Autor: Sebastian Weidner

Das Mittelalter, Ära der unbegrenzten Möglichkeiten, teuflischer Ränkespiele und Thema des lange erwarteten Die Gilde 2.

Ob als ehrbarer Handwerker, raubeiniger Dieb oder bestechlicher Politiker: Im Nachfolger des Überraschungserfolgs aus dem Jahr 2002 stehen euch fast alle Türen offen. Packt das Glück beim Schopf und macht dick Karriere!

Die Gilde 2 - GC 2006 TrailerEin weiteres Video

Die Gilde 2 - Schwing dich auf zum Herrn des Mittelalters und schwängere die hübschesten Frauen!

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Die Gilde 2 ist ein wahres Komplexitätsmonster. Bis ihr alles gesehen und jeden Beruf ausprobiert habt, vergehen Wochen. Wochen, die wie im Flug vergehen, aber zugleich auch immer wieder ärgerliche Momente zu Tage fördern. Mit dem pünktlich zum Release veröffentlichten Patch hat Jowood zwar viele besonders ärgerliche Bugs gefixt. Frei von Schönheitsfehlern und anderen kleinen Mankos ist der Titel aber nach wie vor nicht. Doch immer schön der Reihe nach.

Bestens vorbereitet
Während der Vorgänger als reinrassige Wirtschaftssimulation das Herz der Fans eroberte, haben die Entwickler den Nachfolger ordentlich um neue Genreeinflüsse erweitert. Den Erfolg der Sims-Reihe im Auge, bekam Die Gilde 2 zahlreiche Lebenssimulationselemente spendiert.

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Neben der wirtschaftlichen Karriere müsst ihr auch das eigentliche Leben eurer Spielfigur "managen" und soziale Kompetenzen unter Beweis stellen. Los geht's mit der aus Die Sims 2 entlehnten Erstellung eines Charakters. Ihr bestimmt das Geschlecht und legt anhand zahlreicher Schieberegler das Aussehen fest. Von den Gesichtszügen - markant oder weich? - über die Kopfbedeckung bis hin zum Bart erstellt ihr euch eine völlig individuelle Figur. Nun müsst ihr euch entscheiden, welcher Charakterklasse der Bursche bzw. die Lady angehören soll. Von der Wahl ist abhängig, welche Betriebe ihr führen dürft: Patrone kümmern sich im weitesten Sinne um die komplette Lebensmittelerzeugung, backen unter anderem Brot und lecker Törtchen oder brauen Bier und führen Tavernen.

Handwerker packen wie im echten Leben ordentlich an, verdienen ihr täglich Brot beispielsweise als Schmied, Tischler oder Weber. Gelehrte stellen die geistige Elite des Landes dar. Sie forschen nach feinen Zaubermittelchen oder beeinflussen als Geistliche die Massen. Ganz und gar fernab aller Gesetze agiert schließlich der Gauner. Der üble Geselle ergaunert sich seine Taler als Schmuggler wertvoller Gegenstände, als ordinärer Taschendieb oder gar Raubritter. Ins eigentliche Spiel dürft ihr nach der Wahl noch immer nicht durchstarten. Erst müsst ihr noch einige Talentpunkte verteilen, die über die Stärken und Schwächen eures Charakters entscheiden. "Konstitution" bestimmt etwa die Lebenspunkte der Figur. "Geschicklichkeit" verbessert die Taschendiebstahl-Werte und lässt euch in Kämpfen besser ausweichen. Traditionalisten entscheiden sich für "Handwerkskunst" und erhöhen so die Produktionsgeschwindigkeit in ihren Betrieben. Keine Frage: Die Gilde 2 ist komplex! Das wird bereits klar, bevor das eigentliche Spiel überhaupt begonnen hat. Glücklicherweise sorgt ein mehrteiliges Tutorial dafür, dass selbst Einsteiger sich relativ schnell in die generelle Spielmechanik einfinden und nicht wie der sprichwörtliche Ochs vorm Berg stehen.

Los geht's
Nach der umfangreichen Charaktergenerierung müsst ihr euch für eine Map und die jeweilige Siegbedingung entscheiden. Eine echte Story mit abwechslungsreichen Missionen fehlt leider komplett! Wollt ihr einfach nur in Ruhe vor euch hin wirtschaften? Dann ist der Dynastie-Modus genau das Richtige für euch.

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Euch dürstet es nach Herausforderungen? Auch kein Problem: Möglichst schnell ein bestimmtes Vermögen anhäufen oder einen bzw. gleich mehrere Konkurrenten auslöschen: Nichts ist unmöglich! Jetzt aber genug der Vorbereitungen und ab in den Spielalltag! Nach kurzer Ladezeit befindet ihr euch mitsamt euerem Charakter im wunderschönen Mittelalter direkt vor dem eigenen, doch noch recht ärmlichen Zuhause. Bevor ihr die Bude fürstlich erweitern dürft, müsst ihr natürlich erst einmal Geld verdienen. Dank ausreichend Startkapital könnt ihr auch gleich euren ersten eigenen Betrieb eröffnen. Wir haben uns als Handwerker versucht und eine hübsche kleine Gießerei in die bereits zu Beginn sehr vollgebaute Landschaft gepflastert. Schnell noch einen weiteren Mitarbeiter eingestellt, mit dem Karren Rohstoffe auf dem nahe gelegenen Markt eingekauft und schon geht es an die Produktion der ersten eigenen Güter. In unserem Fall Dolche und Werkzeuge. Sehr atmosphärisch: Die Produktion der Waren wird nicht bloß anhand eines Textbalkens abstrakt angezeigt. Ihr könnt euren Arbeitern sogar über die Schulter schauen und sie bei jedem einzelnen Produktionsschritt begleiten. Euer Alter Ego darf selbst fleißig mitarbeiten, was gerade in der finanziell knapp bemessenen Anfangsphase auch dringend zu empfehlen ist. Wir entscheiden uns dafür, erst einmal nur hochpreisige Dolche zu fertigen, da diese den größten Gewinn abwerfen. Sobald wir die ersten Messerchen fertig gestellt haben, verladen wir sie auf den Karren und schicken diesen wieder zum Markt. Dort (und im hauseigenen Lager) können wir unsere Erzeugnisse verkaufen. Der Preis wird traditionell über Angebot und Nachfrage geregelt. Deshalb entscheiden wir uns schon früh, auch Werkzeuge in die Produktion mit einzugliedern, um den Preis für unsere edlen Dolche nicht ins Bodenlose fallen zu lassen. Im weiteren Verlauf gilt es, für kontinuierlichen Rohstoffnachschub zu sorgen, damit die Produktion nicht zum Erliegen kommt und unsere Waren möglichst teuer an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Macht ihr alles richtig, werdet ihr recht schnell die ersten Gewinne einfahren. Damit könnt ihr euren Betrieb erweitern, beispielsweise weitere Lagerflächen anbauen, zusätzliche Arbeitsplätze schaffen oder Fenstergitter installieren, um mehr Schutz vor Überfällen zu haben. Im fortgeschrittenen Spielverlauf empfiehlt es sich zudem, die Betriebe zu automatisieren, damit ihr nicht nur mit dem Kaufen und Verkaufen beschäftigt seid. Die KI managt die Läden erstaunlich gut. Manuell geht es aber doch schneller! Um nicht bis in alle Ewigkeit die gleichen popligen Produkte herstellen zu müssen, solltet ihr euer Unternehmen so schnell wie möglich um neue Baustufen erweitern. Dann schmiedet ihr etwa teure Schwerter oder Rüstungen statt der anfänglichen Dolche. Friedlebende Naturen spezialisieren sich stattdessen auf exklusiven Schmuck. Diese Auflistung ist exemplarisch für den Beruf des Schmieds. Die restlichen 9 Klassen werden alle vor ähnlich umfangreiche Auswahlmöglichkeiten gestellt. Langweilig wird es euch also garantiert nicht!Lebe und nimm Leben!
Für jede erfolgreiche Aktion erhält euer Charakter genau wie in einem Rollenspiel wertvolle Erfahrungspunkte. Vom Eröffnen eines Betriebs über das Einstellen von Arbeitern bis hin zum erfolgreichen Umgarnen einer Frau, dazu gleich mehr. Mit den Erfahrungspunkten steigert ihr eure Talente und entscheidet euch zudem alle zwei bis drei Stufen für eine besondere Fähigkeit. So könnt ihr fortan beispielsweise mehr tragen oder die Chance erhöhen, im Zwist mit Konkurrenten kritische Treffer zu landen. Ja, auch den Kampf haben die Entwickler nicht vergessen. Geht euch einer eurer Mitbewerber auf die Nerven oder müsst ihr euch gegen Angriffe von Dieben erwehren, dürft ihr das Schwert auspacken und euren Mann stehen.

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Mit waschechten Action- und Rollenspielen kann der automatisch ablaufende Kampfpart erwartungsgemäß nicht mithalten. Eine nette Abwechslung für den Wirtschaftsalltag ist er aber allemal. Feige Naturen müssen übrigens nicht selbst zur Waffe greifen, sondern heuern Söldner an, die für sie die Drecksarbeit erledigen.

Politische und soziale Ränkespiele
Kohle ohne Ende zu verdienen, ist auf Dauer ermüdend. Viel erquicklicher ist Macht! Die gewinnt ihr in Die Gilde 2 wie in der Realität über politische Ämter. Im Rathaus könnt ihr euch für eine niedere Position wie die des Schlichtmanns bewerben, um fortan die politische Karriereleiter empor zu klettern und irgendwann vielleicht als Bürgermeister oder Richter fast alle Fäden in der Hand zu haben.

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Die Ämter steigern nicht nur den Respekt vor euch, sondern bringen handfeste Vorteile mit sich. Schon als Schlichtmann dürft ihr etwa die Härte der Rechtsprechung festsetzen. Konkurrenten könnt ihr so schon recht früh zumindest temporär außer Gefecht setzen. Über die Amtvergabe entscheiden jeweils die nächsthöheren Amtsinhaber. Die Gunst, sozusagen eure Beliebtheit bei diesen Personen, ist entscheidend für das Wohl und Wehe der Wahl. Schreckt nicht vor Schmeicheleien, teuren Geschenken und Bestechungen zurück! Wer es in der Politik zu etwas bringen will, muss mit allen Wassern gewaschen sein!

Das gilt auch für den zwischenmenschlichen Bereich in Die Gilde 2. Euer Charakter ist nicht unsterblich, sondern altert und stirbt irgendwann. Deshalb solltet ihr euch schon frühzeitig einen Lebenspartner suchen, mit dem ihr Kinder zeugt. Nur so überdauert eure Dynastie mehrere Generationen. Die Partnersuche gestaltet sich dabei wie ein "Die Sims 2 auf Sparflamme". Es gilt, Komplimente und Geschenke zu machen, die Angebetete bzw. den Angebeteten im richtigen Moment zu umarmen und schließlich einen gekonnten Heiratsantrag zu machen. An die Auswahlmöglichkeiten echter Lebenssimulationen kommt Die Gilde 2 hier bei weitem nicht heran. Spaß macht es trotzdem, auf die Partner-Pirsch zu gehen! Euer Nachwuchs vereint Talente beider Elternteile, kann von euch prinzipiell aber in alle Richtungen erzogen werden. Selbst Kinder von zwei Handwerkern dürfen also Karriere als Geistliche machen!Zeig mir den Weg!
Ihr seht, in Die Gilde 2 steckt unheimlich viel. Und dabei sind wir noch gar auf alle Möglichkeiten eingegangen. "Wie lässt sich ein solch komplexes Spiel bedienen?" werdet ihr nun fragen. Gar nicht so schwierig, antworten wir euch. Eure Spielfiguren steuert ihr per einfachem "Point and Klick" durch die Landschaft. Der Quell ausgiebiger Möglichkeiten ist in übersichtlichen Menüs am unteren Bildschirmrand untergebracht. Ihr wollt euer Anwesen ausbauen, euren Betrieb managen oder Waren auf den Karren laden, um sie auf dem Markt zu verkaufen? Einfach das Gebäude anklicken und die Option auswählen! Ihr müsst die Bauten nicht einmal selbst betreten! Die Bedienung ist gut durchdacht und dank eingängiger und überschaubarer Menüsymbole fast selbst erklärend.

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Weit weniger zufrieden sind wir dafür mit der Wegfindung der Charaktere. Da wird der Weg zum nur 100 Meter entfernten Ziel schon mal zum ausgedehnten Spaziergang durch die halbe Stadt. Die scheinbar nicht existente Kollisionsabfrage stört dabei ganz besonders. Figuren wandern wie Geister durch andere Figuren hindurch und schneiden selbst Gebäude. Das zehrt leicht an der ansonsten wunderbaren Mittelalter-Atmosphäre. Grafisch haben wir wenig auszusetzen. Die Städte sind wie aus einem Guss gestaltet und dank vieler liebevoller Details überaus lebendig. Einzig die Animationen sind unglaubwürdig. Die Charaktere bewegen sich hölzern und wenig lebensnah über die Landschaft. Hier hätten Motion Capturing-Aufnahmen Wunder gewirkt! Im Multiplayermodus tummeln sich bis zu acht angehende Wirtschaftsmagnaten. Sowohl im lokalen Netzwerk als auch dem Internet spannt ihr euch in den gleichen Modi und Karten wie im Einzelspielermodus gegenseitig die Frauen aus, raubt die Betriebe eures besten Freundes aus und schnappt ihm auf dem Markt alle dringend benötigten Rohstoffe weg. Das sorgt für Laune! Allerdings nur, wenn ihr artig den ersten Patch installiert. Ansonsten machen Synchronisierungsfehler, kaputte Savegames und Abstürze den Mehrspielerspaß fast komplett zunichte. Überhaupt behebt das Update zahlreiche üble Fehler und verbessert die Performance erheblich. Wir raten die Installation daher dringend an. Unsere Wertung bezieht sich auf die gepatchte Version. Hier hätten Motion Capturing-Aufnahmen Wunder gewirkt! Im Multiplayermodus tummeln sich bis zu acht angehende Wirtschaftsmagnaten. Sowohl im lokalen Netzwerk als auch dem Internet spannt ihr euch in den gleichen Modi und Karten wie im Einzelspielermodus gegenseitig die Frauen aus, raubt die Betriebe eures besten Freundes aus und schnappt ihm auf dem Markt alle dringend benötigten Rohstoffe weg. Das sorgt für Laune! Allerdings nur, wenn ihr artig den ersten Patch installiert. Ansonsten machen Synchronisierungsfehler, kaputte Savegames und Abstürze den Mehrspielerspaß fast komplett zunichte. Überhaupt behebt das Update zahlreiche üble Fehler und verbessert die Performance erheblich. Wir raten die Installation daher dringend an. Unsere Wertung bezieht sich auf die gepatchte Version.