Die Geschichte der LAN-Partys ist eine Geschichte voller Missverständnisse – oder so ähnlich… Daher haben wir als Ergänzung zu unserem großen Report jemanden gefragt, der sich genauestens damit auskennt.

Marco Grimm ist Geschäftsführer bei innovaLAN, dem größten deutschen LAN-Party-Veranstalter. Da er dort die einzige Vollzeitkraft ist, erstreckt sich sein Aufgabengebiet neben der Geschäftsführung und Projektleitung auch auf alles, was zwischen den Partys so anfällt.

gamona: Hallo, Marco. Heute ist innovaLAN einer der führenden Ausrichter von LAN-Partys. Kannst du dich noch an die Anfänge erinnern?

Die Geschichte der LAN-Partys - Mr. LAN-Party im Interview: Marco Grimm vom Veranstalter innovaLAN stand uns Rede und Antwort.

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Marco Grimm ist Geschäftsführer bei innovaLAN.
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Marco Grimm: Oh ja, der Weg dorthin, wo wir heute stehen, war sehr lang: Begonnen hat alles im Jahre 1998 mit einer kleinen Keller-LAN-Party. Mit der Zeit kamen dann namhafte Projekte wie die „The Summit“ und „NorthCon“ hinzu. Seit 2004 gibt es die innovaLAN Entertainment GmbH in der heutigen Form und seit Dezember 2004 haben wir mit der „NorthCon“ auch den Titel „größte LAN-Party Deutschlands“ inne.

LAN-Partys: Von den Anfängen bis heute

gamona: Du organisierst nun schon seit einer ganzen Weile LAN-Partys. Was war für dich persönlich der bewegendste Moment in dieser langen Zeit?

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Der entscheidende Faktor bei einer LAN-Party ist das Team.
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Marco Grimm: Der am meisten bewegende Moment war sicher die Samstagnacht auf der „Dimension 6“: Die Besucherzahlen zu diesem Event, welches ursprünglich den Weltrekord neu setzen sollte, waren so gering, dass an dem Abend das Team bereits die „Untergangsparty“ gefeiert hat. In den Wochen nach der Party konnte die sicher geglaubte Insolvenz aber dank der Messe Bremen und weiterer Geldgeber überraschend abgewendet werden und die innovaLAN Entertainment GmbH durfte weiter existieren. Das war eine echte Gefühls-Achterbahn.

gamona: Glücklicherweise hattet ihr ja nicht nur solche Flops, sondern auch LAN-Partys mit mehreren Tausend Teilnehmern. Das ist sicherlich eine große Herausforderung. Was gibt es da alles zu bedenken und welche besonderen Hürden sind zu nehmen, damit alles „funzt“.

Marco Grimm: Entscheidender Faktor ist hier klar das Team: Man braucht eine zuverlässige Truppe, die es schafft, erreichte Leistungen auf folgenden Partys immer wieder abzurufen. Nur auf diese Weise erzielt man mit jeder weiteren Party eine Qualitätsverbesserung und kann sich dauerhaft als qualitativer Veranstalter etablieren.

gamona: LAN-Partys bieten heutzutage ja auch oft viel mehr als „einfach nur zocken“, z.B. Bars, Paintball-Turniere, Bühnenprogramm etc.

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Das Rahmenprogramm gewinnt zunehmend an Bedeutung.
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Marco Grimm: Non-PC-Entertainment, wie wir so etwas gerne nennen, ist ein wichtiger Punkt auf einer LAN-Party, sollte aber nicht überbewertet werden. Das Zocken muss auf jeden Fall im Mittelpunkt stehen. Die zusätzlichen Unterhaltungsmöglichkeiten bilden eine gute Abwechselung, bei zu intensiver Durchführung dieses Teils besteht aber die Gefahr, dass sich die LAN-Party von ihrem eigentlichen Zweck zu weit entfernt.

gamona: Solch ein Rahmenprogramm kostet sicherlich auch eine Menge Geld. Wie finanziert sich ein solcher Aufwand?

Marco Grimm: In Deutschland werden LAN-Partys in erster Linie durch Eintrittsgelder finanziert. Nur unser Top-Event „NorthCon“ kann sich glücklich schätzen, auch finanzielle Mittel von Sponsoren zu erhalten, die wir teilweise auch wieder als Preisgelder ausschütten. Generell schauen wir bei unseren Sponsoren darauf, dass wir beispielsweise Hersteller von hochwertigen Produkten an Bord holen.

LAN-Partys in der Krise?

gamona: Wenn du zurückblickst auf die Anfänge der LAN-Partys und dies mit den heutigen Veranstaltungen vergleichst: Was hat sich deiner Meinung nach verändert?

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Zur Zeit von C&C gab es noch keine Flatrates.
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Marco Grimm: Anfangs wurde noch deutlich mehr Zeit am PC zugebracht als heute. In den Anfangszeiten gab es noch kein DSL und erst recht keine Flatrates, so dass man sich zwingend irgendwo treffen musste, wenn man schnell und günstig miteinander zocken wollte. Heute kann man zuhause genauso gut zocken wie auf einer LAN-Party. Deswegen wird das Gesamtkonzept des Events wichtiger, also auch das Non-PC-Entertainment, damit die Party den Gästen als Super-Event in Erinnerung bleibt.

gamona: Dennoch ist in letzter Zeit ein Einbruch bei den Besucherzahlen festzustellen.

Marco Grimm: Qualitative hochwertige LAN-Partys haben momentan keine Probleme, alle ihre Plätze zu verkaufen. Allerdings haben die Gäste heutzutage ein gestärktes Qualitätsbewusstsein bei der Auswahl der zu besuchenden LAN-Party. Dies liegt zum einen daran, dass generell weniger Partys besucht werden, weil die Leitung zuhause schnell genug ist und zum anderen, dass einfach auch zu viele Partys von unerfahrenen Veranstaltern „in den Sand gesetzt wurden“.

Killerspiele und MMOs

gamona: LAN-Partys stehen auch immer wieder im Fokus der Killerspiel-Kritiker. Bildet auch das einen Faktor bei der momentanen Entwicklung?

Marco Grimm: Wir sehen LAN-Partys eher als ein soziales Event: Wir holen die Leute aus ihren „dunklen Wohnzimmern“ heraus und bieten einen Ort um sich persönlich kennenzulernen. Da die Gäste auf der Party auch nichts anderes als zuhause spielen, ist eine LAN-Party aus unserer Sicht ein Stück in die richtige Richtung.

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LAN-Partys stehen im Fadenkreuz der Killerspiele-Gegner.
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An der Diskussion über Killerspiele selbst beteiligen wir uns nicht. Diese Diskussionen werden in der Regel von Leuten (Presse, Politiker) angestoßen, für die schon vor der Diskussion das Fazit feststeht. Ähnlich beim Jugendschutz, dank dessen wir nur volljährige Gäste auf unseren Events begrüßen dürfen: Ohne dieses weltweit einzigartige Phänomen könnte man in Deutschland sicher größere Events als die „NorthCon“ (3.500 Teilnehmer) veranstalten.

gamona: Viele unsere Leser sind ja MMO-Gamer. Diesen wird auf LAN-Events derzeit allerdings nur wenig Anreiz geboten. Wird sich das in Zukunft eventuell ändern?

Marco Grimm: MMO-Spieler sind in der Tat eher die Ausnahme auf LAN-Partys. Dennoch gibt es bei uns des Öfteren Gildentreffen o.ä. Wir bieten auf unseren Partys generell die Möglichkeit, entsprechende Spiele über die Internetleitung zu spielen. Das Treffen als social Event ist leider die einzige bewegende Komponente, die wir den MMO-Spielern bieten können, von daher hält sich das soweit in Grenzen.

gamona: Marco, vielen Dank für das Gespräch.