Vor 17 Jahren, 1993, erblickte nicht nur Debian das Licht der PC-Welt, sondern auch die Siedler betraten die große Software-Bühne. Die knuddeligen Figuren eroberten im Sturm die Herzen der Strategiespieler, wobei man aufpassen musste, bei all den süßen Details nicht das durchaus anspruchsvolle Gameplay aus den Augen zu verlieren. Der zweite Teil folgte 1996 und galt bisher als das beste Siedler aller Zeiten, ein gewaltiger Erfolg für Blue Byte.

Kein Wunder, dass Ubisoft 2001 die ehemalige Mühlheimer Firma aufkaufte. Ab dem vierten Teil prangte der Name des französischen Publishers auf den Spieleverpackungen und es begann ein Schlingerkurs zwischen Tradition und Innovation, anspruchsvollen Strategiespielern und Gelegenheitszockern, der niemanden wirklich glücklich machte.

Die Siedler 7 - Ein Klassiker in neuem Glanz

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Die Wirtschaftskreisläufe beginnen übersichtlich, dehnen sich aber schnell aus.
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Der namentlich siebte Teil (in Wirklichkeit hat die Serie schon zwei Veröffentlichungen mehr auf dem Zähler) beginnt mit dem Öffnen eines Buches, aus dem sich dreidimensionale Bilder entfalten. Eine statische Szene folgt der nächsten, bevor die Figuren auf einmal zum Leben erwachen. Im Auftrag ihres Vaters soll Prinzessin Zoé, also wir, das Königreich Tandrien erobern und als Lohn wartet die Krone auf uns.

Die Singleplayer-Kampagne besteht aus fünfzehn Missionen, von denen uns die ersten sieben an die Spielmechaniken heranführen, was dank der unerwarteten Komplexität auch besser ist. Die restlichen acht Missionen fahren dann sämtliche Geschütze auf, die die Siedler zu bieten haben. Doch fangen wir, wie das Spiel, klein an. Mit der frei dreh- und schwenkbaren sowie bis zur Kartenansicht auszoombaren Kamera blicken wir auf ein vorgegebenes Wegenetz, das die Landschaft durchquert.

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Kleine Wirtschaftslehre

Diese Wege dienen als Lebensadern unseres Staates, denn an sie können wir zwar weitere Straßen anschließen, die Eigenbauten eignen sich jedoch nicht zum Wechsel des Sektors. Die ganze Karte ist in kleine Gebiete mit Rohstoffen, Ereignisorten und Befestigungsanlagen aufgeteilt. Als Grundstein unserer Wirtschaft dienen Steinmetze, Holzfäller, ein Sägewerk und Nahrungsproduzenten.

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Die Kämpfe stehen zwar nicht im Mittelpunkt, sind manchmal jedoch unausweichlich.
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Um ein Gebäude zu errichten, klicken wir einfach in die Landschaft und ein Baumenü öffnet sich, das in einfache, fortgeschrittene und Prestigebauten unterteilt ist. Als erstes bauen wir eine Forsthütte. Produktions- und Wohngebäude verfügen über drei Anbauslots, die ihre Funktion definieren. So können wir an einer Forsthütte zum Beispiel Holzfäller, Sägewerke, Jäger oder beispielsweise Fischer und Förster in beliebiger Kombination anbauen.

Die Siedler sind besser als je zuvor. Ein Muss für Strategiebegeisterte.Fazit lesen

An Farmen lassen sich Getreidespeicher, Viehzuchtbetriebe oder Windmühlen errichten und bis zu unserem ersten Sack Mehl dauert es nicht lange. Doch dieses muss weiterverarbeitet werden, zu diesem Zweck errichten wir an einem Wohnhaus einen Bäcker. Ein ausgewogenes Verhältnis von Wohn- und Lagerhäusern zu den vorhandenen Betrieben ist wichtig, damit immer genügend Lagerraum und vor allem ausreichend Arbeitskraft zur Verfügung steht.

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Technisch wird viel geboten, schöner wird derzeit nirgends aufgebaut.
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Um andere Sektoren zu erobern, senden wir Soldaten aus. Zu Beginn einer Mission wartet ein General mit vier Pikenieren in unserem Schloss, doch mit dieser kleinen Truppe kommen wir nicht weit. Selbst neutrale Sektoren werden meist von einigen wackeren Kämpen verteidigt, deshalb lassen sich für die ersten Schritte weitere Truppen in der Taverne anheuern. Gegen einfache Nahrung und etwas Gold treten weitere Pikeniere in unsere Dienste.

Damit wir auch Musketiere einstellen können, brauchen wir bessere Nahrung. Wurst wird, genau wie Goldmünzen, in wohlhabenderen Wohnhäusern erzeugt. Haben wir später mehrere Generäle, lassen sich die Truppen bei ihrer Rekrutierung leicht und übersichtlich zuteilen und dank der übersichtlichen Minimap, die lediglich Wege und Sektoren darstellt, erkennen wir schnell, wo unsere Armee benötigt wird.

Willkommen in Westpoint

Später errichten wir eigene Kasernen, um unsere Soldaten selber heranzuzüchten. Spezialgebäude wie Kirchen oder die Kaserne können nicht von Anfang an errichtet werden, sondern müssen durch Prestigepunkte freigeschaltet werden. Diese verdienen wir uns über Verschönerungen unserer Stadt durch Statuen oder Sitzbänke, Anbauten an vorhandene Prestigebauten oder als Dreingabe zu Forschungsprojekten. Außerdem lassen sich diese Spezialgebäude in drei Stufen ausbauen, um bessere Einheiten zu trainieren.

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Tabellen sorgen dafür, dass wir nie den Überblick verlieren.
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In der Kirche werden Novizen, Brüder und Pater ausgebildet und mit Bier getränkt. Sie forschen an den insgesamt 19 verfügbaren Technologien, die kreisförmig in einer Übersicht dargestellt werden. Von außen nach innen kann man sich vorarbeiten, wobei es nur wenige Einstiegspunkte in den Techtree gibt, und diese sind hart umkämpft. Jede Technologie kann nämlich nur von einem Spieler erforscht werden und schafft es ein Spieler, sämtliche Einstiegspunkte als erster zu besetzen, können die anderen nicht mehr forschen.

Jeder bekommt dabei die Anzahl der forschenden Mönche angezeigt, die die Gegner aufwenden. Setzt man seinerseits mehr Priester an das Projekt, übernimmt man die Forschung, ein ressourcenintensiver Wettstreit beginnt. Kein Wunder, denn der Spieler mit den meisten Ergebnissen und derjenige, der zuerst den zentralen Punkt der Forschungsübersicht erreicht, erhält einen Siegpunkt.

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Der Kartograph wirkt simpel, lässt aber unzählige Anpassungen im Mehrspielermodus zu.
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Nicht im Zentrum, sondern an den äußersten Enden der Weltkarte des Handelsnetzes sieht das ähnlich aus. Alaska und Australien winken beispielsweise mit der begehrten Trophäe. Doch bis man diese Handelsstationen freischalten und Schiffe entsenden kann, vergeht einige Zeit und ähnlich wie in der Kirche müssen auch unsere Händler in drei Klassen verbessert werden.

Das Spannende an dem Siegpunkte-System sind zwei wesentliche Neuerungen. Erstens lassen sich die Siedler nicht mehr nur militärisch, sondern auch durch Forschung und Handel gewinnen und zweitens gewinnt das Spiel an Dynamik. Punkte wie diejenigen für die größte Stadt können im Spielverlauf ihren Besitzer wechseln und man muss die Mitspieler und das eigene Reich stets im Auge behalten, was dank zahlreicher locker präsentierter Statistiken und Karten kein Problem darstellt.

Hexenjagd in Tandrien

Ebenfalls neu sind die Ereignis-Sektoren. Hier warten Hexen in ihren Türmen, Räuberlager, Riesen und Raubritter auf vorbeiziehende Siedler und alle wollen sie etwas von uns. Zu jeder der Questen bei den 13 Ereignisstätten gib es einen militärischen, einen wissenschaftlichen und einen merkantilen Lösungsweg, von denen jeder anders belohnt wird. Siegpunkte, Technologien oder Truppen bringen den Spieler weiter.

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Orte wie dieses Kloster sind häufig Bestandteile von Questen in der Kampagne.
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Man merkt es schon, Die Siedler 7 präsentiert sich ungewohnt komplex. 9 Rohstoffe, siebzehn Güter, 43 zu errichtende Gebäude, 25 Berufe und 26 verschiedene Siegpunkte sprechen da für sich. Damit gerade Anfängern die Vielfalt im Mehrspielermodus nicht überfordert, gibt es den Kartographen. Hier dürfen die neun bestehenden Mehrspieler-Karten den eigenen Bedürfnissen angepasst werden. Siegpunkte werden deaktiviert und Rohstoffe gesperrt. So lassen sich beispielsweise Generäle zu Gunsten friedlicher Spieler entmachten.

Sind einmal nicht genügend menschliche Mitspieler vorhanden, übernimmt die KI mit ihren dreizehn wählbaren Profilen deren Platz. Die sind ähnlich gut gelungen wie die gesamte technische Umsetzung des Spieles. Sowohl aus der Nähe auch aus der Distanz sieht die Grafik einfach nur großartig aus. Wildtiere, Schmetterlinge und Graswiesen, funkelndes Wasser, sich tummelnde Fische und detaillierte Bäume bilden die Landschaft. Vier Kilometer Sichtweite lassen in der Ferne Ziele erkennen und in den Städten gibt es sowieso unzähliges zu entdecken.

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Das Questsystem ist motivierend.
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Die Siedler fesseln den Beobachter wie gehabt mit vielen liebevollen und lustigen Animationen. Vor allem passt der Grafikstil aber. Die Mischung aus realistisch anmutend und comichaften Charakteren sieht einfach nur super aus. Dazu kommen der großartige orchestrale Soundtrack mit der elfenhaften Stimme Kariina Greteres und stets passende Soundeffekte untermalen die Kulisse. Die großartigen Zwischensequenzen – egal ob gerendert oder in Spielegrafik – werden zudem von professionellen Sprechern vertont.

Ein weiteres Schmankerl für Jäger und Sammler ist die Möglichkeit Punkte, ähnlich wie XBox Gamer Points, freizuspielen und damit neue Inhalte freizuschalten. Das täuscht jedoch nicht über einen von zwei Schwachpunkten hinweg. Ubisofts neuer Kopierschutz erfordert eine permanente Internetverbindung, ansonsten friert das Spiel einfach ein. Außerdem sind die Hardwareanforderungen für die höchsten Grafikeinstellungen recht hoch und dürften von der Kernzielgruppe nur schwerlich erfüllt werden.