Autor: Nedzad Hurabasic

Vor zehn Jahren schuf die Spieleschmiede Blue Byte mit "Die Siedler 2 - Veni, Vidi, Vici" einen der größten Klassiker im Aufbaustrategiegenre. Selbst heute gilt diese Episode bei den meisten Fans der mittlerweile fünfteiligen Serie als die beste.

Kein Wunder also, dass der Oldie nun zum Jubiläum mit "Die Siedler II - Die nächste Generation" eine Neuauflage erlebt. Veteranen und Spieler, die das wuselige Geschehen zum ersten Mal erleben, dürfen sich über ein - in erster Linie grafisch - aufgepepptes Remake freuen.

Die Siedler II: Die nächste Generation - Die Siedler 2: Die nächste Generation - Trailer

Aufbaustrategie Reloaded
Am Erfolgsrezept von "Die Siedler II" hat sich auch in der Neuauflage nichts geändert. Nach wie vor wuseln emsige Männlein über den Bildschirm, bauen, produzieren und wirtschaften, was das Zeug hält.

Die Siedler II: Die nächste Generation - Remake mit Macken: Anno 2006 wird wieder gesiedelt wie vor zehn Jahren

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So langsam wird's ja 'ne richtige Stadt!
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Zugrunde liegt ein einfaches, wie eh und je geniales Prinzip: Ziel aller Bemühungen ist es, einen funktionierenden Wirtschaftskreislauf auf die Beine zu stellen und die hierfür notwendigen Gebäude und Straßen bei seinen siedelnden Untertanen in Auftrag zu geben. Insgesamt 31 verschiedene Gebäude stehen dem Spieler zur Wahl, auf dass sie in der allmählich wachsenden Siedlung ihren Dienst verrichten.

Vom Erteilen der Bauaufträge abgesehen, läuft alles weitere zu großen Teilen automatisch ab: Arbeiter und Träger übernehmen ihre Tätigkeiten selbständig und erfüllen ohne gesonderte Nachfrage unverzüglich ihre Pflicht. Für jedes Aufgabenfeld gibt es jeweils einen Spezialisten: ob Handwerker, Holzfäller, Schmied oder einfacher Träger - eure Siedler sind zu verschiedensten Schandtaten bereit.

Packshot zu Die Siedler II: Die nächste GenerationDie Siedler II: Die nächste GenerationErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Außerordentlich wichtig fürs erfolgreiche Siedeln ist dabei vor allem die exakte Planung der Transportwege. Diese werden durch das Setzen kleiner Fähnchen abgesteckt und so in einzelne Abschnitte unterteilt: Wer hier patzt, kann unter Umständen sein gesamtes Wirtschaftssystem behindern oder gar komplett lahm legen. Denn kommt es auf den Straßen eurer Siedlung zu Staus, ist das gesamte sensible Gefüge gefährdet.

Dreh- und Angelpunkt eines gelungenen Siedlungsbaus ist daher der ständige Blick auf den Warenkreislauf, in dem alles miteinander verzahnt und aufeinander aufgebaut ist. Am Anfang einer guten Planung steht somit immer die Anbindung einer Rohstoffquelle an die zugehörige Produktionsstätte: Wo Holz abgebaut wird, sollte nach Möglichkeit ein Sägewerk nicht weit sein, in die Nähe von Erz- und Kohleminen gehört natürlich eine Eisenschmelze und so weiter.

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Mit Eseln geht alles viel besser!
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Die Weiterverarbeitung dieser Waren und Ressourcen kann aber nur effizient gelingen, wenn sie auch an die richtigen Abnehmer gelangen und das möglichst ohne große Verzögerungen. Den Transport der zahlreichen Güter übernehmen selbstverständlich eure Träger. Praktisch: Häufig benutzte Trampelpfade werden automatisch zu Pflasterstraßen ausgebaut, sodass die Waren mithilfe von Eseln sehr viel schneller von A nach B gelangen.

Zu einer der wichtigsten Aufgaben in "Die Siedler II" gehört daher ein effektives Wegemanagement, das im Gegensatz zu "späteren" "Siedler"-Folgen in Teil 2 nach wie vor nicht automatisch abläuft, sondern eurem holden Oberkommando höchstpersönlich untersteht. Besonders dort, wo ein Rohstoff von unterschiedlichen Abnehmern benötigt wird, müssen die "Vertriebswege" gut durchdacht sein.

Die eigentliche Krux der ganzen Angelegenheit besteht allerdings im zur Verfügung stehenden Bauplatz: Ist dieser ungeeignet oder schlicht und einfach nicht mehr vorhanden, sind wir zur Expansion gezwungen. Dann gilt es, Militärgebäude zu errichten und so die Außengrenzen in fremdes Territorium hinein zu verschieben.

Was ist neu?
"Siedler"-Veteranen wird das alles nicht neu sein. Kein Wunder, lässt die Neuauflage doch nur sehr wenige Unterschiede zum Original von 1996 erkennen. Neuerungen stecken vor allem im Detail und natürlich der Optik. Äußerlich hat sich das Spiel von 2D zu 3D gewandelt und macht nun einen schönen Eindruck. Als Augenschmeichler fallen insbesondere die netten Animationen der wuseligen Wusler und ein verbesserter Zoomfaktor auf. Da dürfen natürlich auch Shadereffekte nicht fehlen. Gelegentlich waren jedoch aus der Nähe störende Ecken und Kanten auszumachen, beispielsweise bei Bäumen.

Inhaltlich gab es ebenfalls kleine aber feine Änderungen. So lassen sich Militärgebäude, die für das Erweitern des eigenen Hoheitsgebiets benötigt werden, nun ausbauen. Auf diese Weise stehen mehr Soldaten für Angriff und Verteidigung zur Verfügung.

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Wil blauchen dlingend Lohstoffe!
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Die Kämpfer treten jedoch nicht mehr einzeln in Duellen gegeneinander an. Stattdessen schlagen sich alle gleichzeitig, bis ein Sieger feststeht. Verliert ihr das Scharmützel, so wird sich vermutlich ein "Asiate" oder "Nubier" freuen: So heißen nämlich die beiden Völker, die Blue Byte euch als Konkurrenten im Wettsiedeln um Land und Rohstoffe entgegenstellt.

Ebenfalls neu ist, dass beim Abriss von Häusern die Hälfte der für den Bau eingesetzten Rohstoffe zurückerstattet wird. Das ist gut, denn Rohstoffe sind immer knapp und begehrt. Besonders willkommen ist auch das neue Zeitmanipulations-Feature, mit dem der Spielablauf beschleunigt werden kann. Das macht sich vor allem bei Kämpfen bezahlt.

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Paddeln hält jung!
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Nach wie vor lassen sich die "Schlachten" taktisch nicht beeinflussen, von daher tut es vor allem hier Not, den Ablauf zu beschleunigen. Über ein weiteres Feature werden sich die Multiplayer-Fans freuen, denn nun müsst ihr nicht mehr per Splitscreen an einem Rechner miteinander oder gegeneinander spielen.

Ab sofort sind mit "Die Siedler II - Die nächste Generation" auch Onlinepartien möglich. Stundenlange Aufbauorgien unter Freunden sind damit garantiert.

Monotonie deluxe
Die große Stärke des Originals ist gleichzeitig auch (und nach wie vor) seine große Schwäche. Das Spielprinzip fasziniert zwar einige Stunden enorm, wird dann aber schnell monoton, weil es überhaupt keine Abwechslung bietet. Die zehn Missionen der "Kampagne" sind im Grunde genommen nur aneinander geklatschte Karten, in denen es weder Nebenaufgaben noch anderweitige Ablenkungen vom Einerlei gibt. Außerdem verhält sich die Gegner-KI äußerst passiv. Gemütlichen Siedlern ermöglicht das zwar lang anhaltenden Spielspaß ohne Zeitdruck. Alle anderen dürften sich jedoch gelinde gesagt ein wenig unterfordert fühlen.

Die Siedler II: Die nächste Generation - Remake mit Macken: Anno 2006 wird wieder gesiedelt wie vor zehn Jahren

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Fischers Fritze fischt frische Fische ...
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Besonders treue "Siedler II"-Fans werden sich darüber freuen, dass sie alte Karten und Spielstände importieren können. Zudem gibt es einen Karteneditor, mit dem Spieler ihre eigenen Inhalte kreieren. Leicht angepasst wurden auch das Interface und die Steuerung, die nun ein wenig zugänglicher sind und mit Kurzmeldungen über das Nachrichtensystem informieren. Nicht unerwähnt bleiben sollten gelegentliche Abstürze, die im Verlauf des Tests für Verdruss sorgten.