Wer ist eigentlich dieser Lan und warum macht er so viele Partys? Auf T-Shirts gedruckt, verursachte dieser Spruch Ende der 90er reihenweise Runzeln auf den Stirnen nicht Eingeweihter.

Dabei ist die Antwort doch so einfach: Bei einer „LAN-Party“ handelt es sich um einen Zusammenschluss von privaten Computern, die durch ein vom Veranstalteter gestelltes gebietsbeschränktes Netzwerk verbunden sind, was wiederum dem Zwecke des gemeinsamen Spielens dient.

Die Geschichte der LAN-Partys - Von den Anfängen bis heute: Der gamona Report beleuchtet das Phänomen LAN-Party.

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LAN-Partys: vom Kellerkind zum Mega-Event.
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Passionierte Zocker werden LAN-Partys jedoch ein wenig anders in Erinnerung haben: Meterhohe Stapel tief gefrorener Pizzen, ein paar Kästen zuckerhaltige Getränke, palettenweise Süßigkeiten, Power-Drinks oder alternativ auch Koffeintabletten, wenig Schlaf, überfüllte sanitäre Einrichtungen – aber dennoch jede Menge Spaß mit CS, UT, WC3 und ähnlichen kryptischen Abkürzungen. Wir werfen einen Blick auf das Phänomen LAN-Party…

Aller Anfang ist schwer

Der genaue Zeitpunkt der ersten LAN-Party lässt sich rückblickend nicht exakt datieren – dennoch können die Anfänge solcher Zusammentreffen auf die ersten mehrspielerfähigen Games zurückgeführt werden. Alte Zocker-Hasen verbinden mit dieser Zeit Spiellegenden wie Doom, Duke Nukem 3D, Warcraft 2 und Command & Conquer, die damals bis in die hellen Morgenstunden oder gleich das ganze Wochenende hindurch gespielt wurden.

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Command & Conquer begründete den LAN-Boom maßgeblich mit.
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Dabei hatten es die Gamer der alten Schule längst nicht so einfach wie heutige Jungspunde: Onboard-LAN gab’s noch nicht, sodass man zunächst entsprechende PCI-Netzwerkkarten kaufen und eigenhändig installieren musste. Auch der Hub, welcher für die Herstellung eines Netzwerks benötigt wird, konnte damals nur teuer erstanden werden. Selbst die spätere Konfiguration des Netzwerks in Windows 95 erwies sich für den Laien als unmögliche Aufgabe, war das Betriebssystem doch nicht gerade für Komfort und Benutzerfreundlichkeit bekannt.

Die ersten öffentlichen Partys wurden größtenteils von eingefleischten Hobby-Gamern organisiert, die damit nicht nur Event-Neuland betraten, sondern auch schnell feststellen mussten, dass einem ein solches Unterfangen schnell über den Kopf wachsen kann. Wie kann man mehr als 100 Leute in einer großen Halle mit ausreichend Strom, ein paar provisorischen Schlafplätzen und ausreichend sanitären Anlagen versorgen und dabei das Netzwerk für jedermann stabil halten? Netzwerk-Ausfälle und andere Kompatibilitätsprobleme waren in der Anfangszeit keine Seltenheit.

Pizza, Döner, Unterhose

Früher musste sich der Gamer auf öffentlichen Partys noch selbst um seine regelmäßigen Mahlzeiten kümmern: Pizzen, Döner und Chinapfannen wurden im Verbund via Lieferservice bestellt. Manch einer hatte auch schon mal seine eigene Mikrowelle oder Sandwichtoaster zur Selbstversorgung im Schlepptau – mit den heutigen Sicherheitsbestimmungen mittlerweile undenkbar!

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An Schlaf oder Körperhygiene ist auf LAN-Partys nicht zu denken.
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An Schlaf wollte in der Regel ohnehin niemand denken, wurde man aber dennoch von selbigem übermannt, so kauerte man sich einfach zwischen Stühlen und unter Tischen neben haufenweise Kabelgestrüpp, zahlreichen leeren Plastikflaschen und diversen Essensresten zusammen. Besonders Hartgesottene blieben gar unmittelbar auf ihrem Stuhl sitzen und tauschten während der Traumstunden zärtliche Liebkosungen mit ihrer Tastatur aus, die statt flauschiger Daunen als Ruhekissenersatz diente.

Das Erscheinungsbild des typischen „LANisten“ wirkte für Außenstehende vermutlich befremdlich bis abschreckend, hatten es doch die Teilnehmer mit Aussehen und Hygiene nicht so: Zähne putzen war nur für Weicheier, und sich duschen wollte oder konnte man nicht, da es an den entsprechenden Einrichtungen mangelte. Selbst die blauschwarzen Augenränder von Wagenrad-Dimensionen, die zu einem fettigen brei verschmolzenen Haare und die ungewechselten Klamotten inklusive Unterhosen schreckten den „LANisten“ kaum – wer zocken will, muss leiden.

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Komfort war auf frühen LAN-Partys Mangelware.
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Anfang des neuen Jahrtausends erlebten die öffentlichen LAN-Partys einen regelrechten Boom. Die steigende Zahl und gewachsene Erwartungen der Teilnehmer forderten professionelle Organisationsteams, die sich fortan auch um hinreichend sanitäre Einrichtungen, Catering, Fluchtwege, ein sicheres Stromnetz und ein stabiles Netzwerksystem kümmern mussten – von größeren Hallen ganz zu schweigen.

In der Event-Branche sind Erfahrungen, die Organisationsteams während ihrer Arbeit sammeln, Gold wert - nichtsdestotrotz muss man dabei weiterhin lernfähig bleiben.
„Man braucht eine zuverlässige Truppe, die es schafft, erreichte Leistungen auf folgenden Partys immer wieder abzurufen. Nur auf diese Weise erreicht man mit jeder weiteren Party eine Qualitätsverbesserung“, weiß Marco Grimm, Geschäftsführer beim LAN-Veranstalter „innovaLAN“.

Vom Spaß-Betrieb zum Sport-Contest

Der wachsende Andrang und die steigende Größe der Austragungsorte brachte jedoch auch eine nicht zu unterschätzende Nebenwirkung mit sich: eine immense Erhöhung der Eintrittsgelder. Sofern diese Einnahmequelle nicht mehr für die Finanzierung solcher Veranstaltungen reichte, versuchten Organisatoren zahlungskräftige Sponsoren mit an Bord zu holen. Allerdings erwies sich das, aufgrund der mangelnden Attraktivität für Sponsoren, oft schwieriger als erwartet: „Nur unser Top-Event NorthCon kann sich glücklich schätzen, auch finanzielle Mittel von Sponsoren zu erhalten […]“, schildert Marco Grimm das Problem.

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Counter-Strike gehört bis heute zu den häufigsten Vertretern auf LANs.
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Genügte den LAN-Teilnehmern vor diesem Boom noch das reine Ausleben ihres Hobbys mit Gleichgesinnten, rückte in den LANs der neuen Generation der Sportsgeist stärker in den Vordergrund. Durch die zahlreichen Clanbildungen im Internet boten LAN-Partys die perfekte Möglichkeit, sich mit seinen deutschlandweit verstreuten Clanmitgliedern zu treffen. Auf den dort veranstalteten Turnieren konnten sie ihrem Clannamen in der Szene zu Ruhm und Ehre verhelfen.

Populärste und häufigste Spielvertreter waren zu dieser Zeit der ehemalige Half-Life Mod Counter Strike und das Strategiespiel Warcraft III. Im Zuge der Killerspiel-Debatte geriet die Egoshooter-Leidenschaft der LAN-Spieler jedoch mehrfach ins Kreuzfeuer der Medien. Neben dem fahlen Beigeschmack der LAN-Partys für potenzielle Sponsoren war die auffälligste Folge dieser Entwicklung ein Anheben des Mindestalters auf 18 Jahre - für Grimm ein herber Rückschlag, könnte man seiner Meinung nach „ohne dieses weltweit einzigartige Phänomen in Deutschland sicher größere Events als die NorthCon (3.500 Teilnehmer) veranstalten.“

Spielen, saugen, schwafeln, schlafen

Mitunter geriet das eigentliche Spielen gar völlig in den Hintergrund, offenbarten sich die LANs doch als ideale Tauschbörse für illegale Spiele, Musik, Filme und Pornos. LAN-Partys galten lange Zeit als das Eldorado für neuen Datenstoff! Breitbandinternetzugänge waren damals noch nicht weit verbreitet, sodass die hohen Übertragungsraten des lokalen Netzwerks einen mühelosen und schnellen Austausch gewährleisteten. Die Zeit während des Kopiervorgangs konnte man dann praktischerweise zum Schlafen nutzen.

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Tuning ist ein beliebtes Thema auf LAN-Partys.
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Doch auch das Weitergeben von Tipps und Tricks an Gleichgesinnte bildete stets einen Kernpunkt der LAN-Partys – auch wenn die vermeintlichen Expertenratschläge gelegentlich etwas kurios anmuteten: „Meine super Wasserkühlung zu Hause hängt direkt am Fernwasser. Wenn ich den PC anmache, läuft das Wasser direkt aus der Leitung durch die Kühlkörper im PC und danach zurück in die Klospülung, wo ich es dann zweitverwerten kann.“ Mancher Teilnehmer wäre vermutlich ein ausgezeichneter Kandidat für „Jugend forscht“ gewesen…

Der Griff nach den Sternen?

Nachdem sich LANs auch in der professionellen Gaming-Szene etabliert hatten, versuchten Veranstalter die Pro-Gamer durch Turniere mit Sachpreisen anzulocken. Viele der professionellen Spieler errangen auf diese Weise einen regelrechten Star-Status, der weitere Teilnehmer in Scharen anlockte.

Bereits die „Breaking Normality“-Veranstaltung der DarkBreed e.V. im Jahre 2000 brachte schon fast 2.500 Teilnehmer auf die Waage. Dieser Rekord wurde erst mit innovaLANs „Northern LAN Convention“ im Winter 2004 gebrochen – insgesamt 3.150 Teilnehmer fanden sich in den Hallen ein. Ein Jahr später konnten sie erneut ihren hauseigenen Rekord überbieten – diesmal strömten 300 Daddler mehr in die Halle.

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LAN-Partys bieten heute sehr viel mehr als "einfach nur zocken".
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Doch im europaweiten Vergleich hinkt Deutschland mit seinen LAN-Partys enorm hinterher – sowohl Norwegen als auch Schweden trumpfen mit weit über 5.000 Teilnehmern pro Event auf. Im letzten Jahr schaffte es die Dreamhack, mit 10.455 angeschlossenen PCs ihre eigene Bestmarke zu brechen – die Schweden halten somit den derzeitigen Weltrekord.

Ist gemeinsames Daddeln out?

Doch die Entwicklung der einst so blühenden Jugendkultur erhielt in den letzten drei Jahren herbe Rückschläge. Seitdem sinkt die Teilnehmerzahl auf öffentlichen LAN-Partys. Für die Organisatoren und Veranstalter kam dieser Wandel plötzlich, dachte man doch noch wenige Monate zuvor, man sei auf dem besten Wege europaweit konkurrenzfähig zu werden. Doch die vielfältigen Ursachen für diese Entwicklung lassen eine vorläufige Lösung des Problems mittlerweile schier unmöglich erscheinen.

Zum einen wurde der damalige Vorzug der schnellen Leitungen auf LAN-Partys durch die großflächige Verfügbarkeit von Breitband-Internetzugängen abgelöst. Auch der große Erfolg von World of Warcraft trägt zum Rückgang bei, bietet solch ein Event doch aufgrund der Kosten für Tour und Eintritt mehr Nach- als Vorteile. Zudem fehlen auf MMO-Gamer zugeschnittene Turniere oder Contests – laut Marco Grimm sei deshalb die einzig bewegende Komponente das „Social Event“, also das reale Treffen mit den Gildenmitgliedern.

Selbst für professionelle Spieler altbewährter Klassiker wie Warcraft 3 oder Counter Strike verlieren LANs immer mehr an Bedeutung. Anticheat-Systeme bieten zuverlässige Sicherheit, sodass sich Pro-Gamer nur noch selten einer „Vor-Ort-Leistungsbestätigung“ unterziehen müssen. Außerdem sind professionelle Clans ohnehin oft genug auf öffentlichen eSport-Events, sodass die gewöhnlichen LANs durch Anreise, Aufenthalt, Kosten und geringe Turniergewinne nur noch über einen geringen Stellenwert verfügen.

Entertainment der Superlative als letzter Ausweg?

Aus diesen Gründen versuchen Veranstalter neue Anreize für den Besuch einer LAN zu schaffen: Immer häufiger wird den Teilnehmern ein Rundum-Sorglos-Entertainment-Paket geschnürt – ausgeklügelte Rahmenprogramme, die das reine Zocken ergänzen, sind mittlerweile an der Tagesordnung. „Die zusätzlichen Unterhaltungsmöglichkeiten bilden eine gute Abwechslung“, bemerkt Marco Grimm zur neuen Non-PC-Entertainment-Entwicklung, jedoch bestehe „bei zu intensiver Durchführung dieses Teils die Gefahr, dass sich die LAN-Party von ihrem eigentlichen Zweck zu weit entfernt.“

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Preise und Profi-Zocker sollen Spieler anlocken.
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Bestes Beispiel hierfür ist die BK Nightlife 2, die sich selbst als die „Luxuslan der Superlative“ bezeichnet: Breitband-Wellness-Angebote, eine großflächige Chillout-Zone, eine voll ausgestatte Cocktailbar und Catering mit Grillfleischangebot spiegeln nur einen kleinen Teil des Angebots wieder. Als Highlight präsentiert die vermeintliche Zockerparty Live-Performances, eine Pyro-Feuer-Show und ein Paintball-Turnier. Doch dem Angebot entsprechend ist auch das Eintrittsgeld sehr happig – unter 30 Euro geht da gar nichts mehr.

Ob der Weg des „LAN & Entertainment“ der richtige ist, bleibt durchaus fraglich, zumal die Preise durch das Aufgebot derzeit ins Unbezahlbare steigen. Die Zukunft der LAN-Partys bleibt also ungewiss. Nichtsdestotrotz sollte man die Hoffnung nicht aufgeben, schließlich lösten seinerzeit hochkarätige Spiele wie Counter Strike, Warcraft III oder Command & Conquer im Alleingang ganze LAN-Party-Epidemien aus. Ein neues Spiel dieser Größenordnung könnte vielleicht auch heute wieder denselben Enthusiasmus auslösen – und die LAN-Partys zu ihrem ursprünglichen Sinn zurückführen.

Das vollständige Interview mit "Mr. LAN-Party" Marco Grimm findet ihr hier.

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