Schaffe, schaffe, Häusle baue - das ist nicht nur das Motto unseres urschwäbischen (Anm.: Ich bin Badenser, Du Nuss!) Chefs, sondern auch seit Jahren das grundlegende Spielprinzip der friedlichen, megaerfolgreichen Familiensiedelei aus der Sims-Reihe. Und wo etwas erfolgreich ist, da wird es auch vermarktet, bis irgendwann wirklich nichts mehr geht. Das dachten sich wohl auch die Jungs von EA und haben für die beliebte Serie ein weiteres Produkt auf den Markt geworfen. Die »Sims Tiergeschichten« sind allerdings kein kostengünstiges Addon zum Hauptspiel, sondern ein Standalone, für das man keine andere Sims-Version benötigt. Aber lohnt die Anschaffung eines Vollproduktes wegen zwei neuer Stories? Wir haben uns mit den Viechereien befasst.

Köterstimmung
Freunde der virtuellen Sinnsuche nach dem Leben werden vermutlich angesichts des Themas der neuesten »Sim«-ulation das eine oder andere Aha-Erlebnis bekommen. Denn mit Haustieren und deren artgerechter Haltung haben sich die Macher der Reihe schon im Oktober 2006 in der »Pets«-Erweiterung befasst. Damals konnte man allerdings nicht nur Hund und Katze Manieren beibringen, sondern auch Piepmätzen beim Tschilpen zuhören oder Luftblasen von rülpsenden Fischen im heimischen Aquarium beobachten.

Die Sims: Tiergeschichten - Die Sims sind auf den Hund gekommen: Trotzdem bringt die neue Episode nur Altbewährtes.

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"Verdammt, wenn ich die Sau erwische, die mir Sekundenkleber auf die Handfläche geschmiert hat…"
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Derlei nonchalante Aktionen bieten die Tiergeschichten nicht, denn hier reduziert sich das Spielgeschehen auf zwei relativ kurze Stories und den hinlänglich bekannten Modus des freien Spiels. Neu sind dabei lediglich die beiden netten Geschichten mit ihren festgelegten Spielzielen und der konkreten Handlung.
In der ersten Episode »Best in Show« dreht sich alles um die junge Alice, deren Haus durch eine bitterböse Landbesitzerin von der Zwangsversteigerung bedroht ist. Und was tut ein gestresster Hundebesitzer in Geldnot? Richtig, er dressiert seinen Köter.

Der heißt hier Sam und soll Frauchen aus der Patsche helfen, indem er einen Wettkampf für besonders talentierte Flohfänger gewinnt. Also bringt man dem gelehrigen Tierchen möglichst viele Kunststücke bei, worin auch die Hauptaufgabe der Story besteht. Das klingt furchtbar rührig und spielt sich auch ein wenig so, denn von Komplexität oder gar echter Herausforderung ist die Hundedressur weit entfernt.

Hinzu kommt der Umstand, dass man sich auch nicht großartig um Haus und Hof kümmern muss, denn die sind bereits in voll funktionsfähigem Zustand vorhanden. Neben der eigentlichen Hauptaufgabe tut man mit seinem Teppichbeschmutzer natürlich noch all die Dinge, die auch schon in der »Pets«-Erweiterung möglich waren. Man schimpft oder lobt, geht mit dem Tier Gassi, besorgt ihm Spielzeug und kümmert sich um alle Dinge, die ein langes, erfülltes Leben ermöglichen. Zumindest beim virtuellen Haustier.

Die Sims: Tiergeschichten - Die Sims sind auf den Hund gekommen: Trotzdem bringt die neue Episode nur Altbewährtes.

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"Am besten schmeckt das Tier jedoch, wenn Sie es vor dem Braten rupfen und…"
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Hat man Alice erfolgreich vor dem harten Leben auf der Straße bewahrt, widmet man sich der zweiten Story »Mitternachtsmaskenball«. Darin dreht sich alles um eine Katze namens Diva, die das langweilige, sehr geregelte Leben des Kochs Stefan aufmischt. Der hat alle Hände voll zu tun, denn er muss nicht nur seiner Chefin bei der Vorbereitung des namensgebenden Maskenballs helfen, sondern darf sich während der Abwesenheit seines Cousins um das Tatzenvieh kümmern.

Dummerweise ist die Katze verwöhnt und launisch wie eine Frau. Und jeder, der es schon mal mit einer der beiden genannten Spezies zu tun hatte, weiß, wovon hier die Rede ist. Die Katze mäkelt an allem herum, zerkratzt die Möbel und bringt das geruhsame Leben von Stefan auch sonst gehörig durcheinander. Da man jedoch schnell heraus hat, wie Madame Spitzohr zufrieden zu stellen ist, kann man auch diese Story bereits nach einigen Stunden ad acta legen und sich danach dem freien Spiel widmen.

Freispiel-Reinfall
Das freie Spiel bietet mit seinen zahlreichen Möglichkeiten noch die abwechslungsreichste Variante der »Tiergeschichten«. Dabei bietet es alle Features der »Pets«-Erweiterung inklusive aller verfügbaren Hunde- und Katzenrassen. Extravagante Tierfreunde geben ihrem kleinen Liebling ein individuelles Aussehen mit auf den Weg, denn der Editor zur Familien- und Tiererstellung bietet wieder zahlreiche liebevolle Details und Ausstattungsmerkmale.

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Neu im Sortiment: goldene Hydranten als Hundeclos für den eigenen Garten
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Daneben baut man sich seine kleine Traumfamilie auf, zieht auf einem Grundstück ein Häuschen hoch und widmet sich im Folgenden ganz der heimischen Brutpflege. Seine tierliebe Kleinfamilie kann man übrigens ausschließlich in der Stadt »Reinfall« ansiedeln, weitere Orte gibt's nicht. Dafür sind wieder jede Menge netter Nachbarn vorhanden, mit denen sich prima parlieren lässt.

Das klingt nicht nur langweilig, sondern es spielt sich leider auch so. Denn seit vor nunmehr fünf Jahren »Sims 2« erschien, ist all dies hinlänglich bekannt. Von Innovationen fehlt im neuesten Teil jede Spur. Warum EA die Tiergeschichten als Vollprodukt unter die Zockergemeinde bringt und sie nicht als Addon zum günstigen Download anbietet, ist unter diesen Umständen völlig unverständlich. Anscheinend ist die Hoffnung auf den schnellen Euro Ansporn genug, olle Kamellen neu zu verpacken und feilzubieten.

Dackelblick
Auch in punkto Technik tischt uns EA altbekanntes auf. Die Grafik ist gegenüber dem fünf Jahre alten Urvater »Sims 2« praktisch unverändert geblieben, dementsprechend werden die lieben Vierbeiner und ihre Besitzer in gewohnter Weise ins rechte Licht gerückt. Angesichts multipler grafischer Orgasmen, die moderne Computerspiele des Jahres 2007 ermöglichen, erscheint die detailarme Präsentation der Figuren jedoch völlig unspektakulär.

Die Sims: Tiergeschichten - Die Sims sind auf den Hund gekommen: Trotzdem bringt die neue Episode nur Altbewährtes.

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Spezialkameras zeigen: Zwischenfall im AKW Krümmel war doch nicht so ungefährlich.
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Immerhin bietet der Editor wie gehabt viele Gestaltungsmöglichkeiten für Herrchen, Frauchen und vierbeinige Lieblinge. Mit entsprechender Phantasie ist es so möglich, sich aus zahlreichen Vorlagen den Traumköter oder -kater zu designen. Und das macht, genau wie beim Urvater, auch heute noch viel Spaß und kostet Zeit. Auch akustisch gibt's bekanntes auf die Ohren.

Die musikalische Untermalung schwankt irgendwo zwischen Chillout, Jazz und Fahrstuhlmusik, und sprachlich wird man wie üblich mit dem allseits geschätzten und berüchtigten »Simlish« konfrontiert. Also nichts Neues an der Sims-Front, dafür aber Bewährtes, was man in der heutigen Zeit der allgemeinen Recycling-Manie bei Computerspielen eigentlich gar nicht hoch genug anrechnen kann.