Simologen dieser Welt, hört uns an! Höchster Feiertag auf Erden werde für Euch alle der 4. Juni 2009, denn an diesem Tage wird der dritte Teil der weltweit äußerst erfolgreichen Familiensimulation aus dem Hause Maxis erscheinen. Und das dürfte für viele Fans wochen- oder monatelange Sozialabstinenz und dezente Blässe infolge Fehlens von Sonneneinstrahlung bedeuten.

Denn was die Entwickler im neuen Teil der Sims-Reihe zu bieten haben, reicht weit über ein Update hinaus – gut so! Wir haben die fertige Version bereits intensiv probegezockt.

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Eine Frage des Charakters

Beginnen wir mit dem wichtigsten Part, der wohl für echte Simologen das Herzstück des Spiels sein dürfte: der Charaktererstellung. Schon die Vorgänger boten gute Editoren, mit denen sich liebevoll gestaltete Figuren zusammenklicken ließen. Für den dritten Teil haben die Entwickler den Erstellungsmodus noch kräftig erweitert, so dass sich im Besonderen die Physiognomie erheblich detaillierter erstellen lässt als bislang. Egal, ob es sich um eine fiktive Person handelt oder man sich von realen Vorbildern inspirieren lässt, die Ergebnisse sind in jedem Falle sehenswert.

Die Sims 3 - Das neue Sims im Mega-Test

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Nach dem schlechten Abschneiden beim Eurovision Song Contest 2009 taten sich beim deutschen Gesangsduo "Alex Swings Oscar Sings" zunehmend Gräben auf.
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Ungeduldige Naturen hingegen greifen zum Instant-Modus, bei dem eine Figur nach dem Zufallsprinzip erschaffen wird. Doch der wahre Spaß liegt darin, in die Modellage seines Sims viel Zeit zu stecken. Schließlich verbringt man ja mit ihm danach unzählige gemeinsame Stunden – Kreativität lohnt sich also.

Hat man sich für das Äußere entschieden, stellt sich die Gretchenfrage nach den charakterlichen Merkmalen. Insgesamt fünf Eigenschaften können vergeben werden, aus denen sich der Haupt-Lebenswunsch des Sims ableitet. Einige der Merkmale schließen einander aus, weil sie konträr zueinander verlaufen. Ansonsten sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.

Wer mag, erschafft sich beispielsweise einen freundlichen Ordnungsfanatiker mit Hang zu Kleptomanie und Bindungsunfähigkeit. Kriminelle Naturen werden wohl einem bösen Schlitzohr den Vorrang geben, dessen Streben darin besteht, anderen Leuten Schaden zuzufügen und eine Profikarriere als Verbrecher hinzulegen.

Packshot zu Die Sims 3Die Sims 3Erschienen für PC, DS, PS3, Xbox 360, Wii und 3DS kaufen: ab 18,45€

Es geschah in einer kleinen Stadt

Die wahre Kunst besteht jedoch darin, bei der Schaffung einer ganzen Sippe die charakterlichen Eigenarten so aufeinander abzustimmen, dass sich die Familienmitglieder nicht permanent an die Gurgel gehen. Außer natürlich, man ist Sadist und findet Zank und Streit erbaulich.

Vom Tellerwäscher zum Millionär und zurück - auch Teil 3 der erbaulichen Familiensimulation weiß wieder mit zahlreichen netten Ideen zu begeistern.Fazit lesen

Die differenzierte Ausarbeitung des Charakters ist gegenüber den Vorgängern neu eingeführt und dürfte neben dem erweiterten Editor so ziemlich die interessante Ergänzung des Spiels darstellen.

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Neulich bei YouTube gefunden: die ersten Sangesversuche von Felix Räuber (Polarkreis 18).
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Veteranen der Reihe werden bereits zu Beginn mit einer der wichtigsten Neuerungen des Spiels konfrontiert. Zwar steht immer noch das Wohl der eigenen Sims im Vordergrund, doch das Geschehen reduziert sich nicht mehr auf die heimischen vier Wände. Stattdessen findet man sich in Sunset Valley wieder, einer typischen amerikanischen Kleinstadt mit allem Zipp und Zapp. Die Stadt kann nicht nur erkundet oder im Editor individuell verändert werden, sondern bietet auch alles, was die Sims für ihr Wohlergehen benötigen.

Und natürlich lassen sich in der Stadt auch jede Menge Jobs finden. Möchte man zielgerichtet auf den Lebenswunsch seiner Figur hin arbeiten, empfiehlt es sich, von Beginn an in diesem Bereich zu arbeiten. Ein Sim, der zum Beispiel von einer Profi-Schriftstellerkarriere träumt, sollte als Journalist jobben und viele Schreib-Fortbildungen machen. Schließlich ist im normalen Spielmodus auch das virtuelle Leben begrenzt und die Zeit zum Erreichen des Lebenstraums begrenzt.

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Unästhetisch: Quentin Tarantino kann als Transvestit nicht überzeugen.
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Wer es ruhig angehen möchte, schaltet dagegen den Alterungsprozess aus und dehnt die Lebensspanne seines Sims dadurch kräftig. Das ist besonders für Neueinsteiger empfehlenswert, die sich auf diese Weise Stück für Stück in die Tiefe des Programms einarbeiten können. In dem Falle lässt man seinen Sim einfach diverse Jobs ausprobieren und studiert die daraus resultierenden Folgen in Sachen Fortbildung und Bedürfnisse.

Dein Wunsch sei mir Befehl!

Natürlich steht wie schon in den Vorgängern die Erfüllung diverser materieller Wünsche und Bedürfnisse im Vordergrund des Spiels. Begnügt sich der Sim zu Beginn noch mit einer relativ einfachen Ausstattung, wird bald das Verlangen nach besseren Möbeln oder hochwertiger Technik laut. Auch die richtige Ernährung und körperliche Fitness tragen zum Wohlbefinden bei und verlangen die Anschaffung bestimmter Geräte und Lebensmittel.

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"Aber natürlich liebe ich Dich wegen Deines Charakters! Dein hohes Alter und Deine Halbglatze sind mir genauso egal wie Dein vieles Geld!"
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Wer in dem Fall nicht gut genug mit seiner Haushaltskasse gewirtschaftet hat, riskiert dauerhaft schlechte Laune bei seinen virtuellen Lieblingen. Für routinierte Simologen stellt all dies nichts Neues dar, denn die Zusammenhänge sind aus den Vorgängern bestens bekannt.

Um nicht frühzeitig vor dem Bankrott zu stehen, gibt es diverse Möglichkeiten, sich ein paar Piepen nebenher zu verdienen. Schriftsteller zum Beispiel ergattern regelmäßig Tantiemen, die neben dem normalen Verdienst auf dem Konto landen. Oder wenn man seinem Liebling hohe Computerfertigkeiten in die Wiege gelegt hat, kann man sich mit nächtlichen Hacker-Attacken Kröten verschaffen. Das ist zwar nicht ganz fein, macht aber viel Spaß und ist schnell verdiente Kohle, die man umgehend zur Erfüllung von Wünschen anlegen kann.

Das sorgt übrigens nicht nur für gute Laune, sondern füllt auch das Konto der Lebenszeit-Punkte. Je zufriedener ein Sim ist, desto schneller steigt der Punktestand. Hat man eine gewisse Anzahl davon erworben, lassen sich diese in charakterliche Erweiterungen oder Belohnungen eintauschen. So kann der Sim zum Profi-Faulenzer zu werden, der an seiner Arbeitsstelle chillen kann, ohne dass es der Chef bemerkt. Als Folge davon kehrt der Schützling weniger erschöpft nach hause und kann die zusätzliche Energie in mehr oder andere Fortbildung sowie Freizeit investieren, was wiederum einen veränderten Spielablauf nach sich zieht.

Auf den Vorbau kommt es an!

Wer nicht schon vor Beginn seinen eigenen Palast zusammenzimmert, sondern in eines der vorhandenen Häuser einzieht, ist logischerweise platzmäßig gebunden. Aber spätestens, wenn der oder die Sims zu Ruhm und vor allen Dingen Geld gekommen sind, werden die eigenen vier Wände schnell zu klein für die 80-Zoll-Flachbildglotze oder dergleichen. Doch die Zeiten eingeengter Ghettobehausungen sind passé. Denn in diesem Falle bietet der Baumodus schnelle, unkomplizierte Abhilfe.

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In der gamona-Redaktion herrschte am Freitagnachmittag wieder Hochbetrieb.
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Den finanziellen Rahmen vorausgesetzt, zieht man nämlich einfach eine Wand des Hauses nach außen – sofern keine Bebauung im Weg ist, die solche Expansionsbestrebungen unmöglich machen würde. Angrenzende Wände und Fenster rücken beim Ziehen einfach mit, so dass man nicht in lästiger Kleinarbeit jedes Zimmer einzeln nachbessern muss. In dem so gewonnenen zusätzlichen Innenraum hat man dann wieder genug Platz für seine Einrichtung.

Wahre Lebenskünstler werden allerdings für die vorgefertigten Behausungen nur ein mitleidiges Lächeln übrig haben, denn der Selbstbaumodus steht in Sachen Umfang und Abwechslung der Charaktergenerierung in nichts nach. Wer mag, entwirft nicht nur eine individuelle Behausung für seine Sims, sondern gleich noch ebensolche Texturen und Muster für Fliesen, Wände und Böden dazu. Damit nicht genug, lassen sich die selbst kreierten Sets abspeichern und über das Internet der weltweiten Simunity zur Verfügung stellen. Freuen wir uns also auf eine riesige Sammlung eigenwilliger Eigenheime und merkwürdiger Muster!

Gleich und gleich gesellt sich gern

Wie schon in den Vorgängern sind neben heterosexuellen Partnerschaften auch diesmal wieder gleichgeschlechtliche Beziehungen möglich. Wer mag, erschafft sich also zwei knackige junge Männer oder Frauen, lässt sie heiraten, einen Haushalt gründen und sämtliche Höhen und Tiefen einer gemeinsamen Liebe durchleben – natürlich mit den Sims-typischen Einschränkungen in Sachen Darstellung. Küssen oder liebkosen sind "erlaubt", bei handfesteren Angelegenheiten wird aber – wie üblich – fleißig gepixelt und zugedeckt.

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Nachdem Familienministerin Ursula von der Leyen beim Zocken der "Sims" auf Diebstahl (li.) und Gewalt (re.) gestoßen war, forderte sie umgehend ein Verbot des Spiels.
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Gleiches gilt, wie nicht anders zu erwarten, auch wieder für Körperreinigungs- oder Verdauungsakte. Manch ein Fan mag sich an dieser Form amerikanischer Prüderie stören. Für das Spielgeschehen ist es jedoch ohne Belang und soll daher auch nicht weiter kommentiert werden.

Kehren wir für einen Moment zum Punkt "Beziehungen" zurück. Denn auch im dritten Teil der Sims-Reihe spielt die soziale Interaktion der Figuren eine zentrale Rolle. Je nach charakterlicher Ausprägung sind die Simlinge bestrebt, dicke Partys zu feiern, möglichst viele Freundschaften zu pflegen, eine hohe Trefferquote in Sachen Sex zu erzielen oder ganz einfach eine riesige Familie zu bilden.

Experimentierfreudige Naturen geben ihren Schützlingen einen hohen Sozialfaktor mit auf den Weg und lassen die Dinge sich selbst entwickeln. Denn die Sims sind in hohem Maße lernfähig und entwickeln, sofern man sie lässt, ihre gesellschaftlichen Bedürfnisse ohne Zutun des Spielers weiter – durchaus nicht immer mit den gewünschten Resultaten, Ehekräche inklusive.

Doch auch Sozialamöben kommen auf ihre Kosten. Wer sein Figürchen zum Einzelgänger erzogen hat, erlebt in der Einsamkeit totale Erfüllung und beschränkt seine sozialen Kontakte auf ein gelegentliches Plaudern mit Nachbarn. Das erleichtert nicht nur die Aufgabenstellungen im Spiel, weil man keine Rücksicht auf nölige Anverwandte nehmen muss, sondern liegt auch näher an der Realität.

Ich krieg' die Krise!

Kaum zu glauben, aber wahr: Auch Sims können in die Midlife-Crisis kommen. Anders als im normalen Leben muss man allerdings hart arbeiten und jede Menge Lebenszeit-Belohnungspunkte kassieren, um diese dann in die wohlverdiente Sinnkrise einzutauschen. Weil die aber weder im echten noch im virtuellen Leben Spaß macht und beliebt ist wie Fußpilz, bietet das Programm kurzerhand eine zeitlich stark geraffte Mittelalter-Depression. Dazu ändert man einfach die fünf grundlegenden Charaktereigenschaften seines Schützlings und wagt quasi einen Neuanfang. Ach, wär's doch in der Realität ebenso einfach!

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Romantik pur: Auf dem FDP-Parteitag lernte Guido Westerwelle (mi.) seinen neuen Freund kennen.
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Die grundlegende Charakteränderung dürfte in den meisten Fällen allerdings nur ein letzter Schritt sein, denn wenn man viele Stunden in die Erziehung seines digitalen Lieblings investiert hat, sollte man es sich gründlich überlegen, ob man diesen Schritt geht oder besser gleich ein neues Spiel beginnt.

Unabhängig davon, ob man sich für den Endlos- oder den "Alterungs-Modus" entschieden hat, erfordert das Spiel bei zunehmender Komplexität der Handlung ein immer höheres Maß an Übersicht. Im Vordergrund sollte daher immer die Überlegung stehen, welche Handlung als nächste vorgenommen wird. Andernfalls winkt der Kontrollverlust. Besonders bei Sim-Familien gerät man schnell an seine organisatorischen Grenzen, wenn man fünf Mitglieder gleichzeitig betreut.

Zwar verfügen die Sims über ein hohes Maß an Eigenintelligenz und erledigen bestimmte Grundbedürfnisse wie Essen oder Schiffen automatisch. Doch wer zum Beispiel Zahlungsverpflichtungen aus den Augen verliert und sie nicht nach spätestens drei Tagen bezahlt, darf sich mit Gerichtsvollziehern herumschlagen, die willkürlich Mobiliar und Equipment in eine Art Strahlenpistole einsaugen. Das sieht zwar witzig aus, macht aber genau wie im richtigen Leben nur mäßig Spaß.

"Bwaaa-ho-heee! Wawaquäk!"

Ein denkwürdiges Kapitel in der Geschichte der Sims dürfte die von jeher grenzwertige Sprachausgabe darstellen. Auch im neuen Teil glänzen die Protagonisten durch unverständliches, zum Teil schwer verdauliches Gebrabbel. Dass die Entwickler hier ein Einsehen haben und ihren Figuren einige echte Sätze spendieren würden, stand sicherlich nie zur Debatte. Denn das "simisch" ist für viele Fans ein fester Bestandteil der Serie. Wir hätten uns aber gewünscht, dass das Kauderwelsch zumindest ansatzweise nach Artikulationsversuchen klingt.

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Ein Rat ihres Ohrenarztes: Statt brabbeln einfach mal Klappe halten.
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Fairerweise räumen wir ein, dass wir in diesem Punkt nach rein geschmäcklerischen Kriterien urteilen, denn für die Spielatmosphäre ist es völlig unerheblich, welche Laute die Sims von sich geben. Über jeden Zweifel erhaben ist dafür der Soundtrack, der mit vielfältigen Musikrichtungen und gut produzierter Musik nett zu unterhalten weiß.

Grafisch hat sich gegenüber dem Vorgänger viel getan. Zwar präsentiert sich auch Teil drei der Serie in quietschbunter Comic-Optik, doch in Sachen Details und Lichtführung hat Maxis das Programm gegenüber den Vorgängern kräftig aufpoliert. Dabei wurde auch an die Besitzer von älteren Computern gedacht, denn die Grafik lässt sich der eigenen Rechenpower anpassen und läuft auch auf betagten Kisten weitgehend flüssig. Gut so!

Fans der Reihe werden ab 4. Juni sowieso die Geschäfte stürmen und sich das Spiel holen, doch auch Neueinsteigern sei das Programm wärmstens ans Herz gelegt. Und wer friedlichen Familiensiedeleien bislang nichts abgewinnen konnte, sollte hier trotzdem einen längeren Blick riskieren. Es lohnt sich!