Hass. Wut. Selbstbewusstsein. Freude. Niedergeschlagenheit. Emotionen sind Menschlichkeit. Weil Electronic Arts seine Megamarke „Die Sims“ weiterdrehen will, setzen die Entwickler vor allem auf Visualisierung. Die edelsteinförmige, über dem Kopf schwebende Anzeige gibt es zwar immer noch, aber dazu kommt nun Körpersprache.

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Auf der gamescom drängeln sich die Pressevertreter vor dem Präsentationszimmer von „Die Sims 4“. Für den ersten Blick auf den neuesten Teil der Serie stehen die Journalisten im Geschäftsbereich an, wie die Fans für einen Platz im mobilen Messekino der Hallen. Drinnen zeigen die Macher drei Elemente: den Creative Sim Modus, den Baumodus und das normale Spiel.

Zunächst geht es an die Sims selbst: Im neuen Editor sind die Slider fast verschwunden, der Charakter auf der Präsentationsplattform wird nahezu beliebig per Maus verändert. Im „Detailed Edit Mode“ ziehe ich die schöne Stupsnase der süßen Blonden zum Hexenhaken hoch; dazu die Augen schräggelegt, die Pupillen ein bisschen kleiner ziehen, Wangenknochen hoch, Kinn spitzer; fertig ist die böse Tante. Halt, nicht die schwarzen Haare vergessen!

Die Sims 4 - Und wie er sich freut!

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Mein Sim, mein Haus, mein Spiel: Der Editor ist auch diesmal wieder das Herzstück des Spiels und überaus mächtig.
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Der Editor zeigt, wie die Sims simuliert werden – der neu eingeführte Gehstil reicht von locker-flockig bis aufgesetzt-arrogant. Entsprechend kann ich auch die Stimmfarbe anpassen. Bei der Körperform ist vom Couch-Potato bis zum muskelbepackten Monstermann alles möglich. Dazu gibt es nun auch vordefinierte Typen, an die ich dann wieder Hand anlegen kann.

Auch zum Cybermobbing taugen „Die Sims 4“: Einfach unvorteilhafte Körpermaße definieren, ein Foto machen und an eine beliebige E-Mail-Adresse senden: „Guck mal, wie Du aussiehst, du fette Qualle!“ Harr harr! Weitere Einsatzmöglichkeiten sind natürlich beliebig: Lehrer dissen, heißen Hasen schmachtende Selbstbilder zuschicken oder Promis nachbauen.

Packshot zu Die Sims 4Die Sims 4Release: PC: 4.9.2014
PS4, Xbox One: 14.11.2017
kaufen: Jetzt kaufen:

Die wenigen Schieberegler, die übriggeblieben sind, geben Aufschluss über die Objektivierung des Alltags: Je mehr der Knopf von der Couch in Richtung Hantel wandert, desto ausgeprägter die Muskeln. Je näher am Donut statt am Apfel, desto aufgedunsener. Bauch, Arsch - alles wächst mit. Oh Schreck, Deutschland verfettet, bei Drei müssen alle auf den Obstbäumen sein! Ja, eine leicht edukative Funktion der Sims ist erneut nicht zu verleugnen.

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Die eigene Hütte ist mit wenigen Klicks zusammengeschustert. Hier lässt's sich aushalten.
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Als nächstes ist der Baumodus dran. Hier gilt ebenso: Alles ist per Maus veränderbar. Räume werden größer, Wände eingezogen, Dächer vom Flach- zum holländischen Hügeldach (was immer das auch ist), das den Boden berührt. In wenigen Minuten entstehen so die Grundfesten einer mondänen Hütte, samt großer Terrasse und Fenstern im Kolonialstil.

Wie schon im Creative-Sim-Modus die Körperformen, gibt es für Gebäude vordefinierte Räume, die dann weiter verfeinert werden. Die Einzelheiten wie Wandlampen dürfen nicht fehlen. Herrlich, dieses virtuelle Bauen! Kein Ärger mit Handwerkern, die Kabel nicht verlegen und die Wand wieder aufreißen; keine Feuchtigkeit im Mauerwerk und Schimmel auf der Tapete; Sumpfboden, in dem die ersten drei bürgerlichen Trutzburgen versinken, bis die vierte on top endlich stehenbleibt.

Neben der Sim- und Haus-Erschaffung bleiben noch die Emotionen und ihr Einfluss auf den normalen Tanz um paarungswillige KIs. Ich bekomme Sophia vorgeführt, die sich die Entwickler als williges Opfer balzwütiger Sims ausgeguckt haben.

Hurra, wir simulieren Emotionen! Ich bin sooo ergriffen!Ausblick lesen

André und Olli konkurrieren um die Zuneigung der schwarzhaarigen Schönheit und versuchen, sich gegenseitig auszustechen. Ha ha!

Während der nerdige André auf der Couch sitzt, macht Olli den ersten Vorstoß (ho ho!): Er ist ziemlich selbstbewusst und hat deshalb zusätzliche Handlungsoptionen neben den regulären. Smart wie er ist, zeigt er Sophia erst einmal seine Muckis. Guck mal, ich kann unsere zukünftigen Kinder mit bloßer Muskelkraft verteidigen!

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Emotionen sind das neue A und O.
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Doch, oh Graus, „Ich Tarzan, Du Jane“ kommt bei seiner Konversationspartnerin nicht so gut an. Einsatz André: Im gelben „guck mal, ich bin so floristisch“-Oberteil springt er auf, zieht eine Geige aus der Tasche und lässt eine Melodie erklingen, die Sophia dahinschmelzen lässt, während Olli vor Traurigkeit anfängt zu flennen. Ergebnis: Er kann nur noch Depri-Sprüche von sich geben und schleicht mit hängenden Schultern durchs Bild.

Rote Rakete

Ihm steht zudem die Trauer ins Gesicht geschrieben – was auch die anderen Sims um ihn herum beeinflusst. Zeit für die Voodoo-Puppe! Per Nadelstich beendet Olli seine eigene Niedergeschlagenheit, während André mitten im Flirt einen Schmerz erfährt, der ihn in Rage bringt. Nicht so praktisch, wenn eine Frau in die Federn gezirzt werden soll.

Sophia ist also nicht begeistert und lässt André stehen. Der reagiert sich am Boxsack ab, um die schlechte Emotion möglichst schnell loszuwerden. Allerdings übertreibt er es und fällt nach Beendigung seiner privaten Sportstunde am Fuße des pendelnden Gerätes sogleich in einen festen Schlaf.

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Warum ist die Rakete eigentlich nicht rot?
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Während am Tisch drei weibliche Sims in einer der nun möglichen Gruppenunterhaltungen ihre Verbundenheit zementieren, macht Olli das entscheidende Manöver. Erst flachst er mit Sophia, dann gibt er ihr einen überraschenden Kuss – was diese ziemlich cool findet. Er geht aufs Ganze und fragt: Willst Du meine Rakete sehen? Die Antwort ist Ja. Ja, ohne Witz!

Also verlässt das frische Pärchen das Haus durch die Hintertür, wo – huch – tatsächlich eine Rakete wartet. So mit Startplatz und vom Design her ähnlich wie in „Tim und Struppi“. Ich war schon verwundert, wie einfach die Sache mit dem Kolbenmotor in „Die Sims 4“ funktioniert. Ich bin erleichtert, der Realismus ist vorhanden. Olli und Sophia steigen ein, heben ab, und lassen den vorerst unterlegenen André schlafend hinter sich.