Das Siedeln ist des deutschen Spielers Lust. Kein Wunder, dass Aufbaustrategiespiele in Deutschland zu den beliebtesten Genres überhaupt gehören. Ganz anders im Ausland: Dort spielten "Die Siedler", "Anno" und wie sie alle heißen bisher so gut wie keine Rolle. Selbst der Versuch, mit "Die Siedler: Das Erbe der Könige" eine kampflastige Adaption der traditionellen Aufbau-Marke zu etablieren, glückte nicht.

Was also tun? Genau, zurück zu den Wurzeln, zu dem, was man am besten kann. Das Ergebnis hört auf den Namen "Aufstieg eines Königreichs" und will mit frischen Ideen und viel traditionellem Charme die Herzen der Fans erneut dahin schmelzen lassen - dank hoher Einsteigerfreundlichkeit im Optimalfall auch außerhalb Deutschlands. Wie die Chancen stehen, erfahrt ihr hier und jetzt.

Die Siedler: Aufstieg eines Königreichs - Making Of8 weitere Videos

"Die Siedler: Aufstieg eines Königreichs" beginnt wie jeder zünftige Vertreter der Aufbau-Fraktion: Eine Landschaft, leer und doch wunderschön, wartet nur darauf, mit Gebäuden zugepflastert und von Menschen besiedelt zu werden. Zugegeben, völlig leer ist es nicht auf den Karten. Lagerhaus, Burg und Kirche sowie ein Dorfplatz stehen nämlich, wie von Geisterhand erbaut, immer schon bereit. Auf Basis dieser Stadtfragmente eine waschechte Siedlung aus dem Boden zu stampfen, ist im Folgenden eure Baustelle.

Die Siedler: Aufstieg eines Königreichs - Ein Königreich für die Siedler: Gelungenes Comeback oder seichte Mogelpackung?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 23/291/29
Jeder fängt mal klein an. Eine Stadt in ihren Anfängen…
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Zuerst einmal müssen Rohstoffe her. Also flugs einen Förster in bewaldetes Gebiet gestellt, einen Steinmetz nahe geeigneter Geröllfelder platziert und einen Jäger auf Reh-Weidegründe angesetzt. Gesichert ist die Grundversorgung dadurch freilich noch nicht ganz. Denn neben Produktionsgebäuden, darunter Schafzuchten, Fischerhütten oder Getreidefarmen, bedarf es auch noch eines weiterverarbeitenden Betriebs. Jawohl, ihr habt richtig gehört. Die Warenproduktion umfasst statt dreier Stufen wie in den Vorgängern nur noch zwei: einen erzeugenden sowie einen weiterverarbeitenden Betrieb. Um den Siedlern leckeres Fleisch anbieten zu können, benötigt ihr zusätzlich zum Jäger also auch noch einen Metzger, der die gefangenen Tiere zubereitet.

Arbeit draußen, Vergnügung drinnen
Und noch eine grundlegende Änderung: Statt wie bisher ein bunt zusammen gewürfeltes Dorf nach eigenem Gutdünken errichten zu können, ist diesmal alles zentralistisch angelegt. Klingt schwierig, ist im Prinzip aber ganz einfach. "Aufstieg eines Königreichs" simuliert das wahre mittelalterliche Stadtleben schlicht realitätsnaher als die Vorgänger. Soll heißen, dass alle Grundrohstoffe vom Erzeuger in das zentrale, bereits zu Beginn der Partie existente Vorratslager in der Mitte der Siedlung gebracht werden.

Die Siedler: Aufstieg eines Königreichs - Ein Königreich für die Siedler: Gelungenes Comeback oder seichte Mogelpackung?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 23/291/29
Das Produkt von viel Fleiß und Zeit: eine wahre Prachtsiedlung.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Von dort holen es sich weiterverarbeitende Betriebe selbst ab und bringen die fertigen Waren auch wieder zurück. Die Zeiten vieler, quer über die Siedlung verteilter Lager sind also vorbei. Weitere Lagerstätten können gar nicht erst errichtet werden. So läuft das Siedeln in der Praxis darauf hinaus, dass Versorgungsgebäude wie Holzfäller oder Steinmetz außerhalb der Stadt platziert sind und Betriebe im Stadtkern gebaut werden. Das verkürzt die Laufwege und somit auch die Zeit, bis fertige Ressourcen ins Lager getragen werden.

Das Walten und Schalten auf den Karten konzentriert sich demzufolge auf die belebte Stadtmitte. Handwerker schlendern über die Straßen, laden Waren ab und ein, Andere treffen sich zum kleinen Plausch am Marktplatz, besuchen den Gottesdienst in der Kirche oder machen es sich in der Taverne gemütlich. Die Welt pulsiert, es herrscht Leben und Betriebsamkeit.

Unternehmungssüchtiges Siedler-Pack
Diese grundlegenden Änderungen kommen vor allem Einsteigern zugute, die mit der bisherigen Komplexität nur wenig anfangen konnten. Die Regeln der Spielmechanik sind leichter zu verstehen. Produzenten außerhalb, weiterverarbeitende Gewerbe und Gebäude zur Unterhaltung in den Mittelpunkt, nur noch zweistufige Produktionsketten, dazu eine zentrale Lagerverwaltung.

Damit es nicht gar so seicht wird, wurde die Komplexität in anderen Bereichen erhöht. So haben sich die Siedler von "Anno" die Bedürfnisse abgeguckt. Diese müsst ihr stufenweise erfüllen, um neue Gebäude freizuschalten und das Volk glücklich zu halten. Nicht, dass die Burschen aus Frust ihre Arbeit niederlegen. Wir sind schließlich nicht bei der Deutschen Bahn.

Die Siedler: Aufstieg eines Königreichs - Ein Königreich für die Siedler: Gelungenes Comeback oder seichte Mogelpackung?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 23/291/29
Fleißige Schürfer: Steinmetze mitten bei der Arbeit. Gutes Gelingen, Jungs!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Sechs Bedürfnis-Stufen gilt es im Verlauf des Spiels zu meistern. Dürstet das Volk zu Beginn nur nach Nahrung, müssen später wärmende Pelze, Bade- und Arzneimittel sowie vielfältige Unterhaltungsmöglichkeiten bereitgestellt werden. Erst wenn sämtliche Voraussetzungen erfüllt sind, ihr eine bestimmte Menge Rohstoffe angespart habt und eure Burg, quasi die Schatzkammer, ausgebaut wurde, dürft ihr die nächste Evolutionsstufe einläuten.

Schneller, höher, hübscher
Überhaupt ist der Ausbau ein elementarer Bestandteil von "Aufstieg eines Königreichs". Musstet ihr in den Vorgängern Holzfäller, Steinmetze oder Bäcker in zigfacher Ausfertigung errichten, könnt ihr sämtliche Gebäude nun dreifach aufrüsten. Das hat entscheidende Vorteile. So benötigt ihr insgesamt weniger Platz und das optische Erscheinungsbild eurer Stadt wirkt nicht mehr so monoton.

Die Siedler: Aufstieg eines Königreichs - Ein Königreich für die Siedler: Gelungenes Comeback oder seichte Mogelpackung?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 23/291/29
Ein kleiner Plausch auf den Straßen. Nah herangezoomt sind selbst kleinste Details zu erkennen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Zudem erhöht sich mit jeder Verbesserung die Produktivität der Bauten. Holzfäller, Bäcker, Imker und wie sie alle heißen, arbeiten in höheren Ausbaustufen schneller, transportieren größere Mengen zum Lagerhaus und sind dank Bollerwagen und Co. zügiger unterwegs. So nett die Idee in der Theorie ist, so sehr wird sie in der Praxis allerdings zur lästigen Pflichtübung. Tatsächlich werden die meisten Spieler wohl schon nach wenigen Partien sämtliche Gebäude direkt nach deren Bauabschluss dreifach upgraden. So lange warten, bis die Verbesserung unumgänglich wird, lohnt sich kaum. Eine Funktion zur sofortigen Errichtung des voll ausgebauten Betriebs existiert leider nicht.

Wettervorhersage: wechselhaft
Vorbei die Zeiten des sonnigen Universalwetters: Neuerdings müssen sich die Siedler mit den Gegebenheiten gleich vierer Klimazonen und ebenso vieler Wetterbedingungen anfreunden. Vor allem auf die Nahrungsgewinnung hat das Auswirkung. Im Winter wächst kein Getreide, Seen frieren zu. Folglich können auch keine Fische mehr geangelt werden. Bei bestem Sonnenschein lauern Gefahren ganz anderer Natur. Ist es heiß und trocken, fängt es schnell an zu brennen und Vorräte faulen.

Die Klimazonen beeinflussen das Wetter besonders stark. Müsst ihr im rauen Norden eine Stadt aus den Angeln heben, solltet ihr euch auf lange Winter und kurze Sommer gefasst machen. In den südlichen Wüsten- und Steppenlandschaften ist es genau anders herum. Weizen wächst dort nur an wenigen Stellen, immerwährende Nahrungsprobleme nagen an den Menschen.

Die Siedler: Aufstieg eines Königreichs - Ein Königreich für die Siedler: Gelungenes Comeback oder seichte Mogelpackung?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 23/291/29
Weihnachtliches Wetter. Doch der Festbraten läuft noch zwischen den Bäumen herum. Fragt sich, wie lange noch…
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Am einfachsten siedelt es sich in den mittleren Breitengraden. Die Jahreszeiten sind ausgewogen, Fisch, Vieh und Weidegründe sind ausreichend vorhanden. So habt ihr es im Laufe eurer Siedel-Laufbahn mit unterschiedlichen Randbedingungen zu tun, die Abwechslung garantieren und individuelle Herausforderungen mit sich bringen.

Der Vorgänger "Die Siedler: Das Erbe der Könige" wurde von Fans der Reihe eher verschmäht. Zu kampfbetont ging es ihnen dort zu. Deshalb macht "Aufstieg eines Königreichs" auch quasi alles anders. Bis auf eines: die Helden! Unter sechs Heroen dürft ihr euch im freien Spiel und den meisten Kampagnenmissionen einen auswählen. Und alle bringen sie andere Vorteile mit sich.

Durch die Wahl von Hakim, Marke Prinz aus 1001 Nacht, werden Gebäude-Ausbauarbeiten günstiger, Räuberin Kestral sorgt für ein Plus an Steuergeldern, Ritter Marcus wiederum heuert Truppen günstiger an und stattet diese mit Fackeln zur besseren Gebäudebekämpfung aus. Mit diesem Satz dürften bei vielen "Siedler"-Veteranen die Alarmglocken geläutet haben. "Militär? Pfui!", klingt es immer wieder aus zahlreichen Fanlagern heraus.

Die Siedler: Aufstieg eines Königreichs - Ein Königreich für die Siedler: Gelungenes Comeback oder seichte Mogelpackung?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 23/291/29
Reges Treiben in der Stadt. Links im Bild: eine Käserei zur Produktion leckerer Milchprodukte.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Doch keine Angst. Der Krieg nimmt im neuesten Teil nur eine kleine Rolle ein. In weniger als der Hälfte der Kampagneneinsätze müsst ihr eine Armee mobilisieren und Feinde ausräuchern. Das ist auch gut so, denn erwartungsgemäß ist der Kampf der am wenigsten gelungene Aspekt. Die drei Truppentypen Schwertkämpfer, Bogenschützen und Belagerungswaffen verkeilen sich oft ineinander. Die Schlachten versprühen aufgrund der wenigen Einheitengattungen wenig Dramatik.

Schickes Spiel sucht schöne Story
Ebenso wenig dramatisch ist die storybasierte Kampagne. Wie bereits auf Basis der Vorschauversion vermutet, spulen die Missionen größtenteils bekannte Muster ab. Eine bestimmte Menge Rohstoffe erzeugen, mit NPCs Handel treiben oder mit dem Helden auf der Karte herum reisen, um belanglose Gespräche auszulösen. Mehr wird nicht geboten. Und auch die Zwischensequenzen, die den vorhersehbaren Plot um eine Verschwörung des "Roten Prinzen" weiter spinnen, sind nicht das, was wir unter spannend verstehen. Schade, dass "Die Siedler: Aufstieg eines Königreichs" in dieser Kategorie nicht ebenso frische Neuerungen mit sich bringt wie der Rest des Spiels.