Was kommt dabei heraus, wenn der JPRG-Hit Persona 5 und Pokémon ein uneheliches Kind zeugen? Das Ergebnis heißt Digimon Story: Cyber Sleuth - Hacker's Memory. Doch dauert der Spielspaß länger als die Aussprache des Titels? Mit unserem Test beantworten wir viele Fragen, die ihr euch vor dem Kauf stellen werdet.

Der folgende Trailer zeigt euch ergänzend zum Test, was euch bei Digimon Story: Cyber Sleuth - Hacker's Memory erwartet.

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Pokémon oder Digimon? Das ist für viele Menschen eine Art Glaubensfrage. Doch egal, welchem Lager man angehört, die Leidenschaft für die meist putzigen Wesen ist ungebrochen. Während Nintendos Taschenmonster jedoch in schöner Regelmäßigkeit die Spieler begeistern, sah es für Digimon-Fans lange eher mau aus. Seit einiger Zeit prescht Publisher Bandai Namco allerdings wieder auf den europäischen Markt. Der neueste Ableger hört auf den Namen Digimon Story: Cyber Sleuth – Hacker’s Memory und ist der Nachfolger zu Digimon Story: Cyber Sleuth.

Den Vorgänger müsst ihr zwar nicht gespielt haben, um alle Inhalte zu verstehen, doch es existieren viele nette Parallelen zwischen den beiden Spielen. So trefft ihr auf bereits bekannte Gesichter wie Yuugo oder auch Arata. Außerdem kommt ihr an Orte, die quasi simultan zum ersten Teil stattfinden – ein richtiges Crossover der beiden Geschichten gibt es allerdings nicht. Digimon-Veteranen erhalten zudem ein paar Annehmlichkeiten für einen alten Spielstand.

Die Story wird zum Großteil in solchen Zwischensequenzen erzählt. Die Dialoge sind lang und manchmal wirr. Der Hauptcharakter hat zudem selten eine Meinung.

Warum sind wir eigentlich hier?

Die Story tritt zu Beginn ziemlich auf der Stelle: Die Identität des männlichen Protagonisten wurde von einem Unbekannten geklaut. Nach einem kurzen Intro und unfassbar belanglosen Tutorial-Aufgaben geht es zusammen mit der Hacker-Truppe „Hudie“ in das Cyberspace EDEN, auf der Suche nach dem Identitäts-Dieb. Klingt etwas dünn, doch die Handlung entwickelt sich im Laufe der 20 Kapitel zum Guten und liefert nach und nach mehr Gegner, mehr Geheimnisse und mehr skurrile Aufgaben.

Außerdem funktioniert die Grundidee der analogen und digitalen Welt noch immer extrem gut, denn die Zukunft fühlt sich nicht sonderlich sehr fern an. Virtuelle Chaträume mit VR-Brillen sind bereits im Jahr 2018 beliebt.

Leider erzählt Entwickler Media.Vision die Geschichte in etwas merkwürdigen Zwischensequenzen. Der Hauptcharakter hält dabei stets die Klappe, während ihr euch durch die Textwüsten klickt. Vertonte Dialoge sind zwar vorhanden, doch diese stellen sich als echte Raritäten heraus. Die oft albernen Charaktere mit Anime-Mimik bewegen sich aber durchaus im Rahmen, ebenso wie die häufig total wirren Dialoge. Ich unterstelle hier keinen Google-Übersetzer als treuen Begleiter, denn die Texte sind in den meisten Fällen schlüssig und fehlerfrei, aber oft blieb nach einem Gespräch nur eine Frage: „Hä?“

Willkommen im Cyberspace! Gerade im Gebiet Kowloon treiben die Hacker ihr Unwesen. Je tiefer ihr vordringt, desto schwerer werden die Herausforderungen und Kämpfe.

Gameplay für Fans

Sagen wir gerade heraus: Das Gameplay des Rollenspiels ist nicht atemberaubend. Dabei macht Digimon Story: Cyber Sleuth – Hacker’s Memory eigentlich nicht viel falsch. Ihr lauft durch mehr oder minder große Areale, kämpft mit euren Digimon, löst kleinere Rätsel und zieht neue Digimon groß, nur um das Hamsterrad erneut zu starten. Das geht zwar leicht von der Hand, doch wirklich innovativ ist es leider nicht.

Immerhin steht beim Spiel aber das wichtigste Element auch im Mittelpunkt: die Digimon. Und davon existieren stolze 327 Exemplare! Diese fangt ihr auf euren Abenteuern aber nicht ein, sondern entwickelt sie im DigiLab aufgrund von Datensätzen aus Kämpfen.

Der neueste Digimon-Ableger ist echter Fan-Service. Neulinge finden ebenfalls schnell einen Zugang zum Spiel, auch wenn dafür ein Mindestmaß an Interesse nötig ist.Fazit lesen

Der Ablauf ist simpel: Ein Kampf startet, euer Feind wird automatisch gescannt, bei 100 Prozent dürft ihr das Digimon nachbauen. Forscht ihr sogar bis 200 Prozent, dann erwarten euch erhöhte Werte, etwa bei Angriffskraft oder Verteidigung. Insgesamt treten bis zu drei Monster gleichzeitig im Kampf an, elf Digimon nehmt ihr hingegen mit auf Reisen. Eine schnelle Auswechslung ist also problemlos möglich.

Am Anfang ist die Gruppe an Digimon noch sehr überschaubar. Bis zu elf Monster führt ihr gleichzeitig mit euch, drei davon dürfen im Kampf antreten.

Davon abgesehen könnt ihr im DigiLab aber auch noch spezielle Dungeons durchackern, eure Digimon auf eine Insel setzen und im Tamagotchi-Stil hegen und pflegen oder gegen andere Spieler antreten. Letzteres beinhaltet sogar Ranglistenkämpfe. Allerdings sind die (Zufalls-)Kämpfe in Digimon im Allgemeinen eher unspektakulär: Ihr blockt, greift an, wechselt die Digi-Riege durch, benutzt Items oder Fertigkeiten – fertig. Digimon-Fans stören sich daran vermutlich nicht, wer aber nur für coole Kämpfe und Rollenspiel-Action auf Digimon Story: Cyber Sleuth – Hacker’s Memory schielt, der wird möglicherweise enttäuscht.

Alteisen und Nervtöter

Kommen wir zu einer Kategorie, bei der das neueste Digimon-Abenteuer leider weitestgehend versagt: die Technik. Weder Grafik und Sound digitieren seit dem Vorgänger Digimon Story: Cyber Sleuth zu etwas Wundervollem. Optisch klebt das Spiel noch im Jahr 2015. Zwar erwartet niemand 4K-Texturen und ein Feuerwerk à la Horizon Zero Dawn, doch die Spielwelt sieht häufig nicht schön aus.

In den Begegnungen geht es wenig spektakulär zu: Ihr habt ein einfaches Auswahl-Rad sowie die Anzeige für den nächsten Angreifer. Neu ist das wirklich nicht.

Während Tokio aufgrund der Häuserschluchten und verwinkelten Gassen noch irgendwo nett anmutet, droht in der Cyberwelt EDEN der optische Totalabsturz. Alles ist so sehr auf „futuristisch“, „Computer“ und „steril“ getrimmt, dass es schon fast wehtut. Der einzige visuelle Unterschied zwischen dem Design zu Spielbeginn und späteren Abschnitten sind minimale Details und wechselnde Farben.

Die starre Kamera ist dabei so etwas wie die Kirsche auf der Sahne. Liebe zum Details sucht man hier vergeblich, denn diese kommt nur den Digimon zugute. Immerhin: Die Stars des Spiels sehen nett aus und erinnern an den guten, alten Digimon-Anime aus dem Jahr 1999.

Auch der Sound zerrt stark am Nervenkostüm des Spielers – sofern man nicht zu den Fans und Veteranen der Vorgängerspiele gehört. Der Hauptcharakter hat eigentlich eine Stimme, doch diese verliert er nach Spielstart, wo er noch als Erzähler auftritt. Das ist schade, allerdings verkraftbar. Das gilt auch für die restliche Synchronisation, denn wenn die NPCs einmal plappern, dann ausschließlich auf Japanisch. Das gefällt vermutlich nicht jedem Spieler.

Natürlich werden eure Digimon im Spielverlauf immer größer und gefährlicher. Das ist allerdings auch gut so, denn auch eure Feinde legen zu.

Den Vogel schießt aber die Hintergrundmusik ab, die eigentlich keine ruhigen Momente bietet. Die Elektroklänge surren durchgehend aus den Boxen – egal, ob ihr gerade durch Tokio wandert oder in EDEN Detektiv spielt. Das ermüdet auf Dauer, vor allem, wenn man stundenlang die Digimon trainiert und umsorgt. Aber dieser Monotonie entgeht ihr ganz schnell mit einer gescheiten Spotify-Playlist.

Toll dagegen ist die Möglichkeit von gemeinsamen Speicherständen für PlayStation 4 und PS Vita. Auch ein Neustart als „New Game Plus“ ist an Bord – für alle, die nach dem ersten Durchgang noch nicht genug vom Digimon-Abenteuer haben.