„Und wofür stehen nun eigentlich die drei Fragezeichen?“ Wohl kaum jemand, der in den 80ern groß geworden ist, hat diesen Satz noch nie gehört. Ob in Hörspiel- oder Buchform – die drei Fragezeichen gehören zum Aufwachsen einfach dazu. Im Point&Click-Adventure „Das Gold der Inkas“ rätseln Justus, Bob und Peter nun auch auf PC-Monitoren. Wir sind mit den drei Detektiven um die Häuser gezogen.

Es gibt zeitlose, brutale und gnadenlose Duelle auf dieser Welt. Schalke gegen Dortmund etwa. Oder Bayer gegen Grimm. Und natürlich den Anlass für unzählige Schulhofraufereien: „TKKG“ gegen „Die drei ???“. Selbstverständlich wollen wir hier nicht darüber entscheiden, welche Reihe besser als die andere ist. Da würden die Jungs aus Rocky Beach sowieso haushoch gewinnen. Hoppla. Das hätte nicht passieren dürfen ... Wie auch immer: Hier geht es einzig und allein um „Das Gold der Inkas“, den Adventure-Auftritt der drei Detektive.

Gamedesign tief aus der Hölle

Wie in den meisten der „Drei Fragezeichen“-Geschichten beginnt das Abenteuer von Justus, Peter und Bob auf dem Schrottplatz von Justus' Onkel und Tante. Doch bevor die Story richtig los geht, sollen erst einmal die Genre-Einsteiger in die Spielweise eingeführt werden. Das geht dann so: Die drei Jungen wollen zur Recherche für ein Referat von Peter in das örtliche Museum fahren.

Die drei ??? - Das Gold der Inkas - Keine weiteren Fragen: Dieser Krimi lockt nicht einmal die Mimi aus dem Bett.

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Total daneben: Die grauenhaften Minispiele funktionieren eigentlich nie und nerven so immer wieder.
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Justus stellt dabei fest, dass er den Weg nicht mit dem Fahrrad bewältigen möchte. Also übergibt man das Kommando an Peter, der mit seinem VW Käfer gekommen ist. Dieses Prinzip wiederholt sich im Laufe des Spiels immer wieder. Ist Sport angesagt, klickt man als Bob oder Justus auf Peter, dieser übernimmt dann die körperliche Aktivität. Ist Kombination gefragt, wird auf gleiche Weise Justus aktiviert. Und soll Recherche im Internet betrieben werden, ist Bob an der Reihe.

Ganz vorbei ist die Abreise vom Schrottplatz damit übrigens noch nicht: Am Auto angekommen, fällt Peter auf, dass sein Schlüssel fehlt. Also wandert man wieder zurück in den Wohnwagen der drei. Dort schaltet man in der Dunkelkammer das Rotlicht ein und siehe da: Der Schlüssel liegt auf dem Fototisch. Wer dies nun als ein Aufwärmrätsel zum Einstieg abhakt, wird enttäuscht: Auch im weiteren Spielverlauf überschreitet die Komplexität der Aufgaben diese Schlüsselsuche kaum.

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Wer dies jedoch mit der nahe liegenden Ausrichtung auf eine jüngere Zielgruppe erklären möchte, irrt ebenfalls. So kommen zwischen dem „normalen“ Rätseln in den 3D-Umgebungen – auf deren Qualität gehen wir später noch ein – immer wieder Passagen vor, die Spieler in der Altersgruppe nahe der Freigabe ab sechs Jahren deutlich überfordern dürften.

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Ein Blick aus dem Fenster verrät: Hier hat ein Grafikdesigner seinen Job nicht gemacht.
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Da gilt es ein altes, in Einzelteile zerlegtes Dokument wieder zusammenzusetzen. Dies geschieht in Form eines Puzzles, bei dem immer nur ein Teil an eine freie Stelle verschoben werden darf. Das eigentlich gelungene Rätsel wird dadurch verdorben, dass die Entwickler die gleiche Variante später wiederholen, sobald man ein weiteres Teil des zunächst noch unvollständigen Dokuments gefunden hat.

Und Action!

Wer allerdings erst einmal eine der „Actionsequenzen“ gespielt hat, lächelt über derartige Rätselwiederholungen jedoch nur müde. So scheint Entwickler Exozet Games Gefallen an den Quicktimeevents von Genregrößen wie „Fahrenheit“ gefunden zu haben. Was jedoch im David-Cage-Abenteuer noch toll funktioniert, verkommt hier zum puren Grauen.

Zwar bestehen diese Passagen lediglich aus den Aktionen „Linke Maustaste drücken“ und „Rechte Maustaste drücken“. Diese eigentlich simple Auswahl wird durch die furchtbare Mechanik der Sequenzen allerdings geradezu furchtbar. Auf dem Bildschirm bekommt man die entsprechende Taste vorgegeben, entsprechend soll man diese drücken.

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Beim ersten Mal ist das Puzzlespiel noch nett, beim zweiten Mal schon nicht mehr.
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Anfangs funktioniert das noch ganz passabel, da man genügend Zeit für den Klick hat. Später muss man sehr viel schneller reagieren, was ja eigentlich auch in Ordnung wäre. Allerdings werden schnelle und rhythmische Eingaben erst gar nicht erkannt, so dass die Sequenzen immer wieder abgebrochen werden und von Neuem beginnen.

Die dritte Adventure-Todsünde, die die Entwickler begehen, sind Sackgassen, in die sich der Spieler manövrieren kann. So muss in der Rolle von Bob mit einer Entschlüsselungssoftware ein Code geknackt werden. Hat man sich die Erklärung zuvor nicht genau angehört oder aus Versehen durch einen Mausklick abgebrochen, weiß man kaum, was man nun tun soll.

Ansonsten sind die Rätsel, wie schon erwähnt, überaus simpel und bestehen zumeist aus simplem Absuchen des Bildschirms nach anklickbaren Objekten. Störend wirkt dabei die Linearität. So muss man, bevor man die Ranch des Auftraggebers der Drei betreten kann, erst mehrere Punkte auf dem Hof des Gebäudes untersuchen, damit drinnen die Dialoge auch einen Sinn ergeben - schwach!

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Viele kleine Erinnerungen an die Hörspiele sorgen zumindest hin und wieder für etwas Charme.
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Das Stichwort „schwach“ liefert uns sogleich eine hervorragende Überleitung zur Grafik. Wobei „schwach“ bei näherem Hinsehen der miesen Darstellung von „Das Gold der Inkas“ kaum gerecht wird. Katastrophale Texturen, ein unglaublich mieses Design und unterirdische Animationen – man hat den Eindruck, hier habe jemand zum ersten Mal mit seiner Grafiksoftware herumgespielt. Auch wenn der Titel mit nur knapp 20€ Ladenpreis verhältnismäßig günstig ist, dürfen derartige Dinge nicht vorkommen.

Justus Jonas würde sagen: Dieses Spiel möchte ich nicht einmal Skinny Norris andrehen.Fazit lesen

Abschließend wollen wir noch die wenigen positiven Seiten des „Drei ???“-Abenteuers hervorheben. So kann zumindest der Sound an die tollen Hörspiele um die drei Detektive anknüpfen, auch wenn es sich hier nicht um die Originalsprecher handelt. Und auch die Story haut einen zwar nicht vom Hocker, trotzdem setzt zumindest in Ansätzen ein wenig der Charme der alten Geschichten ein. Verstärkt wird dieses Gefühl durch viele Erinnerungen an Figuren aus den Abenteuern der Drei. Nichtsdestotrotz passt hier in Anspielung an einen „Fettes Brot“-Song der Abschlusskommentar: „Die Drei Fragezeichen weinen“.