Die Knubbelnasen sind zurück: Im „Aufbruch der Kulturen“ schaut man Bajuwaren, Ägyptern und Schotten über die Schulter und begleitet die drei Völker durch mehrere vom Olymp selbst ersonnene Prüfungen. Am Anfang eines „Siedler“-Artikels stellen sich einem in der Regel zwei Fragen. Die erste: Macht das mittlerweile eigentlich vollkommen angestaubte Spielprinzip der Aufbaureihe tatsächlich immer noch und wieder einmal Spaß? Und die zweite: Hält man es als Redakteur durch, den ganzen Artikel ohne die Verwendung des Wortes „wuseln“ zu verfassen?

Die Siedler - Aufbruch der Kulturen - Tutorial: Wirtschaft

Altbekanntes Regelwerk

Da Frage zwei durch den ersten Absatz nun schon beantwortet ist, kümmern wir uns um die erstgenannte. Allerdings hat man im Falle von „Aufbruch der Kulturen“ bei Entwickler Funatics eigentlich keine negative Antwort zu fürchten. Denn der Titel basiert beinahe vollständig auf der Neufassung von „Die Siedler 2“ und wurde lediglich an einigen Stellen poliert und verfeinert. Diese fallen bereits bei der Errichtung der ersten Gebäude und Straßen auf. So wurden viele Bereiche des Erfolgstitels etwas einfacher und übersichtlicher gestaltet.

Die Siedler - Aufbruch der Kulturen - Retro-Remake die Zweite: Die Wuselbaumeister siedeln wieder

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Die erzürnten Götter verlangen von den Menschen einen Beweis ihrer Fähigkeiten und verdonnern sie zur Durchführung Olympischer Spiele.
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Spürbar ist dies beispielsweise beim Straßenbau, der ein klein wenig runder funktioniert oder bei der Versorgung der Arbeiter mit Werkzeugen, denn in „Aufbruch der Kulturen“ gibt es nur noch ein einziges Utensil für alle Handwerker. Entsandte man bislang den Geologen zur Erzsuche noch über Fahnen in die potentiellen Fördergebiete, errichtet man dem Steinklopfer nun ein kleines Zelt in der Nähe der Felsmassive. Daraufhin untersucht der Gute selbstständig die nahen Gebiete auf unterirdische Vorkommen.

Besonders angenehm für Einsteiger: Über die Schwierigkeitsstufen lässt sich der Aufbautitel auf beinahe eindimensionale Verhältnisse herabstufen. So sind auf der niedrigsten Spielstufe Hürden wie die Versorgung der Bergleute mit Nahrung gar nicht vorhanden, so dass man sich allein auf die eigentliche Aufgabe und die Missionsanforderungen konzentrieren kann.

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Komfortabel: Wie bereits aus den Vorgängern bekannt, signalisieren einblendbare Symbole die möglichen Bauplätze auf der Karte.
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Allerdings sollte man sich von dieser paradiesischen Beschreibung für Spielneulinge nicht blenden lassen, denn die Welt der liebevollen Arbeiter mit Überproportionierung inmitten des Gesichts hat auch ihre Schattenseiten für Neuankömmlinge. So fehlt ein echtes Tutorial; die für Nichtkenner der Reihe dringend nötigen Informationen über den Spielablauf und die Funktionen der Bauwerke erhält man lediglich über kleine Textkästen. Gerade bei einem Spiel, das sich an eine größere Zielgruppe richtet, sollten auch Neulinge in der Spielreihe oder gar dem Genre berücksichtigt werden.

Prügelstrafe

Vor allem im Verlauf der Kampagne ist man als Aufbaueinsteiger schnell einmal mit allen Optionen und Bedienmöglichkeiten überfordert. Gerade durch die von der Genrenorm abweichende Kontrolle der militärischen Einheiten ist man so zum Studium des Handbuchs gezwungen. Denn wo man in anderen Titeln die Truppen direkt auf dem Schlachtfeld kontrolliert, werden bei „Die Siedler“ die Angriffsziele global festgelegt, woraufhin die Soldaten dann aus der eigenen Kaserne zum Schlachtfeld strömen.

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Dem fiesen Oberst Wüterich gelüstet es nach Krieg und so sabotiert er alle Aktionen seiner bajuwarischen Landsleute.
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Weniger komplex gibt sich da die Kampagne und ihre Missionen. Die Rahmenhandlung um wütende Götter, die von den Menschen einen Beweis ihrer Fähigkeiten wünschen und sie so zur Ausrichtung Olympischer Spiele verdonnern, erinnert – wie so oft bei den Spielen der „Siedler“-Reihe – an Asterix. Nacheinander lenkt man die Geschicke der Bajuwaren, der Ägypter und der Schotten und errichtet mit ihnen jeweils eine ordentliche Nahrungsmittelproduktion, Unterkünfte und absolviert schließlich noch einen Wettkampf in je einer landestypischen Disziplin.

Während die Hintergrundgeschichte zwar noch recht witzig daherkommt, fehlt es den Aufträgen allerdings mit der Zeit an Abwechslung. Denn auch wenn es hin und wieder während den Missionen zu Zwischenfällen kommt, etwa wenn der zornige Bayern-Oberst Wüterich die Spiele sabotieren möchte um einen Krieg zu provozieren, reduzieren sich die Aufträge in der Regel auf eine bestimmte Anzahl zu errichtende Gebäude oder eine zu produzierende Menge eines Guts.

Streichle deinen Siedler

Rasanter geht es da nur im Mehrspielerpart zu, der bis zu sechs Spielern die Gelegenheit zum gemeinsamen Aufbauspiel gibt. Beinahe interessanter als der altbekannte Modus ist da allerdings die Lobby zur Spieleröffnung. In dieser dürfen mit kleinen Siedler-Avataren Minispiele, wie Poker oder ein Würfelspiel, gespielt werden, um so Bares für Verschönerungen des drolligen Alter Egos zu verdienen. Bahnt sich da etwa der nächste MMORPG-Blockbuster an?

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Wie schon im ersten Teil vor knapp fünfzehn Jahren, macht es auch heute noch Spaß, den Siedlern bei ihrem Tagwerk über die Schulter zu gucken.
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Die Optik von „Aufbruch der Kulturen“ müsste für so ein Unterfangen allerdings noch mächtig aufgehübscht werden. Denn auch wenn die Präsentation des Titels immer noch ansehnlich, liebevoll und detailliert ist, mangelt es der Engine mittlerweile doch an dem ein oder anderen Effekt. Gerade beim Hereinzoomen wirken Elemente wie der Rauch aus den Schornsteinen oder das Glühen der Schmiede doch etwas veraltet.

Trotz kleinerer Schwächen in der Kampagne knüpft „Aufbruch der Kulturen“ beinahe nahtlos an die Neufassung von „Die Siedler 2“ an.Fazit lesen

Wen das allerdings nicht stört, der dürfte auch mit dem Rest des Spiels glücklich werden, denn als Fan der „Siedler“-Reihe hat man an „Aufbruch der Kulturen“ wenig zu meckern. All jenen, denen hier jedoch zu wenig Neuerungen geboten werden, bleibt nur das Warten auf den nächsten Vertreter der neuentwickelten „Siedler“-Spiele, fernab der hier besprochenen Traditions-Edition.