Wenn man den Beruf des Drachentöters erlernen könnte, würde ich es tun. Ich würde mich sogar für ein Studium oder zumindest einen Volkshochschulkurs einschreiben. Schon als Kind habe ich davon geträumt, die fiesen Lindwürmer zur Strecke zu bringen, mir ihre Reichtümer unter den Nagel zu reißen und holde Jungfrauen zu retten.

Kein Wunder, dass ich mir auch Divinity 2: Ego Draconis sofort unter den Nagel gerissen habe. Endlich wieder Drachentöter spielen! Doch was ist das? Gestaltenwandlung? Selbst zum Drachen werden? WARUM? Wie, das interessiert euch auch? Dann lest einfach weiter!

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Eigentlich ist alles ganz einfach: In der Welt von Rivellon gibt es im Grunde gar keine Drachen mehr. Sie wurden alle von den Drachenrittern vernichtet, in deren Rolle ihr zunächst schlüpft. Doch es gibt auch die bösen Drachenritter, die die Fähigkeit haben, sich in Drachen zu verwandeln. Auch diese wurden fast ausgerottet, von den Drachentötern natürlich.

Divinity 2 - Ego Draconis - Drachenstarkes Rollenspiel?

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Anfangs noch Drachentöter werdet ihr bald selbst zum Drachen.
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Doch die Geschichte von Divinity 2: Ego Draconis macht aus einem edlen Drachentöter einen Überläufer. Weshalb, wird an dieser Stelle selbstverständlich nicht verraten. Doch diese Wendung ist ein zentraler Bestandteil des Spielablaufs, könnt ihr ab diesem recht frühen Zeitpunkt nicht nur in Menschengestalt durch die Fantasywelt wandeln, sondern auch als fliegendes Ungetüm.

Drachentöter wird zum Drachen

Dass beide Spielelemente nicht unbedingt gut harmonieren, merkt man jedoch erst nach einiger Zeit. Bis dahin habt ihr eure Spielfigur bereits mit allerlei Spezialisierungen versehen. Während die Charakter-Einstellungen anfangs noch sehr rudimentär wirken, bastelt ihr schon bald eigenständige Kreationen. Die Charaktergenerierung ist mit wenigen Mausklicks erledigt und somit für Rollenspiele eher untypisch mager.

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Die Klassenwahl ist klassisch.
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Die Basis ist mit den drei Klassen Krieger, Magier und Waldläufer zwar ebenfalls sehr übersichtlich gestaltet, ihr seid jedoch keinesfalls mit eurer ersten Wahl für immer festgefahren. Divinity 2 unterstützt das Heranzüchten von Hybriden, sodass ihr problemlos zaubernde Kämpfer, kämpfende Magier oder Bogen schießende Nahkampf-Magier erstellen könnt. Wie sich euer Bildschirm-Held entwickelt, hängt in erster Linie von der Verteilung der Fertigkeitspunkte (für Skills) und Attribute (Geschicklichkeit, Stärke usw.) ab.

Divinity 2 bietet ca. 20 Stunden Rollenspielspaß als Drachentöter und eine spannende Geschichte: Trotz mancher Mängel eine Empfehlung.Fazit lesen

Allerdings ist der Beginn des heroischen Lebens als Drachentöter bzw. Drachenritter ein sehr zäher und mitunter frustrierend steiniger Weg. Das liegt u.a. daran, dass unser Protagonist über sehr beschränkte Nehmerqualitäten verfügt. Soll heißen: Selbst wenn ihr euch für einen Krieger entscheidet, kippt er meist schneller aus den Latschen als ihr "Mäh" sagen könnt. Überlebt man die Kämpfe doch, weil man "kitet", wird einem diese Taktik mit einer elendig langen Cooldown-Zeit vergällt.

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Ungewollte Pausen stören den Spielrhythmus.
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Wie man es auch dreht und wendet, die ständigen ungewollten Spielpausen stören den Spielrhythmus und unterminieren die Motivation. Erst wenn man die zweistellige Levelgrenze deutlich überschritten hat, beginnt sich das Blatt langsam zu wenden, doch bis dahin benötigt man viel Geduld und sehr viele "Reloads". An häufiges Neuladen bzw. Speichern solltet ihr euch gewöhnen bzw. daran denken. Bis zum Schluss wird man das Gefühl der unausgeglichenen Kampf-Balance aber nie endgültig los.

Dauerklicken á la Diablo

Die Kämpfe selbst sind zwar durchaus spektakulär inszeniert und vor allem die flüssigen Animationen der zahlreichen Nahkampfattacken und Kombos sind einen Hingucker wert. Insgesamt wirkt das Kampfgeschehen jedoch zu oberflächlich, denn es artet meist in stupidem Dauergeklicke á la Diablo aus, auch wenn einige interessante Skills bisweilen für ein wenig Abwechslung sorgen können. Ein Feature wie aktives Blocken hätte hier für mehr Spieltiefe sorgen können.

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Die Geschichte ist spannend inszeniert.
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Während die Schwertfuchtelei und Magie technisch meist problemlos funktioniert, macht die Feind-KI große Sorgen: Aufgrund eines Line of Sight-Fehlers verlieren alle gegnerischen Kreaturen das Interesse an euch, sobald ihr euch hinter einem Objekt befindet. Diese Tatsache lässt sich oft zum eigenen Vorteil nutzen, ist jedoch sicher nicht im Sinne des Erfinders. Obschon euch also eine Vielzahl von Skill-Möglichkeiten bleiben, relativiert sich vieles aufgrund eines stark schwankenden Schwierigkeitsgrads, der häufig für unliebsame Überraschungen sorgt.

Viele Pluspunkte sammelt der belgische Entwickler Larian jedoch für die liebevolle Gestaltung der Quests, was für Rollenspiele ein besonders wichtiges Kriterium ist. Nie hat man das Gefühl anhand von seelenlosen Einheitsmissionen oder gar sinnlosem Dauergrinding durch die Geschichte gelotst zu werden. Ihr trefft Entscheidungen, die sich tatsächlich auf die NPCs auswirken, endloses Monsterabschlachten ohne Sinn und Verstand steht meist hinter dem ausgetüftelten Questansatz zurück.

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Die Charaktere wirken lebendig.
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Beendet eine computergesteuerte Figur etwa eine Konversation mit den Worten: "Ich mache mich dann schon mal auf den Weg", macht sie sich anschließend tatsächlich von dannen und steht nicht blöd in der Gegend rum. In vielen Dialogen habt ihr eine Wahlmöglichkeit und müsst nicht vorgefertigten Lösungswegen folgen und trotzdem hat man nie das Gefühl, mit einer falschen Antwort in eine Richtung abzudriften, die das Spielgeschehen negativ beeinflusst.

Rachendrachen

Eine schlichte Schwarz/Weiß-Malerei gibt es nicht, genauso wenig wie irgendjemand einfach nur Böse oder Gut sein muss. Die sehr schöne Inszenierung der Welt und der Gespräche wird durch eine hervorragende Lokalisation noch zusätzlich verstärkt und gibt Divinity 2: Ego Draconis einen tollen atmosphärischen Unterbau.

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Die Kämpfe sind oftmals reines Dauergeklicke.
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Viele kleine Features reichern den Spielablauf gekonnt an, so beispielsweise das Gedankenlesen, mit dem man zum Preis von Erfahrungspunkten wertvolle Zusatzinformationen erhält. Ein sehr gutes Gameplay-Element bildet auch der Drachenturm, der euch als Rückzugsgebiet dient. Hier stehen euch Diener zur Verfügung, die euch Waffen anfertigen, Alchimisten brauen neue Tränke und Sammler jagen automatisch Zutaten hinterher, die ihr für eure Abenteuer benötigt.

Umso enttäuschender ist dagegen das Drachenfliegen selbst, denn es wirkt aufgesetzt und nicht wirklich in die restliche Spielwelt integriert. Flieht man beispielsweise mit letzter Kraft vor einem Rudel wild gewordener Skelette und wechselt in die Drachengestalt, um ihnen den Garaus zu machen, bekommt ihr ein spieltechnisches Stoppschild präsentiert. Die Gegner lassen sich nämlich gar nicht bekämpfen.

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Die Drachenpassagen wirken aufgesetzt.
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Nur in bestimmten Arealen könnt ihr überhaupt als Drache so richtig aktiv werden, allenfalls als Transportmittel erledigt das Flugtier gute Dienste. Der Drachenhort macht sich als Schatzhüter für die Itemhatz jedoch vorzüglich und verwahrt die vielen gefundenen Gegenstände vorbildlich für euch.

Noch ein Wort zur technischen Seite von Divinity 2: Während ich (Vista 64/ 8800 GTS) bei der Installation und dem Spielen praktisch keine Probleme hatte, sah das bei den Kollegen David und Patrick ganz anders aus. Dort war das Spiel nur mit einigen Kniffen überhaupt zur Mitarbeit zu bewegen. Abstürze gab es nur sehr selten, dafür eine Reihe von Clippingfehlern, die durchaus vermeidbar wären.