Ich werde alt. Als Kinder hatten wir alle möglichen Panini-Alben in unserer Sammlung. Ob nun Fußball oder Wrestling – die letzten zusammengekratzten Markstücke wurden in den nächstgelegenen Kiosk gebracht und gegen eine Wundertüte von Kartensets eingetauscht, die dann eifrig eingeklebt oder unter Kumpels getauscht wurden. Da war Lothar Matthäus noch ein guter Fußballer und weniger „Sugar Daddy“, und Jürgen Klinsmann noch Schwabe im Trikot eines Müncheners. Zukünftig werden wohl die Kiddies im Kiosk neue digitale Inhalte und Upgrades für ihr Spiel zusammenkaufen.

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Skylanders trifft Little Big Planet

Das Team um Avalanche Studios versucht sich nämlich bei Disney Infinity an einem Mix aus Skylanders und Little Big Planet. Man nehme hierfür die Sammelfiguren, die wie bei Skylanders in das Spiel übertragen werden, und kombiniere es mit dem Multiplayermodus „Toybox“, der von seiner großen Vielfalt her an das Universum der kleinen Sackboys erinnert.

Das Tor zum digitalen Disney-Universum stellt die „Infinity Base“ dar. Diese bietet drei Schnittstellen. Auf die oberste wird das Playset, der Würfel mit der entsprechenden Disney-Geschichte, gestellt. Ob nun „Die Monster Uni“, „Fluch der Karibik“, „Cars“, „Die Unglaublichen“ oder der aktuellste Disney-Streifen „Lone Ranger“ - Würfel mit der Geschichte nach unten auf die Fläche gestellt, den entsprechenden Hauptprotagonisten auf einen der beiden anderen Flächen gestellt – und los geht’s.

Die Handlungsstränge der einzelnen Geschichten sind in sich geschlossen und orientieren sich inhaltlich auch an den jeweiligen Geschichten der filmischen Vorlagen. So spazieren wir mit Mike und Sully über den Monster-Campus, während Jack Sparrow die Karibik unsicher macht. Die Fortschritte der gerade aktiven Charaktere wird auf selbigem gespeichert und lässt sich plattformübergreifend bei Freunden übertragen. Jedes Playset soll im Einzelspielermodus um die 4 Stunden Spielzeit verschlingen – wenn der Spieler jede klitzekleinste Nebenaufgabe abschließen will, soll die Spielzeit laut Game Director Troy Leavitt sogar um bis auf das Doppelte anwachsen.

Wahlweise lassen sich die Playsets auch zu zweit bewältigen. Die Missionen selbst sind recht simpel gehalten. Im Fall der Monster-Uni beschränkten sich diese auf klassische Schemata: einsammeln, erschrecken, Bösewicht ausknocken. So lässt sich das auch auf die anderen Playsets übertragen und dürfte bei vielen doch recht schnell ein ausgeprägtes Déjà-vu-Erlebnis hervorrufen.

Disney Infinity - Little Big Planet trifft Skylanders: Entsteht hier das Beste aus allen (Disney-)Spielwelten?

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Disney Infinity stibitzt das Konzept von Skylanders und vermischt es mit dem Kreativbaukasten von Little Big Planet.
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Hier merkt man dem Spiel an, dass die jüngeren Zielgruppen nicht überfordert oder gar verschreckt werden sollten, denn freischaltbare Extras und Charaktere sollen für die Kleinen unter uns ja schließlich auch im Bereich des Möglichen liegen und Frust möglichst vermeiden. Auch auf Gewaltdarstellung wurde weitestgehend verzichtet. So ballert man im „Lone Ranger“-Playset mit einer Art Gummigeschoss - und Tote sucht man selbstverständlich vergebens.

Packshot zu Disney InfinityDisney InfinityErschienen für 3DS, PS3, Wii, Wii U und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Den typischen Disney-Charme und -Humor versprühen die einzelnen Geschichten ohne Frage, wozu die Originalstimmen und Soundtracks natürlich ihren Teil beitragen. Aber für die älteren Zielgruppen dürfte sich abgesehen von den eigens für die Playsets geschriebenen Handlungen der spielerische Anspruch in Grenzen halten.

Früher der Lego-Koffer, heute die Toybox

Für die anspruchsvolleren Spieler ist die Toybox das eigentliche Herzstück des Spiels. Wie aus den Little-Big-Planet-Teilen bekannt, sind der Kreativität hier mit bis zu drei weiteren Mitspielern fast keine Grenzen gesetzt. Denn in dieser Welt ist nichts unmöglich. Ihr wollt euch einfach nur kosmetisch austoben und die Welt umbauen oder erweitern? Kein Problem. Ihr wollt ein Jump'n'Run erfinden, wo der schnellste Spieler der Sieger ist? Nur zu. Hier finden endlich auch die aus den Playsets freigeschalteten Gegenstände ihren Einsatz, denn diese können nach Lust und Laune zum Basteln eingesetzt werden.

Wenn die Toybox die versprochene Langzeitmotivation aufrecht erhalten kann, dürfte sich diese Verschmelzung zweier Welten nicht nur finanziell für Disney äußerst lohnen.Ausblick lesen

Das Chuck-Norris-Tool hierfür ist Cinderellas Zauberstab, mit dem sich einfach und unkompliziert alles versetzen, austauschen, erschaffen und programmieren lässt. Oh, ein Stadion! Zuschauer? Gern, aber bitte nur jubeln, wenn ich ein Tor schieße. Ein paar Handgriffe genügen und euer Wille ist Befehl. Ihr wollt in dem Stadion gar keinen Fußball spielen? Dann erschafft ein paar Cyborgs und versucht, so lange wie möglich den Gegnerwellen Stand zu halten. Clevere Eltern lassen ihre Kleinen die Playsets spielen und bedienen sich dann in der Toybox an den freigeschalteten Charakteren und Elementen. Die selbst kreierten Schauplätze können dann auch online mit anderen Spielern geteilt und getauscht werden.

Wo aber nun ist der Zusammenhang zwischen dem Kiosk und Disney Infinity? Hier kommen die Bonusmünzen ins Spiel. Wie schon zu Panini-Zeiten werden diese Packs verdeckt gekauft – der Spieler weiß also nicht, was er kauft. Mit diesen Münzen lassen sich nicht nur die Attribute eurer Helden im Einzelspielermodus boosten, sondern auch neue Tools, Themes, Soundtracks und Gadgets in der Toybox dazukaufen.

Ob Verkleinerungskanone, Dumbo als fliegende Mitfahrgelegenheit oder Cinderellas Kutsche, die wir zusätzlich mit einem Raketenwerfer aufrüsten: einfach die Bonusmünzen unter der Spielfigur auf die Infinity-Base packen und nach ein paar Sekunden finden sich die Upgrades im Spiel wieder. Während der Präsentation gab es hier und da einige Ruckler und etwas schleppenden Bildaufbau, aber daran soll noch gefeilt werden.

Disney Infinity - Little Big Planet trifft Skylanders: Entsteht hier das Beste aus allen (Disney-)Spielwelten?

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Wie bei Sammelkarten könnt ihr nach und nach neue Figuren, Welten etc. nachkaufen.
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Das Starterset beinhaltet die Infinity-Base, die drei Playsets "Die Monster Uni", "Die Unglaublichen" und "Fluch der Karibik" – ergo auch drei Figuren: Sully, Mr. Incredible und Captain Jack Sparrow. Jede weitere der 17 zum Start verfügbaren Figuren soll um die zwölf Euro kosten, jedes weitere Playset 30 Euro und die Boosterpacks mit jeweils zwei Münzen werden sich bei ungefähr fünf Euro einpendeln.

Wenn man bedenkt, dass sich zum Release bereits 30 Münzen dazukaufen lassen, könnte sich Disney Infinity finanziell zur eierlegenden Wollmilchsau entwickeln. Das aber nicht nur, weil diese Sammelwut im Gegensatz zu Pokémon- oder Fußballkarten kostspieliger ist, sondern weil das Spiel bisher überraschend solide und homogen das Beste aus beiden Welten – sowohl dem Übertragen der physischen Figuren in die Welten, als auch der Freiheit in der Toybox – zu vereinen weiß.