In wenigen Tagen ist es soweit: Die zunächst als Methadon für verzweifelte „Herr der Ringe“-Fans belächelte „Narnia“-Saga geht mit dem zweiten Teil der Kino-Neuauflage in die nächste Runde. Und natürlich werden auch die Fans an den Gamepads dieser Welt mit der zugehörigen Videospielumsetzung nicht allein gelassen.

Dass der ein oder andere Zocker dabei eigentlich viel lieber seine Ruhe hätte und von der x-ten Filmumsetzung im Grunde gerne verschont worden wäre, interessiert weder Publisher Disney Interactive noch Entwickler Traveller's Tales.

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Alles Lego, oder was?

Moment einmal: Traveller's Tales? Sind das nicht die Klötzchenwerfer, die sich nun schon seit einer Weile von Filmlizenz zu Filmlizenz hangeln? Bestehen die Pevensie-Kinder, Prinz Kaspian und all die anderen Fantasy-Figuren nun auch aus dänischen Klötzchen? Antwort: einmal ja, einmal nein.

Die Chroniken von Narnia - Prinz Kaspian von Narnia - Das nächste Kapitel schlechter Filmumsetzungen

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Wie es sich für einen echten Filmspielvertreter gehört, kann auch „Prinz Kaspian von Narnia“ mit ein paar Schnipseln aus dem Kinostreifen aufwarten.
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Denn wie schon im Vorgänger „Der König von Narnia“ haben sich die Entwickler für eine „normale“ Darstellung der Figuren entschieden. Mehr Infos zur Präsentation des Titels später. Beginnen wir mit dem Einstieg ins Spiel.

Und würden wir es wie die Entwickler von „Prinz Kaspian von Narnia“ halten, dann müsste an dieser Stelle der Satz genügen: „Ihr wisst ja eh schon Bescheid, daher gibt es hier keine weiteren Infos.“ So startet das Spiel mit einer kurzen Originalsequenz aus dem kommenden Kinofilm, die jedoch allenfalls Kennern des Buches verrät, wo man sich befindet und was gerade los ist.

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Fans der Bücher und Filme dürfen im Spiel viele bekannte Orte besuchen, wie etwa Cair Paravel.
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Weiter geht es direkt mit einer gewaltigen Schlacht um das Schloss Cair Paravel. Gesteuert wird hier eine bunte Truppe, bestehend aus einem Minotaurus, einem Faun, einem Zentauren und einem Zwerg. Leider zieht sich die „Informationssperre“ weiter durch das ganze Spiel. Besonders störend ist dies in den Spielabschnitten selbst, denn da die Charaktere fast nie miteinander reden oder aber zumindest mal einen flotten Spruch über die Lippen bekommen, verkommen sie so zu langweiligen Papphelden.

Was macht eigentlich Zlatko?

Doch auch die Spielmechanik selbst hat nur wenig Tiefgang. Zumeist prügelt man sich mit den Fähigkeiten des gerade ausgewählten Helden durch gewaltige Horden an Feinden, die man jedoch auch einfach stehen lassen kann – es sei denn, die gerade aktive Aufgabe erfordert das Töten einer bestimmten Anzahl von Gegnern.

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Die Kämpfe sind derart simpel gehalten, dass auch bloßes Tastengehämmere zum Gewinnen genügt.
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Die Kämpfe gestalten sich dabei derart einfach, dass selbst Einsteiger schon nach kurzer Zeit hoffnungslos unterfordert sind. Obwohl jeder Charakter mehrere Angriffe und auch Blocks zur Verfügung hat, genügt selbst gegen stärkere Zwischengegner stupides Hämmern auf ein und denselben Angriff.

Zwischen den Metzeleinlagen stößt man immer wieder auf Puzzles und Rätseleien. Zumindest wenn man den Anspruch eines Zockers nach dem erzwungenen Dauerkonsum aller bisherigen „Big Brother“-Staffeln bei zeitgleichem Verzehr von Schlafmitteln als Grundlage nimmt. Denn über mehr als das Aufnehmen von Zahnrädern und das nachfolgende Einsetzen von selbigen in eine in der Regel nur einen Meter entfernte und leuchtend markierte Fassung kommt man eigentlich nie hinaus.

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Wer die Vorlage nicht kennt, kann mit den meisten Charakteren im Spiel kaum etwas anfangen, da diese erst gar nicht eingeführt werden.
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Denjenigen, denen nach mehr Motivationshilfen als allein dem Storyfortschritt im Spiel dürstet, bleiben allein die Boni des Spiels. So lassen sich allerorten in den Levelabschnitten kleine Schlüssel finden, mit denen in den Arealen verteilte Truhen zu öffnen sind. Diese geben schließlich Konzeptzeichnungen, Videoclips, Storyboards und schließlich gar einen zusätzlichen Spielabschnitt frei.

Prinz Kaspian von Narnia ist zu simpel für die Spieler über der USK-Freigabe und – wenig überraschend – zu brutal für die darunter.Fazit lesen

Alles andere als frei ist der Blick auf das Spielgeschehen, denn immer wieder sorgt die automatische Kamera für Frust. So stehen von Zeit zu Zeit Mauern zwischen der gerade aktiven Spielfigur und dem Auge des Spielers, und hier und da springt die Einstellung wild hin und her.

Den Soldaten in Reihe drei kenne ich!

Die Grafik selbst springt ebenfalls hin und her – zwischen hervorragend texturiert und schlichtweg altbacken. So sehen gerade die behaarten Wesen im Spiel toll aus, da man in ihren Pelzen beinahe jede einzelne Fluse erkennen kann. Auf der anderen Seite stehen immer wieder Soldaten, die mit ihren staksigen Animationen und ihren verwaschen wirkenden Rüstungen garantiert schon Gastauftritte in fünf Jahre alten Videospielen hatten. Die Hintergründe und Abschnitte schließlich sind ordentlich geraten, wenngleich sie nur selten wirklich zu begeistern wissen.

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Obwohl die Schlachten nicht gerade klein geraten sind, kommt eigentlich nie Dramatik auf.
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Gleiches trifft auf die Akustik des Spiels zu: Ordentlichen Schlachtgeräuschen und dem gelungenen Soundtrack stehen die viel zu selten vorkommenden Gesprächsfetzen der Hauptfiguren gegenüber, so dass man in Ermangelung echter Highlights und der immer wieder schmerzlich vermissten Epik immer wieder in dröges Gamepad-Gekloppe verfällt.

Aus der Lethargie heraushelfen lassen kann man sich dabei allerdings durch einen Freund seiner Wahl, denn das Action-Adventure unterstützt ganz zeitgemäß den kooperativen Modus für zwei Spieler, so dass Mitstreiter jederzeit in die laufende Spielhandlung einsteigen können. Ob sie dazu freiwillig bereit sind, ist angesichts der zahlreichen Kritikpunkte allerdings mehr als fraglich.