Für sich genommen mögen es vielleicht gar keine schlechten Spiele gewesen sein, aber in die Tradition der Serie wollten „Die Siedler 5: Das Erbe der Könige“ und „Die Siedler 6: Aufstieg eines Königreichs“ nicht so recht passen. Für viele Fans war es die Abkehr vom Ursprung, manch einer will sogar den Todesstoß des einstigen Lieblingshits der Deutschen vernommen haben.

Bei Blue Byte will man das Wehklagen der Fans jedoch nicht unerhört lassen. Das schuldet man der Community. Und den eigenen Investoren. Es überrascht also wenig, dass sich „Die Siedler 7“ (so der vorläufige Titel) wieder auf alte Stärken besinnt und „back to the roots“ gesandt wird. „Das wollen wir sehen“, stichelten wir und wurden prompt bei Ubisoft vorgeladen. Ausgiebiger Ersteindruck inklusive.

Die Siedler 7 - Militär, Kirche oder Handel? Ihr habt die Wahl3 weitere Videos

Siedler goes casual?

Der Anblick verwundert uns schon ein wenig: Bruce Shelley, seines Zeichens Entwickler-Legende und bester Kumpel von Sid Meier, steht lässig in einer Ecke des Präsentationsraumes und hadert unserer Fragen. Was bringt einen Mann, der einst an Railroad Tycoon und Civilization mitarbeitete und später mit seinen Ensemble Studios die legendäre „Age of Empires“-Reihe hervorbrachte, in die Nähe der wohl deutschesten aller deutschen Spieleserien.

Die Siedler 7 - Zurück zu den Wurzeln: So spaßig war wuseln lange nicht

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Neuerdings dürft ihr die Kamera völlig frei platzieren.
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„Die Siedler ist in Deutschland bereits seit Jahren ein Kulttitel. In Amerika jedoch lief es bisher nie wirklich gut. Also fragten mich die Jungs von Blue Byte, ob ich ihnen nicht ein paar Tipps geben könne, um auch in Übersee Fuß fassen zu können“, erläutert Bruce mit stoischer Miene. Und das bedeutet? „Für Einsteiger und Genreunkundige ist das Siedlerprinzip zu komplex, da mussten wir dringend ansetzen.“

Für manch einen Kollegen im Raum leuchteten da schon die Warnsignale. „Aha, die Siedler werden also casual“, konnte aus einigen Ecken man vernehmen, woanders sprachen flüsternde Stimmen „von der totalen Verwässerung des Spielprinzips“. Die Tatsache dürfte wohl anders aussehen: Während Produzent Benedikt Grindel die ersten Spielszenen der siebten Siedeliteration präsentiert, merken wir nichts von Wassereinbrüchen.

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Knuffig: Siedler 7 setzt wieder auf einen deutlich comichafteren Look.
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Zu erkennen ist dieser Wandel zur Einsteigerfreundlichkeit in erster Linie an optischen Details. Viele Icons erscheinen nun einfach größer, unstrukturierte Menüs die eher den spröden Charme einer Excell-Tabelle versprühen, fallen weg. „Casual“ wird „Die Siedler 7“ dadurch noch nicht – die Warenkreisläufe gibt es nach wie vor, nur ändern wir deren Prioritäten und Parameter nun über formschöne Schieberegler mit imaginärem „Bitte hier klicken“-Pfeil darüber. Das eigentliche Spielprinzip bleibt.

Wie früher, nur besser

Apropos Spielprinzip: Im Laufe der bisherigen sechs Inkarnationen, hat sich der Kern der Siedler ja recht offensiv gewandelt. Aus der klassischen Aufbausimulation wurde mit der Zeit eher militärisch orientierte Echtzeitstrategie. Sogar Helden durfte man irgendwann in die Schlacht führen. Für Fans der ersten Stunde stellt sich also nicht ohne Grund zunächst die gewichtige Frage: „Wie spielt sich das neue Siedler überhaupt?“

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Zurück zu den Wurzeln: Der Fokus liegt nun eher auf Wirtschaft und Planung.
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Kurze Antwort: Im Grunde wie der legendäre zweite Teil. All der neumodische Ballast, den Blue Byte in den letzten Versionen angehäuft hat, fällt weg – keine Helden, keine RTS-Steuerung, keine Marktplätze. Stattdessen der Fokus aufs Wesentliche: Warenkreisläufe und ein möglichsten effektives Straßennetz sind des Spielers oberstes Ziel. Es rückt also wieder jenes legendäre Element ins Zentrum, dass zum Schluss so schmählich vernachlässigt wurde – der Wuselfaktor.

„Wir wollten wieder ein ‚echtes’ Siedler machen, das in die Historie der Vorgänger passt“, erklärt Benedikt Grindel den Gesinnungswandel. „Die letzten Teile hatten viele Fans vergrault.“ Am Augenscheinlichsten kann die Rückkehr zur Tradition noch am optischen Erscheinungsbild abgelesen werden: Figuren und Landschaft wirken stark überzeichnet, beinahe comichaft und erinnern dementsprechend an die Knuddelgrafik der frühen Teile.

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Nicht vom Sonnenschein ablenken lassen - euer Auge sollte stehts aus den Warenkreisläufen liegen.
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Eine gewichtige Änderung gibt es dann aber doch: Die Kamera, früher statisch Beobachter in ehrfürchtiger Entfernung, ist nun losgelöst von derartigen irdischen Fesseln und darf jederzeit frei positioniert werden. Somit dürfen wir also nicht nur weit über die Köpfe unserer Siedler hinaus zommen, sondern deren geschäftigem Treiben auch – das andere Extrem ist selbstredend ebenfalls möglich – direkt auf den Straßen beiwohnen.

Tradition statt Revolution: Die Siedler 7 verzichtet auf allzu Innovatives, reanimiert dabei aber die Stärken der frühen Serienteile.Ausblick lesen

Mehr als ein optisches Gimmick dürfte dieses Feature zwar nicht sein, wer sich aber schon immer gewünscht hat, dass Paarungsverhalten freilebender Siedler aus der Nähe zu betrachten – hier ist eure Chance. Im Falle des Extremzooms in die Erdatmosphäre behilft sich „Siedler 7“ mit einem nützlichen Feature, um den totalen Kontrollverlust zu unterbinden. Sämtliche Waren werden hier als übergroße Icons dargestellt – ein herrlich skurriler Anblick, wenn saftige Schweinelenden und übergroße Fischköpfe über die Karte marschieren.

Dreifaltigkeit des Siedlertums

Klingt bisher reichlich vertraut. Zumindest im Vergleich zum Serienstart halten sich die Neuerungen in Grenzen. Wie wertig kann also eine „sieben“ hinter dem Spielnamen sein, wenn der Fortschritt eigentlich als Rückschritt erscheint? Gar nicht – wie zum Glück auch Blue Byte verstanden hat und eines jener Elemente ausbaut, das genretypisch in Aufbautiteln am häufigsten kriselt – die Langzeitmotivation.

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Endlich unterscheiden sich die Karten nicht nur durch ihre Gestaltung - Siegpunkte sorgen nun für Langzeitmotivation.
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Statt wie früher auf jeder neuen Missionskarte einfach trocken vor sich hin zu siedeln, soll jetzt der Wettlauf um strategisch immens wichtige Siegpunkte motivieren. Gewonnen werden diese auf drei verschiedene Arten: Handel, Militär oder Religion, also die drei Hauptprofessionen eures Siedlerstammes, auf die wir uns (bedingt durch begrenzte Ressourcen) zwingend spezialisieren müssen.

Wer also nicht gern kämpft, wird nicht dazu genötigt, die Dreifaltigkeit des Siegpunkt-Systems unterstützt jeden Spielertyp. Doch wozu eigentlich das Punktegehetze? Pro Karte gibt es verschiedenste Siegvorgaben - nur wer diese erfüllt, geht als strahlender Gewinner hervor. Wer das Missionslimit erreicht, löst den dreiminütigen „Countdown to Victory“ aus, der nur dann unterbrochen wird, wenn euer Gegner euch einen Siegpunkt streitig macht.

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Die Siedler 7 richtet sich an verschiedene Spielertypen - wer lieber handelt, darf dies ohne Nachteil tun.
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Denn: Obwohl es viele statische Siegpunkte gibt – etwa für den Bau einer Kathedrale oder die Erforschung einer Technologie, heizen viele dynamische Erfolge den Wettlauf zusätzlich an. Der Siegpunkt „Inhaber des höchsten Holzvorrates“ kann schließlich innerhalb von Sekunden den Besitzer wechseln, wenn dieser seine Produktion urplötzlich auf Holzfäller umstellt. Eine durchaus gewiefte, taktische Note, die da ins Siedler-Universum Einzug hält.

Mit Gottes Hilfe zum Sieg

Die Siegpunktejagd ist natürlich in erster Linie ein kompetitives Element und damit also am Sinnigsten für den Multiplayer-Part geeignet. Wie man uns auf Nachfrage allerdings versicherte, wird es erneut auch eine vollwertige Kampagne geben, in der eine spannende Geschichte im Zentrum steht. Ob die Story und der Kampf um Siegpunkte auch eine organische Symbiose eingehen, lässt sich nur schwer abschätzen.

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In Kathedralen erforscht ihr neue Technologien, die allein eurem Volk zur Verfügung stehen.
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Der Professionszweig der Religion ist in dieser Form übrigens neu im Spiel, dabei aber mindestens so wichtig wie Handel und Militär: In Klostern erforscht ihr nun dank der ansässigen Ordensbrüder neue Technologien, dank derer ihr z.B. schneller in rauen Gewässern fischen könnt oder Baumbestände langsamer erschöpfen. Jede Technologie benötigt ein spezielles Pensum an Glaubensbrüdern die zudem in drei verschiedenen Wertigkeitsstufen auftreten. Vom Novizen bis zum Padre.

Das perfide daran: Technologien sind exklusiv an denjenigen Spieler gebunden, der sie erforscht – auch hier zählen also List, Geschwindigkeit und Planung. Es sei denn, es gelingt, den forschenden Spieler zu überbieten – im Stile einer Ebay-Auktion könnt ihr eure Kontrahenten jederzeit ausstechen und so z.B. mehr Padres und Novizen auf die Forschung ansetzen. Das kostet mehr, sichert euch aber möglicherweise den Sieg – denn auch die Technologien zählen auf dem Siegpunktekonto.