Der Shmoo ist eine von Al Capp kreierte Comicfigur, die ihren ersten Auftritt in der Nachkriegszeit Ende der 40er hatte. Der Shmoo war ein wirklich nützliches Wesen: Er legte Eier, gab Milch und konnte schmecken, worauf die Menschen, die ihn aßen, Lust hatten. Aus seiner Haut konnte man feinstes Leder herstellen und sogar seine Barthaare waren noch ausgezeichnete Zahnstocher. Kurzum: Der Shmoo hat fast alle menschlichen Bedürfnisse abgedeckt. Oder zu neudeutsch: Er war die eierlegende Wollmilchsau. Nun stellt sich die Frage, ob „Disney Infinity“ für das Traditionsunternehmen das ist, was der Shmoo für die Menschheit ist.

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Also den Shmoo ausgepackt und die Peripherie unter die Lupe genommen. Die Infinity Base, das „Spielbrett“ ist schnell angeschlossen und wird problemlos erkannt.

Die drei Figuren im Starterset, die wir auf diese Platte stellen, sind einigermaßen hübsch modelliert, entsprechen aber auch eher ihrem Spiel-Alter-Ego als dem „realen“ Vorbild.

Im Starterset könnt ihr zwischen Sullivan, Captain Jack Sparrow und Mr. Incredible wählen. Außerdem purzeln euch drei Playsets entgegen, die alle in einem Würfel vereint sind. Dieser wird auf die dafür vorgesehene sechseckige Plattform gestellt und schon haben wir die Wahl, ob wir in die Geschichte der „Incredibles“, der „Monster Uni“, oder mit dem „Fluch der Karibik“-Set in See stechen wollen.

Wir haben uns für Sullivan entschieden und einen Abstecher in das Monster-Universum unternommen. Sofort fällt auf: Vertraute Stimmen sind das, die dem Spieler da im Intro zu Ohren kommen. Sowohl Sullivan als auch Glotzkowski werden von den Originalsprechern vertont – allgemein wurden viele bekannte Synchronstimmen im Spiel implementiert.

Disney Infinity - Disney-Helden im Sammelwahn

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Mr. Incredible ist im Starterset auch mitenthalten.
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Ja, was nun tun hier auf dem Uni-Campus? Im Endeffekt lassen sich die Missionsvarianten relativ grob zusammenfassen: Sammle soviel XY, gehe nach A und bringe es nach B. Wenn man bei „Disney Infinity“ etwas macht, dann ist es Sammeln und Laufen. Natürlich immer im Kontext des entsprechenden Playsets.

Packshot zu Disney InfinityDisney InfinityErschienen für 3DS, PS3, Wii, Wii U und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Ein Spiel für die ganze Familie?

Das Spiel ist ab sechs Jahren freigegeben und hier zeigt sich deutlich, warum eben auch der Sechsjährige mit dem Spiel nicht überfordert werden darf. Für Otto-Normal-Spieler ist das ohne Frage zu anspruchslos. Ich muss aber zugeben, dass sich zumindest irgendwann ein gewisser Münz-Sammelwahn eingestellt hat und ich bei jeder Kapsel auf einem Dach oder Vorsprung diese eine unbedingt noch einsammeln musste, bevor ich weiter dem Handlungsstrang folge.

Was aber nicht daran liegt, dass diese mit kleinen, liebevollen Details gespickt sind, die mich in der jeweiligen Welt haben versinken lassen. Es sind eher pragmatische Gründe: Die Kapseln beinhalten Gegenstände für die Toybox, mit den Münzen schalte ich Gadgets und Extras frei und mit dem Erfahrungslevel meines Charakters Tresortickets. Zu Letzterem später mehr.

Disney Infinity gelingt der Spagat zwischen Jung und Alt vor der Konsole. Auch wenn beide Seiten bei solch einem Kompromiss immer Abstriche machen müssen.Fazit lesen

Pro Playset hat Disney eine Spielzeit von etwa vier bis fünf Stunden angegeben, bis man die jeweilige Geschichte durchgespielt hat. Wenn man jede Neben- und Sammelmission abschließen will, sollen es sogar acht Stunden werden. Wahlweise darf man die Playsets auch im Koop-Modus spielen – vorausgesetzt, man hat sich eine zweite Figur aus dem jeweiligen Playset zugelegt. Mit einem Mr. Incredible Sullivan auf dem Campus der Monster-Uni zu unterstützen, ist also nicht möglich.

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Auch Captain Jack Sparrow gehört zum Starterset.
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Vor allem für die jüngere Generation praktisch: Abgesehen von einem „Cars“, wo es sich logischerweise schlecht rennen, klettern oder schlagen/schießen lässt, ist die Steuerung der Helden Playset-übergreifend identisch. Springen, Schlagen, Blocken, Spezialattacken – die Belegung bleibt dieselbe, so dass sich die Kleinen und auch die elterlichen Kindsköpfe nicht bei jedem Playset auf eine völlig neue Tastenbelegung einstellen müssen. Natürlich sind die Geschichten der einzelnen Welten keine Neuerfindung von erzählerischer Tiefschichtigkeit im Spielebereich. Aber sie sind niedlich gestaltet und versprühen ihren Disney-Charme – wenn der Spieler sich mit dem Comic-Look der Helden und der Welten anfreunden kann.

Toybox – der große Little-Big-Planet-2-Konkurrent?

Werden die älteren Spieler oder die Eltern, deren Sprösslinge in Besitz von Disney Infinity sind, die Playsets eher belächeln, dürfte die Toybox auch für eben jene interessanter sein. Hier darf man sich nach Herzenslust austoben und sich seinen eigenen überdimensionalen Spielplatz erschaffen. Um hier aber nicht gleich ins kalte Wasser geworfen zu werden, führt das Spiel den Spieler durch die Meisterabenteuer behutsam an die Möglichkeiten dieser riesigen Spielzeugkiste heran und erklärt Schritt für Schritt die Möglichkeiten, die sich einem hier bieten.

Neben den rein optischen Mitteln zur vollen Entfaltung der eigenen Kreativität bietet „Disney Infinity“ dem Spieler auch die Möglichkeit, eigene Spiele zu erfinden. Seien es Jump-and-Runs, Autorennen – sogar eine Mario-Kart-Variante mit Waffen ist möglich –, Fußballspiele oder das Zerschlagen von immer neuen Gegnerwellen. Mit Cinderellas Zauberstab an der Hand kann der Spieler Kontextaktionen kreieren und kombinieren.

Hier finden dann auch die in den Playsets gesammelten Gegenstände und Gadgets Verwendung. Leider lassen sich aber nicht alle Gegenstände über die Playsets freispielen, denn Disney kam auf die eigenartige Idee, mit dem Tresor eine Art Slotmachine einzuführen. Für diese braucht ihr die bereits angesprochenen Tresortickets. Pro Ticket habt ihr eine Ziehung frei.

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Die Toybox bietet eine Menge Spaß mit Freunden.
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Das große Manko dabei: die Ziehungen sind willkürlich. Will ich also eine Rennstrecke basteln und mir mit meinen Tickets zusätzliche Streckenelemente kaufen, kann ich diese nicht einfach anwählen und freischalten. Ich muss den Zufallsgenerator anschmeißen und hoffen und beten, dass das Element meiner Begierde freigeschaltet wird, was einfach nur unnötig, unsinnig und nervig ist. Natürlich steckt da nur ein Sinn hinter: Ob im Playset oder in den Toybox-Abenteuern so lange mit euren Helden zu spielen, bis ihr peu à peu die Tickets hart erspielt, um endlich weitere Drehs zur Verfügung zu haben.

Liebe Disney-Infinity-Macher: Um die mir im Tresor angebotenen Elemente zu bekommen, muss ich die Tickets doch sowieso erspielen - ob ich dann beim Dreh das Element meiner Wahl bekomme oder nicht! Der einzige Unterschied ist, dass es mit eurer Zufallsvariante frustrierend ist, wenn man weiß, dass man sich die letzten Tickets für die Katz erspielt hat, weil ich nur einen Märchenbaum oder einen Wasserfall anstatt meinem Wunschelement bekomme.

Denn eigene Toybox-Welten lassen sich auch online teilen und die ersten wirklich ausgefeilten Welten dürften mit solch einer bockenden Tresorvariante auf sich warten lassen. Schließlich bekommt man ja nicht die Utensilien, die man gerne haben möchte.

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Wollt ihr mit Bösewicht Syndrome spielen, müsst ihr diesen dazukaufen.
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Natürlich macht das Herumfriemeln, Ausprobieren, Austüfteln und dann Erproben Spaß – auch im Koop-Modus. Und die Theme-Packs verleihen dem Ganzen etwas zusätzliche Würze. Aber am Ende ist das Ganze aber doch weniger umfangreich als es ein „LittleBigPlanet 2“ ist. Mal abgesehen von dem unsinnigen Tresor tut das dem Spielspaß keinen immensen Abbruch, aber auch hier zeigt sich, dass zwischen dem Mindestalter und der Altersspanne allgemein versucht wurde, ein Kompromiss zu finden.

„Disney Infinity“ bleibt ein Spiel für die Kleinen, das mit der Toybox aber auch die Eltern mit ihren Kleinen vor den Bildschirm locken wird. Dann können auch ältere Semester von der Couch aus in wohligen Disney-Erinnerungen schwelgen. Und trotz saftiger Preise für die zusätzlichen Playsets, Boosterpacks und um weitere Figuren erweiterbaren Playsets wird „Disney Infinity“ für das Disney-Imperium voraussichtlich das werden, was der Shmoo in seinen Comics für die Menschheit war.