Ich mach mich doch hier nicht zum Affen“ rief der Redakteur nicht ganz überlegt und veröffentlichte seinen Artikel. Danach wurde er von den Blizzard-Fans zerfetzt. Anschließend nahmen ihn noch die Blizzard-Gegner durch die Mangel. Die geschüttelten Köpfe auf der Straße gaben ihm dann den Rest. Man sah ihn nie wieder... Nein, mit Artikeln zu Blizzard-Spielen macht man sich keine Freunde.

Heute bin ich es, der in den glutheißen Topf springen muss und dessen Haut bei lebendigem Leib abgezogen wird. Wenn ihr diese Zeilen lest, wurde ich bereits durch die Straßen Berlins gehetzt und von einer Meute mit Fackeln und Mistgabeln gelyncht. Doch es gibt Dinge, die muss jemand aussprechen. Und was ausgesprochen werden muss, ist die Tatsache, dass die „Verbesserungen“ in der „Ultimate Evil Edition“ kaum als solche zu bezeichnen sind. Eindruck: neutral.

Punkt 1: die Grafik

Ja, schön ist es. Auf der gegenwärtigen Konsolen-Generation läuft das Spiel mit 1080p und konstant mit 60 FPS. Im Falle der Xbox One müsst ihr dafür natürlich erst Kinect abstöpseln, doch die Frage bleibt: warum? Ganz ehrlich? Die Veränderung ist mir kaum aufgefallen. Hier und dort war ich mir sicher, dass die Effekte schöner aussehen und die Landschaft irgendwie glattpolierter wirkt. Aber wirklich in Mark und Bein geht einem hier nichts über.

Diablo 3: Reaper of Souls - Ultimate Evil Edition - Unser neues Lieblingswort: "verbesserschlechtert"

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Hübsch sieht es ja aus... Oder?
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Vor allem PC-Spieler sind nichts anderes gewöhnt und wer sich als Konsolenbesitzer von seiner alten Version abwendet, nur, um die 1080p der UE-Edition von Diablo 3 bestaunen zu können, muss schon sehr vernarrt in verbesserte Grafik sein. Ein Schelm würde solche Leute auch als „Grafikhure“ bezeichnen. Für mich persönlich ist der Umstand mit der schickeren Auflösung eher ein Bonbon. Ein Goodie. Aber schwerlich ein Kaufgrund.

Punkt 2: das Loot-System

In der Ultimate Evil Edition von Diablo 3 entscheidet das Spiel selbst, wer aus eurer Gruppe das Item bekommt, welches ihr gerade aufgehoben habt. Das hat den riesigen Vorteil, dass niemand mehr seine Spielpartner schlimmer anraunt als einen räudigen Köter, der euer Essen vom Teller klaut und das nur, weil dieser ein Objekt aufgehoben hat, was ein anderer unbedingt besitzen will.

Packshot zu Diablo 3: Reaper of Souls - Ultimate Evil EditionDiablo 3: Reaper of Souls - Ultimate Evil EditionErschienen für PS3, PS4, Xbox 360 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Außerdem spart es enorm Zeit, denn wenn eine Gruppe aus vier Helden über ein Feld stürmt, macht es sichtlich wenig Spaß, dauernd anzuhalten, jedes Objekt auszuschecken und sich darüber zu streiten, wer es nun am besten gebrauchen kann.

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Der Loot geht jetzt seinen eigenen Weg. Soll er mal gehen.
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Klingt in der Theorie ganz nett. Hat aber einige Haken, die schon manch einem Test-Controller das Leben gekostet haben. Zum einen verträgt sich dieser Umstand herzlich schlecht mit der Tatsache, dass sich nun auch einfache (weiße) Gegenstände zerlegen lassen. Das Inventar wird schnell voll, ein anderer Spieler hebt was auf, das System will euch mit dem Gegenstand zumüllen... Doch ihr seid voll. Herrlich.

Dieser Umstand wird noch witziger, da das System scheinbar völlige Willkür bei seiner Auswahl walten lässt. Wenn ein Hexendoktor, der zu Beginn des Spiels bereits drei Helme gefunden hat, einen weiteren findet, der die Verteidigung enorm pusht... Warum bekommt er dann diesen Helm ebenfalls? Und nicht vielleicht... ich weiß nicht... Vielleicht der Kreuzritter, der noch nicht einmal einen Helm besitzt! (Und: nein. Es war kein Helm 'nur' für den Hexendoktor. Wir sind hier alle blöde, aber nicht verkalkt).

So leicht war Diablo noch nie. Dafür glänzt meine neue Rüstung schön...Fazit lesen

Solche Situationen kamen dauernd und immer wieder und danach nochmal. Es war schrecklich. Mönche mit Zauberstäben, Hexendoktoren mit Zweihändern, Kreuzritter mit Rauchkugeln... Die Liste ist endlos. Das System – so nett der Gedanke dahinter auch ist – leider recht nutzlos. Einziger Vorteil ist der, der schon erwähnt wurde. Wenn jemand „versehentlich“ etwas aufhebt, dann ist das ganz egal. Bekommt eh irgendwer. Klar braucht der Zauberer noch einen weiteren Zweihand-Hammer...

Punkt 3: der neue Kram

Natürlich ist es für jeden Dauer-Diablo-Zocker immer schön, wenn man ein/zwei neue Gegenstände findet und Fähigkeiten zu sehen bekommt, die man noch nicht kennt. Große Freude also für alle, die schon dachten, nach 320 Stunden Diablo 3 wäre Schluss. Nein, mit der UE-Edition kommt jede Menge neuer Kram hinzu. Leider habe ich auch hier wieder etwas zu motzen. Aber nur ganz wenig. Ein Klitschko-kleiner Motzer, wenn ihr so wollt.

Denn... Nun, ja. Ein bisschen übertrieben haben es die Jungs von Blizzard schon. Helme. Schwerter. Einfach alles was neu eingeführt wird, sieht schlichtweg zu krass aus. Wenn ihr das Spiel neu beginnt und mit brandneuen Charakteren startet, seht ihr bereits mit Lv. 15 aus, wie der größte Diablo-Schlächter zwischen den Dimensionen. Fette Rüstungen, gigantische Helme, mordsmäßige Schwerter. Warum müssen diese neuen Objekte so früh eingeführt werden? Klar. Absolute Meinungssache. Für mich jedoch eine unsinnige Entscheidung, die den Sammeltrieb früh und abrupt zum stoppen bringt, weil man schon nach wenigen Stunden optisch wie ein Endgegener aussieht.

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Von Zero to Hero in zehn Minuten. Dank der Ultimate-Loot-Edition.
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Punkt 4: der Schwierigkeitsgrad

Meine absolute Lieblings-Lachnummer. Klar ist es für die Diablo-Veteranen schön, seinen Old-Gen-Konsolen-Charakter auf die aktuelle Gen importieren zu können und sich über eine handvoll neue Schwierigkeitsgrade zu freuen. Aber für alle, die mit der UE-Edition neu anfangen und wieder bei Level 1 starten, ergibt sich ein kleines Problem. Denn aus dem schon recht einfachen Spiel ist nun etwas geworden, das vom reinen Schwierigkeitsgrad her für dreijährige Kinder konzipiert zu sein scheint.

Stellt das Spiel auf den schwersten Grad, der zu Beginn möglich ist und startet mit einer Gruppe voller Anfänger durch. Anfangs ist es leicht fordernd. Doch dank ganz vieler epischer Items und eines enorm beschleunigten Levelwachstums, seid ihr nach wenigen Minuten schon Level 10 und so stark, wie in der alten Version nach Stunden nicht.

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Trotz großer Gegner kaum Herausforderungen. Dank der Ultimate-Easy-Edition.
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Eure Rüstung glänzt. Die Waffe glimmert. Den ersten Akt nicht einmal zur Hälfte durch und schon Level 30. Widerstand? Quasi nicht vorhanden? Spielspaß? Tod. Irgendwie fehlt die Option, die Gegner schwerer zu machen und in ihrer Anzahl wachsen zu lassen, ohne dafür mehr Erfahrung und noch geilere Ausrüstung zu bekommen. Denn so, ist der Widerstand nicht gegeben. Stand ein Zauberer im Feuer des Butchers und musste laut gähnen...

Aber das Ganze hat auch einen Vorteil. Ihr seid zwar locker Level 70, wenn ihr mit allen fünf Akten durch seid, aber dafür könnt ihr nun schwerer machen, ohne wirklich viel stärker zu werden. Die Paragon-Punkte bringen auf Dauer zwar auch sehr heftige Vorteile, aber der Unterschied zum normalen leveln ist mehr als offensichtlich. Spätestens der Abenteuermodus wird also eine derbe Herausforderung, wenn ihr erst einmal auf „Qual“ agelangt seid...

Punkt 5: Abenteuermodus

Hierbei handelt es sich wirklich um die größte und beste Verbesserung im ganzen Spiel. Habt ihr Akt V geschafft, bekommt ihr die Möglichkeit, sogenannte Nephalemportale zu nutzen und in die Schlacht gegen neue, teilweise skurrile Gegnertypen zu ziehen. Dafür winken eine Menge epischer Loot und Gold, bis die Schatzkiste platzt.

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Der Abenteuermodus rockt. Der Weg dorthin schlaucht jedoch.
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Das bringt in der Regel mehr Wiederspielwert in das Game, als die Möglichkeit, dass Spiel immer und immer wieder auf einer höheren Schwierigkeitsstufe durchzuspielen. Die Kombination aus beiden Möglichkeiten macht die „Ultimate Evil“-Edition aber erst richtig knackig und bringt locker noch einige Tage mehr Spielspaß rein.

So besucht ihr altbekannte Orte, schlachtet altbekannte Gegner und freut euch über eine große Zahl an neuen Items, Rüstungen und ganzen Sets. Am Ende öffnet ihr ein Nephalemportal und stürzt euch in neue Herausforderungen. Die Dungeons sehen in 80% der Fälle aus wie immer, aber hey: die Endgegner sind neu.