„Mein Haus, meine Frau, meine Kinder!“ – so lässt sich das bunte virtuelle Familienzüchten der Sims-Reihe wohl am einfachsten umschreiben. Hersteller Electronic Arts verwöhnt die Zockergemeinde bereits seit Jahren mit immer neuen Teilen der mega-erfolgreichen Computersiedelei. Egal, ob es um sinnvolle Freizeitgestaltung, Haustierhaltung oder das studentische Lotterleben geht – es findet sich garantiert eine passende „Sim“-ulation dazu.

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Warum also nicht mal einen oder mehrere der virtuellen Familienmenschen auf eine einsame Insel schicken und dort ums Überleben kämpfen lassen? Was D-Promis in billigen Fernsehshows schon seit Jahren praktizieren, sollte schließlich auch digital möglich sein. So oder ähnlich mögen die Verantwortlichen bei EA gedacht haben, als sie sich entschlossen haben, eine entsprechende Episode programmieren zu lassen. Und die liegt jetzt vor. Wir haben uns die Inselstranderei für die Wii angesehen.

Robinsonade

Das Konzept von „Gestrandet“ ist genauso wie bei allen anderen Sims-Teilen. Man erschafft sich vor Beginn entweder eine ganze Familie oder, wer's lieber allein mag, einen einzelnen künftigen Schiffbrüchigen. Dann geht’s auch schon in das kurze Intro, das den Spieler über das Schicksal seiner Schützlinge in Kenntnis setzt.

Während eines Sturms verloren der oder die Sims ihr Schiff und konnten sich mit letzter Kraft auf eine einsame Insel retten. Außer den Klamotten am eigenen Leib besitzen die Schiffbrüchigen nicht mehr Viel, und so steht als erstes einmal die Erkundung der näheren Umgebung auf dem Plan. Schnell entdeckt man nützliche Dinge, die erste Schritte in eine glückliche Zukunft unter Palmen ermöglichen: Kokosnüsse dienen der Nahrung, mit Palmwedeln und Treibholz kann man ein nettes Feuerchen entzünden und so weiter.

Man sucht sich also ein ideales Plätzchen, um seine erste Ansiedlung zu errichten. Hat das Crewmitglied fleißig geackert, dürstet ihm nach Essen und Ruhe. Hat man nicht genug Nahrung oder halbwegs akzeptable Schlafstellen in petto, reagiert der Kleine mit mieser Laune und wird zunehmend demotiviert. Kann man hingegen die ersten Bedürfnisse befriedigen, wendet sich der Sim den nächsten Aufgaben zu, die wiederum andere Wünsche nach sich ziehen. Die so erzielten Fortschritte sorgen dafür, dass der Sim im Laufe der Zeit immer weitere Fähigkeiten entwickelt.

Inselkoller, Palmenstrand und Kokosnüsse – und alles ganz ohne D-Promis. Schade, dass nicht mehr daraus geworden ist.Fazit lesen

Da man zunächst allein auf der Insel unterwegs ist, sollte man seinen Sim immer beschäftigen. Auf die Weise lernt er nicht nur, sondern es lenkt ihn auch von seinem Alleinsein ab. Um nicht komplett auf sich gestellt zu sein, kann er mit den ortsansässigen Tieren Freundschaft schließen. Die Schimpansen beispielsweise eignen sich nicht nur hervorragend als Spielkameraden, sondern helfen auch bei der Nahrungsbeschaffung.

Hat man sich mit den Grundbedürfnissen vertraut gemacht, sollte man sich auf die Suche nach seinen anderen Sims machen – sofern man denn welche erschaffen hatte. Die sind nämlich über diverse Inseln verstreut und erwarten sehnsüchtig ihre Zusammenführung. Also baut man sich aus Treibholz und Lianen ein Floß und setzt zur großen Überfahrt auf die nächstgelegene Insel an. Dort trifft man nicht nur auf reichlich Rohstoffe, sondern mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auch auf das nächste Mitglied der Schiffsbesatzung.

Je nach den voreingestellten sozialen Werten der beiden Robinsons werden diese nun mehr oder weniger miteinander kommunizieren. Sims-Veteranen wissen natürlich sofort, wie der Hase läuft. Die richtige Konversation oder gar massive Annäherungsversuche funktionieren nur unter den richtigen Rahmenbedingungen. Wer also noch keinerlei Grundfähigkeiten besitzt und deshalb nicht für das nötige Maß Gemütlichkeit sorgen oder etwas Vernünftiges zu essen organisieren kann, wird vermutlich bei dem anderen Sim auf Granit beißen.

Bevor die Romantik unter Palmen richtig knistern kann, sollte man deshalb vielleicht eine Kochstelle einrichten, eine kleine Hütte zusammenzimmern und – ganz wichtig im Umgang mit Frauen – die eine oder andere Diskussionskerze entzünden und in den Verständnisvoll-Modus wechseln. Das mit der Kochstelle und dem Dach über dem Kopf hilft im Spiel jedenfalls ungemein, soziale Kontakte aufzubauen. Für das reale Leben hingegen empfehlen wir die letztgenannten Dinge.

Insellage

Bevor wir uns jetzt den Zorn der zahlreichen weiblichen Sim-Faninnen zuziehen, kehren wir lieber wieder zum Spielgeschehen zurück. Im Laufe seines Insellebens kann man so Einiges entdecken und seine Sims natürlich auch spezialisieren. Ein Koch kann immer bessere Spezereien zubereiten, ein Mechaniker baut immer kompliziertere Einrichtungen, und ein Kreativling ist für die Erbauung zuständig. Und so wird aus der ersten, primitiven Hütte irgendwann ein kleiner Inselpalast mit komplett eigener Versorgung.

Das macht Spaß und motiviert auch eine ganze Weile zum Ausprobieren der zahlreichen Möglichkeiten. Allerdings gilt dies wohl in erster Linie für Zocker, die die Sim-Reihe noch nicht gut kennen. Denn leider findet sich im Vergleich zu den anderen Sim-Titeln nur wenig neues. Wer einen oder mehrere Titel der Reihe gespielt hat, durchschaut die Funktionsmechanismen schnell und wird vermutlich kaum eine echte Herausforderung im Spiel finden.

Immerhin gibt es eine Menge zu entdecken, denn jeder frisch erkundete Inselabschnitt, jede Höhle und jedes neue Eiland beherbergen nicht nur neue Materialien für ein komfortables Inselleben, sondern es gibt auch zahlreiche Artefakte und Spuren einer früheren Zivilisation zu finden. Die wiederum dienen dem eigenen Fortschritt und schalten neue Aufgaben und Bedürfnisse frei.

Insgesamt erweckt das Programm allerdings den Eindruck, dass sowohl die Lernkurve als auch die Bedürfnisbefriedigung identisch mit den anderen Sim-Spielen sind. Und darin liegt auch der größte inhaltliche Nachteil des Programms. Das Prinzip der Sim-elei ist im Laufe der Jahre an seine Grenzen gekommen. Neue oder gar innovative Spielideen kommen praktisch nicht mehr hinzu. Stattdessen wird einmal mehr der Eindruck erweckt, dass EA eine betagte Idee mit neuem Antlitz finanziell ausschlachten möchte, bis auch der letzte Fan vergrault wurde.

Steuermann, lass die Wacht!

Immerhin hat die Wii-Version der Inselei gegenüber ihren Konsolenkollegen einige wirkliche Vorteile zu bieten. Denn Wii-Mote und Nunchuk eignen sich hervorragend für das Spiel. Der Control Stick dient zum einen der Sim- sowie der Kamerasteuerung, zum anderen werden über den Z-Knopf Aktionen durchgeführt.

Mit der Fernsteuerung blättert man bequem durch die Menüs, wählt Gegenstände aus oder lässt sich die aktuellen Bedürfnisse anzeigen. Das funktioniert bereits nach wenigen Minuten Spielzeit hervorragend und sorgt für den nötigen Überblick. Das gesamte Interface ist sehr übersichtlich gestaltet, so dass auch im Wechsel zwischen mehreren Sims kein Durcheinander aufkommt.

Die Sims 2: Gestrandet - Rote Haut und Sand im Schlüpfer

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„Nein, welch Zufall, dass ich Sie ausgerechnet hier treffe...!“
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Weniger erfreulich hingegen verhält es sich mit der Grafik, die sich leider fast auf PS1-Niveau bewegt. Die Texturen sind grob aufgelöst, und zahlreiche Clippingfehler verhageln den optischen Spielgenuss. Auch die Farben wirken – zumindest auf einer Röhrenglotze – verwaschen und blass. Das ist ärgerlich und keinesfalls auf mangelnde technische Fähigkeiten der Wii zurückzuführen. Warum EA seine Entwickler hier nicht auf mehr Sorgfalt gebürstet hat, ist nicht nachzuvollziehen.
Auch akustisch sollte man nicht zuviel erwarten. Neben dem sims-üblichen Kauderwelsch steht kurzweilige Dudelmusik auf dem Programm, die mal mehr, mal weniger nervt.

Packshot zu Die Sims 2: GestrandetDie Sims 2: GestrandetErschienen für Wii, DS, PS2 und PSP kaufen: Jetzt kaufen:

Der größte Vorteil, den die virtuelle Robinsonade somit bietet, ist einmal mehr der serientypische hohe Suchtfaktor des Sammlers und Jägers. Spätestens, wenn man sich auf die Suche nach den letzten noch notwendigen Rohstoffen begibt, um sich endlich seine Traumvilla am Strand hochziehen zu können, vergehen die Stunden wie im Flug. Und ein weiterer Vorteil ist es natürlich, wenn sich zwei Sims ganz dolle lieb haben. Dann gibt’s nämlich jede Menge Nachwuchs, und man gründet sein eigenes kleines Karibikvolk. Aloa He!