Pure Zerstörung auf vier Rädern. Fertig. Was meint ihr mit „reicht nicht“? Muss doch genügen. Im Titel steht Dirt, darunter Showdown, und wenn ich jetzt noch den Klassiker „Destruction Derby“ erwähne, erwarte ich, dass sich gefälligst alle Blechschaden-Freaks auf die Disc werfen, als wäre sie ein Blaubeerkuchen bei Weight Watchers.

DiRT Showdown - Launch Trailer3 weitere Videos

Ja, ich meine euch. Die ganze Bande Retrofreaks und Früher-war-alles-besser-Posauner, die sich seit Jahren auf Youtube und bei allen erdenklichen Gelegenheiten einen Nachfolger des PSone-Klassikers wünschen, obwohl Destruction Derby eines der frühesten und somit auch unausgereiften Rennspiele der Konsole war.

Mit Dirt:Showdown habt ihr die Chance, diese Zeit wieder aufleben zu lassen. Und das Schönste daran ist, dass Codemasters' Interpretation der hitzigen Crash-Car-Events weit mehr Abwechslung bietet, schönere Wagen parat hält und obendrein ein Upgrade-System auffährt. Schöner, besser, größer.. sucht euch ein Superlativ aus.

DiRT Showdown - Wie Destruction Derby, nur anders

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 32/351/35
Verdammt schick sieht's schon aus, auch wenn die Sepiatöne überwiegen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Solltet ihr zu jung sein, um die Begeisterung nachzuvollziehen, oder Destruction Derby schlichtweg verpasst haben, dann braucht ihr wenig Aufklärung. Im Grunde geht es um diverse Rennveranstaltungen ohne nennenswerte Regeln. Selbst bei einfachen Rundkursrennen habt ihr freie Hand und rammt euren Gegnern die Schei...ben aus der Karre. Noch mehr Spaß machen solche rüpelhaften Rempelrituale, wenn das oberste Ziel darin besteht, alle anderen Schlitten komplett lahmzulegen. Etwa durch heftige Karambolagen oder das Schubsen von höhergelegenen Plattformen. Wobei es auch die umgekehrte Survival-Variante gibt: Mach dich aus dem Staub, bevor die Meute über dich herfällt.

Abgesehen vom ergänzenden, aber schnelllebiger gestalteten Gymkhana – eine Art trickreiches Bodenturnen mit wendigen Rennschlitten - hat es somit kein Spielmodus aus Dirt 3 in dieses Spin-off geschafft. Rallye ist in Showdown ein absolutes Fremdwort. Wer akribischen Realismus und ausgetüftelten Rennsport sucht, darf bitte weitergehen, in diesem spielhallentypischen Spin-off gibt es nichts zu sehen.

Packshot zu DiRT ShowdownDiRT ShowdownErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Die große Ausnahme findet ihr nur im Fuhrpark. Geht es um Geschwindigkeit, stehen meist umgebaute Kleinwagen und ausgeschlachtete Stadtflitzer an der Startlinie, wie man sie vom Schottersport kennt. Ford Fiesta, Subaru Impreza und Konsorten. Soll Blech fliegen, so greifen die Piloten hingegen aus rein ökonomischen Gründen auf klapperige Rahmengefährte zurück, die aus kaum mehr als der Fahrerzelle, riesigen Stoßstangen und einem Set Reifen bestehen - und aussehen, als ob sie drei Tage zuvor in einer Kleinstadtgarage zusammengeschweißt worden wären.

DiRT Showdown - Wie Destruction Derby, nur anders

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 32/351/35
Freut euch auch auf wunderbare Lichteffekte.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Doch so schön die erprobte Ego-Engine Blechkisten aufs Dach legt, Blech verbiegt und leuchtstarke Pyro-Effekte versprüht, die Suche nach Realismus endet spätestens beim ersten Einsatz des Nitrozünders, der nach bester Arcade-Tradition durch spektakuläre Asphalttänzchen wieder aufgefüllt wird. Jeder Sprung, jeder Drift, jede Fahrt quer durch eine Reihe Tonnen und natürlich jeder gelungene Crash wird mit zusätzlichem Turbo-Sprit belohnt.

Nicht selten ergänzt durch einem dämlichen Spruch vom hintergründig johlenden König der Schenkelklopfer. Na gut, der ständig plappernde Kommentator entlockte mir gewiss mal ein Grinsen und er hat auch ein erstaunlich großes Repertoire an blöden Sprüchen auf Lager, aber ich kann mir vorstellen, dass er dem einen oder anderen konzentrierten Crash-Car-Racer auf den Zeiger geht. Dass der Plapperfritze den Spieler ständig verkürzt als „er“ anspricht, obwohl man sich beim Anlegen des Profils einen Spitznamen aus einer Liste aussucht, nervt am meisten. Er hat es geschafft, er ist im Ziel, da springt er wieder ins Spielfeld. Der gewählte Spitzname wird nur beim Klassenaufstieg in den Menüs zitiert.

Meister des Blechorigami

Dirt: Showdown will nicht mehr sein als ein spielhallentypisches Spin-off. Schnell, rasant, sorglos. Ein Rezept, das online wahrscheinlich am besten aufgeht, denn wenn im „Elimination“-Modus nur CPU-Fahrer ausscheiden, dann ist das schon bei normalen Rennspielen deutlich langweiliger als im Duell mit Fahrern aus Fleisch und Blut. Dirt Showdown macht zwar auch offline ordentlich Laune, aber irgendwie fehlt noch ein gewisser Kick. Bei zerstörungsfreudigen Events wie 8-Ball könnt ihr die reine Häme gegenüber euren Kumpels noch obendrauf rechnen. Die Blechfaltenorgie einer waschechten Crash-Bowl dürfte wahrlich die Krönung jeder Online-Sitzung werden.

Arcadig, fetzig, spaßig - da fliegt mir buchstäblich das Blech weg.Fazit lesen

Für Solisten bleibt da leider kaum mehr als das reine Abklappern der linear gestaffelten Events, die in vier Hauptligen immer schwieriger werden. Das einfache monetäre System für den Erwerb neuer Autos und das Verabreichen grober Upgrades füllt kaum mehr Spielzeit als die Ladepausen auf den Konsolen. Versprecht euch davon also nicht zu viel.

Schade auch, dass Codemasters technisch nur Augen für Arcade-Traditionen hat. Warum gibt es nur zwei Kamerapositionen? Ich fahre gerne an der Stoßstange, muss mich aber mit der Motorhauben-Ansicht oder der klassischen Verfolgerperspektive begnügen. Warum so wenige Schauplätze? Obwohl grafisch wirklich schön anzusehen, langweilt Dirt Showdown irgendwann durch den übermäßigen Einsatz immer gleich aussehender Szenarien. Zum Glück stehen immerhin verschiedene Tageszeiten auf dem Plan, was diesen Lapsus ein wenig kaschiert.

DiRT Showdown - Wie Destruction Derby, nur anders

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 32/351/35
Wer früher an Destruction Derby seine Freude hatte, kann diese heute wieder aufleben lassen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Apropos Tageszeiten: Die PC-Fassung von Dirt frisst doch deutlich mehr Hardware als gedacht. Obgleich nur dann, wenn man die optionale Echtzeit-Beleuchtungsroutine einschaltet. Mit der globalen Beleuchtung dürften selbst schwächere Rechenknechte noch halbwegs zurechtkommen. Aber spätestens das Einschalten der Detailbeleuchtung trennt die Spreu vom Weizen. Leichte Lichtübersättigung, wunderbare Kontraste wie auch die dadurch verstärkten Tiefeneffekte sehen toll aus, stottern ohne Vierkerngespann und High-End-Grafikkarte jedoch erbärmlich vor sich hin.

Von solchen Effekten und netten Dreingaben wie Tesselation auf Gewebe kann die PS3-Fassung nur träumen. Sie sieht zwar immer noch sehr ansehnlich aus, muss aber schon beim Thema Reflexionen und Schatten den Kürzeren ziehen. Auf der PS3 wirkt alles ein wenig verschwommen, was aber dem Spielspaß keinen Abbruch tut.

Immerhin: Beim Soundtrack braucht niemand Kürzungen zu befürchten. Den empfand ich auf allen Systemen als vorzüglich. Zwar klischeebeladen, als gäbe es kein Morgen, aber die Mischung aus treibenden Rock-Songs, fast schon antikem Motor-Metal / Hardrock und eingestreuten elektronischen Tunes steigert die Lust aufs Gasgeben ungemein. Ich würde nie behaupten, dass ich all diese Songs privat hören würde, aber schon beim Einlegen des Spiels freue ich mich auf viele der eingängigen Gehörgangsstürmer. Na gut, Rise Against mal ausgenommen, die laufen bei mir ständig. Und diesen „The King is Dead“-Song muss ich mir auch noch besorgen, der fetzt.