Diablo 3, eines dieser Spiele, die irgendwie richtig gut, aber trotzdem mit einem negativen Image behaftet sind. Sei es nun das Echtgeldauktionshaus, Error 37, der Onlinezwang oder die Langeweile, die nach viel zu kurzen 300+ Stunden Spielzeit aufkommen mag, Diablo 3 hatte es nicht leicht. Nun bringt Blizzard das erste Add-on Reaper of Souls ins Gespräch und was wir da sehen und spielen konnten, erinnert irgendwie an Diablo 2: Lord of Destruction.

An Lord of Destruction? „Warum das?“, werdet ihr jetzt fragen. Ganz einfach: Diablo 2, die Krone der Hack'n'Slay-Schöpfung, war auch nicht immer das Gelbe vom Ei. Viele der Dinge, für die Diablo 2 so sehr geliebt wurde, sind erst mit der Erweiterung ins Spiel gekommen. Und wie es aussieht, versucht Blizzard diesen Coup nun ein zweites Mal zu landen. Nachdem der umstrittene Game Director Jay Wilson abdanken musste und Josh Mosqueira die Aufsicht über Sankturium übernommen hat, ist der Weg frei in ein neues, vielleicht sogar besseres Diablo 3.

Und auf der gamescom ging es auch gleich gut los. Die blizzardsche Pressekonferenz eröffnete ein wahrlich bombastischer Trailer zu Reaper of Souls, der neben dem neuen Bösewicht Malthael auch gleich die deutlich düsterere Grundstimmung vorstellte. Gefolgt wurde das Ganze von Tonnen an Informationen zum Add-on, die uns die Hohen Himmel auf Erden versprachen.

Und dann die größte aller Nachrichten: Das Ding ist sogar auf der gamescom schon anspielbar! Also nichts wie ab an den Blizzard-Stand und ausprobiert! Spielbar war eine 15-Minuten-Demo, die nur einen kurzen Ausschnitt aus dem neuen Akt 5 zeigte. Dazu haben wir uns natürlich sofort den Stufe-32-Crusader geschnappt und gleich die neue Klasse mit angetestet - alles im einsteigerfreundlichen Schwierigkeitsgrad normal, versteht sich.

Akt 5 - Grafschaft Launebach um 180 Grad gedreht

Erinnert ihr euch noch an den Cowlevel von Diablo 3, die Grafschaft Launebach? Stellt euch diese vor und verdreht sie ins komplette Gegenteil, dann wisst ihr in etwa, wie die Westmarch und die Stadt Zakarum aus Akt 5 aussehen. Es ist neblig, dunkel, düster, beklemmend und zuweilen sogar erschreckend brutal, also eigentlich genau so, wie man Diablo gerne hat.

Diablo 3 ohne Fehl und Tadel: neues Lootsystem, neuer Akt, neue Klasse, neuer Spielspaß? Es sieht wirklich sehr, sehr gut aus um den Reaper of Souls!Ausblick lesen

Das neue Übel Malthael hat ganze Arbeit geleistet. Nachdem er den Schwarzen Seelenstein inklusive der Seelen von Baal, Azmodan und Diablo an sich gerissen hat, überließ er die Stadt Zakarum seinen Schergen. So treffen wir sehr schnell auf einen Seelenernter, der den fliehenden Bewohnern nachsetzt und diese in einem schwarzen Nebel in willenlose Untote verwandelt. Diese, wie sollte es anders sein, wenden sich natürlich gleich uns zu und sorgen für den actionreichen Einstieg in den neuen Akt.

Diablo 3: Reaper of Souls - Opening Cinematic Trailer29 weitere Videos

Diesen betreten wir natürlich erst, nachdem wir die vier vorherigen Akte des Hauptspiels durchlaufen haben, wir brauchen also keine Einleitung, keine Erklärung, sondern können gerne und schnell ins Gemetzel starten. Sofort fällt ins Auge, dass der neue Akt wesentlich temporeicher gestaltet ist. Gegner folgt auf Gegner, die gerne mal aus einem der herumliegenden Knochenhaufen entstehen, was auf die Dauer aber extrem durchschaubar wirkt.

Apropos Gegner: Diese verhalten sich nun auch etwas "intelligenter". So feuern zum Beispiel die Skelett-Bogenschützen nicht mehr einfach im Stehen auf uns, sondern bewegen sich während des Schießens vom heranstürmenden Spieler weg. Solches Verhalten haben wir in Diablo 3 bisher nicht gesehen.

Crusader - Endlich ein Ritter wie man ihn kennt

Die neue Klasse, der Crusader, füllt im Spiel eine Lücke, die auch die Entwickler gesehen haben. So ließ uns Josh Mosqueira im Interview wissen, dass er sich eigentlich immer diesen dick gepanzerten, schildtragenden Helden in Diablo 3 gewünscht habe. Und genau diesen haben wir hier vor uns. Als Ressource für seine Angriffe und Zauber erhält er den Zorn, der sich aktuell noch genauso verhält wie die Geisteskraft des Mönchs. Wir bauen also mit unseren Standardangriffen Zorn auf und verbrauchen ihn mit unseren Zaubern und Spezialattacken.

Zauber? Ja, denn der Crusader ist so eine Art Paladin. Neben normalen Attacken mit Waffe und Schild können wir auch diverse Zauber ausführen oder andere Spezialfähigkeiten nutzen. Gerade bei größeren Gegnergruppen scheint der Crusader wenig Probleme zu haben, denn seine AoE-Fähigkeiten sind angenehm wirkungsvoll und das gesamte Konzept der Klasse spielt sich sehr rund und angenehm.

Loot 2.0 - Endlich Belohnung statt Frust

Einer der größten Kritikpunkte an Diablo 3, der mit dem Add-on ausgebügelt werden soll, ist das Lootsystem. Die Ansage im Hauptspiel war: alles ist Zufall. So verlagerte sich das Ausrüsten eines Charakters nicht selten ins Auktionshaus, in dem die gefundenen Gegenstände verkauft und vom Gewinn neue, passendere Gegenstände gekauft wurden. Das Ganze nahm dem Spiel leider einen Großteil des Belohnungsfaktors, denn wenn nur 1 von 100 Gegenständen wirklich brauchbar und besser ist als der vorhandene, dann stellt sich schnell Lootfrust ein.

Das ist mit Reaper of Souls Geschichte. Weniger, dafür bessere Qualität und Smart Drops - so die neue Devise der Entwickler. Was bedeutet das genau? Es gibt weniger Gegenstände zu finden, diese sollen aber tendenziell von höherer Qualität sein UND sie sollen sich grob nach den Anforderungen der Klasse richten. So sind in den 15 Minuten Spielzeit durchaus einige sehr interessante Gegenstände gedropt, unter anderem auch das ein oder andere legendäre Item.

Wie gesagt: Das neue System wird euch sicherlich nicht nur noch mit passendem und besserem Loot überschütten, aber der doch sehr wichtige Belohnungseffekt stellte sich schon während der kurzen Anspielzeit auf der Messe deutlich ein. Der Blick ins Inventar, was denn da gerade wieder Schönes gefunden wurde, und die Freude daran, es gleich anziehen zu können, erhöhen den Spielspaß deutlich.

Diablo 3: Reaper of Souls - Gameplay Teaser29 weitere Videos

Und sonst?

Neben diesen Aspekten gibt es natürlich noch weitere Features, die mit dem Add-on kommen sollen, aber noch nicht anspielbar waren. So wird es sogenannte Loot-Runs geben, Dungeons, die sich wesentlich länger hinziehen als normale Dungeons in Diablo 3 und die dem Spieler die Möglichkeit geben, immer neue Gegner in immer neuen Umgebungen anzutreffen. Am Ende dieser Dungeons soll dann auch immer ein hochwertiger Gegner warten, der dann natürlich auch hochwertigere Beute dabei hat.

Ein weiteres Feature ist der neualte Beruf des Verzauberers. Dieser war eigentlich schon für Diablo 3 geplant, wurde dann aber vor Release wieder aus dem Spiel entfernt. Nun wird er euch - wie genau ist noch nicht bekannt - die Verbesserung eurer Ausrüstung erlauben. Ob über diesen Beruf auch das, schon aus World of Warcraft bekannte, Transmogrifizieren vonstatten gehen wird, ist nicht bekannt. Es soll aber ins Spiel integriert werden. Damit haben die Spieler dann die Möglichkeit, ihrer Rüstung das Aussehen jeder anderen Rüstung zu geben, die sie vorher gefunden haben.

Abschließend wird auch das Paragon-System überarbeitet. Hat ein Charakter das neue Maximallevel von 70 erreicht, erhält er weiterhin Erfahrung. Diese führt dazu, dass der Held in gewissen Abständen ein neues Paragonlevel erreicht und dann einen Paragon-Token erhält, für den er bei allen Charakteren des Accounts einen bestimmten Basiswert erhöhen kann. Dieses System wird nicht wie das alte Paragon-System auf weitere 60 Stufen beschränkt bleiben, sondern kann bis ins Unendliche weitergetrieben werden. Gleichzeitig verbessert es natürlich auch die Zweit- oder Drittcharaktere des jeweiligen Accounts.