, dass sich Erfolg in ihrer Größenordnung ungefähr so wie Bergsteigen anfühlen muss, bei dem man entweder den Gipfel stürmt oder auf halber Strecke den Halt verliert und wieder ganz unten ankommt.

So wahnsinnig viele Leute haben diese beiden ehrlichen, gefühlvoll erzählten Geschichten und ihre heimlichen Stars verpasst, dass man dem Studio den ganz dicken Fisch an die Angel wünscht. Am besten einen Windfisch. Nur aufwachen müssen die Spieler von alleine.

DmC - Devil May Cry - Der Teufel trägt Prada

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Äußerlich nicht ganz der Alte, aber innerlich nah dran: Dämonenjäger Dante.
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Was jetzt ein wenig kryptisch klingen mag, war weniger ein Plädoyer für DmC, so die griffige Abkürzung des Devil-May-Cry-Neuanfangs, wenn man es so nennen möchte, sondern eines für die Entwickler, die sich mit Capcoms Dämonensause ein schwieriges Terrain mit offenbar schwieriger Fanbase ausgesucht haben. Und dann auch noch diese Frisur...

Das größte Problem des Studios wird es wohl sein, die Gewöhnung aufzubrechen und dem trotzig-verschlossenen 'War-schon-immer-so' ein 'Probier's-doch-mal' entgegenzusetzen. Und das alles hauptsächlich, weil die bisherige Vita des Dämonenjägers Dante weiße, leicht strähnige Haare und Ninja Theory für den zeitlich weit vorher spielenden, fünften Teil schwarze Haare vorsieht - und weil sich die Geschichte sowie Charaktere um ihn herum verändert haben. Abgesehen von den etwas burschikosen Gesichtszügen, aber das macht wohl das Alter.

Packshot zu DmC - Devil May CryDmC - Devil May CryErschienen für PS3, Xbox 360 und PC kaufen: Jetzt kaufen:

Das ist natürlich ein guter Grund, allen Beteiligten Tod, Verderben und den hauseigenen T-Virus an den Hals zu wünschen. Ich würde noch darüber nachdenken, ob ich die aus dem Presswerk kommenden Spielpaletten mit einer großkalibrigen Knarre in kleine Stückchen schieße oder sie oder einer Kuchenblechklinge zerhäcksele. Natürlich nachdem alle Leute drumherum sämtliche Gliedmaßen verloren haben. Über die Details kann man sich ja vorab mit Ninja Theory austauschen. Nach DmC haben sie bestimmt genug Vorschläge parat.

DmC - Devil May Cry - Der Teufel trägt Prada

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In den Kämpfen zeigt er, was er alles nicht verlernt hat.
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Seien es Gewaltphantasien gegen den aufgebracht an der Firmentür rüttelnden Mob oder weil Dantes neue Inkarnation trotz Meh und Bäh noch ein bisschen was vom alten Krempel dabei hat. Pistole und „Rebellion“-Klinge auf jeden Fall, auf den ersten Blick erkennbar, seine Markenzeichen – was braucht man da noch mehr?

Auch wenn das Aussehen ungewohnt sein mag, fühlt sich die Action bislang richtig gut an.Ausblick lesen

Eine Legitimation, beides zu nutzen, und das sollte mit Heerscharen gieriger, in unsere Welt dringender Dämonen erledigt sein. Asphalt reißt auf, die staubgrauen Straßen brechen auseinander und scheinen ihren bösen Zwilling zu gebieren, eine Parallelwelt in leuchtenden, fast glühend-bunten Farbtönen vor apokalyptischem Himmel. Die Häuser zittern. Abartig verrenkte Monstren kriechen aus pechschwarzen Flecken. Die Umwelt drumherum verschwimmt in einer bizarren Verzerrung ihrer selbst.

Die geteilte Welt

Vereinzelt huschen die geisterhaften Silhouetten flüchtender Passanten vorbei, als sich der Schlund der Hölle öffnet und ihre Brut ausspuckt. Dies ist ihre Welt, Dante, und hier wird nach ihren Regeln gespielt. Welche das sind, das ist noch nicht so ganz klar. Dieses Zerwürfnis ist eines der zentralen Motive von DmC, zum einen bei Dante, zur Hälfte dämonisch, zur Hälfte menschlich. Spätere Szenen zeigen den Krieger mit schlohweißem Haar, wie man ihn kennt – ich bin sehr auf die Erklärung für diesen Wandel gespannt.

Auf der anderen Seite die zerrüttete Spielwelt an sich, der schmale Grat zwischen dem Reich der Menschen und dem der Dämonen. Interessant vor allem, dass sich Aktionen in der Dämonenwelt auf die Geschehnisse der Realwelt auswirken sollen. Ein Nachrichtensprecher erzählt zum Beispiel von einem terroristischen Anschlag auf eine Fabrik, in Verbindung mit einem Mann namens Dante – wie wohl dessen persönliche Version der Geschichte lauten mag?

Spannend bleibt nicht nur die Frage nach der weiteren Wechselwirkung zwischen beiden Welten, sondern auch, ob das Kampfsystem so herrlich kraftvoll und vielseitig bleibt, wie es nach dem ersten Anspielen den Anschein hat.

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Die "andere Welt" ist merkwürdig verzerrt und schief und krumm.
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Plötzlich sind Haare und Frisur vergessen, wenn das Klingenballett auf dem dämonischen Parkett losgeht. Ähnlich wie in Ninja Theorys herzerwärmendem „Heavenly Sword“ wechselt man per Schultertaste die Art des Angriffs. Neben dem Schwert „Rebellion“ sind das eine in sanftem Blau leuchtende Sense und eine Axt mit rotem Schweif, alles beliebig aktivier- und kombinierbar in einem endlosen Rausch aus Schlägen, Hieben, Sprüngen, Drehungen und Ausweichrollen.

Es erinnert schon sehr an früher, wenn man den Gegner wie einen Punchingball quer durch die Arena prügelt, ihn mit dem Schwert in die Luft befördert und ihm einen ballistischen Auftrieb verpasst, indem man beide Revolver entleert. Wer mag, zieht ihn mit einem kettenartigen Greifhaken wieder zu sich heran und bearbeitet ihn aus der Nähe, bevor er weiß, wie ihm geschieht. Und das sind nur die einfachsten Kombinationen in einem proppenvollen Pool aus artistischen Manövern, alles erweiterbar durch besonders aufregende Kombos.

Sieht in Bewegung genauso Style-verliebt aus wie vor zehn Jahren, zumindest wenn ihr mich fragt. Und wenn der Kombozähler rattert – während das dicke B oben rechts spottet, dass es noch viel besser geht –, fühlt es sich so an, als sei man nie woanders unterwegs gewesen.

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Immer schön druff da.
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So viel erst mal zum neuen Dante, der sich mit dem Greifhaken auch über die Abgründe in einer einstürzenden Kathedrale ziehen muss, um dem Tod zu entgehen, und der nicht um Sprung- sowie kurze Schwebepassagen herumkommt. Was bisher von diesen temporeichen Szenen zu sehen war, sieht nach einem wunderbar funktionierenden Rhythmuswechsel aus.

Eben noch staunt man über die Architektur und die gut geschnittenen Zwischensequenzen mit ihre klasse animierten Figuren, im nächsten Moment schwebt und springt man bereits um sein Leben – und dem Tod noch einmal von der Schippe. Sofern man nicht hängen oder sitzen bleibt. Aber das wäre ja Stillstand. Niemand will Stillstand. Außer es geht um Frisuren.