Eine Seuche geht um. Sie verzehrt Menschen, saugt ihnen das Leben aus, selbst diejenigen, die verschont bleiben, kauern ängstlich in ihren Häusern. Warten auf eine Erlösung, die nie eintreten wird. Beten zu einem Gott, der sie nicht erhört. Niemand ist sicher vor ihr. Sie wird unser aller Untergang sein. Ja, man kann sie nicht aufhalten – HD Ports bringen die Welt zu Fall, so sehr wir uns auch wehren mögen. Im Vergleich dazu ist die Pestilenz in der Welt von Dishonored ein Kindergeburtstag mit Eistorte und Topfschlagen. Warum, erzählen wir euch im "Dishonored: Definitive Edition"-Test.

Anmerkung: Wir gehen davon aus, dass ihr mit dem Hauptspiel vertraut seid. Falls nicht, empfehlen wir euch unseren Dishonored-Test.

Corvo, Leibwächter der Kaiserin BLABLABLABLA - ihr kennt die Story doch längst! Warum sonst solltet ihr euch für die Definitive Edition von Dishonored interessieren, richtig? Die viel größere Frage lautet aber vielleicht: Warum sollte das überhaupt jemand tun? Hat man nicht gerade die beiden DLCs verpasst, die sich um die Ausflüge des Meistermörders Daud drehen und gute Qualität, wenn auch etwas viel Recycling beinhalten, gibt es zumindest keinen inhaltlichen Anreiz. Vom Content her ist die neue Edition derselbe Waltran in grün.

Man kann natürlich sagen "Ja DUH, was denn auch sonst?", aber selbstverständlich ist es nicht, nicht mehr. Viele neue Editionen warten mit zusätzlichen Features auf. Oder, wie in Dark Souls II, platzieren einfach die Gefahren und Gegner neu, was für Souls ein gewaltiges Ding ist, für ein Spiel mit einem so deutlichen Schleichfokus wie Dishonored aber ebenfalls ein echter Gewinn wäre. Man hätte es ja als Alternative zur normalen Platzierung anbieten können. Ist alles nicht passiert, ein bisschen schade. Und es wird noch schader... schaderer... scha... bedauerlicher, je weiter man in die Definitive Edition reinlugt.

Dishonored: Definitive Edition - Launch Gameplay Trailer

Wer gar keine Ansprüche an derlei Ports hat, als eine Sammlung aller bisher dagewesenen Inhalte und eine grafische Politur vorzufinden, der wird sicherlich nicht kopfschüttelnd enttäuscht sein. Die neue Auflösung ist scharf, Anti-Aliasing sorgt auch auf größeren Bildschirmen für sehr augenfreundliche Kanten ohne großes Gezacke (wir haben auf der Xbox One getestet) und insgesamt kann man sich die Optik durchaus geben. Jubelgeschrei, das werdet ihr merken, sieht natürlich anders aus.

Grafik mit Knick - nach wie vor

Das liegt maßgeblich daran, dass die Grafik tatsächlich schon beim Erscheinen von Dishonored ein Kritikpunkt war. Und die Geschichte um den entehrten Leibwächter war nicht eines von den Spielen, die an den Grenzen der Technik kranken, weil sie zuviel wollen – vielmehr krankte Dishonored schon beim Erscheinen optisch einfach daran, dass die Grafik technisch nicht so wahnsinnig gut umgesetzt war. Es war durchaus nicht hässlich. Das lag maßgeblich daran, dass es stilistisch einen leicht verwaschenen Ölgemälde-Look hatte, bei dem ich mir bis heute nicht sicher bin, ob er Methode oder Notlösung war. Damals sagte ich, Dishonored habe einen Knick in der Optik. Das trifft, mutatis mutandis, immer noch auf die Definitive Edition zu.

Traurig unambitioniert und wirklich nur für Dishonored-Jungfrauen geeignet.Fazit lesen

Die Texturen sind verwaschen, wenn einem die NPCs beim passiven Storytelling in die First-Person-Kamera glubschen, kommt einem auch ganz ohne Fisch-Olfaktorik das kalte Grausen – und nicht nur bei den vernarbten Hackfressen von Widersachern, sondern sogar bei der hübschen Kaiserin und der süßen Emily. Ich schwöre, als die thronerbende Göre das erste Mal auf mich zurannte, hielt ich sie kurz für einen Weeper. Die Effekte sind nicht auf der Höhe der Zeit – was besonders auffällt, da gefühlte 241% des Spiels irgendwo an Häfen und in der Nähe des Wassers stattfinden. Wenn in einem solchen Spiel dann die Wassereffekte nicht richtig gut sitzen... nun.

Dishonored: Definitive Edition - Definitiv nicht berauschend

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Süß. Leider nicht mehr.
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Man kann auch immer noch ungläubig bestaunen, wie besiegte Feinde mit dem kompletten Torso in den Boden clippen, wie solide Objekte, Corvo und Daud selbst mit eingeschlossen, keinen oder einen falschen Schattenwurf gegenüber den Lichtquellen haben – und selbst die Lichteffekte selbst sind im direkten Vergleich nicht so wahnsinnig viel besser. Effekte wie Stichflammen oder zu Asche zerbröselnde Baddies gehen klar. Gingen klar. Werden klargehen. Mehr aber eben nicht. "Mehr" ist aber das, was gefordert ist, wenn man sich ein Spiel idealerweise nochmal kaufen soll. Da ist es mit einer vereinzelten neuen Nebelschwade hier oder da nicht getan.

Content? Überarbeitung? Pustekuchen.

Ach übrigens, falls das noch nicht klar war: Die komische deutsche Lokalisierung hat selbstverständlich auch überlebt, was keine Überraschung, aber natürlich ein Jammer ist. Die stockende Dialogregie mit eigentümlichen Pausen, in denen die Sprecher zu überprüfen scheinen, ob sie gerade einen Schlaganfall haben oder nicht. Die teils fehlerhaften, teils auch einfach nicht zum Gesagten passenden Untertitel. Die suboptimalen Beschreibungstexte. Alles da. Kann mir auch keiner erzählen, dass man nicht zumindest an den Texten hätte schrauben können. Eine neue Truppe von Laiendarstellern anzuheuern wäre vielleicht zuviel Aufwand gewesen... wenn auch dringend nötig.

Packshot zu Dishonored: Definitive EditionDishonored: Definitive EditionErschienen für PS4 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Der Punkt ist: Das sind alles alte Probleme von Dishonored, die uns damals einfach vollkommen Bockwurst waren, weil das Spiel dahinter phänomenal gut war. Natürlich ist das Spiel immer noch erstklassig – schon alleine deshalb kann man auch der Definitive Edition eine leise Empfehlung aussprechen. Aber der Daseinsgrund, die ganze Berechtigung einer Neuauflage, ist es eben nicht, quasi eins zu eins alle alten Stärken und Schwächen aufzuwärmen, sondern etwas anders, mithin besser zu machen. In der Hinsicht versagt die Definitive Edition und lässt sich somit nur einer sehr kleinen Gruppe von Leuten wirklich empfehlen: Denen, die Dishonored noch nie gespielt haben und deren Möhre von einem Rechner ihrer Xbox One nicht gewachsen ist. Der Rest wartet einfach auf Teil 2, anstatt sein Geld zu verschwenden.