In knappen Bermudashorts steht er da. Der Zurückgekehrte, der fast Vergessene, einst das Sinnbild für strahlende Kinderaugen und nach oben gezogene Mundwinkel - wie man ihn kennt. Nur die tintenschwarzen, aus den Ohren fließenden Kleckse und der verschlagene Blick sind nichts, was ich Micky Maus aus dem Stegreif ans Revers pappen würde.
Wundervolles Abenteuer für den kalten Herbst, dem spielerisch der letzte Schliff fehlt.FazitAbgesehen davon sieht der Mäuserich genauso aus, wie er sich vor Jahren aus dem Gedächtnis der Jugend verdrückte und Platz machte für Bolt, Cars und den Rest vom modernen Disney-Fest. Ein zutiefst schönes Gefühl, ihn mal wieder zu treffen, auch wenn Micky gewiss was anderes im Sinn hatte, als es hieß: Lass uns den Pinsel schwingen. Dass er dabei den nebenstehenden Verdünner umkippt, kann passieren. Nicht weiter schlimm, oder? Genau: oder! Dass das Zeug nämlich über die Miniaturkarte der sogenannten Cartoon-Wastelands rinnt und aus einem Ort der glückseligen Zur-Ruhe-Setzung eine Giftmülldeponie macht, das wollte keiner.
Hey, Micky, altes Haus. Zurück und cool wie nie zuvor.Wie ein Feldherr stand er da, der greise Magier Yen Sid, und erschuf die Wastelands auf seinem Tisch als einen Ort für Disney-Charaktere der Generation „altes Eisen“, die in all den Jahren die Spur der Vergessenheit einschlugen. Klarabella, Rudi Ross, Donald, Daisy, Goofy, Kater Karlo und natürlich Oswald, der lustige Hase, direkter Vorfahre Mickys und Walt Disneys erste erfolgreiche Figur. Allesamt zehren sie vom Glanz vergangener Tage und siechen auf dieser Müllkippe vor sich hin, die Micky angerichtet hat. Statt wohlverdienter Zeichentrickrente im saftigen Grün bleibt bestenfalls hässlicher Grünspan, wie ein Geschwür an der Cartoon-Ruhestätte nagend.
Erst viele Jahre später, Micky lebt weiter, als sei nichts geschehen, bekommt unser Großohr Besuch von seinem Erzfeind Phantom Blot. Ein untrügliches Zeichen: Die Vergessenheit hat die Maus überrollt wie eine Lawine. Sie wird selbst zur Geißel der Wastelands, hineingezogen in eine Welt voller Verderbnis und Vergänglichkeit. Zumal sein Missgeschick Spuren hinterlassen hat: Giftgrüner Farbverdünner trieft von blassgrauen Felsen, sammelt sich in blubbernden Dreckpfützen und überzieht das einst so beschauliche Disney-Altersheim mit einem tödlichen Schmierfilm.
Schöner Mist, den Micky da angerichtet hat.Die Häuser der Bewohner werden notdürftig zusammengehalten von morschem Gebälk, Dächer sind durchlöchert, Fassaden zerfressen. Der Mickymüll-Mountain gleicht genau dem, wonach er klingt: einer versifften Müllkippe für ausgesondertes Disney-Merchandising. Da versinken Brotdosen in finsteren Giftgruben, Frisbee-Scheiben mit Mauskopf treiben wie Eisschollen in einem Meer aus Teer, und zerfranste Micky-Maus-Hefte dienen als Sprungfläche.
An vielen Orten dampft und lodert es aus undichten Rohren, Zahnräder knirschen, Maschinen rattern unter sich krumm und schief gen Nachthimmel reckenden Häusern. Schultergucker Warren Spector (Ultima Underworld, Deus Ex, Thief) und sein Junction-Point-Team entführen in eine bizarre, entartete Version Disneylands, einen angenehmen Cartoon-Albtraum aus Dunkelheit und Feindseligkeit. Einen Spiel gewordenen Zeichentrickfilm mit kräftigen Farben, abstrakten Formen und viel Projektionsfläche für fast grenzenlose Phantasie.
Mit Rat und Tat zur Seite stehend: Kobold Gus.Die braucht man, um vollends ins Erlebnis abzutauchen. Vor allem in den ersten Stunden. Spector gibt hier weder spielerisch noch erzählerisch eine konkrete Marschrichtung vor, sondern baut darauf, dass man sich in die Welt von „Epic Mickey“ hineinträumt - vielleicht auch deshalb, weil er die Vision hinter dem Malabenteuer anfangs viel zu schüchtern präsentiert. Schritt für Schritt erlernt man zunächst das kleine Action-Adventure-Einmaleins, das Springen, den Doppelhüpfer, Mickys Drehbewegung per Wiimote-Schüttelei und so weiter.
Unterstützend zur Seite steht mir Kobold Gus, mein persönlicher Schultergucker, der sein Mundwerk in den anfänglichen Abschnitten nicht im Zaum halten kann. Besonders zu Beginn nervig, weil er in den ersten ein, zwei Stunden die Lösungen für die meisten Probleme, Rätsel und Sprungpassagen einfach vorwegnimmt. Ja, danke, ich hab langsam begriffen, wie das Malen und Löschen funktioniert – und wo ich es anwenden muss.
von Disney Interactive, Junction Point StudiosGenre: Action Adventure, Jump & RunWii: 25.11.2010Freigegeben ab 6 Jahren
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wenn ich meine wii noch hätte.
60%/100%
sry an alle fans des spiels ;)
Gruß KhangTheFreshGuy
ernsthaft wen interessiert wie der heisst 0.o jeder weiß was gemeint ist oder? ;P
Bin schon gespannt, was für ein Spiel Sie als nächstes reviewen, Mr. Thor...
Gruß, Moritz.
hieß der nicht "Fantasia" ?
Aber wenigstens habt ihr mich jetzt auf eine Idee gebracht ;-). Ich werde mir mal ein Paar alte Disney-Filme anschauen. :D
Jede Ecke, jedes Objekt, jede Welt, jeder Charakter, jeder Fetzen Soundtrack (der ja fast komplett neu geschrieben wurde) basieren auf Disney und geben Disney auch in fast perfekter Form wieder. Alleine schon die tapsigen Geräusche, wenn Micky schleicht, sind einfach nur super.
Aber absolut klasse, klare Kaufempfehlung!