Kein Colin McRae im Titel von Dirt 3? Schade! Der verstorbene Rallye-Maniac hätte eine eigene Spielereihe als Andenken verdient. Aber auch ohne Prominenz auf der Packung beglückt Codemasters Schotterdrifter mit einem technisch topaktuellen Highlight.

DiRT 3 - Frisches Gameplay-Video pünktlich zum Release3 weitere Videos

Ich sehe ständig nur Dreiecke. Dreieckige Schaltflächen, dreieckige Saisontäfelchen, ein dreieckiges Ladesymbol, dreieckige Bildübergänge... Also entweder haben die Entwickler von Codemasters zu viel Toblerone gefuttert oder sich zu oft Viva reingebeamt. Aber stylisch ist es ja schon, das Design von Dirt 3. Wenn auch im Menü irgendwie fremdartig, spacig und gewissermaßen kalt. Liegt vielleicht an der frostigen Hintergrundkolorierung.

Kaum durch die Einstellungen gehuscht - mehr dazu später - erwartet mich auch schon das Gegenteil: satte Farben. Ich weiß es, ich hab’s ja schon gesehen. Moment, kommt gleich. Noch eine Sekunde. Mensch, wozu installiert das Programm zwangsweise eineinhalb Gigabyte auf der PS3-Festplatte, wenn ich mir zwischen Menü und Start noch ein Sandwich schmieren kann? Liegt es an der Vorabversion, die wie so oft noch nicht optimiert wurde? Schau’n ’mer mal. Gerade geht's mir jedenfalls ein wenig auf den Senkel.

DiRT 3 - Ein schmutziger Traum von einem Rallye-Spektakel

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Die Ladezeiten sind lang, das Durchklicken in den Menüs dauert... aber danach wird man mit einem herrlich authentischen Rennspiel belohnt.
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Wenigstens entschädigt der Anblick der Strecken für jedes noch so lange Menügewusel oder das Däumchendrehen, während die Blu-ray den Arbeitsspeicher füttert. Satt, sag ich nur. Satte und dennoch realistisch getönte Farben, schicke, individuelle Grafiksets mit vielen fuzzeligen Details, Terrains mit Wiedererkennungswert und knackscharfe, geradezu einladende Polygontapeten. In 60 Bildern pro Sekunde, wohlgemerkt. Hossa!

Welch eine erfrischende Abwechslung. Ich als Konsolenraser, der meist aus der Motorhaubenperspektive spielt, habe mich schon immer gefragt, warum die Turboschlitten in den meisten Rennspielen mehr Zuwendung erfahren als die Kurse, auf denen sie herumdüsen. Nicht gestalterisch, ich meine technisch. Was interessiert es mich, aus wie vielen tausend Dreiecken (Ha, da haben wir’s wieder) meine Karre zusammengebastelt ist, meine Augen sind doch sowieso im Tunnelblick auf der Strecke verankert.

Packshot zu DiRT 3DiRT 3Erschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Zum Anbeißen schön

Selbst Gran Turismo und Forza bringen nicht die Detaildichte mit, die Dirt 3 mit seinen Landschaftsfeinheiten verspricht. Wobei man manchmal aber auch erkennt, wie die benötigte Rechenkraft mobilisiert wird, denn in gewissen Rallye-Abschnitten sieht man den Kursen ihre Schlauchform an. Die Sichtweite abseits des vorgegebenen Pfads ist nur vorgetäuscht, was gerade dann auffällt, wenn man mal durch eine Streckenbegrenzung rauscht.

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Selbst der Schnee sieht wunderbar natürlich aus.
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Ist nicht bei allen Strecken so, es stehen schließlich ebenfalls direkte Kopf-an-Kopf-Rennen auf voll ausmodellierten Rundkursen auf dem Plan. Die können die Detaildichte nicht halten, glänzen dafür aber mit anderen Gimmicks. Zum Beispiel zum Greifen kernige Oberflächen bei Nachtfahrten, die im Scheinwerferlicht erst richtig ihre Spuren, Schäden und Rillen präsentieren. Zum Anbeißen.

Beleuchtung, Partikel und Staubeffekte – ja, selbst der Straßenbelag mit Schlaglöchern und fließenden Rändern versetzt augenblicklich in Verzückung. Und das schon über DirectX 9 auf der leicht angestaubten PlayStation 3. Leider bekam ich die PC-Fassung noch nicht zu Gesicht, aber mit den versprochenen DX-11-Effekten kann es nur noch schöner, noch feiner, noch detailreicher werden. Ihr merkt schon, ich komme aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus. Dabei interessiert die meisten von euch wohl eher, wie spaßig die Steuerung ausfällt.

Glaubwürdiger Rallye-Zirkus mit viel Abwechslung und leckerer Grafik – dürfte richtig klasse werden!Ausblick lesen

Keine Sorge, sie ist mindestens genauso entzückend wie der Augenschmaus auf dem Bildschirm, auch wenn man als alter Gran-Turismo- und Forza-Pilot erst mal aufschreckt: Huch, ist das feinfühlig. Aber das ist für einen angemessen aggressiven Rallye-Fahrstil mit feinfühligen Drifts durch Schotter, Matsch und Schnee eben nötig.

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Ach, und Effekte wie aufspritzendes Wasser nicht zu vergessen.
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Spätestens nach dem dritten Freiflug in die Pampa hat man den Bogen raus und adaptiert schrittweise das Millimeterfummeln am Steuerknüppel. Zumal sowieso drei modifizierbare Schwierigkeitsgrade offenstehen, die Fahrhilfen und Automatismen bereitstellen. Dank automatischer Bremse, Gasregelung, ABS und sonstigen Schnickschnacks dürfte selbst Oma Gretel mit einem Castrol-Rennboliden zurechtkommen, auch wenn die Spannung bei so vielen Helferlein in den Keller stürzt. Natürlich ist Dirt 3 eine waschechte Rallye-Simulation, aber Codemasters wollte sich wohl die Gelegenheitsraser und blutigen Anfänger nicht durch die Lappen gehen lassen. Wer es nicht braucht, schaltet die Fahrhilfen einfach ab – Ende Gelände.

Abwechslung garantiert

Völlig gleich, wie ihr über die staubigen Pisten von Kenia, die zugefrorenen Einöden Finnlands oder den Trampelpfad eines dunklen Wäldchens heizt, ihr werdet das extrem flüssige Schlittern über Matsch und Kies genießen wie ein suhlendes, vor Freude quiekendes Schweinchen. Hier stimmt einfach alles: Fahrgefühl, Steuerungssensibilität, Geschwindigkeitsrausch, Übersicht... Ja, selbst in der Cockpit-Perspektive lässt es sich hervorragend heizen, ohne das Gefühl zu haben, der Innenraum des Wagens würde die Sicht versperren. Trotzdem bevorzuge ich weiterhin die Motorhaubenkamera, zumal Cockpit- und Wagenmodelle zwar ganz nett aussehen, aber dem wahren Star von Dirt 3 – der Streckengrafik – nicht das Wasser reichen können.

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Auch staubige Kurse stehen zur Verfügung.
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Halt! Bis auf eine Kleinigkeit: das Schadensmodell. Nix da mit kleinen Beulen und Blechschrammen. Hier fliegt euch im wahrsten Sinne das Blech weg. Von der Motorhaube, der Seitenverkleidung, am Heck, quasi überall am Wagen bis hin zur Windschutzscheibe, die entweder stark splittert oder euch komplett um die Ohren fliegt. Ich bin auch schon auf der nackten Felge ins Ziel gestolpert, was meinen Autodoktor zu süffisanten Bemerkungen hinriss: „Bring nächstes Mal bitte ein Auto wieder, keinen Schrotthaufen.“ Nicht schlecht. Da können sich andere Rennsimulationen mal eine Scheibe abschneiden.

Schade nur, dass man die drei Stimmen aus dem Off, die einem als Mechaniker und Manager vorgestellt werden, nie zu Gesicht bekommt. Die Drei von der Tankstelle pflegen hauptsächlich den Brauch, euch Strecken, Fahrzeuge und Spielmodi vorzustellen. Das Gelaber kann zwischenzeitlich nerven. Gerade bei Spielstart, wenn man sich das ganze Palaver anhören muss, ohne es überspringen zu dürfen. Nützlich erscheinen diese Infos allemal, aber manchmal wäre mir ein kurzer Text lieber gewesen. Gerade wenn es um die Rennvarianten und ihre spezifischen Regeln geht. Bevor man zum ersten Mal an der Startlinie steht, können somit einige zähe Minuten vergehen.

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Neben unzähligen Rallye-Events warten viele Nebenveranstaltungen auf kühne Piloten.
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Immerhin neun Rallye-Veranstaltungen und sechs Neben-Events stehen auf dem Rennkalender, die innerhalb von vier Saisons in fünf untergeordneten Ligen bewältigt werden wollen. Von der einfachen, klassischen Rallye mit Beifahreransager und unübersichtlichen Strecken über Rundkursveranstaltungen mit klassischen Rennboliden aus den 70ern, 80ern und 90ern bis zur Buggy-Challenge hat Codemasters so ziemlich jede Raserei implementiert, die auch nur entfernt mit einer Matschtour zu tun hat.

Neuester und modernster Zugang wäre etwa Gymkhana, eine Art Trickfahren auf kleinen Geländeabschnitten, bei dem man um kleine Hindernisse herumdriftet, in kürzester Zeit mehrfach über Kuppen springt oder herumliegende Styroporkisten über den Haufen fährt. An Abwechslung mangelt es keinesfalls.