Nachdem sich Diablo-Schöpfer David Brevik noch wohlwohlend gegenüber Blizzard Entertainment und Diablo: Immortal äußerte, hat Diablo-2-Produzent Mark kern eher keine netten Worte übrig für seinen einstigen Arbeitgeber. Blizzard, so Kern, habe den Draht zu den Gamern verloren.

Blizzard befindet sich akktuell in einer PR-Hölle

In die Debatte um die Akündigungspleite auf der Blizzcon in Bezug auf den Mobile-Titel Diablo: Immortal hat sich nun ein weiterer ehemaliger Blizzard-Mitarbeiter und Schlüsselfigur beim Erfolg der Diablo-Reihe zu Wort gemeldet: Mark Kern, der bei Diablo 2 als Produzent fungierte.

David Brevik versuchte zuvor noch, die aufgebrachte Menge zu beruhigen: "Die Leute bei Blizzard haben hart daran gearbeitet, den Diablo-Fans gerecht zu werden. Ob es ihnen gelungen ist oder nicht, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Man kann kritisch sein, ohne gemein sein zu müssen. Man sollte kein Spiel verurteilen, bevor man die Gelegenheit hatte, es anzuspielen. Man sollte sich nicht allzu sehr dem Hype hingeben, bis man es wirklich spielen kann. Das Spiel wird bestimmt ganz okay sein. Einige Leute, die es gespielt haben, fanden es ziemlich gut und interessant."

Kern teilt seine Meinung nicht. Für ihn ist klar, Blizzard hat sich das PR-Desaster selbst zuzuschreiben:

"Da ich ein Produzent bei Diablo 2 war, haben mich eine Menge Leute nach meiner Meinung bezüglich des ganzen Diablo: Immortal-Fiaskos gefragt. Ich sage es nur ungern, aber was ihr seht, ist ein Blizzard, das die Gaming-Community nicht mehr versteht", so Kern in einem ausführlichen Tweet.

Generell sehe auch er nichts Schlimmes daran, eine Mobile-Version von Diablo zu veröffentlichen. "Tatsächlich hätte ich mir eine als Option gewünscht. Aber die Art und Weise, wie darauf hingewiesen und wie es schließlich präsentiert wurde - und die Unfähigkeit des Blizzard-Managements, die negative Reaktion zu erahnen, hat mich doch überrascht. Blizzard war einmal ein Unternehmen, bei dem der Spieler noch was bedeutet hat." Es überrasche ihn vor allem, dass Blizzard - und das hat auch David Brevik bereits erwähnt - hätte wissen müssen, dass das Blizzcon-Publikum vor Ort in Anaheim eine Ankündigung für ein PC-Spiel erwartet. "Und dem Hype im Vorfeld dann ein gänzlich anderes Produkt folgen zu lassen hat schon etwas von einem Lockangebot." Vielleicht, so mutmaßt es Kern, wäre es besser gewesen, gemeinsam mit der Ankündigung von Diablo: Immortal auch einen Teaser für das nächste PC-Spiel zu enthüllen, um die Menge zu besänftigen. Ihr zu zeigen, 'Seht her, wir arbeiten auch noch wirklich an anderen Diablo-Projekten'.

Blizzard habe nie fragen müssen, was die Fans wollten, denn "das Unternehmen bestand von oben bis unten aus Hardcore-Gamern", so Kern. "Wir hielten uns einst für unsere eigenen anspruchsvollsten Fans. Ich hatte eine ganze Schlange von Entwicklern vor meiner Bürotür, die mir gesagt haben, dass es der falsche Weg ist." Für Kern gehe es folgerichtig bei dieser ganzen Sache auch weniger um die Frage, ob die Blizzard-Fans anzuprangern seien für ihr Verhalten, sondern darum, dass es sich im Grunde um einfach schlechte PR von Seiten Blizzards handelte. "Vielleicht wisst ihr es bei Blizzard wirklich nicht mehr besser. Vielleicht habt ihr wirklich den Draht zu den Gamern verloren und sitzt jetzt stattdessen in einem Eine-Milliarde-Dollar-im-Jahr-Elfenbeintum."

Es sei leicht, in der heutigen Zeit der Videospiele-Entwicklung zu vergessen, was Gamer wollten, ist sich Kern sicher. "Manche Entwickler hören auf mit dem Spielen, sobald sie Spiele professionell entwickeln." Er sei sogar überrascht, dass Blizzard noch nicht damit begonnen habe, die Fanbase anzuprangern. Stattdessen spreche das Unternehmen noch immer von "leidenschaftlichen" Fans. Er hoffe dennoch, dass Blizzard noch richtig reagieren werde.

Aktuell sieht es allerdings nicht danach aus, denn das Unternehmen wurde bereits dabei erwischt, aktiv negative Kommentare und Dislikes von seinen Trailern auf Youtube zu löschen.

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