Alle lieben Zombies: Ohne die bleichgesichtigen Untoten wären Spiele und Filme nicht das, was sie heute sind. Demnächst erobern "The Walking Dead" sogar das Fernsehen. Wir begeben uns auf die Spuren der wandelnden Leichen.

Er ist nicht gerade helle, frisst Menschenfleisch, geht selten ins Solarium und legt nicht besonders viel Wert auf Hautpflege: der Zombie. Die "lebenden" Leichen sind wohl die mythologische Gestalt der Neuzeit schlechthin. Ohne die sympathischen Untoten gäbe es weite Teile der Popkultur nicht, man denke nur an all die Filme, Spiele, Bücher und Comics zum Thema.

Das wahrscheinlich einzige visuelle Unterhaltungsgenre, das sich von lebenden Toten bisher weitgehend unbeeindruckt gezeigt hat, ist das Fernsehen. Und nein, der Musikantenstadl zählt nicht.

Zombies - Einfach nicht totzukriegen

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Startet diesen Herbst im US-Fernsehen: die Serie The Walking Dead.
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Damit ist jetzt aber Schluss: Diesen Herbst feiert in den USA (selbstverständlich zu Halloween) eine auch in Deutschland heiß erwartete Fernsehserie ihre Premiere: "The Walking Dead" – ein Titel, der kaum Raum für Missverständnisse lässt. Ja, hier sind zweifellos wandelnde Tote am Werk. Das wäre an sich nichts Besonderes, allerdings basiert die Serie auf einer erfolgreichen Comic-Reihe und wird von keinem Geringeren als Frank Darabont umgesetzt. Das ist immerhin jener Regisseur, dessen grenzgenialer Film "Die Verurteilten (The Shawnshank Redemption)" der bestbewertete Streifen auf imdb.com ist.

Wir holen deshalb Kettensäge und Ketchup aus dem Keller und richten ein ausführliches Zombie-Special an. Die wichtigsten Infos zu "The Walking Dead" gibt's natürlich vorneweg.

The Walking Dead

"The Walking Dead" des US-Senders AMC (bekannteste Serien: "Mad Men" und "Breaking Bad") startet am 31. Oktober in den USA, aber auch in Deutschland, und zwar auf dem Sky-Sender Fox. Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Comic von Robert Kirkman, das erstmals 2003 erschienen ist und mittlerweile auf 76 Ausgaben kommt. Im Gegensatz zum in Schwarz-Weiß gezeichneten Comic ist die TV-Adaption in Farbe. Allerdings sind die Bilder extrem entsättigt, die Post-Apokalypse ist schließlich kein Kindergeburtstag.

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Gegen das Ranzpack hilft nur eins: geballte Feuerkraft.
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"The Walking Dead" handelt vom Kleinstadt-Sheriff Rick Grimes, der bei einem Einsatz angeschossen wird und ins Koma fällt. Er wacht eines Tages auf und findet sich in einem scheinbar verlassenen und verwüsteten Krankenhaus wieder. Auf der Straße ist keine Menschenseele zu sehen – oder zumindest kein "Lebewesen", auf das diese Bezeichnung zutreffen würde. Überzeugt davon, dass seine Frau und sein Sohn noch am Leben sind (lies: nicht zu Zombies geworden sind), macht er sich auf die Suche nach seiner Familie. Dabei trifft er auf weitere Überlebende und schließt sich ihnen an. Gemeinsam brechen sie auf, ein sicheres neues Zuhause zu finden. Was aber nicht ganz einfach ist.

Wer bei "The Walking Dead" rasante Dauer-Action erwartet, wird wohl enttäuscht werden. Vielmehr beschäftigen sich Vorlage wie TV-Umsetzung mit den Beziehungen zwischen den Überlebenden. Der Horroraspekt kommt aber nicht zu kurz: Sieht man sich den Trailer an, dann ist schnell zu erkennen, dass die Make-up-Abteilung ganze Arbeit geleistet hat.

Wie weit die Produzenten gehen werden, ist noch fraglich, der Comic ist nicht gerade zimperlich. Hinlänglich bekannt: Der einzige Weg, einen Zombie endgültig ins Jenseits zu schicken, ist es, sein Gehirn zu zerstören. Allerdings haben die Walking-Dead-Zombies die Fähigkeit, sich an Menschen zu gewöhnen. So reist (im Comic) die Figur Michonne etwa mit ihrem Freund sowie ihrer besten Freundin durch die Gegend. So weit, so gewöhnlich, allerdings sind die beiden Zombies. Deshalb hat die Katana schwingende Lady ihren Begleitern Arme und Kiefer entfernt. Sicher ist sicher.

Wir sind gespannt, die Liste der Beteiligten liest sich auf alle Fälle vielversprechend. Allen voran der bereits erwähnte Frank Darabont, der als Autor und Produzent fungiert sowie bei der Pilotfolge Regie geführt hat. In den Hauptrollen sind Andrew Lincoln sowie Sarah Wayne Callies ("Prison Break") zu sehen. Ein mehr als erfahrener Mann ist für die Make-up-Effekte zuständig: Gregory Nicotero hat schon 1985 bei John Romeros drittem Zombiefilm "Day of the Dead" mitgewirkt.

Zombies lernen laufen

Zombies – wie wir sie heute kennen – sind untrennbar mit dem Medium Film verbunden. Ihre Wurzeln gehen aber auf afrikanische und vor allem karibische Mythen zurück. Dabei hatten insbesondere haitianische Voodoo-Praktiken einen Einfluss. Mit wandelnden Leichen haben diese Ursprünge aber kaum etwas zu tun. Vielmehr sind Zombies hier Menschen, die willenlos unter der Kontrolle eines anderen stehen.

Zu den Wegbereitern zählt sicherlich auch Horror-Altmeister H. P. Lovecraft, der in vielen seiner Erzählungen Motive von Untoten einbaute, etwa in der Frankenstein-artigen Story "Herbert West–Reanimator". Weitere frühere Interpretationen waren die Filme "White Zombie" (1932) mit Bela Lugosi und "Things to Come" (1936) nach einer Vorlage von H. G. Wells.

Besondere Erwähnung gebührt jedoch "I Am Legend". Moment, wird der eine oder andere rufen: "Was hat ein Film von 2007 mit der Zombie-Historie zu tun?". Nun, die durchaus gelungene Verfilmung mit Will Smith (sie ist nicht einmal die erste) basiert auf einem Roman von Richard Mathesons. Dessen gleichnamige Erzählung aus dem Jahr 1954 hat nämlich das Konzept einer weltweiten Apokalypse und der pandemischen Verbreitung einer Zombie-Krankheit eingeführt. Der Genauigkeit halber sollte aber angemerkt werden, dass die Zombies bei Matheson eigentlich untote Vampire sind.

Untot auf den ersten Biss

Kommen wir endlich zu jenem Namen, der bis heute untrennbar mit dem Begriff Zombie verbunden ist: George A. Romero. Sein "Night of the Living Dead" aus dem Jahr 1968 darf getrost als Geburtsstunde des modernen Horrorfilms bezeichnet werden.

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Der Urknall des modernen Horrorfilms: George A. Romeros Nicht of the Living Dead.
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Bis "Night" war Horror personifiziert: Meist brachte ein bestimmtes Monster (Werwolf, Vampir, Mumie, Wolfsmensch etc.) die Kinozuschauer zum Fürchten, konnte es dann besiegt werden, war der Spuk auch schon zu Ende. Die "Nacht der lebenden Toten" aber brachte die Bedrohung einer seelenlosen und anonymen Masse auf die Leinwand. Das traf den Nerv der Zeit und es ist wohl kein Zufall, dass sich sein Erscheinungsjahr mit der 1968er-Generation deckt: Hippies wollten eben keine sprichwörtliche Zombies sein, die sich jeden Tag aufs Neue gehirnlos ins Büro schleppen, um die immer gleichen Arbeiten zu erledigen.

"Night of the Living Dead" handelt von einer kleinen Gruppe Überlebender. Sie haben sich in einem Farmhaus verschanzt und müssen sich der Angriffe von Zombies erwehren. Die filmischen Zutaten von damals haben bis heute Bestand: So lassen sich die untoten Gesellen nur durch das Zerstören oder Abtrennen des Gehirns beseitigen, sie fressen Menschenfleisch und übertragen durch Bisse auch die Zombie-Infektion.

Die Horroreffekte waren durch ihren Gore-Anteil ebenfalls prägend. Auch wenn sie mit einfachsten Mitteln erzielt worden sind, der Film war schließlich eine Low-Budget-Produktion: Das Blut etwa war Schokosauce (der Film wurde in Schwarz-Weiß gedreht, da spielte Farbe keine Rolle), als verrottetes Menschenfleisch musste gebratener Schinken herhalten. Die benötigten Gedärme brachte einer der (Amateur-)Schauspieler mit, er war praktischerweise auch Besitzer einer Fleischereikette.

Lauf, Zombie, lauf!

Seiner Zombie-Nacht ließ Romero zehn Jahre später die Morgendämmerung folgen. "Dawn of the Dead" gilt bis heute als bester Film der ursprünglichen Living-Dead-Trilogie, wenn nicht sogar bester Zombie-Streifen aller Zeiten. Geschickt verband Romero darin die Horror- und Gore-Elemente mit Konsum- und Gesellschaftskritik, was ihm gleichermaßen Erfolg an den Kinokassen wie Kritikerlob einbrachte.

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Von Romeros Dawn of the Dead existieren gefühlte 243 verschiedene Versionen - mal kürzer, mal länger.
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In den 1980ern folgte eine Welle an Zombie-Filmen. Meist handelte es sich dabei aber um billig produzierte B-Schocker. Insbesondere Italien erwies sich als wahre Untoten-Brutstätte. In diesem Zusammenhang sei einzig der besonders ins Auge stechende (was durchaus auch wörtlich zu nehmen ist) "Zombi 2" von Lucio Fulci erwähnt.

In den 1990er flaute die Zombie-Welle im Kino ab, ganz vom Bildschirm verschwanden das Genre aber nicht: Lebende Leichen wurden Stammgäste des noch jungen Mediums Videospiel, aber dazu später mehr. Eine Folge des Spiele-Booms mit Untoten sollte jedoch gleich erwähnt werden: Die Zombies gaben jetzt Gas. Bei Zombie-Spielen wie "Resident Evil" wäre es nämlich langweilig gewesen, von untoten Schlaftabletten gejagt zu werden. Also verschärften Games-Entwickler das Tempo, die lahmen Bleichgesichter wurden zu Sprintern.

In Danny Boyles "28 Days Later" (2002) werden Zombies zwar nicht als solche bezeichnet (sie haben die "Wut"), zweifellos spricht aber alles dafür, dass sie ebensolche sind. Mit einem Unterschied: Sie sind aggressiver, schneller und auch cleverer als ihre Verwandten aus der Romero-Dynastie.

Direkten Bezug auf den Genre-Urvater nahm dagegen der gelernte Musikvideo-Regisseur Zack Snyder ("300", "Watchmen") in seinem Dawn-of-the-Dead-Remake von 2004. Wie bei Boyle sind die Zombies hier durchgeknallte Killermaschinen, gegen die selbst 100-Meter-Weltrekordler Usain Bolt keine Chance hätte. Obwohl beide Filme ihre Schwächen haben (in "28 Days Later" das Apocalypse-Now-mäßige Finale und bei "Dawn" das Fehlen von Gesellschaftskritik) sind sie prägend für den kontemporären Zombie-Film.

Untot, aber Spaß dabei

Eine in der modernen Popkultur so tief verwurzelte Figur wie der Zombie fordert es geradezu heraus, durch den Kakao gezogen zu werden. Da muss man nicht lange nachdenken und es fällt einem der Name Peter Jackson ein. Dessen "Braindead" aus dem Jahr 1992 ist zum Brüllen komisch, aber auch ein Splatter-Festival. Das ist allerdings dermaßen absurd und überzogen (ich sag' nur Rasenmäher…), dass man schon bei der Bundesprüfstelle arbeiten muss, um sich daran ernsthaft zu stören.

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Albern, überzogen, aber unheimlich unterhaltsam: Braindead.
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"Die Chronik des Films" zumindest urteilte richtig: "Die absurde und comichaft dargestellte Gewalt geht so weit über die realen Tabugrenzen hinaus, dass sie niemanden mehr erschrecken kann." Da die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien aber eine eher Satire-unempfängliche Institution ist, wurden die meisten (wenig geschnittenen) "Braindead"-Versionen auf den Index gesetzt, wo sie bis heute stehen.

Keine Probleme mit der Zensurthematik hatte dagegen "Shaun of the Dead" (2004). Treffender Untertitel: "Eine romantische Komödie. Mit Zombies". Mit jeder Menge Slapstick parodiert sich die Story quer durch die Horrorfilmgeschichte, aufmerksame Zuseher können tonnenweise Genre-Anspielungen entdecken. Die Untoten selbst sind aber wieder lahme Enten, schließlich muss genug Zeit für die köstlichen Blödeleien rund um Hauptdarsteller Simon Pegg bleiben.

Weitere empfehlenswerte Zombie-Komödien sind "Fido" (Zombies werden dank eines Halsbandes "domestiziert" und zu Sklaven), das jüngste "Zombieland" (2009) mit Woody Harrelson sowie das norwegische "Dead Snow" (2009) mit seinen Nazi-Zombies. Für Nachschub ist übrigens auch gesorgt, 2011 kommt "First Platoon", das von einer bunten Truppe Zombie-Jäger im Südwesten der USA erzählt.

Bei all den Zombie-Variationen bleibt natürlich so manche philosophische Frage offen. Ist etwa ein Nazi-Zombie überhaupt noch ein Nazi oder ist es "nur" ein Zombie, der mal ein Nazi war? Die Antwort gibt’s im köstlichen YouTube-Clip oben.

Zocken mit Zombies

In der Filmgeschichte wimmelt es vor Zombies, auch Videospiele haben über die Jahre etliche Bissspuren davongetragen. Es sind mittlerweile so viele, dass wir hier erst gar nicht versuchen, eine vollständige Liste anzuführen.

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Wie könnte man diese eine Stelle je vergessen?
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Allen voran muss aber ein Titel gestellt werden, in dem genau genommen nicht mal Zombies vorkommen. Dennoch gilt "Alone in the Dark" als Genre-Urvater. Die von H. P. Lovecraft inspirierten Abenteuer des Privatdetektivs Edward Carnby begründeten die Sparte des so genannten Survival-Horrors. Dessen bekanntester Vertreter ist natürlich die Resident-Evil-Reihe. Über die wollen wir aber gar nicht erst viele Worte verlieren, schließlich gehört sie zum kleinen Einmaleins des ambitionierten Zockers.

Zu den besonderen Merkmalen des Survival-Horror-Genres zählt, dass Actionelemente wohl dosiert eingesetzt werden. Hinter jeder Ecke könnte eine Überraschung lauern – muss aber nicht. So ist der Schreck dann umso größer, wenn dann plötzlich doch ein Monster auftaucht. Das genaue Gegenteil dazu ist Valves "Left 4 Dead": Das füttert die Zombies in Tradition des Dawn-of-the-Dead-Remakes mit Steroiden und Ecstasy. Das Ergebnis ist ein (kooperatives) Action-Feuerwerk, das vieles ist, bloß nicht subtil und langsam.

Das vielerorts als bestes Zombie-Spiel aller Zeiten bezeichnete "Dead Rising" hat für deutsche Zocker einen unangenehmen Beigeschmack: Es ist hier nie offiziell erschienen (sehr wohl aber über den Importumweg Österreich). Auch die Totenerhebung von Capcom nimmt Bezug auf das Zombie-Zweitwerk von George Romero und spielt in einem Einkaufszentrum.

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Unvergessenes Xbox-360-Schlachtfest: Frank West auf einer heißen Spur.
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Der Schauplatz ist aber auch aus einem anderen Grund der Clou: Der Konsumtempel, in dem Journalist Frank West Überlebende sucht, ist voller Gegenstände, die im Kampf eingesetzt werden können. Und damit ist nicht etwa das Angebot eines bestimmten Waffenladens gemeint, sondern das gesamte Inventar der Mall: Schaufensterpuppen, Bratpfannen, CDs, Bänke, Registrierkassen, Besen, Plastiklichtschwerter, Gitarren, Bowlingkugeln, Geschirr, Golfschläger, Shampoo, Einkaufswagen, Wasserpistolen, und, und, und…

Dieser Tage wird die Schlachtplatte neu gedeckt, "Dead Rising 2" ist gerade erschienen (gamona-Test hier lesen). Erwartungsgemäß nicht in Deutschland, aber für Zombie-Fans ist der Begriff Import ja ohnehin alles andere als ein Fremdwort.