Vereinzelt huschen die geisterhaften Silhouetten flüchtender Passanten vorbei, als sich der Schlund der Hölle öffnet und ihre Brut ausspuckt. Dies ist ihre Welt, Dante, und hier wird nach ihren Regeln gespielt. Welche das sind, das ist noch nicht so ganz klar. Dieses Zerwürfnis ist eines der zentralen Motive von DmC, zum einen bei Dante, zur Hälfte dämonisch, zur Hälfte menschlich. Spätere Szenen zeigen den Krieger mit schlohweißem Haar, wie man ihn kennt – ich bin sehr auf die Erklärung für diesen Wandel gespannt.
Auf der anderen Seite die zerrüttete Spielwelt an sich, der schmale Grat zwischen dem Reich der Menschen und dem der Dämonen. Interessant vor allem, dass sich Aktionen in der Dämonenwelt auf die Geschehnisse der Realwelt auswirken sollen. Ein Nachrichtensprecher erzählt zum Beispiel von einem terroristischen Anschlag auf eine Fabrik, in Verbindung mit einem Mann namens Dante – wie wohl dessen persönliche Version der Geschichte lauten mag?
Spannend bleibt nicht nur die Frage nach der weiteren Wechselwirkung zwischen beiden Welten, sondern auch, ob das Kampfsystem so herrlich kraftvoll und vielseitig bleibt, wie es nach dem ersten Anspielen den Anschein hat.
Die "andere Welt" ist merkwürdig verzerrt und schief und krumm.Plötzlich sind Haare und Frisur vergessen, wenn das Klingenballett auf dem dämonischen Parkett losgeht. Ähnlich wie in Ninja Theorys herzerwärmendem „Heavenly Sword“ wechselt man per Schultertaste die Art des Angriffs. Neben dem Schwert „Rebellion“ sind das eine in sanftem Blau leuchtende Sense und eine Axt mit rotem Schweif, alles beliebig aktivier- und kombinierbar in einem endlosen Rausch aus Schlägen, Hieben, Sprüngen, Drehungen und Ausweichrollen.
Es erinnert schon sehr an früher, wenn man den Gegner wie einen Punchingball quer durch die Arena prügelt, ihn mit dem Schwert in die Luft befördert und ihm einen ballistischen Auftrieb verpasst, indem man beide Revolver entleert. Wer mag, zieht ihn mit einem kettenartigen Greifhaken wieder zu sich heran und bearbeitet ihn aus der Nähe, bevor er weiß, wie ihm geschieht. Und das sind nur die einfachsten Kombinationen in einem proppenvollen Pool aus artistischen Manövern, alles erweiterbar durch besonders aufregende Kombos.
Sieht in Bewegung genauso Style-verliebt aus wie vor zehn Jahren, zumindest wenn ihr mich fragt. Und wenn der Kombozähler rattert – während das dicke B oben rechts spottet, dass es noch viel besser geht –, fühlt es sich so an, als sei man nie woanders unterwegs gewesen.
Immer schön druff da.So viel erst mal zum neuen Dante, der sich mit dem Greifhaken auch über die Abgründe in einer einstürzenden Kathedrale ziehen muss, um dem Tod zu entgehen, und der nicht um Sprung- sowie kurze Schwebepassagen herumkommt. Was bisher von diesen temporeichen Szenen zu sehen war, sieht nach einem wunderbar funktionierenden Rhythmuswechsel aus.
Eben noch staunt man über die Architektur und die gut geschnittenen Zwischensequenzen mit ihre klasse animierten Figuren, im nächsten Moment schwebt und springt man bereits um sein Leben – und dem Tod noch einmal von der Schippe. Sofern man nicht hängen oder sitzen bleibt. Aber das wäre ja Stillstand. Niemand will Stillstand. Außer es geht um Frisuren.
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