Micky Maus hat das Leben schon hart mitgespielt. Irgendwie hat dieses grundsympathische Großohrentier, das seit 1951 oben links aus der Ecke des gleichnamigen Comichefts strahlt, massiv verloren - an Glanz, an Charakter, an Stärke und Präsenz. Selbst auf der offiziellen Seite begrüßt euch nicht die Maus, sondern Donald Duck im Header. Der kleine Micky-Kopf wirkt neben dem Magazinlogo eher wie eine Fußnote, nicht wie ein Schrei der Marke: „Das ist mein Heft, mein Universum, meine Welt.“ Und vor allem eins nicht: cool.
Springen, malen, radieren und Entscheidungen treffen: Klingt ja alles super, sieht verlockend aus, aber beim nächsten Mal bitte was Spielbares!AusblickHier tritt ein vollbärtiger Mann auf den Plan, den wohl jeder kennt, der in den letzten zehn Jahren nur am Rande mit Spielen zu tun hatte. Einer, dessen Werke man immer dann geistig noch mal durchs Gedächtnis rauschen lässt, wenn die Kumpels über das brandneue Bioshock 2, das nicht mehr ganz so brandneue Arx Fatalis und viele andere von seinen Entwürfen inspirierte Spiele diskutieren. Ein Meister des Dystopischen, des Gesellschaftskritischen und Bedrückenden.
Fies blickt er drein, unser Held. Je nachdem, welchen Spielstil ihr wählt.Welche größere Ehre gäbe es wohl für jemanden wie Warren Spector und seine Junction-Point-Studios, als die olle Maus auf Vordermann zu bringen und diejenige Seite nach außen zu kehren, die über die Jahre hinweg verloren ging? Ganz oben auf dem kaffeebefleckten „Das haben wir vor“-Spickzettel steht also: Lasst uns Micky endlich wieder cool machen! Sagt zumindest Spector bei der ersten Präsentation des Spiels.
Wie das gehen soll? Indem seine wilde und freche Natur wieder um sich schlägt. Weg also vom Detektivmantel, von der Lupe, von albernen Gadgets und hin zu seinen markanten Konturen der Geschichten aus den zwanziger und dreißiger Jahren. Was allein am Design deutlich wird, denn in Epic Micky begrüßt uns ein früher Entwurf jener Maus, die man kennt und gern hat: Mit roten Bermuda-Shorts, und zwar NUR damit, steht sie da - eben so wie in den alten Cartoons der Marke „Hawaiian Holiday“. Aber irgendwas ist komisch. Irgendwie grinst Micky verdammt fies, hinterhältig, verkommen.
Malen für die gute Sache: In Epic Micky muss der Held die Cartoon-Wastelands retten.Und vor allem ihr Playground ist ein gestalterisches Gegenstück zum bunten Reigen Entenhausens: die Cartoon-Wastelands nämlich, ein Ort feindseliger Schwärze, voller kantiger Objekte, abstrahierter Formen und schroffer Berge. Alles wirkt herrlich bizarr: gegen die Gesetze der Physik verlaufende, in sich gedrehte Wege, tiefschwarze Teergruben, das Maul bis zum Anschlag aufreißende Hasen, widernatürliche Pflanzen und Gebäude locken in eine düstere Welt.
von Disney Interactive, Junction Point StudiosGenre: Action Adventure, Jump & RunWii: 25.11.2010Freigegeben ab 6 Jahren
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Ich weiß nicht wie's euch geht... aber am Mickey Maus Design der 20er Jahre ist absolut nichts episches.
Herr Spector hat den wirklichen Sprung über die Designkante nicht gewagt bzw. hat es nicht dürfen, und wird damit wohl einen großen Teil der Zielgruppe verfehlen.
Schade.
Man kann nur hoffen, daß es noch am frühen Entwicklungsstadium liegt, und noch massiv an Details, Texturen und vor Allem der Beleuchtung geschraubt wird.
Im Vergleich zu den Artworks ist das jedenfalls kein epic Mickey sonder eher ein epic Fail.
Schade, ein _guter_ neuer Mickey Mouse Titel wäre durchaus eine Überlegung wert gewesen. Mein letzter Kauf in Richtung Disney-Lizenz war seinerzeit Mickey Mania fürs Mega CD - danach schien die Figurenriege ja fast ausschließlich für drittklassige Lernspiele verwurstet worden zu sein.
Als die Artworks veröffentlicht wurden kam das Gerücht auf das es sich um KH3 handelt, was aber wie wir hier sehen nicht der Fall ist.