Ränkespiele, Intrigen, karrieregeile Führungspersönlichkeiten und faules Gesindel: Nein, nicht die gamona-Redaktion ist gemeint, sondern die Spielwiese "Die Gilde 2". Die 2006 veröffentlichte Mixtur aus Wirtschafts- und Lebenssimulation ist das perfekte Abbild der modernen Gesellschaft. Wenngleich der Titel eigentlich gar nicht in der Gegenwart spielt, sondern im düsteren Mittelalter.

Trotz Bugs und schlechter Wegfindung haben wir letztes Jahr mit viel Spaß virtuell Karriere gemacht, unliebsame Konkurrenten ausgeschaltet und in der Politik für Aufsehen gesorgt. Das erste Addon "Die Seeräuber der Hanse" macht da weiter, wo das Hauptprogramm aufhört. Neue Berufe, eine Kampagne sowie Seeschlachten und -handel sollen neuen Pepp ins Komplexitätsmonster bringen. Ob das geklappt hat? Wir verraten es euch.

Die Gilde 2: Seeräuber der Hanse - Intro-Trailer

Drei neue Berufszweige stehen angehenden Addon-Zockern zur Verfügung. Als bodenständiger Fischer angelt ihr leckere Fische und Muscheln aus den Tiefen der Meere, verkauft sie direkt an zahlungswillige Kunden oder verarbeitet sie in höheren Ausbaustufen weiter, um noch mehr Kohle an ihnen zu verdienen. Wer keine Lust hat, bis ans Lebensende Meerestiere auszunehmen, kann sich alternativ an der Produktion teurer Perlenketten versuchen oder eklige Stinkbomben auf Basis von Fischkadavern herstellen.

Die Gilde 2: Seeräuber der Hanse - Eine Seefahrt, die ist lustig. Und ganz schön Schweiß treibend, wie das Gilde 2-Addon beweist!

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Im Überblick: Die gamona-Niederlassung in der Karibik!
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Zweiter Job im Triumvirat ist der Medicus. Der mittelalterliche Arzt fertigt Verbände, Wundsalben, Medizinflaschen oder Schmerzmittel, um Kranke gegen Gebühr zu heilen. Weniger menschenfreundliche Gesellen, so genannte Quacksalber, nehmen Bedürftige stattdessen aus und verkaufen ihnen nutzlose Wunderkuren. Das bringt ordentlich Geld in die Kassen, ist moralisch allerdings äußerst verwerflich. Noch fragwürdiger ist der dritte neue Job im Bunde: der Pirat. Der macht sein Geld mit Überfällen auf Schiffe und Handelsposten oder verdient sich als Zuhälter ein goldenes Näschen.

Feucht-fröhliche Wasserratten
Was wären Piraten und Fischer ohne ihr Schiff beziehungsweise Boot? Genau, nichts! Also haben die Entwickler der 4Head Studios für "Die Seeräuber der Hanse" das nasse Element in den Fokus gerückt. Während Wasser im Hauptprogramm nur der Atmosphäre diente, dürft ihr nun mit einem Schiff auf hohe See segeln und eurer Beschäftigung nachgehen.

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Ein Schiff in Bedrängnis. Die Seeschlachten sind allerdings nur leidlich spannend.
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Das ist bewusst simpel umgesetzt. Genau wie euren Charakter steuert ihr die Barkasse mit einfachen Linksklicks über den Ozean. Piraten haben ferner die Möglichkeit, fremde Schiffe mit den an Bord stationierten Kanonen anzugreifen. Der Part hat uns jedoch enttäuscht. Stures Klicken zum Angriff und die wenig aufregende Inszenierung lassen ähnlich wie bei den Auseinandersetzungen zu Lande fast jegliche Spannung vermissen. Gegen die kriegerische Spielmechanik waschechter See-Actiongames wie "Tortuga: Two Treasures" hat das "Die Gilde 2"-Addon keine Chance.

Es war einmal…
Deutlich verbessert zeigt sich der Titel dafür beim Storymodus. Wo zuvor nur zusammenhanglose Karten mit unbedeutendem Geschichts-Beiwerk auf den Spieler warteten, fährt "Die Seeräuber der Hanse" eine waschechte Kampagne auf. In der Rolle des abgebrannten Claus Wiegbald fangt ihr in Danzig noch mal ganz von vorne an, um in den folgenden Jahrzehnten den einst guten Namen der Familie wieder herzustellen.

Hintergrund: Euer über alles geliebter Herr Papa wurde als vermeintlicher Pirat hingerichtet und ihr samt Ehefrau aus der Heimatstadt Hamburg vertrieben. Die Kampagne erstreckt sich über vier Kapitel. Jedes mit fest vorgegebenen Aufgaben, etwa Nachwuchs zeugen, öffentliche Ämter erlangen oder die Expansion des eigenen Unternehmens vorantreiben. Wie ihr in dem jeweiligen Szenario agiert, hat leider keinen Einfluss auf die darauf folgenden "Levels".

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Da war wohl einer unvorsichtig. Der Kahn hat Schiffbruch erlitten, und die Besatzung ist über alle Berge.
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Die Einstiegsvoraussetzungen sind fest vordefiniert, egal welche Route, sei es im Job oder bei Ämtern, ihr im vorigen Szenario einschlagt. Uns hat die Kampagne viel Spaß gemacht. Spieler, die gänzlich eigene Wege gehen wollen, wird das recht starre Story-Korsett hingegen zu sehr einschränken. Diese dürfen immerhin wie gehabt freie Karten ohne bestimmte Vorgaben besiedeln.

Neues Futter für Karrieristen
Zusätzlich zu den drei neuen Berufsklassen wartet "Die Seeräuber der Hanse" auch mit einigen frischen Titeln und Ämtern auf. Wer sich etwa in den Adel aufschwingen will, kann sich für 200.000 Taler den "Baron" im Namen sichern. Damit einher geht, dass ihr einen Werber entsenden dürft, der für euch einen geeigneten Partner sucht. Wem's gefällt…

Entscheidender sind die drei neuen Ämter, für die ihr euch bewerben könnt, sofern ihr Adligen-Status besitzt. Als Kardinal dürft ihr beispielsweise unliebsame Konkurrenten der Ketzerei beschuldigen und sie per Inquisitionsbefehl hinrichten lassen. Feldherren wiederum erhöhen die Moral ihrer Kämpfer oder konfiszieren Waren aus den Gebäuden nerviger Widersacher und erhalten deren Gegenwert in Talern gutgeschrieben. Höchstmöglicher erreichbarer Titel ist der des Königs selbst. In dessen Position könnt ihr unter anderem beliebige Gebäude fremder Dynastien enteignen und euch selbst unter den Nagel reißen.

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Nanu, sind wir hier im Auenland? Mitnichten. Atmosphärisch stimmt aber auch hier alles!
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Technisch ist "Die Seeräuber der Hanse" auf dem Stand des Hauptprogramms. Sprich: Die Spielwelt ist hübsch, die Animationen sind aber nach wie vor hölzern. Auch die miserable Wegfindung haben die Entwickler leider noch immer nicht verbessert. Auf längeren Wegen verirren sich die Figuren regelmäßig. Clippingfehler und ineinander laufende Charaktere nagen zusätzlich am insgesamt positiven Gesamteindruck.