Eigentlich war es schon abzusehen. Nach dem immensen Erfolg von Guitar Hero und Rock Band konnte es nicht mehr lange dauern, bis weitere Instrument-Adaptionen wie Pilze aus dem Boden schießen. DJ Hero heißt der neueste Hit aus dem Hause Activision. Und statt er guten alten Plastik-Klampfe kommt hier ein völlig neuer Turntable-Controller zum Einsatz. Zeit wird’s, denn der Gitarre wird so manch einer überdrüssig. DJ Hero scheint die willkommene Abwechslung für alle, die Neuerungen im Musikspiel-Genre suchen.

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Dreh mich! Ich bin eine verwunschene Gitarre...

DJ Hero zieht, um es mit den Worten von Grandmaster Flash zu sagen, sein eigenes Ding durch. Und das fängt schon bei der Peripherie an. Der Turntable-Controller ist sozusagen euer DJ-Pult in Klein, reduziert auf das Nötigste: Einen Drehteller mit drei Knöpfen, einen Crossfader und einen Effekt-Drehregler. Außerdem könnt ihr über den Euphorie-Knopf eine Starpower-ähnliche Aktion hervorrufen.

DJ Hero - Guitar Hero war gestern: Weck den Turntable-Rocker in dir

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So sieht es aus: das Notenbrett. Leicht abgerundet und Farbenfroh.
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Die passenden Noten kommen euch gewohnterweise auf einem Notenbrett entgegen. Statt einzelner Saiten, Akkorde oder Drumsets gibt es in DJ Hero genau drei Spuren. Die Äußeren sind jeweils für die beiden Tracks verantwortlich, die gemixt werden. Die mittlere Spur ist die Effektspur, über die ihr auch während entsprechender Passagen selbst Samples aus vorgefertigten Sets einspielen könnt.

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Der Crossfader, ein dreistufiger Schieberegler, bestimmt dabei welche Spur gerade zu hören ist. Steht er auf Links oder Rechts, ist nur ein Song des Mixes zu hören. Steht er in der Mitte, sind beide zu hören. So müsst ihr während der Songs mit einer Hand den Crossfader auf die richtige Position schieben, während die andere Hand am Teller scratcht, sobald es DJ Hero von euch verlangt. Auf höheren Schwierigkeitsstufen muss sogar in vorgegebene Richtungen gescratcht werden.

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Auf dem Tisch besser aufgehoben als auf dem Schoß: der Turntable-Controller.
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Generell ist der Turntable-Controller sehr gut verarbeitet und macht einen stabilen Eindruck. Lediglich der Crossfader rastet in Mittelposition nicht fest genug ein. Gerade Anfänger haben so oft Schwierigkeiten, die richtige Position zu bestimmen. Leider ist die Ausrüstung für Nachwuchs-DJs nicht Couch-tauglich und will lieber auf einem Tisch genutzt werden – sonst wird das Tellerdrehen zur Qual.

I'ma Clooooone!... Oder doch nicht?

Viele erwarteten im Vorfeld von DJ Hero nicht mehr als einen simplen Guitar Hero Klon. Mit dem Turntable-Controller in den Händen zeigt sich jedoch schnell, dass sich auch Gameplay-technisch einiges geändert hat. DJ Hero implementiert die übliche Funktionsweise eines Turntables genauso gut, wie es Guitar Hero zu seiner Zeit mit der Plastik-Gitarre schaffte. Die Bedienung des Instruments fühlt sich zwar nicht authentisch an, doch ist (wenn auch stark vereinfacht) sehr gut nachempfunden.

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Bei solch einer gelungenen Trackliste reißt selbst der DJ die Hände in die Luft.
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Dafür sorgt vor allem auch die mehr als gelungene Trackliste mit knapp 100 Songs und 80 exklusiven Mixes bekannter Künstler wie Daft Punk, Beastie Boyz oder 50 Cent. Hier ist aus jedem Genre für jeden Musikgeschmack etwas dabei. Wer sich inzwischen denkt: „Verdammt, was mache ich dann mit meiner Gitarre?“ muss nicht verzagen: Gitarren- und Mikrofon-Controller könnt ihr auch in DJ Hero einsetzen.

Neben einem zweiten Turntable dürfen eure Freunde auch Gitarren- oder Vocal-Parts mit dem entsprechenden Instrument übernehmen und euch schlagkräftig unterstützen. Zwar bekommt ihr dadurch keine zusätzlichen Sterne - über die sich neue Songs, Outfits und Bühnen frei schalten lassen - doch für ein dickes Punktekonto und jede Menge Spaß garantiert diese Instrumentenfreundlichkeit allemal. Leider sind Songs mit Vocal- und Gitarrenunterstützung in der Trackliste eher rar gesäht.

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DJ Hero meets Guitar Hero. Per Klampfe oder Mikro können eure Freunde bei der Punktejagd helfen.
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Daüber hinaus hält sich DJ Hero in Sachen Multiplayer-Modi unverständlicherweise zurück. Miteinander und Gegeneinander am Teller drehen, wahlweise mit Gitarren- oder Mikrofonunterstützung – mehr geht in DJ Hero leider nicht. Hier hätte ganz offensichtlich ein „Battle“-Modus á la Guitar Hero 3 Abhilfe geschaffen, in dem sich die DJs die Noten um die Ohren schlagen. Warum man gerade hier gespart hat, verstehen wir ehrlich gesagt nicht. Genug Vorlagen gäbe es.

Ich bin Daft Grandmaster 50-Z Cent Punk!

Aufgrund der sporadischen Mehrspieler-Features fragt man sich schnell, wie es um die weitere Langzeitmotivation am Turntable bestellt ist. Zumindest einen Karrieremodus gibt es – mehr oder weniger. Ehrlich gesagt handelt es sich dabei eher um einen „Neue-Songs-Bühnen-Outfits“-Freispielmodus. Wer sich geschickt genug anstellt, ergattert Sterne um dann weitere Sterne zu ergattern. Kennt man schon.

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Grandmaster Flash wäre sicher böse, wenn ihr plötzlich sein Gesicht euren Wünschen anpassen könntet.
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Nächste Frage: „Wenn sich die Feature-Liste schon an einer Hand anbzählen lässt, dann ist doch zumindest die Chrakterindividualisierung umfangreich, oder?“ … Leider auch nicht. Zwar könnt ihr eurem Turntable ein paar neue Designs spendieren und euch eure Kopfhörer selbst aussuchen, doch darüber hinaus fehlt es an tiefgreifenderen Individualisierungsmöglichkeiten á la Rock Band 2.

Statt mit einem selbstgebackenen Charakter auf der Bühne müsst ihr mit Persönlichkeiten wie Grandmaster Flash, Daft Punk oder DJ Shadow vorlieb nehmen. Doch das geht schon in Ordnung. Immerhin gehört die Charakterindividualisierung nicht gerade zu den spannendsten Kaufargumenten eines Musikspiels. Und hey, haben wir schon gesagt das ihr mit Daft Punk am Turntable stehen dürft?

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Schlecht gescratcht? Macht nichts! In DJ Hero könnt ihr nicht von der Bühne fliegen.
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Zudem führt DJ Hero eine eher drastische Änderung ins Musikspielgenre ein: Ihr könnt nicht mehr scheitern. Verpasst ihr den Einsatz, spielt falsch oder dreht den Teller in die falsche Richtung hat das lediglich kurzweilige akustische Konsequenzen. Etwa zwei Sekunden ist die entsprechende Spur nicht mehr zu hören, bis sie wieder automatisch einsetzt. Ausbuhen und von der Bühne werfen war gestern.

Spiel mir das Lied vom Mix

Ähnlich wie schon seine entfernten Verwandten bietet DJ Hero einen gelungenen Einstieg in sämtliche Gameplay-Mechaniken dank ausgereifter Tutorials. Scratches, Crossfading und Euphorieeinsatz stellen so selbst an Neulinge keine große Herausforderung. Doch üblicherweise bietet DJ Hero eine steile Lernkurve und ist vor allem in den höheren Schwierigkeiten nur mit viel Übung zu meistern.

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Auf höheren Schwierigkeitsstufen müsst ihr sogar in vorgegebene Richtungen scratchen.
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Wer sich trotzallem mit dem Crossfaden nicht anfreunden kann, darf sich über die Euphorie freuen. Diese sorgt nicht nur ähnlich wie die bekannte „Star Power“ für mächtig Stimmung im Publikum, sondern betätigt den Crossfader (solange sie aktiviert ist) für euch automatisch. Vor allem während schwerer Passagen ist man dankbar für die Hilfe von Oben. Nur müsst ihr vorsichtig sein, steht euer Crossfader nach der Euphorie anders als er müsste, gilt das als Spielfehler (der aber glücklicherweise nur akustische Auswirkungen hat).

Teller drehen, Knöpfchen drücken und Crossfader schieben – DJ Hero ist genauso gut und innovativ wie das erste Guitar Hero zu seiner Zeit.Fazit lesen

Dank steigender Schwierigkeit finden auch weitere Gameplay-Neuerungen ihren Weg auf euren Bildschirm, wie etwa das „Rewinden“. An bestimmten Stellen während der Songs könnt ihr den Plattenteller zurückdrehen, damit praktisch zurückspulen und dieselbe Stelle mitsamt Punkten nochmal absahnen. Eine spaßbringende Erfindung, die wir sicherlich auch in den nächsten Guitar Heros und Rock Bands zu Gesicht bekommen werden.

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Ein Farbenspiel par excellence. DJ Hero wirkt stimmig bis ins letzte Detail.
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Die Songs sind begeisternd, das Gameplay stellenweise innovativ, die Features dürften umfangreicher sein – und was macht die Optik? Die Antwort: Schön aussehen! DJ Hero zaubert ein wahres Farben-Wunderwerk auf euren Fernseher. Gerade auf HD-Geräten macht die Turntable-Arie einen stimmigen Eindruck, sorgt für Begeisterung und des Öfteren auch für offenstehende Münder.