Die Sims 2 (PSP Review)
von Sebastian Weidner

Die Sims treiben einfach überall ihr Unwesen. Vom PC aus haben die kleinen Computerwesen mittlerweile jede erdenkliche Plattform infiltriert. Die neueste Adaption verschlägt sie auf Sonys PSP.

Doch eines wird schnell klar - wer die PC-Versionen gewöhnt ist, muss sich auf ein völlig anderes Gameplay einstellen. Was das für den Spielspaß heißt, klären wir für euch in unserem Test.

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So vertraut und doch ganz anders Was erwartet ihr von einem Sims-Spiel? Eine Frau fürs Leben finden, ein Haus aufbauen und Kinder zeugen? Dann ist die PSP-Variante von Die Sims 2 garantiert nichts für euch. Denn anders als im großen PC-Vorbild kommt die Handheld-Version als reinrassiges Adventure mit Rollenspielelementen daher. Dabei erinnert der Start noch am stärksten an den großen Bruder.

Anhand zahlreicher Schieberegler erstellt ihr euch einen eigenen Sim. Ob männlich oder weiblich, biederes oder völlig verrücktes Outfit - Eurem Geschmack sind kaum Grenzen gesetzt.

Die Sims 2 - Minispiele, Charakterwerte und spannende Missionen: Was können die Sims auf der PSP?

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Nach Vollendung der Figur geht es auch schon los. Eine hübsche Zwischensequenz leitet die Story ein. Mit eurem nahezu schrottreifen Auto bleibt ihr direkt vor den Toren von Merkwürdigenhausen liegen. Glück im Unglück: Eine Werkstatt, in deren Obhut ihr die Karre geben könnt, ist in Sichtweite.

Packshot zu Die Sims 2Die Sims 2Erschienen für GBA, PC, GameCube, XBox, DS, PS2 und PSP kaufen: ab 14,15€

Nach dieser Einleitung geht das eigentliche Spiel los. Sogleich folgen die ersten Gameplay-Überraschungen. Statt der Spielfigur wie gewohnt Befehle zu erteilen, steuert ihr sie direkt. Und statt der bekannten Vogelperspektive erwartet euch eine aus Actionadventures entliehene, frei drehbare "3rd Person-Ansicht". Nach minimaler Einarbeitung funktioniert die Steuerung aber tadellos. Die Skepsis weicht einer positiven Gesamtstimmung. Jetzt nur noch den Werkstattmeister davon überzeugen, euren Wagen zu reparieren und schon könnt ihr den tristen Schuppen verlassen. Eure nächste Station ist das Geschäft der sagenumwobenen Samba Mamba.
Die mystisch angehauchte Dame legt durch einige Frage- und Antwortspielchen fest, welche Persönlichkeit euer Sim haben soll. Zur Auswahl stehen drei Laufbahnen: "Wissen", "Sozial" und "Geld". Durch die Ausrichtung "Wissen" macht ihr euren Sim zum neugierigen Schnüffler. Je mehr er erfährt und dazulernt, desto glücklicher ist er. "Soziale" Charaktere müssen möglichst viele Kontakte knüpfen und ständig im Mittelpunkt stehen. "Geld"-geile Sims wiederum wollen Kohle ohne Ende scheffeln. Die Laufbahn eurer Figur hat enormen Einfluss auf das weitere Spiel. Denn je nach Ausrichtung eröffnen sich euch andere Wünsche, Ängste, Ziele und Vorteile. Ihr versteht nur Bahnhof?

Keine Angst. Alles halb so verwirrend wie es klingt. Im Prinzip kommt es in Die Sims 2 darauf an, euren Sim bei Verstand zu halten. Eine Anzeige am unteren Bildrand gibt Auskunft über die momentane Gemütslage. Um die Laune hoch zu halten, müsst ihr eurem Sim ähnlich der PC-Vorlage Wünsche erfüllen, die zu großen Teilen von der eingeschlagenen Laufbahn abhängen.

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Mal soll er soziale Kontakte pflegen, ein andermal muss er einen anderen Sim einschüchtern oder ihm Geschenke machen. Die Auswahl ist schier unerschöpflich. Je mehr Wünsche ihr eurem alter Ego erfüllt, desto mehr Verstandspunkte kassiert ihr. Nur damit könnt ihr euch Vorteile erwerben. Dazu gehören zum einen passiv wirksame Boni wie zum Beispiel "Eiserner Magen", durch den dem Sim weniger schnell übel wird. Zum anderen sind das aktiv einsetzbare Fähigkeiten der Marke "Pyrokinese". So könnt ihr andere Bewohner einschüchtern, indem ihr ihnen mittels Gedankenkraft im wahrsten Sinne des Wortes Feuer unterm Hintern macht.

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Doch damit nicht genug. Ein Sim wäre kein Sim, wenn er nicht über typisch menschliche Bedürfnisse wie Harndrang, Hunger, Langeweile oder Hygiene verfügte. Also müsst ihr fleißig essen, in der euch zu Beginn zugewiesenen Wohnung duschen, schlafen oder schlicht Spaß haben, zum Beispiel TV schauen.

Euer Domizil könnt ihr zwar nicht wie aus der Reihe gewohnt ausbauen. Doch gibt es immerhin zahlreiche Gegenstände zu kaufen, die vor allem der Verbesserung eurer Charakterwerte dienen. Mit der Zeit arten die Bedürfnisse allerdings in Stress aus und nerven gehörig. Viel zu schnell kehrt Routine in die Charakterpflege ein.Fast hat man das Gefühl, die Entwickler wollten die Spielzeit strecken. Dabei hat das Programm das gar nicht nötig. Ständig gibt es Aufgaben und Wünsche zu erfüllen oder Minispiele zu lösen. Minispiele? Genau, richtig gelesen. Für mehr Abwechslung und zum Geldverdienen haben die Entwickler diverse kleinere Games eingebaut. Nachts etwa könnt ihr mit einer Schaufel untote Zombies zurück ins Grab befördern. Zu gruselig? Wie wäre es stattdessen mit einer flotten Sohle auf dem Tanzparkett? Mit dem richtigen Rhythmusgefühl tanzt ihr die Konkurrenz in Grund und Boden.

Lang lebe der Ladebalken!
Wünsche erfüllen, Bedürfnisse zufrieden stellen, Minigames absolvieren - Die Sims 2 ist wahrlich voll gestopft mit coolen Features. Und dabei haben wir einige ganz besonders interessante Details noch gar nicht erwähnt. Neben den Bedürfnissen verfügt euer Sim über die sechs Fähigkeiten Körper, Logik, Kreativität, Charisma, Kochen und Mechanik. Die Talente könnt ihr wie in einem Rollenspiel steigern.Wer Krafttraining betreibt, stählt peu à peu seinen Körper, PC-Arbeiten verbessern die Logik. Wie im echten Leben eben! Wozu ihr all das braucht? Um die Story weiter voran zu treiben, stellen andere Sims euch Aufgaben. Beispielsweise müsst ihr einen Mord aufklären, um Geister aus eurem Haus zu vertreiben oder in einer militärischen Geheimbasis Aliens zu Flucht verhelfen, indem ihr Kameras hackt. Viele dieser Missionen lassen sich allerdings nur lösen, wenn ihr die dafür nötigen Fähigkeiten steigert. Schade: Im Lauf des Spiels könnt ihr auf nahezu allen Gebieten zum Profi werden.

Das nimmt dem Ganzen ein wenig die Spannung. Ebenfalls Teil der Aufgaben sind die so genannten Geheimnisse. Mittels sozialer Skills könnt ihr anderen Sims Heimlichkeiten entlocken. Die behaltet ihr entweder für euch oder verkauft sie einfach. Doch wundert euch nicht, wenn der Hintergangene nach dem Vertrauensmissbrauch erzürnt ist und euch stärker meidet als ein Fisch das Ufer. Da hilft oft nur ein klärendes Gespräch.

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Das haben die Entwickler ebenfalls via Minispiel umgesetzt. Euer Gegenüber äußert sich abstrakt per Symbol. Ihr habt stets drei Antwortmöglichkeiten zur Verfügung, ebenfalls dargestellt durch bestimmte Zeichen. Die Kunst liegt darin, die thematisch passenden Synonyme auszuwählen, um die Sympathien möglichst hoch zu halten. Schafft ihr das mehrere Runden hintereinander, verbessert sich eure Beziehung merklich. Zweifelsohne - Die Sims 2 könnte ein fantastisches Spiel sein. Könnte? Ja, ein Aspekt hat uns schier zur Weißglut getrieben. Jede - und wir meinen wirklich jede - Aktion eures Sims bedarf eines unsäglich langen Ladevorgangs.Ihr wollt euch ein Bild anschauen? Erst zurücklehnen und ausharren! Ihr möchtet ein Gespräch führen? Schön warten, bis die Interaktion in den Speicher geladen ist! Auf Dauer zehrt dieser Aspekt deutlich am Spaßfaktor. So ist das Spiel grundsätzlich zwar überaus spaßig und motivierend, bleibt alleine aufgrund der Ladezeiten aber hinter den Möglichkeiten zurück.