Als Blizzard auf der hauseigenen Blizzcon Diablo: Immortal für Android und iOS ankündigte, rechnete das Unternehmen sicherlich bereits damit, dass die Fans vor Ort und im Netz womöglich negativ auf dieses Spiel reagieren würden. Aber sicher nicht mit dieser shitstorm-artigen Lawine. Es ist so schlimm, dass Blizzard sogar kontraproduktive und rufschädigende Schritte unternommen hat.

Blizzard wurde von einer Welle aus Wut und Enttäuschung überrascht

Blizzard gehört zu den weltweiten Entwicklerstudios, dessen Franchises einen regelrechten Kult genießen. Die Anhänger ihrer Spiele sind leidenschaftlich dabei, sie spielen die Spiele nicht nur, sie leben sie regelrecht. Und Blizzard gibt ihnen, was sie wollen: Warcraft, Diablo und Overwatch bieten eine detaillierte und umfassende Lore, zahlreiche wichtige Persönlichkeiten und geben einem das Gefühl, nicht nur ein Spiel zu spielen, sondern Teil einer riesigen Welt - virtuell wie real - zu sein. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass die weltweiten Fans ganz besonders kritisch sind. Sie hinterfragen jede Entscheidung, jedes Update, jedes Addon, jedes neue Detail und korrigieren selbst den Entwickler, wenn etwas nicht stimmt. Denn sie lieben ihre Welt und sie kümmern sich um sie.

Diese Leidenschaft und Hingabe war nun auch einmal mehr auf der letzten Blizzcon im Anaheim Convention Center in Anaheim, Kalifornien, zu spüren. Die enttäuschendste Blizzcon aller Zeiten rufen bereits einige. Und das hat vor allen Dingen mit einer Ankündigung zu tun: Diablo: Immortal.

"Ich habe mich gefragt, ob das ein Aprilscherz ist?", so ein Fan unverblümt bei der Fragerunde direkt nach der Ankündigung zu Diablo: Immortal - das Publikum tobte. Dieses Beispiel steht exemplarisch für die klare Antwort der Fans: Sie wollen das Spiel nicht.

Blizzard selbst wusste wohl, in welches Gewässer sie sich begeben. Bereits vor der Blizzcon ließ man in einem Blogeintrag wissen, dass "mehrere Teams an verschiedenen Diablo-Projekten" arbeiteten. "Während wir noch lange nicht bereit sind, all unsere Projekte anzukündigen, wollen wir doch Nachrichten überbringen, die mit Diablo zu tun haben."

Ist Diablo: Immortal nur ein Reskin von Crusaders of Light?

Nun klingt das tatsächlich wie eine vorsichtig ausgedrückte Bestätigung, dass Diablo: Immortal keinen echten Diablo-Ableger darstellt. Blizzard arbeitet auch nicht selbst daran, sondern hat die Entwicklung an das chinesische Studio NetEase vergeben. Dieses Studio brachte im Sommer 2017 auch ein Spiel mit dem Titel Crusaders of Light heraus. Enttäuschte Fans glauben, dass es sich bei Diablo: Immortal bloß um ein Reskin eben jenem Spiels handelt. Tatsächlich gibt es gewisse Ähnlichkeiten, etwa im Interface. Der Unterschied: Während Diablo: Immortal nur für Android- und iOS-Geräte geplant ist, gibt es von Crusaders of Light auch eine PC-Version. Es wäre insofern also gar nicht so schwer, auch eine PC-Version für Diablo: Immortal nachzuschieben beziehungsweise das Spiel auch für die Switch herauszubringen.

Ihrem Unmut äußern die Fans nun auf Plattformen wie Reddit und Resetera. Der allgemeine Tenor: Blizzard hat sich von den eigenen Werten und den Fans entfernt. Das sei ganz besonders an Principal Designer Wyatt Chengs Reaktion zu sehen gewesen: "Habt ihr Leute denn keine Smartphones?" fragte er, nachdem das Publikum ihn ausbuhte, als er bestätigte, dass Diablo: Immortal nur für Android und iOS erscheinen wird. Einst seien Projekte wie Ghost eingestellt worden, weil sie nicht den eigenen Qualitätsansprüchen genügten, jetzt werde schlicht Outsourcing betrieben, klagt einer an.

"Wir haben - wie wir bereits mitgeteilt haben - noch immer mehrere Diablo-Teams, die an mehreren noch nicht angekündigten Diablo-Projekten arbeiten", versicherte Allen Adham, Executive Producer und Mitbegründer von Blizzard. "Diablo ist eine der fundamentalen Säulen unserer Franchises und wird es auch immer sein. Wir lieben es. Wir hoffen, dass unsere Fans verstehen, was wir sagen, wenn wir es sagen."

Diablo sei der Versuch, das Franchise Millionen von jüngeren Spielern näherzubringen, deren Fokus primär auf mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets liege. "Wir sind nun seit drei Dekaden im Geschäft und wir haben Spiele auf vielen unterschiedlichen Plattformen veröffentlicht während dieser Zeit bis zurück zu Amiga und C64, Super Nintendo und Sega Mega Drive. Für uns ist es einfach nur eine weitere Gaming-Plattform. Die Möglichkeit, ein vollkommen neues Publikum zu erreichen oder es Spielern anzubieten, die ihren Fokus auf mobile Geräte gelegt haben, und sie alle mit einer authentischen Diablo-Erfahrung zu vereinen, ist super aufregend für uns."

Fans sind enttäuscht von der Ankündigung

Man schätze die Fans durchaus, betonte Adham. "Sie sind genauso mit ganzem Herzen dabei wie wir. Und wir hoffen, dass sie, sobald sie die Gelegenheit haben, anderen beim Spielen zuzusehen, das Gameplay verstehen und die Leidenschaft erkennen werden, die dahinter steckt. Was wir bislang gesehen haben, ist, dass jeder, der das Spiel tatsächlich anspielen durfte, es dann auch zu schätzen wusste."

Adham bestätigte zudem, dass es sich bei Diablo: Immortal keineswegs bloß um ein Reskin handele: "Ich kann versichern, dass Diablo: Immortal von Grund auf entwickelt wurde als Kooperationsprojekt zwischen Blizzard und Netease." Er sei sich sicher, die negative Reaktion rühre in erster Linie daher, dass die Hardcore-Fans verzweifelt den nächsten großen Diablo-Titel, also Diablo 4, herbeisehnten. Sicherlich bestehe die Fanbase in erster Linie aus PC- und Konsolenbesitzern, die mit Mobile nicht viel anfangen können oder wollen. Die Reaktion sei bei der Ankündigung von Hearthstone damals nicht anders gewesen, erinnerte Adham. "Aber wenn man sich unsere Geschichte ansieht, besteht ein Teil von dem, was uns ausmacht, darin, dass wir unterschiedliche Spiele unterschiedlicher Genres für unterschiedliche Plattformen entwickeln. Es beginnt in der Regel mit einer gewissen Unsicherheit und dann gewinnen wir das Publikum nach einer gewissen Zeit für uns."

Allerdings dürfte es despektierlich wirken, dass Blizzard offenbar Kommentare und Dislikes von den Diablo: Immortal-Trailern entfernt hat, wie von Fans auf Reddit gemeldet wird. Zum Zeitpunkt hat der Cinematic-Trailer rund 310.000 Dislikes und gerade mal 11.000 Likes bei knapp zwei Millionen Aufrufen. Der Gameplay-Trailer hat bei eine Million Aufrufen rund 115.000 Dislikes gegenüber 7000 Likes.

Auch die Reaktionen unserer Community fielen überwiegend negativ aus: "Totale Kacke. Wer sich das ausgedacht hat? Derjenige hat nicht nachgedacht. Bin riesiger Diablo-Fan seit der ersten Stunde, ich habe sie alle gesuchtet. Aber das?", wunderte sich einer. "Meine Damen und Herren, Sie sind nun Zeuge geworden, wie die ruhmreiche Serie 'Diablo' zu Grabe getragen wurde", ließ ein anderer wissen. "Die langjährigen Fans wollen endlich Warcraft 4 oder Diablo 4 und werden Jahr für Jahr verarscht. Lieber noch ein Remake oder jetzt sogar ein Mobile Game. Hauptsache nicht kreativ sein", zeigte sich ein Fan enttäuscht.

Nun heißt es also abwarten, ob es Blizzard wieder einmal gelingen wird, ihre Community vom Gegenteil zu überzeugen.

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